Zwischen US-Zinsenerhöhung und sinkendem Ölpreis

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eröffnet am: 05.06.04 11:47 von: moya Anzahl Beiträge: 4
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05.06.04 11:47
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1083225 Postings, 6523 Tage moyaZwischen US-Zinsenerhöhung und sinkendem Ölpreis

Zwischen US-Zinsenerhöhung und sinkendem Ölpreis

von Jochen Steffens

Ratlosigkeit. Mit einem Wort kann man den Ausdruck der Gesichter mehrer Börsenkommentatoren in den abendlichen TV-Medien beschreiben.
Warum und wieso fielen die Märkte, obwohl der Ölpreis seit Dienstag stark sinkt, obwohl die US-Konjunkturdaten etwas schlechter waren und damit die Zinserhöhungsangst ein wenig gedämpft wurde. War es lediglich die Angst vor dem Midquarter Update von Intel oder doch nur ein Sell the good News Effekt? Rückt jetzt, nachdem die Opec Sitzung vorbei ist, die Zinssitzung der amerikanischen Notenbank Ende Juni in den Focus der Anleger? Oder spielte gestern bereits die Angst vor den heutigen US-Konjunkturdaten, respektive den neu geschaffenen Stellen in den USA, eine entscheidende Rolle? Offensichtlich war es von allem etwas. Fakt bleibt, die US-Märkte sind gestern deutlich gefallen.

Ein Ölhändler sagte zu der Entscheidung der Opec, dass seiner Meinung nach die Signale der Opec nicht klar genug waren. Ich weiß nicht, was dieser Händler erwartet hat, die Strategie der Opec ist eigentlich perfekt. Die zweistufige Anhebung lässt noch einen Spielraum, wie man weiß, ein psychologisch wichtiges Instrument an der Börse. Ohne diesen (zwar wirklich kleinen Spielraum) hätten Spekulanten wahrscheinlich schnell argumentiert, dass die Opec nun ihr Pulver verschossen hat und deswegen könne nun nichts mehr einen weiteren Anstieg des Ölpreises verhindern. Das hätte dann zu weiteren Kurssteigerungen geführt.
Natürlich sind das alles nur "psychologische Spielereien". Schätzungen gehen davon aus, dass die Opec "inoffiziell" bereits jetzt mehr als
25,5 Mio. Barrel je Tag fördert und damit an der Grenze ihrer Kapazitäten arbeitet.

Aauch die Bestätigung der angestrebten Preisspanne zwischen 22 und 28 Dollar ist ein lediglich psychologischer Effekt, angesichts von Ölpreisen um die 40 Dollar Marke. Damit wurden aber immerhin Befürchtungen beseitigt, die Opec könne diese Spanne erhöhen. Mehr konnte die Opec also nicht tun, meiner Meinung nach.

Die Opec weist zudem darauf hin, dass der Ölpreis auch durch Spekulanten getrieben wird. Dieser "Spekulationseffekt" soll über 5 Dollar des aktuellen Ölpreises ausmachen.

Der heute fallende Ölpreis wird allerdings mit einer anderen Nachricht in Verbindung gebracht: Die US-Lagerbestände an Öl und Benzin sind überraschenderweise höher als erwartet. Das ist mehr als seltsam, denn das bedeutet, dass auch zu Höchstpreisen verstärkt gekauft wurde.
Marktwirtschaftlich scheint mir dies ein seltsames, fast unsinniges Unterfangen. Es sei denn, man geht davon aus, dass die US-Ölindustrie ein Interesse an der Wiederwahl von Bush hat. Hohe Lagerbestände ermöglichen einen deutlichen Einbruch des Ölpreises vor der Wahl. Das ist vielleicht auch der Grund, warum die Opec die Sorge äußert, dass die Gefahr einer kurzfristigen Ölschwemme besteht, die bisher lediglich durch den hohen Ölpreis verdeckt wird.

Ich weiß, offiziell wird der stark gestiegene Ölbedarf mit anderen Argumenten begründet: Von der Driving Season in der USA wird geredet, dann davon, dass die Anzahl der zugelassenen PKW's in den USA Rekordmarken erreicht hat, auch die gestiegene Nachfrage in China wird gerne genannt. Die anziehende Weltkonjunktur wirkt sich aus und natürlich die Käufe aus den USA, 200.000 Barrel sollen jeden Tag in die strategischen Ölreserven der USA fließen. Diese Argumente sind keineswegs falsch und tragen sicherlich zu dem hohen Ölpreis bei. Aber warten wir einfach ab. Wenn im September der Ölpreis dramatisch einbricht, dann wissen wir mehr. Kerry versucht mittlerweile den Ölpreis zum Wahlkampfthema zu erheben.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der durch die amerikanische Ölindustrie ins Amt gehobene Präsident Bush, gerade durch den Ölpreis gestürzt wird - auch wenn es manchem vielleicht nur gerecht erschiene.

Zum Dax: Der Dax hat heute die 3925er Marke eindeutig gebrochen und steigt langsam weiter. Die nächste wichtige Widerstandslinie liegt im Bereich der 4030er Marke.

 

05.06.04 11:58

5208 Postings, 7378 Tage JessycaÖl-Chart aktuell

05.06.04 12:14

7336 Postings, 6911 Tage 54reabes ist seit monaten bekannt, dass die usa ihre

strategischen notfallreserven - sie waren auf ein historisches tief gefallen - wieder aufstocken. diese nachfrageerhöhung hat weit mehr die märkte beeinflusst als die nachfrage aus china. parallel wuchsen die ängste bezüglich der situation im nahen und mittleren osten und das erhöhte wirtschaftwachstum in den usa (dagegen kann man china, indien, usw absolut vergessen - es kommt nicht auf die prozente sondern auf die absoluten größenordnungen an) heizten den markt zusätzlich an.

ich hatte hier schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die usa mit ihrer aufstockung spätestens mitte des jahres abgeschlossen haben sollten und dann eine erhebliche beruhigung im markt eintreten wird. interessant ist die frage, wieso die usa ihre notfallreserven aktuell auf volle kapazität bringen. die unterstellung mit der wahl empfinde ich als kindisch. eher glaube ich, dass die us-administration noch größere unruhen im mittleren osten befürchtet und sich dafür rüstet.


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05.06.04 12:43

287 Postings, 6421 Tage AlabamaRatlosigkeit in Pos.1

Zumindest kurzfristig ist dies zu beantworten. Die Motivation der einzelnen Marktteilnehmer ist weder bekannt noch vorhersehbar. Im Prinzip vergleichbar mit der Wette beim Roulettespiel. Auf und Ab entsprechen den einfachen Chancen, die Null repräsentiert die Gebühren und der Chart gleicht einer Permanenz. Der Systemspieler (gilt für beide Fälle) versucht, in fester Überzeugung daran, den Zufall für sich zu nutzen.

Kostolany sagte dazu: "Nicht Nachrichten machen Kurse, sondern Kurse machen Nachrichten"  

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