Zahltag für Dax-Aktionäre

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eröffnet am: 19.04.06 07:45 von: quantas Anzahl Beiträge: 1
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15549 Postings, 6079 Tage quantasZahltag für Dax-Aktionäre

18. April 2006 Die Aktionäre der Dax-Unternehmen können sich freuen. Allein in dieser Woche kommen die Anleger nach den Hauptversammlungen der Münchener Rück und von Schering in den Genuß von Ausschüttungen in Höhe von fast einer Milliarde Euro. Der Höhepunkt der Dividendensaison ist im Mai: Dann fließen auf die Konten der Anleger fast 15 Milliarden Euro.



Insgesamt schütten die Dax-Unternehmen in diesem Frühjahr 21,3 Milliarden Euro aus - so viel wie noch nie. Derzeit werfen der Energieversorger Eon, der 7Euro je Aktie zahlt (davon 4,25 Euro Sonderdividende) und die Telekom mit Dividendenrenditen von 7,7 und 5,3 Prozent am meisten ab. Zahltag für die Aktionäre ist der Tag nach der Hauptversammlung. Die Hauptversammlung von Eon ist am 4. Mai, bei der Deutschen Telekom ein Tag früher. Zusammen schütten beide Unternehmen fast 8 Milliarden Euro und damit mehr als ein Drittel der Dax-Unternehmen aus.

Weltweiter Wachstum

Analysten halten die Dividendenzahlungen für ein Element, das die Aktienkurse insgesamt in den nächsten Wochen stützen dürfte. ?Wenn man bedenkt, daß der Tagesumsatz im Dax rund 4 Milliarden Euro beträgt und viele Fonds ihre Dividenden wieder investieren werden, dürfte der Markt auf diese Weise rund zwei bis drei Tagesumsätze zurückerhalten?, rechnet Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg vor.

Eine hohe Dividendenrendite, gemessen am Verhältnis von Dividende zu aktuellem Kurs, gilt gerade in trendlosen Phasen als Risikopuffer für eine Aktie. In den vergangenen Monaten, als die Aktienkurse weltweit kräftig stiegen, bevorzugten die Anleger allerdings mehr und mehr riskantere Wachstumswerte. Die Ausschüttungssumme des Jahres 2006 von 21,3 Milliarden Euro liegt um mehr als 40 Prozent über der des Vorjahres. Zugleich steht der Dax mehr als 30 Prozent höher als vor einem Jahr. Doch für einige Dividendenjäger war die Ausschüttung zuletzt nur ein Trostpflaster. So liegt die Telekom nicht nur wegen ihrer von 62 auf 72 Cent je Aktie angehobenen Dividende unter den dividendenstärksten Werten; dies liegt auch daran, daß im Gegenzug sich der Kurs der Aktie verschlechtert hat. So schnitt der Tec-Dax, in dem kaum ein Unternehmen derzeit Dividende zahlt, in diesem Jahr mit rund 22 Prozent Zuwachs bisher deutlich besser ab als der Dax mit neun Prozent. Zu dieser Stimmung passen Stimmen wie die der WestLB, die die Unternehmen auffordert, mehr zu investieren und weniger an die Aktionäre auszuschütten. Hinzu kommt, daß die oft als Vergleichsmaßstab herangezogene Zehnjahresrendite von Bundesanleihen auf fast 4 Prozent gestiegen und damit zumindest optisch die Dividenrendite im Dax von rund 2,5 Prozent deutlich überflügelt hat.

Großes Dividendenerhöhungspotential

Obwohl 25 Dax-Unternehmen ihre Dividende zum Teil kräftig erhöht haben und nur Infineon keine Dividende zahlt, sind Aktionärsvereinigungen denn auch nicht zufrieden mit den Ausschüttungen. Nach Beobachtungen von Andreas Hürkamp von der Landesbank Rheinland-Pfalz liegt die Ausschüttungsquote, also die Dividendenzahlungen gemessen an den Gewinnen der Dax-Unternehmen, seit Jahren konstant zwischen 35 und 40 Prozent. Derzeit betrage die Ausschüttungsquote im Dax 37 Prozent. ?Deutschland liegt im europäischen Durchschnitt. In Ländern mit langer Aktientradition wie Großbritannien und Holland liegt die Ausschüttungsquote deutlich höher. Dort wird die Dividende stärker als wichtiger Bestandteil der Aktie wahrgenommen?, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Während die Dax-Unternehmen noch vergleichsweise viel Dividende zahlten, sei die Lage bei den Nebenwerten schlechter. Kurz schätzt, daß 60 Prozent der deutschen Börsenwerte keine Dividende zahlen. Die DSW hält eine Ausschüttungsquote von 50 Prozent für angemessen.

Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg schätzt auch, daß im kommenden Jahr die Ausschüttungen im Dax auf 21,4 Milliarden Euro und damit, bereinigt um die Eon-Sonderdividende, um 17 Prozent steigen werden. Die Unternehmensgewinne dagegen dürften nur um schätzungsweise 14 Prozent zulegen. Großes Dividendenerhöhungspotential sieht Schallenberger bei RWE, Hypo Real Estate und Commerzbank.


Text: ham., F.A.Z., 19.04.2006, Nr. 91 / Seite 23
 

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