Wer ist der Reichste im Land?

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eröffnet am: 16.11.03 17:31 von: Major Tom Anzahl Beiträge: 3
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16.11.03 17:31

4428 Postings, 6837 Tage Major TomWer ist der Reichste im Land?

Leben in Deutschland (7)
Wer ist der Reichste im Land?
Die Daten über die Vermögenden sind vieldeutig
Von Mark Spörrle

Es gibt nicht viele Erhebungen zum Reichtum in Deutschland. Die, die man findet, sind großenteils älteren Datums und wegen unterschiedlicher Berechnungsgrundlagen nur schwer miteinander vergleichbar.

Einkommen: Die jüngste Untersuchung zum Einkommensreichtum stammt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Sie widmet sich den statistischen Lebensverhältnissen in jenen 2,7 Prozent (etwas über einer Million) aller Haushalte mit einem Nettoeinkommen über 5100 Euro. Diese verfügen im Schnitt über ein Vermögen von 960000 Euro, und jeder zweite leistet sich mindestens ein Kind (eine Einkommenskategorie tiefer kommen Kinder nur in jedem dritten Haushalt vor). Erben spiele zwar eine große Rolle, so das Fazit der DIW-Forscher; die durchschnittliche Erbschaft summiert sich auf 180000 Euro. Die meisten Vielverdiener kämen aber »auf der Basis einer überdurchschnittlichen Berufsqualifikation und langer Arbeitszeiten« zu ihrem Geld. Allerdings, für die 5100 Euro plus pro Haushalt müssen meist zwei arbeiten.

Die Verfasser des Armut- und Reichtumsberichtes der Bundesregierung identifizierten anhand der letzten amtlichen Einkommensstatistik von 1995 etwa zwei Millionen Haushalte, die (gemäß der Reichtumsdefinition Ernst- Ulrich Husters) mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Jahresbruttos von damals 66823 Mark verdienten. Diese 6,8 Prozent aller Haushalte steckten ein Viertel des deutschen Gesamteinkommens ein. Drei Fünftel der Gutverdiener waren angestellt.
 
Anders bei den Einkommensmillionären: Laut Armuts- und Reichtumsbericht gab es 1995, noch in D-Mark, 27230 Personen, die mindestens eine Million brutto im Jahr hatten (darunter 12707 Netto-Millionenverdiener). Drei Viertel von ihnen waren selbstständig, ein Viertel war weiblich, zwei von hundert lebten im Osten. Und 82 Prozent bezogen (auch) Einkünfte aus ihrem Kapitalvermögen.

Vermögen: Wählt man nicht das Einkommen, sondern das Vermögen als Kriterium für Reichtum, fällt die Zahl der reichen Haushalte höher aus: Für 1998 fand der Bericht der Bundesregierung 1,5 Millionen private Haushalte mit einem Vermögen von über einer Million Mark, Immobilien inklusive.

Auf Häuser und Grundstücke verzichteten die Privatbank Merrill Lynch und die Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young in ihrer Erhebung zur Vermögenslage für das Jahr 2000. Die beiden Institute zählten 365000 Haushalte mit einem Geldvermögen von mindestens einer Euro-Million. Summa summarum verfügten diese glücklichen 0,5 Prozent der Bevölkerung über 2000 Milliarden Euro, mehr als ein Viertel des gesamten deutschen Vermögens.

Der Forbes-Liste der Superreichen für das Jahr 2003 zufolge gibt es in Deutschland 43 Milliardäre, trotz Wirtschaftsflaute acht mehr als in der Vorjahresliste. Das Ranking der Superreichen führen die Aldi-Gründer Theo und Karl Albrecht mit zusammen 22,34 Milliarden Euro Vermögen an. Jüngster Milliardär auf der Liste ist der 19-jährige Erbe Albert von Thurn und Taxis mit 1,31 Milliarden Euro.

MT

PS Die meisten großen Vermögen sind über mehrere Generationen entstanden. Durch harte Arbeit kann man es auch heute zu Geld bringen ? aber richtig reich werden hierzulande vor allem die Erben.  

PPS Keinen Sozialneid, bitte! ;-)
 

16.11.03 17:34

4428 Postings, 6837 Tage Major TomWie man in Deutschland reich wird

Die meisten großen Vermögen sind über mehrere Generationen entstanden.

Durch harte Arbeit kann man es auch heute zu Geld bringen ? aber richtig reich werden hierzulande vor allem die Erben.
Von Mark Spörrle

Reich werden, das geht manchmal ganz einfach, ohne jahrelanges Rackern und Plagen, wenn man einfach nur Glück hat. Es ist zwar laut Statistik viermal wahrscheinlicher, vom Blitz erschlagen zu werden, als sechs Richtige zu tippen. Aber rund 300 Lottomillionäre gibt es jedes Jahr. Reich werden kann man auch schon durch ein bisschen Wissen und wenn man sich nicht dadurch irritieren lässt, dass Günther Jauch bei Wer wird Millionär? zweifelnd grinst: »Sind Sie sicher?« Die Million, schnell und unkompliziert, das ist die Hoffnung von Millionen.

Für Sabine Steffen, 37, war es am 2. November vergangenen Jahres so weit. Sie saß in den Bavaria-Film-Studios in München in der Show der Süddeutschen Klassenlotterie Millionär gesucht, Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht ließen die Glückskugel rollen, und Sabine Steffen zwang sich, nicht weiterzudenken. Daran, dass sie nur hergekommen war, weil zu Hause, in Moosburg bei Freising, ein Telefonverkäufer der SKL angerufen und darauf beharrt hatte, sie möge doch ein Los nehmen. »Na gut«, hatte sie schließlich geantwortet, »aber nur das billigste.«

Sie hatten ihr Leben schon eingerichtet. Sabine Steffen, ihr Mann, die Kinder Hannah und Lennart und Sabine Steffens Mutter wohnten zur Miete in einer hübschen Doppelhaushälfte. Jürgen Steffen arbeitet bei einem Wachdienst und fährt jeden Tag die 60 Kilometer nach München und zurück, Sabine Steffen wollte nach einer längeren Babypause gerade wieder anfangen zu arbeiten, als Informatikkauffrau. Sie hatten liebe Freunde, es war eigentlich genug Geld da, nur für Sabine Steffens Herzenswunsch reichte es nicht: ein eigenes Haus. Da war ein schönes Grundstück, an dem sie beim Spazierengehen mit Mischlingshündin Jeanny immer vorbeikam, mit Blick auf eine Pferdekoppel und die Amperauen. Schade, dachte Sabine Steffen dann jedes Mal, aber wir sind auch so zufrieden.

Dann kam der Brief der Süddeutschen Klassenlotterie: Sie sei Kandidatin für die SKL-Show bei RTL, mit Günther Jauch. Und nun saß sie im Studio, vor sich die Bahn, auf der die Glückskugel rollte, rollte, und genau vor ihr liegen blieb. Nein, dachte Sabine Steffen, nein, aber neben ihr flüsterte schon eine Assistentin: »So, jetzt gehen wir nach vorn.« Die Spielregeln, sagt Frau Steffen, habe sie bis heute nicht ganz begriffen. Irgendwann saß sie auf der Couch zwischen Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht, ein weiteres Mal rollte die Glückskugel, und noch ehe sie ganz still lag, sagte Günther Jauch leise: »Jetzt haben Sie sie schon, die Million.«

Der Traum vom Reichtum ist wohl der am häufigsten geträumte Traum überhaupt. Geld steht für Freiheit, Glück, Erfolg und Einfluss. Geld mache attraktiv und begehrenswert, glaubt auch der Psychologe, Betriebswirt und Buchautor Wolfgang Krüger (Die Faszination des Geldes). Die Macht des Geldes ist umso größer, je mehr jeder daran glaubt.

Dass die mächtigste Geldmaschine der vergangenen Jahrzehnte, die Börse, abgeschmiert ist; dass in den Buchhandlungen die Anlage- den Psychoratgebern Platz gemacht haben ? das stört den großen Traum nicht. Auch nicht Erhebungen wie jene der London School of Economics, wonach Spitzenverdiener weltweit die Liste der Depressiven und Selbstmörder anführen. 53 Prozent aller Deutschen zeigten sich in einer Umfrage des GfM-Getas-Instituts überzeugt, dass mehr Geld auch einen Mehrgewinn an Glück bringt.

Sabine Steffen kann nicht sagen, dass sich in ihrem Leben viel verändert hat. Außer dass man, geht die Familie zum vierten Mal im Monat essen, nicht mehr überlegt, ob das wirklich sein muss. Sabine Steffen hat sich einen Ford Focus gekauft, »Du hättest wenigstens ein Cabrio nehmen können«, wunderte sich eine Freundin, und in Moosburg gab es Menschen, die ihr eine Zeit lang nicht in die Augen schauen konnten. Ach, und auf dem Grundstück, an dem sie so oft vorbeikam, entsteht jetzt ihr Traumhaus, mit zwei Zimmern für jedes Kind, großer Küche, Sauna, Whirlpool, in den Keller kommt eine Hundedusche, sagt Frau Steffen lächelnd. Macht Geld nun glücklich? »Glück«, sagt Sabine Steffen, »Glück, das heißt für mich: Familie, Freunde, Gesundheit. Das kann man doch nicht kaufen.« Die Steffens hoffen, dass ihnen niemand den schönen Blick auf die Amperauen verbauen wird. Für das Grundstück hinter ihrem hätte das Geld nicht gereicht: »So viel ist eine Million auch nicht.«
 

16.11.03 17:37

4428 Postings, 6837 Tage Major TomWann ist man reich?

Wann ist man reich?

Reichtum ist relativ. In den fünfziger Jahren war eine Million unerreichbar. Ein Millionär, so malte man sich aus, badete in Champagner, besaß eine Yacht, ein großes Haus nebst Swimmingpool, vielleicht eine eigene Landebahn. Solche Fantasien relativierten sich mit steigenden Grundstückspreisen und einer steten Vermehrung der Millionäre. 1960 wurde deren Zahl in Deutschland auf 14000 geschätzt, 1978 auf 217000, 1998 dann bereits auf 1,5 Millionen. Durch den Euro relativierte sich einerseits die Zahl der Millionäre wieder. Andererseits wird mancher heutzutage schon durch ein geerbtes Haus in guter Lage quasi über Nacht zum Millionär.

Fest steht zudem: Jeder hat ein anderes Empfinden von Reichtum, und gefühlter Reichtum hängt davon ab, mit wem man sich vergleicht. Ein Milliardär, der als Einziger unter lauter 30-Meter-Yacht-Besitzern nur ein 20-Meter-Schiff hat, kann sich so ärmlich fühlen wie der Golf-Fahrer, bei dessen Nachbar plötzlich der Mercedes vor dem Haus steht. Fragt sich also: Wann ist man reich?

In der Wissenschaft sucht man eindeutige Definitionen beispielsweise über das Einkommen. In Deutschland gilt als arm, wer weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens verdient. Dann, so definiert der Bochumer Politologe und Reichtumsforscher Ernst-Ulrich Huster, sei derjenige reich, der mehr als das Doppelte des Durchschnitts verdient. Allerdings, räumt Huster ein: »Wenn man diese Grenze zugrunde legt, ist Reichtum ein Massenphänomen« (siehe Wer ist der Reichste im Land? ).

Es gibt andere wissenschaftliche Definitionen, die Einkommensreichtum höher ansiedeln, aber dann fehlen Fakten. In der letzten amtlichen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe von 1998 sind Personen mit einem Monatseinkommen über 35000 Mark nicht erfasst. An freiwilligen Erhebungen nehmen Großverdiener nicht teil, die freundliche Befragerin könnte ja kriminell oder vom Finanzamt sein. »Man redet eher über Sex als über Geld«, seufzt Reichtumsforscher Huster.

Aus der Bunten oder Gala erfährt man vielleicht noch, dass Heidi Klum sich ein Haus mit Pool in der Nähe von New York kauft, Udo Jürgens in einem Millionärswohnort namens Zumikon bei Zürich lebt und Dieter Bohlen mit seinen goldenen Schallplatten in Deutschland bleiben und sein Anwesen einbruchsicher machen lassen will, damit man ihm nichts mehr aus der Garage klaut. Doch trotz Klatsch und Tratsch: die Masse der richtig Reichen bleibt im Dunkeln, jener Leute, die früher Mercedes S-Klasse fuhren und jetzt E-Klasse, der Stimmung wegen.

Auch der 2001 verabschiedete Armuts- und Reichtumsbericht, der erste Versuch einer deutschen Regierung, ein umfassendes Bild der sozialen Unterschiede zu zeichnen, widmet lediglich rund 30 von über 290 Seiten den Vermögenden, er differenziert Vielverdiener nur nach Geschlecht, Alter und beruflicher Stellung. Kaum ein Wort über Herkunft und Auswirkungen großen Reichtums. Reiche seien als relative Minderheit statistisch nicht relevant, sagen manche Forscher. Sind sie doch, widersprechen andere, weil Geld Privilegien, Prestige und Macht bedeuten. »Wie leben Reiche, wie wohnen Reiche, wie gebildet sind sie, wie gesund sind sie? Es fehlen Daten«, kritisiert auch Ernst-Ulrich Huster. »Oder: wieso kriegt jemand wie der Fürst von Thurn und Taxis zwei Spenderherzen hintereinander, und andere sterben, während sie auf ihr erstes Spenderherz warten?« Genau ist auch nicht untersucht, wie man am ehesten reich wird. Die Antwort auf diese Frage interessierte in einer Umfrage der evangelischen Kirche 63 Prozent der Deutschen mehr als die Antwort darauf, ob es Gott wirklich gibt. Einige schaffen es tatsächlich durch Fleiß und harte Arbeit.


 

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