Wirtschaftsboom, aber wie soll das gehen

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eröffnet am: 10.09.02 10:57 von: nojoke Anzahl Beiträge: 1
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372 Postings, 7008 Tage nojokeWirtschaftsboom, aber wie soll das gehen

Potsdam - Nur 15 Prozent aller Deutschen sind laut einer Studie engagiert bei der Arbeit und empfinden diese als befriedigend. Dagegen machen 69 Prozent aller Deutschen "Dienst nach Vorschrift" und fühlen sich ihrem Unternehmen gegenüber nicht wirklich verpflichtet. 16 Prozent der deutschen Arbeitnehmer haben sich sogar schon "innerlich verabschiedet". Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Unternehmensberatungsgesellschaft Gallup mbH Deutschland (Potsdam).

Schaden auf 200 Milliarden Euro beziffert

Das Institut beziffert den aus dem fehlendem Engagement am Arbeitsplatz resultierenden gesamtwirtschaftliche Schaden aus schwacher Mitarbeiterbindung, hohen Fehlzeiten und niedriger Produktivität auf jährlich rund 220 Milliarden Euro. Diese Größenordnung entspricht fast dem gesamten Bundeshaushalt 2003 (246,3 Milliarden Euro).

Frauen sind engagierter

Tendenziell ist der Erhebung zufolge das Engagement am Arbeitsplatz in Ostdeutschland mit 11 Prozent geringer als in Westdeutschland mit 16 Prozent. Weiterhin zeigt sich ein klarer Geschlechterunterschied: So sind 19 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer, aber nur elf Prozent der männlichen Arbeitnehmer engagiert im Job.

Ursache: Schlechtes Management

Als wichtigsten Grund für den Frust derart vieler Mitarbeiter fanden die Wissenschaftler schlechtes Management heraus. "Deutsche Chefs sind zu autoritär und lassen andere Meinungen zu selten zu", sagte der Chef von Gallup-Deutschland, Gerald Wood, am Dienstag in einem dpa-Gespräch. "Es fehlen auch Lob und Anerkennung für gute Arbeit." Auch das "Mobbing" sei in Deutschland ein ernst zu nehmendes Problem.

Das noch schlechtere Mitarbeiterengagement in Ostdeutschland liege nicht an einer mutmaßlichen "DDR-Mentalität" der Arbeitnehmer, fügte Wood hinzu. Es herrsche vielmehr in vielen ostdeutschen Management-Etagen die Auffassung, man müsse nicht viel für die Mitarbeiter tun, weil es ohnehin genügend Arbeitslose gebe.

"Nicht wissen, was erwartet wird"

Arbeitnehmer bemängeln in der Studie unter anderem an, dass sie nicht wissen, was von ihnen erwartet wird und dass ihre Vorgesetzten sich nicht für sie als Menschen interessieren. Außerdem müssten Mitarbeiter häufig eine Position ausfüllen, die ihnen nicht liege oder ihre Meinungen und Ansichten hätten kaum Gewicht.

Noch gravierender ist laut Gallup, dass Mitarbeiter immer weniger engagiert sind, je länger sie bei ihren Unternehmen bleiben. So verliere das menschliche Kapital, das eigentlich durch Weiterbildung und Entwicklung wachsen solle.

Franzosen und Japaner noch weniger engagiert

Im internationalen Vergleich rangiert Deutschland im Mittelfeld. So gibt es nach Gallup-Untersuchungen in den Vereinigten Staaten mit 30 Prozent doppelt so viele engagierte Mitarbeiter. Dagegen schneiden die Franzosen mit 9 Prozent engagierter Arbeitnehmer - gleichauf mit den Japanern - noch deutlich schlechter ab als die Deutschen.

Gallup mit Hauptsitz in Washington (USA) hat weltweit 56 Niederlassungen und gibt seinen Umsatz mit rund einer Milliarde Euro an. (sa/dpa)  

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