böse russen

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neuester Beitrag: 04.07.04 23:59
eröffnet am: 13.11.03 00:21 von: hjw2 Anzahl Beiträge: 13
neuester Beitrag: 04.07.04 23:59 von: danjelshake Leser gesamt: 905
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13.11.03 00:21
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9161 Postings, 8007 Tage hjw2böse russen

Vorstoß nach Osten

Jürgen Elsässer   12.11.2003

Die Schnelle Eingreiftruppe der NATO übt schon bei ihrem zweiten Manöver eine Konfrontation mit Russland

"Vorwärts Putin, Bolschewik!"  titelte die taz nach der Verhaftung des mafiösen Multimilliardärs Michail Chodorkowskij, andere Blätter sprachen von der Etablierung eines Tschekistenregimes und vom Rücksturz in die Stalinzeit. Was tun, wenn der russische Bär grollt? Wer hilft, wenn ein neuer Diktator nach der Macht greift? Ist Berlin wieder bedroht?


Wie gut, dass es gegen solche und ähnliche Gefahren jetzt endlich die  Schnelle Eingreiftruppe der NATO (NRF) gibt. Gerade ein Jahr ist es her, dass die Aufstellung des Interventionsverbandes auf dem  Prager Gipfel des Bündnisses beschlossen worden ist. Am 15. Oktober 2003 marschierten im niederländischen Brunssum die ersten Soldaten vor der versammelten Militärspitze des Nordatlantikpaktes auf, 9.000  können ab sofort für "humanitäre Kriseneinsätze" weltweit verlegt werden.


Gainful Sword: Übung der Schnellen Eingreiftruppe

Insgesamt soll die NRF bis zum Herbst 2006 ihre Sollstärke von 21.000 Mann erreichen. Die deutsche Bundeswehr stellt ein Viertel davon, das ist das vergleichsweise größte Kontingent. Um ein Bild von den Einsatzstrategien der Truppe zu bekommen, lohnt eine Analyse der ersten Manöver. Der überraschende Befund: Es geht auch um Kriege im osteuropäischen Raum, sozusagen unmittelbar vor unserer Haustür.

Schon Anfang Oktober  lehrte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld seinen Amtskollegen "mit einer Übung für einen fiktiven Einsatz der NRF ... das Fürchten".Das  Szenario: In einem fiktiven Nahost-Staat namens "Corona" hat eine terroristische Organisation die Macht übernommen. Um die im Lande lebenden Bürger aus westlichen Staaten zu schützen - ein Gummi-Argument, das man überall verwenden und schwer widerlegen kann -, muss die NRF eingreifen.

Als die humanitären Krieger in Corona nicht mit Blumen bekränzt, sondern angegriffen werden, eskaliert die Situation. Die Terroristen bedrohen den NATO-Partner Italien mit chemischen und biologischen Waffen. Was ist zu tun? An dieser Stelle brach Rumsfeld sein Laptop-Manöver ab, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass das virtuelle Corona realiter überall sei und deswegen die Beschlussfassung im Bündnis wesentlich beschleunigt werden müsse.

Das Kommando haben sich die USA gesichert

Damit die NRF innerhalb von fünf Tagen an jedem Ort der Welt eingreifen kann, dürfen Mitgliedsstaaten, die für ihre Truppenfreigabe länger brauchen, nicht mitmachen. Das ist in sich durchaus schlüssig, denn sonst könnte der Blitzkrieg ja im letzten Augenblick noch gestoppt werden, weil ein Parlament auf ein UN-Mandat besteht oder Beweise für die Unabwendbarkeit eines Militärschlages verlangt.

Verteidigungsminister Peter Struck sah das sofort ein und  forderte, künftig über Kriegseinsätze nur noch im Küchenkabinett ("Bundestagsausschuss") zu Entscheiden (  Schnell in den Krieg). Damit ist er nicht durchgekommen, aber Rot-Grün ist sich einig, das parlamentarische Procedere erheblich zu beschleunigen.

Wenn Bush oder Blair also das nächste Mal behaupten, dass irgendein Schurkenstaat seine Atomwaffen in 48 Stunden scharfmachen kann, kann die NATO-Feuerwehr ohne demokratische Verzögerung losschlagen. Da sich die USA die Kommandoebene in der NRF reserviert haben - die Europäer dürfen nur das Fußvolk stellen -, ist zu befürchten, dass die Truppe im Zweifelsfall der neuen US-Militärdoktrin folgt und den Milzbrand präventiv mit klitzekleinen Atmbomben ("Mini-Nukes") löscht.


gainful Sword: Übung der Schnellen Eingreiftruppe

Schockierend ist, dass sich die NATO-Planungen offensichtlich auch gegen Russland richten. Beim ersten richtigen  Manöver der NRF Ende Oktober (GAINFUL SWORD 2003) marschierten im Unterschied zu Rumsfelds Laptop-Szenario nicht nur virtuelle, sondern echte Soldaten auf, und zwar gleich mehr als siebentausend, inklusive 1.750 Panzern und andere Fahrzeugen sowie 48 Hubschrauber. Geübt wurde in Polen, auf dem Truppenübungsplatz Drawsko südöstlich von Szczecin.


 Nach dem  Manöver-Planspiel liegt Drawsko in einem fiktiven Staat namens Pommeria. Der Konflikt findet im südlichen Nachbarland Urania statt, das 1920 von dem weiter östlich gelegenen Lopena unabhängig wurde. Lopena hat ein undemokratisches Herrschaftssystem und befindet sich in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Es beginnt, Urania unter Druck zu setzen, und benutzt dazu die dort lebende lopenische Minderheit. Die uranische Regierung ruft die internationale Gemeinschaft um Hilfe.
Aus einem FAZ-Artikel


An Stelle der "internationalen Gemeinschaft" kommt wie selbstverständlich die NATO: Die NRF wird in Marsch gesetzt, um den lopenischen Stützpunkt Puma auszuschalten, weil dort - raten Sie mal - Massenvernichtungswaffen gelagert sind. Da Puma "weit hinter den feindlichen Linien" liegt, kann die NATO ihre Luftlandeeinheiten nicht vom pommerschen Drawsko aus starten lassen, sondern muss als logistisches Sprungbrett zunächst den Flughafen  Babimost erobern, wo sich zwei vom Deutsch-Niederländischen Korps geführte Divisionen und die Streitkräfte Lopenas gegenüber stehen.

Man reibt sich die Augen: NATO-Einheiten üben den Showdown mit russischen Verbänden - und das über zehn Jahre nach der Auflösung des Warschauer Paktes und trotz des wortreichen Einvernehmens zwischen Washington und Moskau beim sogenannten Kampf gegen den Terror. Noch verblüffender: Trotz aller Herzlichkeiten zwischen Bundeskanzler Schröder und Präsident Putin ist die Bundeswehr am Aufbau dieser Drohkulisse nicht nur beteiligt, sondern hat sogar eine Leitfunktion inne. Kein Wunder: Das  deutsch-niederländische Korps, das die Heimat - im simulierten Ernstfall - vor Babimost und zuvor - ganz im neudeutschen Ernst - am Hindukusch verteidigt hatte, soll in der ersten Hälfte des Jahres 2005 die Führung der NRF übernehmen.

 

13.11.03 00:44
1

2683 Postings, 6575 Tage Müder JoeSagenhaft. Und dann gibts noch Leute, die machen

sich Sorgen darüber, ob ihre Rente im Jahr 2025 sicher ist.

By the way, hjw: die Russen besitzen über 20.000 hochgerüstete High-Techpanzer mit Spitzengeschwindigkeiten von 200 kmh.

Wir sollten eher anfangen, Russisch zu lernen.  

13.11.03 01:01

778 Postings, 7704 Tage positiverWas soll das, hjw ? o. T.

13.11.03 01:03

2683 Postings, 6575 Tage Müder JoeEigentlich sollte man nur noch kotzen o. T.

13.11.03 01:08

778 Postings, 7704 Tage positiverböse Russen ? Was ist das für eine Schlagzeile ?

Der Umgang mit Worten ist unverantwortlich !!  

13.11.03 01:18

9161 Postings, 8007 Tage hjw2stimmt positiver, gute amis

ARD-Text   Teletext im Ersten
13.11.2003 - 00:42 Uhr
 

  Letzte Meldung: US-Senat stimmt für  
  Rüstungsprogramm in Höhe von 400 Mil-
  liarden Dollar                      

 

13.11.03 01:36

6383 Postings, 7176 Tage SchwachmatHammer News

wo kommt das geld her?

nächstes jahr in der ersten reihe?

ARD-Text   Teletext im Ersten
13.11.2004 - 00:44 Uhr


 Letzte Meldung: Die USA übernehmen  
 die uneingeschränkte Weltherrschaft.
 
 

13.11.03 04:40

1065 Postings, 6578 Tage 8x4udTgmRussenpanzer machen 200 kmh

ich lach mich tot. Dein Treibstoff (wird wohl Kerosin sein) saufen die komplett weg bevor es losgeht und dann wird geschoben (3 kmh max)  

13.11.03 11:50

579 Postings, 6804 Tage MistsackDa muß ich ja die linke Spur freimmachen

wenn son Russengeschoß auf der Autobahn hinter mir Lichthupe gibt. Frag mich aber ob der noch anhalten kann, bei seinen 60t, wenn ich mal kurz auf die Bremse trete.  

13.11.03 18:44

1065 Postings, 6578 Tage 8x4udTgmLichthupe? Ich glaub der kann dir nur mit

der 20mm oder 120mm was hupen.  

25.06.04 02:11

9161 Postings, 8007 Tage hjw2Kosmische Visionen

25.06.2004  
 

Hans Springstein
 
Kosmische Visionen
 
Rußlands Militärs dominieren Raumfahrt. Programme als Reaktion auf »Sternenkriegspläne« der USA
 
Die russische Raumfahrt ist fest in der Hand der Militärs. Rußlands Präsident Wladimir Putin löste schon im März die bisherige zivile Luft- und Raumfahrtbehörde Rosawiakosmos auf. Zum Chef der neuen Föderalen Raumfahrtagentur (FKA) wurde Generaloberst Anatoli Perminow ernannt. Er kontrolliert nun alle kosmischen Aktivitäten des Landes, ob zivil oder militärisch, die kommerziellen Satellitenstarts (unter anderem für US-Firmen) sowie die Startzentren Baikonur, Plessezk und Swobodny samt deren Mannschaften. Das berichtete die Fachzeitschrift Flugrevue in ihrer jüngsten Ausgabe. Mit Perminows Ernennung habe der russische Präsident auf die einseitige Aufkündigung des ABM-Abrüstungsvertrages durch die USA reagiert, schreibt der Raumfahrtjournalist Gerhard Kowalski. Seit längerem ist bekannt, daß die USA planen, den Weltraum wieder verstärkt militärisch zu nutzen.

Der Kosmosgeneral habe sich für seinen neuen Job bereits »wärmstens empfohlen«, so Kowalski. Perminow sei zuvor Kommandeur der russischen Weltraumstreitkräfte (Kosmitscheskije Wojska, KW) gewesen, nachdem er schon den Posten des Generalstabschefs der strategischen Raketentruppen bekleidet hatte. Er habe Putin im Sommer 2003 auf der Moskauer Luft- und Raumfahrtausstellung mit einer Schau über die Trägerraketen- und Satellitenflotte der Weltraumstreitkräfte und damit gewonnener Informationen beeindruckt. Ende vergangenen Jahres habe Perminow sein »Meisterstück« vorgelegt, indem er dafür sorgte, daß im befreundeten Belorußland die Radarstation »Wolga« in Betrieb ging. Laut Kowalski versorgt die Anlage Rußland mit Informationen über die Bewegungen von Flugzeugen, Raketen und Satelliten über Westeuropa und dem Atlantik. Das sei die russische Antwort auf die im Aufbau befindliche Ballistic Missile Defense (BMD) der USA, mit der US-Präsident George W. Bush alte SDI-Pläne neu auflegte.

Der Zeitschrift zufolge ist es Perminow auch gelungen, trotz der knappen russischen Finanzen in den letzten beiden Jahren dreimal mehr Mittel als zuvor für die kosmischen Streitkräfte locker zu machen. Genaue Angaben über die Höhe der Beträge gibt es nicht. Immerhin seien damit 20 Militärsatelliten finanziert und gestartet worden, heißt es in dem Bericht.

Die Raumfahrt war eines der wissenschaftlichen und politischen Prestigeobjekte der Sowjetunion und später Rußlands. Davon kündeten mehrere Pionierleistungen, so der Start des ersten Sputniks 1957, der Flug Juri Gagarins 1961 und der ersten Frau im All, Walentina Tereschkowa, Langzeitrekorde von Kosmonauten und die erste permanent besetzte Raumstation. Nach dem Ende der UdSSR folgte eine radikale Kommerzialisierung auch der Raumfahrt. Rußland brauchte internationale Gelder für Raketen- und Satellitenstarts, vermietete Plätze in Raumschiffen und -stationen. Inzwischen beträgt nach verschiedenen Angaben das jährliche Budget für kosmische Aktivitäten mit etwa 500 Millionen Dollar nur noch ein Zehntel der sowjetischen Aufwendungen dafür.

Neben der friedlichen Erforschung des Alls spielten wie in den USA militärische Interessen von Anfang an eine wichtige Rolle. Vor vier Jahren wurden Informationen über das einst streng geheime sowjetische Kosmoswaffenprogramm bekannt. Es wurde schon vor dem ersten Sputnik begonnen und schloß sogenannte Killersatelliten wie auch militärische Raumstationen und -transporter ein. Seit 1973 seien in Baikonur ständig sechs Trägerraketen mit militärischer Nutzlast einsatzbereit gewesen, berichtete die Zeitschrift Fliegerrevue bereits im Jahr 2000. Das sogenannte IS-System sollte im Kriegsfall Spionage- und Navigationssatelliten der USA bekämpfen und sei bis zum Ende der Sowjetunion im Dienst gewesen. Zum militärischen Raumfahrtprogramm gehörte auch ein Maschinengewehr auf der Weltraumstation Salut 3, eine geplante Kampfstation »Kaskad« sowie in den 80er Jahren eine sowjetische SDI-Variante als Antwort auf die Pläne des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Vom ersten Satelliten über den Raumtransporter Buran bis zur Entwicklung der modernsten Abschußvorrichtung habe die sowjetische Technologie mit der ihrer westlichen Feinde mithalten können und sie sogar übertroffen, meinen Beobachter.

Für Präsident Putin bleibt die militärische Raumfahrt wichtig, um seine Vision von einem neuen Rußland als Weltmacht verwirklichen zu können, heißt es im Juni-Heft der Flugrevue. Nach vorliegenden Informationen sollen Raketen und Militärsatelliten in der Regel vom russischen Plessezk und nicht von Baikonur in Kasachstan aus gestartet werden. Bis 2005 wollen die Militärs bereit sein, die bemannte Raumfahrt von Plessezk aus durchzuführen.
 
 

04.07.04 01:06

9161 Postings, 8007 Tage hjw2inguschetien

Andrea Strunk

Nicht ohne Leibwächter

INGUSCHETIEN IM NORDKAUKASUS
Wenn der Tschetschenien-Krieg über die Ufer tritt

In der winzigen Republik von 3.600 Quadratkilometern Größe verbrüdern sich uralte Traditionen wie Clanwirtschaft und Blutrache mit einer aus Not, Gier oder einfach Charakter entsprungenen Abwesenheit zivilgesellschaftlicher Normen. Inguschetien scheint wie aus Zeiten, in denen die Moderne nicht einmal morgendämmerte. Es gibt keine Regeln außer jenen, in denen es um Ehre und Mannhaftigkeit einerseits, Geld und Einfluss andererseits geht. Es gibt keine Gesetze, es gibt nur Deals, in Hinterhöfen und an dunklen Ecken ausgehandelt. In Inguschetien zählt ein Menschenleben soviel wie der Preis, der sich dafür erzielen lässt - Ausländer werden dabei in den höheren Kategorien gehandelt.

Nicht ohne meinen Leibwächter wäre ein Hollywood-Titel, der in Inguschetien Erfolg haben könnte. Bodyguards sind alltägliche Realität. Ob Nichtregierungsorganisation (NGO), Geschäftsmann, Politiker oder Clanchef - die Bewegungsfreiheit aller ist an Männer mit Maschinenpistole gebunden. Die Bewachung gefalle ihm nicht, sagt ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Vision, noch weniger aber gefiele es ihm, durch Kopfabschneiden zu sterben.

Inguschetien ist als Nachbarrepublik Tschetscheniens Teil einer Sperr- und Todeszone, in der Abstände nicht nach Kilometern gemessen werden, sondern nach der Anzahl der Checkpoints, die man durchfahren muss. Die Länge einer Reise errechnet sich aus der Wartezeit an diesen Militärposten plus der jeweiligen Laune des Grenzoffiziers. In dieser Zone gibt es kein Recht auf Unversehrtheit. Entführungen haben eine lange Tradition. Beliebt sind Verschleppungen schöner Jungfrauen zwecks Heirat. Einmal entehrt, bleibt den Frauen in der islamischen Gesellschaft ihres Landes keine Wahl, als ihren Entführer zu heiraten. Daran hat sich nie etwas geändert. Auch Dienstpersonal wurde früher gern durch Kidnapping rekrutiert und fristete, für immer verschwunden, in einsamen Bergdörfern ein Sklavendasein. Verschleppt wurde auch, um Rivalen aus dem Weg zu räumen oder Rache zu nehmen.

Der Sozialismus befriedete die Entführerszene, und es ist schwer nachzuvollziehen, ob es der Einfluss der Ideologie war, der eine den Nordkaukasiern unterstellte archaische Wildheit eindämmte, die Macht der sowjetischen Gesetze oder die Nachwehen der Deportation des Wainachischen Volkes - wie sich die Inguscheten und Tschetschenen ethnisch bezeichnen - während des Zweiten Weltkrieges. Von dem Schock, ihres kulturellen Erbes beraubt worden zu sein, haben sich beide Völker bis heute nicht erholt.

Erst der Tschetschenienkrieg (seit 1994), in dessen Folge Moskau die Kontrolle über den Nordkaukasus verlor und etliche Hilfsorganisationen nach Inguschetien kamen, hat Menschenraub wieder zu ganz neuen Dimensionen verholfen. Dabei geht es kaum um Geld, sind selten Banditen die Täter. Bei den 431 Entführungen, die allein 2003 in Inguschetien und Tschetschenien offiziell registriert wurden, handelte es sich nach Ansicht der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial größtenteils um "Zachistki", das heißt "Säuberungsaktionen", bei denen russische Soldaten Haus für Haus durchkämmen und jeden mitnehmen, der ihnen verdächtig vorkommt. 127 der im Vorjahr Entführten tauchten lebend wieder auf, 47 wurden ermordet, von 247 fehlt jede Spur. In Wirklichkeit sei - so sagt es Memorial - die Zahl der Entführungen dreimal so hoch.

Über die Gründe des Kidnappings zuckt man auch in Inguschetien die Schultern. "Die Russen", sagen die einen, "die Tschetschenen", die anderen. Der Befehlshaber der russischen Truppen im Nordkaukaus, General Valery Baranow, verneint eine Beteiligung seiner Soldaten. Diese Verschleppungen ginge ausschließlich auf das Konto einheimischer Krimineller.

Wer und warum auch immer: Die inguschetische Regierung jedenfalls sah sich gezwungen, den Hilfsorganisationen bewaffneten Schutz von Soldaten und Polizisten aufzuerlegen. Ein Übereinkommen, von dem die Republik profitiert, indem sie das Gehalt der zur NGO-Leibgarde Aufgestiegenen einspart und an deren "Leihgebühr" verdient.

Eine Unterscheidung zwischen politischen und rein finanziell motivierten Verbrechen fällt schwer. Die Zahl der Nachnamen ist gering, es gibt eine Hand voll Clans und mehr nicht. In diesen Clans ist die Vernetzung der Familien so eng, dass keiner unschuldig bleibt, wenn einer sich schuldig macht.

Durch einen geschickten Kniff der russischen Jurisprudenz ist die kleine Kaukasusprovinz zur Steuerfreizone geworden. Damit hat sich Moskau einer tiefen Dankbarkeit versichert. Als der Krieg im Nachbarland Hunderttausende Tschetschenen in die Obdachlosigkeit stieß und einer menschenwürdigen Existenz beraubte, wurde aus der Freihandelszone Inguschetien auch eine Brutstätte für Kleinkriminelle, Hasardeure und Menschenhändler, ein Königreich für Wodka-, Waffen- und Erdölschmuggel. Verschwendet ist kriminelles Talent, das hier nicht zur Entfaltung kommt. Der heute mögliche Reichtum jedenfalls schien undenkbar zu Zeiten des sozialistischen Systems, als die geophysische Beschaffenheit der Kaukasusrepublik zu nichts anderem zu taugen schien als zur Aufzucht von Kälbern und Ferkeln.

Man muss insofern nicht nach Tschetschenien fahren, um die Grausamkeit zu erfahren, mit der in dieser Region Krieg geführt werden kann, denn ein Teil Tschetscheniens ist nach Inguschetien gezogen. Die Zahlen darüber schwanken, wie viele Flüchtlinge seit Herbst 1999, als der zweite Tschetschenienkrieg begann, vor russischen Luftangriffen mit Bussen und Lastwagen in riesigen Kolonnen ins nahe Bruderland flohen. Den Zahlen kann entnommen werden, wer gezählt hat. Die Regierung in Moskau spricht von 100.000 - die Hilfsorganisationen kommen auf 200.000 Flüchtlinge, was in etwa der Einwohnerzahl Inguschetiens entspricht. Den Daten des vergangenen Jahres zufolge sind davon bis heute 6.000 geblieben, die in Armut und Hoffnungslosigkeit auf den Tag warten, an dem sie in ihre Heimat zurück können.

Vom Krieg in Tschetschenien hat Inguschetien so offensichtlich profitiert, dass man peinlich berührt ist. Nasran, einst eine Ansammlung von Kolchosen, ist bis heute in seinem Zentrum nicht viel mehr als ein diffuses Konglomerat aus Baracken, schlammigen Straßen und hungrigen Katzen. Doch die aus rot gebranntem Ziegel erbauten Einfamilienheime, die sich in Neubausiedlungen um das Zentrum scharen, sind Villen mehr als Häuser, mit riesigen Bogenfenstern und verschnörkelten Türmchen.

Auch Alikhan, Chef einer sechsköpfigen Gruppe von Leibwächtern, profitiert vom politischen und menschlichen Chaos. Ihm beschert die Angst vor Entführungen etliche Privilegien: ein ansprechendes Gehalt, Wohnkomfort, soziales Prestige, den Einblick in die Welt der Ausländer. Das Verhältnis zu seinen Schützlingen ist ein enges. Man isst zusammen, diskutiert beim Tee, zeigt die Fotos der Kinder. Es beschäme ihn, sagt Alikhan, dass Fremden in seinem Land nicht mehr die traditionelle Gastfreundschaft gewährt werde und sie sich mit Maschinenpistolen beschirmen lassen müssten.

Die Inguschen seien ein freundliches Volk. Gäste zu bewirten, gelte als Ehre, aber der Krieg habe die Traditionen gebrochen, auch die Bruderschaft mit den Tschetschenen. Am Anfang sei man noch gern zu Hilfe geeilt, da habe fast jede Familie eine Gruppe von Flüchtlingen aufgenommen. In der Endlosigkeit des Konflikts sei die Hilfsbereitschaft an ihre Grenzen geraten. "Ich sage es nicht gern, aber die meisten Leute hier wären froh, würden die Flüchtlinge endlich gehen." Dieser Wunsch wird gerade abschließend erfüllt. Tschetschenien sei befriedet, die Flüchtlinge könnten zurückkehren, heißt es aus Moskau. Die Lager sollen ausnahmslos geschlossen werden.

Noch ist Inguschetien zu 85 Prozent von Russland abhängig. Der europäische und amerikanische Drang zu den Ölquellen des Kaukasus und zur Eroberung des russischen Hinterlandes hat sich herumgesprochen. Weil Nasran, in dessen Basar des öfteren eine Bombe explodiert oder Überfälle auf Polizeistationen wie jüngst am 22. Juni stattfinden, ein gefährliches Pflaster ist, aber auch mit Blick auf winkende Reichtümer, hat die Regierung ihren Sitz nach Magas verlegt, das sogar über einen Flughafen verfügt. Noch ist diese Hauptstadt nicht viel mehr als eine flache Ebene, in der einige Häuser der aufstrebenden Geldelite Inguschetiens und zwei Regierungsgebäude stehen. Aber immerhin - im monumentalen Palaststil hat Präsident Murat Sjasikow in Magas breits seine Residenz und ein Parlamentsgebäude bauen lassen.

Unter Hinweis auf die 150 Millionen Tonnen Rohöl, die man auf dem Territorium der Republik im Jahr fördert, gibt sich Premierminister Timur Mugoschkow selbstbewusst. "Bis 2015 werden wir mit Hilfe westlicher Investitionen die Zuschüsse aus Moskau auf Null bringen." Auf die Frage, ob das bedeute, Inguschetien wolle sich auf eigene Füße stellen, findet er eine kryptische Antwort: Sein Land werde in Zukunft nicht nach mehr Unabhängigkeit streben als zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Man habe keinerlei Ambitionen, den tschetschenischen Weg zu gehen.

 
 

04.07.04 23:59

13393 Postings, 6506 Tage danjelshakesehr interessante artikel!

aber gehört der thread nich ins talkforum?

mfg ds  

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