Wir stehen zur Begrüßung auf-Die Vorzeigehauptschu

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eröffnet am: 10.04.06 13:22 von: BeMi Anzahl Beiträge: 10
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10041 Postings, 7112 Tage BeMiWir stehen zur Begrüßung auf-Die Vorzeigehauptschu

SPIEGEL ONLINE - 10. April 2006, 12:31
URL: 
http://www.spiegel.de/unispiegel/schule/0,1518,410105,00.html

Duisburger Vorzeige-Hauptschule
 
"Wir stehen zur Begrüßung auf"

Von Almut Steinecke

Von wegen gesellschaftliche Reste-Rampe - die sozialste Lehranstalt Deutschlands ist eine Hauptschule im Ruhrgebiet. Ihr Erfolgsrezept: Alle Schüler müssen sich an einfachste Grundregeln des menschlichen Miteinanders halten.

Rektorin Barbara Laakmann geht an den schwatzenden Schülern vorbei zur Tafel. Langsam dreht sie sich um, baut sich schweigend vor dem Lehrerpult auf - und setzt dem Stimmengewirr mit einer Geste ein Ende. Dann streckt sie beide Armen nach vorne, ihre Handflächen zeigen zur Decke: Sie bedeutet den Schülern, sich für eine ordentliche Begrüßung zu erheben. Die Schüler verstehen sofort, springen von ihren Stühlen auf, schmettern "Good Morning" und setzen sich wieder.

<!-- Vignette StoryServer 5.0 Mon Apr 10 12:34:12 2006 -->

HAUPTSCHULE LANGE STRASSE: EINFACHSTE REGELN
Mit diesem Ritual beginnt jede Unterrichtsstunde an der Hauptschule Lange Straße in Duisburg. Auf den friedlichen Schulalltag ist Rektorin Laakmann stolz, denn seit sie vor 13 Jahren die Leitung der Hauptschule im Stadtteil Rheinhausen übernommen hat, hegt und pflegt sie das Schulklima. Die 55-jährige Pädagogin und ihr Kollegium versuchen, dem Ruf der Hauptschule als gesellschaftliche Reste-Rampe entgegenzuwirken.

Dafür kürte sie im Februar der Verein Buddy e.V. zur sozialsten Schule Deutschlands, Schirmherrin Doris Schröder-Köpf und Fußballtrainer Peter Neururer überreichten den verblüfften Schülern einen Scheck über 5000 Euro. Die Hauptschule hatte sich gegen Gesamtschulen, Gymnasien und eine Hochschule durchgesetzt.

Vor fünf Jahren begann Laakmann, soziale Projekte in den Stundenplan zu integrieren: Duisburger Schüler pflegen die Gräber russischer Soldaten oder geben in einem Seniorenheim alten Menschen Computerunterricht.

Am Eingang des Backsteingebäudes in Rheinhausen prangt ein Schild mit dem Schriftzug "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Nach dem 11. September hatten muslimische Kinder das Projekt "Schule gegen Rassismus" angeregt, aus Angst, mit Fundamentalisten in einen Topf geworfen zu werden. Für das wurde die Schule von der internationalen Aktion Courage als eine von 250 Schulen bundesweit ausgezeichnet.

Handys und MP3-Player sind verboten

Ausgerechnet eine Hauptschule wird dafür gelobt, das sie ein Aushängeschild für Humanität ist - gerade in den Tagen des Rütli-Radaus ein ermutigendes Ergebnis. Während in Berlin-Neukölln verzweifelte Lehrer Brandbriefe schreiben und Schüler Mülleimer aus dem Fenster und Pflastersteine auf Journalisten werfen, nehmen die Lange-Straße-Schüler ihre Schulleiterin fürs Foto auch mal in den Arm. "Von Neukölln ist diese Schule meilenweit entfernt", ist sich Wolfgang Weyers vom Schulamt der Stadt Duisburg sicher. Auch Heinz-Hermann Trappmann, Leiter der Bezirksverwaltung Rheinhausen, will nur loben: "Die Lange Straße ist eine Vorzeige-Hauptschule."

Die äußeren Voraussetzungen sind auch kaum mit Neukölln vergleichbar. 20.000 Einwohner hat der ländlich-idyllische Stadtteil Rheinhausen-Bergheim, 1300 davon ausländischer Herkunft. An der Hauptschule Lange Straße mit rund 300 Schülern liegt der Migranten-Anteil dennoch bei fast 50 Prozent.

Darauf hat sich die Schule eingestellt. Zum Beispiel mit der landesweit einzigen BUS-Klasse mit dem Schwerpunkt Migranten. BUS steht für "Beruf und Schule" und ist für die rund sechs Prozent der Schüler gedacht, die den Hauptschulabschluss wohl nicht schaffen werden. Stattdessen durchlaufen sie ein Schuljahr, das den Unterricht mit einem Praktikum in einem Betrieb verbindet, mit Option auf spätere Übernahme.

Das menschliche Miteinander an der Schule gestaltet das Kollegium durch simple, aber einheitlich fest gelebte Regeln. "Wir stehen auf, wenn wir uns begrüßen. Wir reden uns mit Namen an. Wir sagen 'bitte' und 'danke'. Wir nehmen das Käppi ab, wenn wir uns unterhalten", zählt Barbara Laakmann auf. Die Nutzung von Handys ist auf dem gesamten Schulgelände verboten, ebenso wie MP3-Player im Schulhaus. Fast noch wichtiger als die Regeln selbst sei die Bestrafung bei einem Verstoß. Sie müsse unbedingt differenziert ankommen, sagt Laakmann, "der Pädagoge darf den Schüler dabei nie als Menschen in Frage stellen - es muss immer um die Sache gehen".

Geprügelt wird außerhalb der Schule

Auf manche ihrer jungen Schützlinge scheint Laakmanns Idealismus tatsächlich übergesprungen zu sein. Mit Neukölln wollen die Jungen und Mädchen auf dem Pausenhof nichts zu tun haben. "Wir versuchen es erst mal mit Worten. Wenn das nicht geht, kloppen wir uns auch, aber nicht in der Schule", sagt Benni, 15, aus dem Kosovo. Die Rütli-Schüler hätten "keinen Respekt - weder vor anderen, noch vor sich selber", ist der türkische Yusuf, 13, überzeugt. "Wir sind nicht so", fügt die 14-jährige Albanerin Vjosa hinzu, "sonst hätten wir ja auch nicht den Sozialpreis gewonnen!"

Manchmal aber wirkt das Engagement der Hauptschüler ähnlich inszeniert wie die übertriebenen Pöbeleien der Rütli-Schüler vor Vertretern der Presse. Natürlich gibt es in Duisburg Konflikte, das bekennt auch Laakmann: "Hier ist auch nicht alles eia-popeia." Und einiges von dem, was auf ihrem Schulhof passiert, wird wohl auch der Rektorin verborgen bleiben. Eine deutsche Schülerin, 15, will nur anonym und ohne Klassenangabe ihren Schulalltag beschreiben. "Wir - die sozialste Schule Deutschlands? Da muss ein Fehler passiert sein. Die verhauen sich hier gegenseitig und keiner merkt etwas. Ich bin froh, wenn ich mit der Schule fertig bin."

Die Rektorin jedoch ist sich sicher: Es sind vor allem einfache Umgangsformen, die ihren Schützlingen dabei geholfen haben, sich als "sozialste Schüler Deutschlands" einen Namen zu machen. An der Form der Hauptschule hält sie fest, Frustration durch die gegenwärtige Debatte lässt sie nicht zu. "Was wir machen, ist gut - an diese Überzeugung kommt auch eine Geschichte wie Neukölln nicht dran." Die Schule dort sei zu lange ohne Führung gewesen, da sei die Kopflosigkeit des Kollegiums kein Wunder, meint Laakmann. Eine Schule brauche eine Führungskraft, die motiviert: "Wer selbst nicht brennt, kann kein Feuer anzünden."


 
 

10.04.06 13:53
1

10041 Postings, 7112 Tage BeMiDas es auch positive, vorbildliche Migrations-

bemühungen und -erfolge gibt,
interessiert anscheinend kaum jemand.
Uns reizt wohl nur
das Negative in unserer Welt.
*g*

Grüße
B.  

10.04.06 13:56

10041 Postings, 7112 Tage BeMiMist

" Dass es auch positive, vorbildliche Migrations-  

bemühungen und -erfolge gibt,

 

10.04.06 14:03

129861 Postings, 6595 Tage kiiwiiGeht's net no a bissle größer ...?

meine Auge sin so schwach...


Btw: Was ist denn an einer sozial(st)en Hauptschule unter "sozial" zu verstehen ????
Was ist denn überhaupt eine soziale Schule ???


"sozial" - mittlerweile ein deppenhafter Begriff, sry


MfG
kiiwii  

10.04.06 14:05

50891 Postings, 6589 Tage SAKU@ bemi

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, wie immer...

Wir haben auf der einen Seite ne Schule, die durch Berichterstattungen in nem beschi**enen Licht steht (unter der HAnd heißt es da "Wir sind aber gar nciht so schlimm")

Auf der anderen Seite das Gegenteil (unter der HAnd heißt es da "Wir - die sozialste Schule Deutschlands? Da muss ein Fehler passiert sein. Die verhauen sich hier gegenseitig und keiner merkt etwas. Ich bin froh, wenn ich mit der Schule fertig bin.")

DASS wir ein Problem haben und die Auswirkungen in 5-15 Jahren vor allem auf dem Arbeitsmarkt spüren werden, steht aber, trotz guter Beispiele, wohl nicht in Frage.

Was tun? mMn ist die jetzige Generation, die da heranwächst nur noch schwer in die Gesellschaft zu integrieren - im Übrigen meine ich da auch die deutschen Jugendlichen - ach du shice, wenn man mal Morgens mit dem Zug fährt bekommt man einiges mit, von dem man nicht dachte, dass es sowas gibt :o( Hier müssen sehr "starke" Naßnahmen angewandt werden.

Den Jünngeren kann man mehr mitgeben. Das sollte zu machen sein WENN... ja, wenn die Politik endlich mal verstehen würde, dass wir in Deutschland nix haben, außer dem, was wir unseren Zwergen mitgeben. Das, was sie intellektuell mitbekommen, und das, was sie soziokulturell mitbekommen...
__________________________________________________
VIVA ARIVA!  

10.04.06 14:09

903 Postings, 6092 Tage TDM850Hi BeMi,

ich finde es gut, dass auch Gegenbeispiele gibt. Für die Presse ist natürlich Berlin viel interessanter, da es die Auflage steigert.
Um so etwas auf die Beine zustellen wie in Duisburg bedarf es viel Idealismus bei den Lehrern (und auch Pflegschaften=Eltern). Bei den Lehrern wird der Idealismus (ist leider auch nicht allen gegeben) m.E. häufig in den ersten Jahren der Lehrertätigkeit "zerschlissen", da sie oft recht alleine da stehen mit ihren (guten) Ideen. Also brauchen sie Unterstützung (moralisch, finanziell) von der Schulleitung bzw höherer Stellen. Und die ist eben selten gegeben. Irgendwann reihen sich dann die jungen Lehrer bei den altgedienten und desillusionierten Kollegen ein.

Gottseidank nicht alle!

TDM850 (kein Lehrer)  

10.04.06 14:12

10041 Postings, 7112 Tage BeMiMoin, kiiwii,

ich dachte immer, Du
könntest Latein?
*g*
http://de.wikipedia.org/wiki/Sozial

Grüße
B.  

10.04.06 14:14
1

7336 Postings, 6910 Tage 54reabNatürlich ist es möglich eine

Hauptschule geordnet zu führen, so wie es möglich ist, dass ein Gymnasium aus den Fugen gerät. Trotzdem gehört die Mehrzahl der Hauptschüler zu den Verlorenen und haben große Schwierigkeiten einen Job zu finden. Unser Ziel sollte also nicht sein, dass wir möglichst  "ruhige" Hauptschulen bekommen sondern Jugendliche die ausreichend für unseren Arbeitsmarkt qualifiziert sind. Letzteres leistet die Hauptschule nicht ausreichend.

MfG 54reab  

10.04.06 14:20
1

129861 Postings, 6595 Tage kiiwiiHallo BeMi: Hatte ich kürzlich schon

bekannt (von "Bekenntnis"): isch kann keine Fremdsprachen, nur Schwäbisch...


und da gibts den Begriff net, weil: "Mir gebet nix"

(Grund: "Mir hend au nix zom Geba")


MfG
kiiwii  

10.04.06 14:24

129861 Postings, 6595 Tage kiiwiiÜbrigens, BeMi, Dein Wiki-Link ist Shice

weil ich jetzt nicht erkennen kann, welcher der vielen angeboteten Sinngehalte des Wörtchens "sozial" im Zusammenhang mit der o.a. Hauptschule gemeint ist.


Ischa wie im Supamarkt...: "Such Dir aus, was Dir grad so gefällt"

Ischa alles und nix.


WIKI sagt:

Das Wort sozial (von lat. socius = gemeinsam, verbunden, verbündet) taucht in mehreren Bedeutungen auf:

   * Umgangssprachlich ist sozial die Eigenschaft (zumeist) einer Person, auch das Wohl Anderer im Auge zu behalten (Altruismus, Gegensatz: Egoismus), fürsorglich auch an die Allgemeinheit zu denken (Gegensatz: Eigennutz); umgekehrt die Fürsorge oder das Mitgefühl einer Gemeinschaft oder Gesellschaft für das Individuum ("Einer für alle, alle für einen!"); dazu gehört ferner, gegenüber Untergebenen großmütig oder leutselig zu sein, gegenüber Unterlegenen ritterlich, gegenüber Gleich- und Nichtgleichgestellten hilfreich, höflich und taktvoll. Unsozial in diesem Sinne handelt, wem all das abgeht.
   * Rechtlich ist "sozial" eine grundgesetzliche Staatszielbestimmung der Bundesrepublik Deutschland: Sie ist ein "sozialer" Bundesstaat (Art. 20, Abs. 1). Dem zu Folge hat jeder Mensch in Deutschland (nicht nur jeder deutsche Staatsangehörige) einen Grundanspruch darauf, dass sich der Staat um ihn (in äußerster Not) kümmert. (Vgl. auch die Sozialgesetzgebung.)
   * Soziologisch ist das soziale Handeln und Verhalten Gegenstand der Soziologie.
   * Politisch ist es - von der Umgangssprache her, aber auch, aufbauend auf politischen Lehren (z. B. auf dem Sozialismus) - eine Zielangabe, die etliche deutsche Parteien auch im Namen führen, z.B. die (alphabetisch:) CSU, PDS und SPD. Politische Zentralprobleme (oft ganze Problemkomplexe) über längere Zeit (ganze Generationen) hinweg werden oft als die (oder eine) "Soziale Frage" behandelt.
   * In der Psychologie ist der Begriff sozial synonym zum Begriff zwischenmenschlich, wie in Soziale Beziehung.
   * In der Biologie bezeichnet man die Kooperation zwischen Individuen als sozial. (siehe auch Staat (Biologie))
   * In der Volkswirtschaftslehre ist davon der statistische Begriff des Sozialproduktes abgeleitet.
   * Organisatorisch - meist in den "Freien Berufen" - ist davon der Begriff von Zusammenschlüssen abgeleitet (z.B. eine "Anwaltsozietät").
   * Religiös wird der Begriff "sozial" in diesem Sinne gelegentlich als zu weltlich empfunden und lieber durch "fromm" oder gar "christlich" ersetzt (vgl. das Verständnis von "Weltfrömmigkeit" oder "christlicher Nächstenliebe" u. ä.).





MfG
kiiwii  

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