Wie Eltern den Sex der Kinder beeinflussen

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eröffnet am: 03.05.05 08:12 von: B Ghost Anzahl Beiträge: 3
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3379 Postings, 5891 Tage B GhostWie Eltern den Sex der Kinder beeinflussen

Natürlich wissen wir alle, wie Kinder zur Welt kommen und wie sie entstehen. Aber viele von uns glauben tatsächlich auch heute noch, ihre Eltern kamen zum Kind wie die Jungfrau Maria zu ihrem, nämlich völlig ohne Sex.

 

Zugegeben: Nichts ist abtörnender als der Gedanke, die eigenen Eltern könnten heißen, dreckigen Sex haben. Ich denke, hätte ich meine Eltern jemals dabei erwischt, z. b. in der Zeit meiner Pubertät, hätte ich irreparable Schäden davon getragen und würde heute in einem Kloster wohnen. Zum Glück ist dies nicht passiert, so dass ich mich in Ruhe entfalten und zur richtigen Zeit den dreckigen Pfad Satans begehen konnte. Ich bin nun wirklich aufgeschlossen und kann auch über fast alles reden. Aber wenn mein Gegenüber weder meine Freundin ist, noch ein Schwanzträger, den es zu bespringen gilt und auch nicht der gute Kumpel, der supi nett aber einfach nicht mein Typ ist, sondern das Aussehen meiner Mutter hat, hört es auch mit meiner großen und obszönen Klappe auf.

Wer kennt es nicht: Durch puren Zufall findet sich diese komische Zeitschrift auf dem Wohnzimmertisch. Gelangweilt nimmt man sie in die Hand und blättert etwas lustlos darin rum. Da diese Zeitschrift einen überaus gesunden Inhalt hat (es handelt sich um ein Gesundheitsmagazin) ahnt man an dieser Stelle auch nichts Böses, bis einem dann in der Mitte des Heftes gezeichnete, aber nackte Menschen in komischen Stellungen begegnen. Man widersteht dem Drang, die Zeitschrift auf den Kopf zu drehen um besser erkennen zu können, was diese Menschen denn da überhaupt tun. Stattdessen neigt sich der Kopf um 45° nach links oder rechts um den Überblick zu behalten. Verwirrt beschließt man, erst noch eben die fettgedruckte Überschrift zu lesen, die ja sicherlich aufklären wird, worum es sich denn hier eigentlich handelt. Ich fand vor langer Zeit eine solche Zeitschrift mit diesen Bildern in ihr. Allerdings im elterlichen Haus. Rechts von mir saß meine Mutter und im Zimmer nebenan wurschtelte mein jüngerer Bruder rum. Mein Blick fiel unauffällig auf die schwarz-fette Überschrift weil ich wissen wollte, was das Ganze da eigentlich soll. "Die 50 besten Stellungen" las ich da.

Der fliegende Holländer - vor zwei Generationen noch völlig undenkbar!
Natürlich kann ich nicht leugnen, dass ich nicht wissen wollte, um welche Stellungen es sich im Detail handelt. Mein Wissensdurst ist unersättlich und eventuelle Bildungslücken nerven. Doch bevor ich mir den Artikel durchlas, zündete ich gelassen eine weitere Zigarette an und warf einen verstohlenen Blick zu meiner Mutter, welche mein Treiben noch nicht bemerkt hatte. Auf den nachfolgenden sechs Seiten bekam ich es mit dreckigem Sex zu tun. Jede einzelne Stellung war kurz beschrieben und wurde sowohl von "ihr" wie von "ihm" bewertet. Anschließend folgte ein kurzes Fazit seitens der Redaktion, sowie der Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Stellung in Noten von 1-10. Nicht nur, dass die Namen der Stellungen stellenweise lustig waren, nein, auch die erste Benotung bezüglich des Schwierigkeitsgrades die mir ins Auge sprang - es handelte sich um die 11, folglich unausführbar - brachte mich zum Lachen und erregte somit die mütterliche Aufmerksamkeit. Unsere Blicke begegneten sich kurz, ich tat so, als ob mich das Ganze nicht wirklich interessierte, aber an dem Ausdruck in ihren Augen erkannte ich, dass sie wusste, dass ihre 28jährige Tochter irgendetwas mit Sex am Hut hat. Gut, möglicherweise ahnte sie das bereits auch bei der Geburt ihres Enkels. Wer weiß das schon?

Komischerweise war sie diejenige, die das Eis durchbrach und mit dem Reden begann. Und natürlich drehte es sich hierbei um Sex. Ich betete, sie würde nicht mit Details aus ihrem Eheleben ankommen, doch sie verlagerte glücklicherweise die Thematik auf eine Sendung, die sie kürzlich gesehen hatte und die sich mit Sex beschäftigte. Ach ne, doch nicht. Oh, sie handelte von Intimrasur? Ist ja interessant Mama! Nein, da haben sie Frauen gezeigt, wie sie sich die Intimzone rasieren? Um Gotteswillen, wer macht denn so etwas? Die haben sich da auch Muster einrasieren lassen? Ist ja der Knüller! Ich lachte dumm und hoffte, ihre telepathischen Kräfte würden wenigstens einmal versagen. Denn ansonsten würde ihr ganz schnell klar sein, dass ihre Tochter nicht das erste Mal mit diesem Thema konfrontiert wurde. Um keine weiteren Falten auf der Stirn, von dem ach so überraschten sowie angeblich entsetztem Gesichtsausdruck, den ich diesem Moment aus taktischen Gründen aufgesetzt hatte, zu bekommen, beschloss ich mitzureden. Ich erzählte davon gehört zu haben, dass Männer intimrasierte Frauen mögen, mir aber völlig schleierhaft sei, warum das so ist. Ach so, wegen den Haaren im Mund!? Ich nickte. Klang einleuchtend. Ich überlegte, ob ich Mama fragen soll, wie denn ausgerechnet diese Haare in den männlichen Mund gelangen, unterließ das aber. Mama wollte es leider auch nicht näher erläutern, vermutlich weil Stellung 69 als erstes zu sehen war, als ich völlig gelangweilt die nächste Seite der Zeitschrift aufschlug.

Etwas schleppend führten wir unsere Konversation fort. Das Thema Intimrasur war nun nicht mehr von Bedeutung. Stattdessen fand Mama es interessanter über diverse Bezeichnungen von männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen zu erzählen. Nur mit Mühe unterdrückte ich meinen Wunsch, ihren Wortschatz um die Worte Fickprügel, Mörderlatte und Prachtschwanz zu erweitern. Glücklicherweise kam recht bald mein Bruder ins Zimmer, so dass unser Gespräch ein jähes Ende fand. Mit seinen 20 Jahren war mein Bruder sicherlich noch Jahre (wenn nicht Jahrzehnte!) davon entfernt, seine ersten sexuellen Erfahrungen zu sammeln.

Später fuhr ich nach Hause und verdrängte unser Gespräch, welches doch tatsächlich recht unangenehm für mich war. Ich sprang in die Badewanne und vollzog die üblichen Schönheits- und Pflegerituale. Als mein Gillette Venus zum Einsatz kam, ärgerte ich mich, dass ich Mama nicht den Tipp mit dem Duschgel anstatt des Rasierschaums gegeben hatte, jedoch vergaß ich auch dies schnell. Die Zeit drängte. Ich wollte ausgehen und hatte keine Lust mehr, mich mit diesen Gedanken zu beschäftigen. Doch mir war scheinbar nicht klar, dass das Gespräch mit meiner Mutter katastrophale Auswirkungen auf mich hatte. Insgeheim verspürte ich nämlich den Drang, meinen Wissensstand zu überprüfen und eventuelle Defizite auszugleichen. Die ursprüngliche Abendplanung fiel wegen akutem Desinteresse ins Wasser und drei Alternativen taten sich auf:

Alternative Nr. 1:

Einmal richtig bügeln!
Nachdem ich ausgehfertig bin, stürze ich mich ins Nachtleben. Ich treffe mich mit einigen Freunden in einer Kneipe, wo wir uns genüsslich die Kante geben, bis wir schließlich so blau sind, dass wir uns wildem und hemmungslosem Sex auf der Theke hingeben. Dabei sind wir nicht zu faul, die 50 besten Stellungen aus dem gesunden Magazin zu testen. Leider wird unser Treiben dem Kneipeninhaber zu bunt weil er nicht mitmachen durfte, sondern nur die Sauereien wegwischen musste, so dass er um halb vier die Bullen anruft, wir alle abgeführt und in die Ernüchterungszelle geworfen werden. Wir lassen uns allerdings den Spaß nicht versauen und versuchen stattdessen die Bullen zu bestechen, drohen mit weiterem Gruppensex und obszönen Arsch-Dildo-Arschspielchen, wenn wir nicht sofort freigelassen werden. Doch die Bullen sind schlauer. Sie rufen unsere Eltern an, die auf den Videobändern der Überwachungskameras ihre Kinder identifizieren und geschockt unser Treiben mitbekommen. Prompt werden wir alle enterbt. Scheiß was auf die Jachten und den Fuhrpark, Ficken macht eh mehr Spaß, allerdings tut's uns doch wegen der Schweizer Konten leid. Also ziehen wir uns wieder an und fahren mit unseren Mamis und Papis nach Hause, wo uns Standpauken und Hausarrest bis zum letzten Tag blühen.

Alternative Nr. 2:

Nach dem aufklärenden Gespräch mit meiner Mutter habe ich Nachholbedarf. Ich fahre zu einem Mann, wo ich den Rest des Abends mit Saufen und exzessivem Sex verbringe. Ich ernte einige Ohs und Ahs, als ich meinen Schambereich mit dem kunstvoll einrasiertem Violinschlüssel präsentiere und studiere stundenlang Stellung Nr. 43 ein, welche laut Gesundheitsmagazin einen Schwierigkeitsgrad von 11 aufweist. Kurz nach dem Wadenkrampf und bevor auch das rechte Bein für immer hinter meinem Kopf verschwindet, entschließe ich mich zu Oralsex. Während ich genüsslich an dem Prachtschwanz lutsche, denke ich an meine Mutter und die Spinne im oberen rechten Eck im Bad, welche noch immer blutrünstig auf meinen nackten Hintern wartet. Geschockt und in Panik ob dieser Gedanken, verheddern sich meine Zähne in dem Prachtschwanz, welcher nun keiner mehr ist. Das Fiasko endet im Krankenhaus, wo wir behandelt werden. Er bekommt einen Kunstständer und ich werde entknotet, was leider auch bedeutet, dass meine Zehen nun dort sind, wo einst meine Ferse war.

Alternative Nr. 3:

Ich überlege es mir anders und gehe doch nicht fort. Stattdessen besuche ich ein weiteres Mal meine Mutter um mit ihr gemeinsam die Wohnung zu putzen und dabei wieder über Sex zu reden. Ich nutze die Gunst der Stunde und beichte, dass ich nicht normal bin und auch kein normales Leben führe, sowie keine normalen Freunde habe. Ich erzähle von meinen sexuellen Eskapaden und dass ich vier verschiedene Umschnalldildos habe, die ich alle gleichzeitig einsetze. Unverblümt teile ich ihr mit, dass ich die dreckigste Billigkeit bin und heimlich in den Fotostories von Praline mitgewirkt habe. Als Entschuldigung bringe ich zahlreiche andere Personen, die mich versaut und zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Ich erzähle von Männern, die meine Beine in überfüllten Räumen lecken während mir dabei fast einer abgeht. Ich erzähle, dass ich nur deswegen ins Freibad gehe um den einen geilen Knackarsch zu sehen, der sich immer wieder provokant meinen Augen präsentiert, während ich glotzend dabei bin, mir den Sabber wegzuwischen und ich erzähle von meinen zahlreichen Orgien in diversen SM-Lokalitäten.

Auch unsere Eltern tun es!
Meine Mutter lacht sich schlapp und freut sich über die blühende Fantasie ihrer Tochter. Anschließend steckt sie mich mit einer Tasse warmer Milch mit Honig ins Bett, misst meine Temperatur und verlässt das Zimmer. Unglücklicherweise verschließt sie die Zimmertür und spült aus Versehen den Schlüssel in der Toilette runter. Jahre später findet ein Bauunternehmen beim Abriss des Hauses mich und meine Memoiren. Statt des geplanten Edelbordells welches es bauen wollte, beschließt das Bauunternehmen die Branche zu wechseln und veröffentlicht mein Tagebuch, welches recht schnell ein Bestseller wird und auf dem Index landet. Der Erlös wird in den Bau neuer geschlossener Anstalten investiert.

Ich gebe zu, dass jede dieser Alternativen ihren Haken hatte. Während ich darüber nachdachte, für welche ich mich entscheiden soll, verließ mich mein Tatendrang und Unsicherheit kam auf. War ich wirklich bereit für die Männerwelt? War ich nicht insgeheim jahrelang auf dem falschen Trip gewesen, als ich glaubte sexuell aufgeschlossen zu sein? Wollte ich nach dem Gespräch mit meiner Mutter überhaupt je wieder Sex haben? Horrorszenarien spielten sich in meinem Kopf ab, die immer wieder meine Mutter in den Vordergrund drängten. Bereits nach einer guten halben Stunde war ich nur noch ein kettenrauchendes Häufchen Elend. Das Resultat war, dass ich ein hochgeschlossenes Shirt anzog und in Reihe 2 des lokalen Kinos meinen Abend fristete. Alleine versteht sich...

Mittlerweile habe ich eine Jahreskarte aushandeln können. Hat immense Vorteile, wie ich finde, denn schließlich kenne ich jetzt nicht nur das gesamte Kinopersonal und jeden einzelnen Kinositz, sondern auch alle Filme, die in den letzten zwei Jahren im Kino liefen. Ich kann also immer und überall mitreden kann, wenn es sich ums Kino dreht, was leider meiner Meinung nach viel zu selten der Fall ist. Kürzlich habe ich mich auch bei den anonymen Kinoholics angemeldet. Ich habe begriffen, dass es auch andere Menschen gibt, die ein abartiges Faible dafür entwickelt haben bzw. es in Folge von Traumata als Ersatzbefriedung ansehen.

Und was meinen guten Gillette Venus angeht: Ich habe ihn verschenkt. Er gehört jetzt meiner Mutter.


 

03.05.05 08:53

8215 Postings, 7311 Tage SahneHäh

Wissen 30.04.2005   07:00 Uhr

Sexualität

?Mit dem Kopf in fremden Betten?

Glücklich in einer Beziehung und doch vom Verlangen nach Abenteuern geplagt: Wir sind Getriebene unserer Biologie. Ein Interview mit dem Evolutionspsychologen und Soziobiologen David Barash.
Interview: Werner Bartens

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Rezept für die ewige Liebe: Psychologie-Professor David Barash bringt seiner Frau jeden Morgen Latte Macchiato ans Bett. Die beiden sind seit 28 Jahren glücklich verheiratet.
Foto: privat

 

Sind wir in Liebesdingen Gefangene unserer Hormone und Gene? Der Evolutionspsychologe und Soziobiologe David Barash versucht diese Frage seit langem zu beantworten und hat darum ?The Myth of Monogamy? geschrieben. Barash, Professor für Psychologie an der University of Washington in Seattle, lebt mit seiner Ehefrau, vier Pferden, vier Hunden, vier Katzen, einer dreibeinigen Schildkröte und der jüngsten seiner drei Töchter auf dem Land.

SZ Wissen:
In Ihrem Buch haben Sie Monogamie als Mythos bezeichnet. Warum? Liegen Seitensprünge und Ehebruch eher in der Natur des Menschen als Treue?

Barash:
Ja, definitiv. Untreue ist natürlich, Monogamie unnatürlich. Das heißt nicht, dass Ehebruch unvermeidbar wäre. Es gibt viele Dinge, die natürlich sind, die wir aber trotzdem nicht tun. Wir kontrollieren unsere Ausscheidungen, auch wenn das für Primaten wie uns keineswegs natürlich ist. Trotzdem kackt niemand in den Flur. Wenn wir aggressiv sind, wäre es natürlich, dem anderen ins Gesicht zu schlagen. Auch da haben wir uns meist unter Kontrolle.

SZ Wissen:
Was verändert sich biologisch auf dem Weg zur Untreue? Wenn wir uns verlieben, kommen wir doch in den ersten Wochen und Monaten nicht auf die Idee, fremdzugehen?

Barash:
Vielleicht nicht handgreiflich ? aber in Gedanken. Selbst wenn man von einer Beziehung entflammt ist, schaut man sich nach anderen um und hat sexuelle Phantasien.

SZ Wissen:
Warum werden die Gedanken an einen Seitensprung in vielen Beziehungen später doch in die Tat umgesetzt?

Barash:
Aus evolutionärer Sicht erhöht die Aussicht auf zusätzliche Sexpartner die Chance auf Fortpflanzung. Alle Lebewesen streben nach reproduktivem Erfolg ? selbst wir Menschen, auch wenn wir oft versuchen, ihn mit Verhütungsmitteln zu kontrollieren. Anfangs kann man ihn erhöhen, wenn man sich auf einen Partner konzentriert. Wenn man sich mit diesem Partner bereits vermehrt hat, ist es aber aussichtsreicher, sich nach anderen umzuschauen. Aus biologischer Sicht ist Ehebruch daher nicht überraschend.


 

Liebespaar an einem Brunnen
Foto: AP

 

SZ Wissen:
Alle paar Wochen erscheinen Fachartikel über tierisches Paarungsverhalten. Ist das ernst zu nehmende Wissenschaft, wenn man von untreuen Wühlmäusen, Ratten oder Bonobos auf Menschen schließt?

Barash:
Es sind zumindest ernsthafte wissenschaftliche Spekulationen. Wenn Tierstudien nichts über den Menschen aussagen würden, wären sie längst eingestellt worden. Man kann aus Tierstudien beispielsweise viel über Verdauungsenzyme lernen. Diese grundlegenden Prinzipien lassen sich auf den Menschen übertragen.

SZ Wissen:
Liebe, Untreue und Ehebruch sind komplexer als Verdauungsenzyme.

Barash:
Das Paarungsverhalten von Lebewesen ist in der Tat vielfältiger. Aber es gibt universale Muster. Männchen sind immer promisker als Weibchen, und theoretisch verstehen wir auch, warum. Die meisten Menschen glauben, der Unterschied zwischen männlich und weiblich bestehe in dem zwischen Penis und Vagina, Bart und Brust. Nehmen wir die Austern oder viele Vogelarten. Äußerlich kaum ein Unterschied. Man kann sie aber an ihrem Paarungsverhalten und ihren Keimzellen unterscheiden. Weibchen müssen einfach viel mehr in ihre Fortpflanzung investieren. Bei Vögeln machen die weiblichen Keimzellen fast 20 Prozent des Körpergewichts aus. Bei Säugetieren sind die Eizellen zwar kleiner, doch Schwangerschaft und Stillzeit bedeuten trotzdem eine enorme biologische Investition. Der männliche Beitrag ist dagegen marginal, ein paar Spermien. Dieses Muster ist bei aller Vielfalt der Lebewesen universal. Daraus folgt: Das Geschlecht, das mehr in die Fortpflanzung investiert, ist weitaus wählerischer und weniger promisk.

SZ Wissen:
Wer ist innerhalb eines Geschlechts anfälliger für Seitensprünge? Gibt es da so etwas wie ein genetisches oder hormonelles Profil?

Barash:
Bisher hat man dafür keine genetische Variation oder Hormonkonzentration gefunden. Es ist eher von der Situation abhängig. Nehmen Sie die Fischadler: So lange das Männchen ihr Fisch bringt, während sie die Eier ausbrütet, ist sie zufrieden. Sobald er sich nicht mehr genügend um sie kümmert, fängt sie an, mit anderen zu kopulieren, wenn er unterwegs ist. Dann bekommt sie von denen nicht nur Sex, sondern auch Fisch.


SZ Wissen:
Ein biologischer Tauschhandel?

Barash:
Wenn er kein guter Versorger ist, beginnt sie mit Affären. Deswegen macht nicht diese oder jene Hormon- oder Genveränderung anfällig für Seitensprünge. Jedes Weibchen neigt zu Liebschaften, wenn es nicht ausreichend ernährt und versorgt wird.

SZ Wissen:
Wie weit sind wir Sklaven unserer Biologie? Man muss doch die Lust auf Affären nicht ausleben.

Barash:
Stimmt. Sie können auch psychisch Kranken sagen: Hören sie endlich auf, schizophren, depressiv oder ängstlich zu sein. Manche können das, andere nicht.

SZ Wissen:
Mönche und Nonnen leben meist komplett ohne Sex.

Barash:
Aber auch sie sind von der Biologie beeinflusst. Sie flüstert jedem von uns etwas ein. Aber wenn man sich stark genug verpflichtet fühlt, sei es der Religion, einer Idee, einem Menschen, kann man fast alle biologischen Impulse überwinden. Ein entscheidender Aspekt des Menschseins besteht in der Kontrolle biologisch geprägter Verhaltensmuster. Aber wir sollten die Sehnsüchte unserer Biologie verstehen und respektieren.

SZ Wissen:
Sie plädieren für aufgeklärte Triebkontrolle?

Barash:
Ärzte haben immer wieder Patienten, die sich beklagen: Ich bin glücklich verheiratet, habe aber sexuelle Phantasien, in denen andere Frauen vorkommen. Sie fragen sich: Liebe ich meine Frau nicht? Was stimmt mit mir nicht? Krankhaft wäre es, wenn sie diese Phantasien nicht hätten, wenn die Biologie ihnen das nicht einflüstern würde. Es gibt einem vielleicht mehr Kraft, wenn man weiß, dass diese Triebe natürlich sind ? ohne dass man sie deshalb ausleben muss.

SZ Wissen:
Was läuft falsch, wenn man sie trotzdem auslebt?

Barash:
Im medizinischen Sinne nichts. Es gibt viele Erklärungen: Die Versuchung ist zu groß, die Attraktion der eigenen Beziehung zu gering. Irgendetwas vermindert die Hemmschwelle. Aber zwischen Hormonspiegeln und menschlichem Verhalten gibt es keine Korrelation.

SZ Wissen:
Also gibt es kein Doping, um sich zu verlieben?

Barash:
Die richtige Balance zwischen Oxytocin und Vasopressin scheint wichtig zu sein, aber die müssen intern von Hypothalamus und Co. produziert werden. Es gibt kein Liebesgift, kein Getränk, in das Amor seine Pfeile tauchen könnte. Die Sorge um den Anderen, sich kümmern ? kaum etwas ist so sexy zwischen zwei Menschen. Das ist das Geheimnis. Ich bringe meiner Frau jeden Morgen eine Latte Macchiato ans Bett.

SZ Wissen:
Wie der Fischadler seinem Weibchen den Fisch.

Barash:
Genau.

SZ Wissen:
Das hilft, monogam zu bleiben?

Barash:
Wir hatten jedenfalls gerade unseren 28. Hochzeitstag.

(SZ Wissen vom 30.4.2005)


 

03.05.05 08:54

8215 Postings, 7311 Tage SahneHoppla! Hähä sollte das heissen ;) o. T.

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