Wer hat Angst vorm gelben Mann?

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eröffnet am: 19.04.06 12:00 von: sportsstar Anzahl Beiträge: 13
neuester Beitrag: 19.04.06 13:54 von: Timchen Leser gesamt: 589
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19.04.06 12:00
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31051 Postings, 7370 Tage sportsstarWer hat Angst vorm gelben Mann?

 Supermacht China

Wer hat Angst vorm gelben Mann?

China raubt unsere Arbeitsplätze und reißt sich die Erdölreserven unter den Nagel, China will den Westen aufkaufen und überschwemmt die Welt mit Textilien. Die Angst vor China ist allgegenwärtig. Aber sie ist unbegründet.

Ein Kommentar von Henrik Bork

 

Die Textilfabrik der Welt: Chinesische Arbeiterinnen in einer Werkhalle in Foshan.
Foto: AP

 

Sie ist wieder erwacht, die Angst vor China. Weltweit hat eine neue Runde der alten Panikmache vor der ?Gelben Gefahr? begonnen. Das rassistische Schlagwort selbst wird zum Glück zwar nicht mehr bemüht.

Doch das damit verbundene Denken feiert ein fröhliches Comeback. Chinas Präsident Hu Jintao bekommt es diese Woche in den USA zu spüren, wo sein Land für fast alle Probleme verantwortlich gemacht wird.

Was wird China derzeit nicht alles unterstellt! Einmal will es den Westen aufkaufen, sich seine strategischen Erdölreserven unter den Nagel reißen. Mit solchen plumpen Argumenten verhinderte der US-Kongress die Übernahme der amerikanischen Ölfirma Unocal durch einen chinesischen Konkurrenten.

 

Hilfe, Produktpiraten!

Ein andermal sorgt sich Europa wegen der angeblichen ?Überschwemmung? seiner Märkte durch chinesische Textilien.

Die Chinesen zerstören unsere Industrien und rauben unsere Arbeitsplätze, lauten die Kassandra-Rufe. Und als wäre diese Bedrohung nicht genug, klauen die chinesischen ?Produktpiraten? auch noch unsere besten Ideen und Technologien, um uns zusätzlich die Zukunft zu nehmen!

Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber will den angeblichen Technologieklau beim Transrapid sogar zum Gegenstand des nächsten G-8-Gipfels machen, auch wenn der Vorwurf sich bislang nur auf Gerüchte stützt.

Man fühlt sich an Kaiser Wilhelm II. und dessen Lieblingszeichnung erinnert. Europa symbolisierende Erzengel und Walküren waren darauf zu sehen, die am Horizont von einer Rauchfahne in der Form eines Drachen bedroht werden. ?Völker, wahrt Eure heiligsten Güter!? stand darunter.

Die ?Woge der gelben Rasse? könnte sich ?Verderben bringend über Europa ergießen?, warnte auch Helmuth von Moltke. Die dumpfe Angst, die Industrialisierung Chinas könnte das Ende Europas und Amerikas einläuten, ging schon vor mehr als einhundert Jahren um, und die Beschwörungen klingen erstaunlich aktuell.


 

Präsident Hu bei seinem Staatsbesuch in den USA.
Foto: Reuters

 

Man sorgte sich schon 1882

Bereits 1882 warnte die Internationale Monatsschrift aus Chemnitz vor der Gefahr, ?von dem großen chinesischen Reiche, welches den Europäern ihre Industrie, Technik und Verkehrswesen mit fieberhaftem Eifer ablernt und bei sich einführt, wirtschaftlich erdrückt zu werden?.

Politiker und Medien malten das Schreckgespenst der ?Gelben Gefahr? an die Wand. Damals wie heute gehen solche Unkenrufe auf denselben Gedankenfehler zurück. Stets wird die große Bevölkerungszahl Chinas genommen, und durch fleißiges Multiplizieren und das Extrapolieren von Zeittrends in die Zukunft werden Worst-Case-Szenarien entworfen.

Um 1900 sagte eine deutsche Zeitschrift angesichts der Billigkonkurrenz in Asien voraus, dass bald der ?letzte freie Arbeiter aus Verzweiflung seine Schnapsflasche mit der Opiumpfeife vertauscht? und sich die ?letzte Berliner Wäscherin an ihrer Wäscheleine erhängt? haben werde.

Heute verkündet ein Vordenker wie der Amerikaner Lester Brown angesichts der Umweltverschmutzung in China das ?Ende des kapitalistischen Wirtschaftsmodells?.

Ertrinken in billigen Büstenhaltern

Zum Glück haben sich die Zeiten geändert, und die Chinesen wollen uns in aktuellen Angstphantasien nicht mehr erobern, sondern nur noch in abgekupferten Transrapids herumrasen. Da könnte man fast Trost in dem absurden Szenario finden, demzufolge wir bislang nur in den Fluten billiger chinesischer T-Shirts und Büstenhalter ertrinken.


 

Die Angst vor China ist allgegenwärtig. Aber sie ist unbegründet.
Foto: AP

 

In Wirklichkeit ist die Geschichte immer wieder für Überraschungen gut. Die China-Albträume unserer Vorfahren haben heute eine so beruhigende Wirkung, weil es uns ein Jahrhundert später immer noch ganz gut geht.

Parallel zur Industrialisierung Chinas wächst der europäische Außenhandel. Wir exportieren zwar keine T-Shirts mehr, dafür aber Spinnmaschinen für Chinas Textilfabriken. Künftig wird es immer mehr Umwelttechnologie sein.

Reale Gefahren

Chinas rascher Aufstieg birgt reale Gefahren, für den Weltfrieden wie für das globale Klima, und niemand will sie verharmlosen. Doch es geht darum, die Probleme gemeinsam mit den Chinesen zu lösen. Protektionismus, Panikmache und Wirtschaftspessimismus sind da wenig hilfreich.

Es ist falsch, den Chinesen erst deutsche, amerikanische, japanische Autos en masse zu verkaufen, dann aber scheinheilig ihre Erdölkäufe in Iran, Sudan oder den USA als ?Neo-Merkantilismus? zu verdammen.

Wenn am ?kapitalistischen Wirtschaftsmodell? etwas faul ist, dann sollten wir unseren eigenen Energieverbrauch reduzieren, nicht aber den Chinesen das Nachahmen unseres Erfolgs und unserer Technik verbieten wollen. Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang sogar ein Segen, wenn China einen billigen Transrapid baut, statt noch mehr Autobahnen.

Schon vor hundert Jahren gab es neben allen Ängsten auch einen offenen und mutigen Blick auf China. ?Nun regt sich der gelbe Drache ungeheuer auf und scheint wie ein gewaltiger Komet den Himmel zu verfinstern?, schrieb ein deutscher Autor 1905, um dann tapfer vorherzusagen:

?Auch sein Gifthauch wird uns nicht töten. Stärker als die aufgehende ist die Mittagssonne und ihr Strahl erhellt Europa?. Eine gesunde Portion Gelassenheit stünde uns im Umgang mit China wieder gut zu Gesicht.

(SZ vom 19.4.2006)

 

19.04.06 12:02

1309 Postings, 7174 Tage slimfastIch nicht

19.04.06 12:04

2616 Postings, 5804 Tage 14LandserNein o. T.

19.04.06 12:19

11123 Postings, 6007 Tage SWayda wäre aber auch noch

http://ariva.de/board/253291
&
http://ariva.de/board/253449

;)


 

19.04.06 12:26

31051 Postings, 7370 Tage sportsstarHu schaut bei US-Besuch zunächst bei Gates vorbei

Chinas Präsident Hu


Warme Worte für Bill Gates


 © Ted S. Warren/AP Freut sich auf voluminöse Aufträge: Microsoft-Chef Gates. Rechts neben ihm Chinas Präsident Hu Jintao
Allein die US-Softwarebranche verliert pro Jahr mehrere Milliarden Dollar, weil in China fleißig kopiert wird. Kein Wunder, dass Chinas Präsident Hu bei seinem Treffen mit "Mr. Microsoft" Bill Gates versprach, Produktpiraterie zu bekämpfen. Hus Besuch wurde von Protesten begleitet.

Erstmals ist ein Staatschef des kommunistischen Chinas in die USA gereist: Hu Jintao wird vier Tage zu Besuch sein und US-Präsident George W. Bush treffen. Am Dienstag jedoch traf Hu zunächst Microsoft-Gründer Bill Gates in der Firmenzentrale bei Seattle. Dabei bekräftigte Hu, verstärkt gegen Produktpiraterie vorgehen zu wollen. "Wir nehmen unsere Versprechen sehr ernst." Nach Schätzungen gingen allein 2004 der US-Softwarebranche 3,5 Milliarden Dollar durch illegal kopierte Programme verloren. Die Regierung in Peking hatte deswegen kürzlich erklärt, dass alle chinesischen Computer mit einem speziellen und lizenzierten Betriebssystem ausgestattet sein müssen. Dafür soll auch Windows-Software von Microsoft gekauft werden. Gates kann Aufträge im Wert von 400 Millionen Dollar erwarten. 

Gates serviert Drei-Gänge Menü
Nach dem Firmenbesuch ging es in die Privatgemächer des reichsten Mannes der Welt - Gates hatte Hu zusammen mit rund 100 anderen Gästen zu einem Drei-Gänge-Menü in seine 100-Millionen-Dollar-Villa am Lake Washington eingeladen. Doch nicht nur dort wurde Hu mit großen Ehren empfangen: So hängten viele Geschäftsinhaber in Seattles Stadtteil Chinatown chinesische und US-Flaggen vor die Tür, um den Gast willkommen zu heißen. Andererseits versammelten sich sowohl vor dem Microsoft-Firmengelände als auch vor Hus Hotel hunderte Menschen, die für ein Ende der Internet-Zensur und die Freilassung aller politischen Gefangenen in China demonstrierten.

Am Donnerstag soll Hu mit Bush in der Hauptstadt Washington zusammentreffen. Dabei soll es nur um bilaterale Probleme gehen - die USA verzeichnen ein Außenhandelsdefizit von 202 Milliarden Dollar -, sondern auch um das iranische Atomprogramm. Bush, der zuletzt selbst einen Atomangriff auf den Iran nicht ausgeschlossen hat, will China dazu bewegen, mehr Druck auf die Führung in Teheran auszuüben. China indes gilt als engster Verbündeter Irans und hat das amerikanische Vorgehen im UN-Sicherheitsrat bislang blockiert.  Reuters/AP/DPA

 

19.04.06 12:41

11123 Postings, 6007 Tage SWayOB Angst oder nicht, ist glaube ich eine

Einstellungssache, eine Frage des pers. Realitätstunnels und natürlich des Wissens und kennens von Personen, wie Mao und auch Lao-Tse...

Die meisten werden keine Angst haben weil sie die Tatsachen einfach verdrängen andere wissen was geschehen wird und wieder andere habe keine Angst vor den Chinesen und freuen sich vielleicht sogar darauf zu sehen, wie sich die Welt ändern wird...

ich gehöre zu der Gruppe, ach ne ist eh klar, oder ?! ;)









 

19.04.06 12:49
1

42128 Postings, 8167 Tage satyrWer Mao kennt sollte eher etwas die Ohren

anlegen,der hat mehr Tote auf dem Gewissen ,wie Adolf und Stalin
zusammen.  

19.04.06 12:57

11123 Postings, 6007 Tage SWay@Satyr

Wenn ich darüber mit Dir diskutiere ziehe ich auf jeden Fall den Kürzeren...


Ich werde aber darüber nachdenken ob ich das Geld für eine kosmetische Operation übrig habe und ob es nötig ist. Versprochen.  

19.04.06 13:00

31051 Postings, 7370 Tage sportsstarEmpfang zweiter Klasse

Empfang zweiter Klasse

In den USA wird der chinesische Staatspräsident Hu Jintao über zahlreiche strittige Fragen sprechen müssen. Ein Staatsbesuch ist die Visite nicht, da Washington diesen Protokoll-Begriff verweigert - zum Ärger Chinas.

[...]

Bewegung im Handelskonflikt

Der bilaterale Handel ist eindeutig das zentrale Thema von Hus Besuch. Vor ihm hatte eine 200-köpfige Delegation unter der Leitung der Vizepremierministerin Wu Yi, zuständig für Chinas Außenhandel, das Land bereist und Waren im Wert von 15 Milliarden Dollar gekauft. Im Gegenzug hatten zwei einflussreiche US-Senatoren und Handelsminister Gutierrez China ihre Visite gemacht. Die Senatoren Charles Schumer und Lindsey Graham waren in der Absicht gekommen, sich vor Ort ein Bild zu machen und danach zu entscheiden, ob über den von ihnen in den Senat eingebrachten Gesetzentwurf, auf alle Exportwaren aus China einen Strafzoll von 27,5 Prozent zu verhängen, Ende März abgestimmt werden soll. Nach einwöchigem Aufenthalt in Peking, Schanghai und Hongkong veranlassten sie, zurück in den USA, die Vertagung der Entscheidung über ihren Entwurf auf Ende September 2006.

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Proteste im März gegen die Abschaffung des Verteidigungsrates in Taiwan

Handelsminister Gutierrez traf Wu Yi gleich zwei Mal binnen zweier Wochen, in Peking und in Washington, auf dem jährlich stattfindenden sino-amerikanischen Handelsgipfel. Seine fast gebetsmühlenartig verkündete Botschaft lautet: Die US-Regierung wünsche sich eine gute Beziehung zu China, wobei die Angelegenheiten des Handels verbesserungsbedürftig seien. Falls China sich aber nicht ausreichend bemühe, Maßnahmen zur Reduzierung seiner Handelsüberschüsse und zum Schutz geistigen Eigentums zu ergreifen, seien Sanktionen unvermeidlich. Solche Sanktionen sollten dann nicht nur vom US-Kongress kommen, auch eine Klage bei der WTO wird erwogen.

Umstrittenes Protokoll

Die chinesischen Handelüberschüsse gegenüber den USA betrugen 202 Milliarden Dollar im Jahr 2005. Darin besteht die eigentliche Quelle aller Unruhen. Im amerikanischen Volk wächst neben Angst auch Unmut gegenüber der immer größer werdenden fernöstlichen Wirtschaftsmacht. Für den Verlust von zwei Millionen Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe seit 2000 wird China verantwortlich gemacht. Der Druck auf Regierung und Abgeordnete wächst, wirksame Schritte gegen einen unfairen Wettbewerb zu unternehmen, der sich nach Auffassung der USA aus einer künstlich niedrig gehaltenen chinesischen Landeswährung ergibt. Der chinesische Handelsminister Bo Xilai hält dem entgegen, dass der Hauptgrunde für die unausgeglichene Handelsbilanz im Verbot der USA zu suchen sei, Hochtechnologie nach China zu exportieren. Zudem stammen 60 Prozent aller chinesischen Exporte aus Unternehmen mit ausländischer Beteiligung. Dazu gehören auch zahlreiche US-Unternehmen, die von den billigen Arbeitskräften in China profitieren.

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Hu und Bush bei einem Treffen in New York im September 2005

Das Protokoll in Washington deklariert Hu Jintaos Visite nicht als Staatsbesuch, während in Peking gerade dieser Begriff für den Besuch vehement in Anspruch genommen wird. Laut der Zeitung "The New York Times" verfolgt George W. Bush damit die Absicht, in der gegenwärtigen angespannten Lage dem chinesischen Staatoberhaupt auf diese Weise einen gezielten Dämpfer zu geben, um der Stimmung im Lande zu entsprechen. Gerade der Symbolik aber kommt in der chinesischen Kultur die ausschlaggebende Bedeutung zu. Darum ringen die Verantwortlichen beider Seiten seit Monaten um eine angemessene Auslegung des Protokolls. Immerhin war ja Hus Vorgänger Jiang Zemin von Präsident Clinton 1997 ein Staatsbesuch gewährt worden. Zum Ausgleich für das fehlende Staatsdinner wollte Bush Hu Jintao auf seine private Ranch einladen. Das hat Hu abgelehnt.

Die weiteren Themen

Selbstverständlich beschränkt sich Hus Besuch, der wegen Hurrikan "Katrina" verschoben wurde und am 21. April endet, nicht auf den Bereich Handel. In einer aktuellen Frage-Antwort-Stunde sagte Bush am 10. April, dass er neben der Handelsfrage auch die Themen Menschenrechte, Religionsfreiheit und Taiwan mit dem chinesischen Staatspräsidenten besprechen möchte. Auf die zuerst genannten Themen dürfte der Gast aus China vorbereitet sein und beim Thema Taiwan ist nichts Neues zu erwarten - denn Peking weiß spätestens seit der Abschaffung des Vereinigungsrates durch den taiwanesischen Präsident Chen Shui-bian Ende Februar, dass die USA nur noch begrenzten Einfluss auf Taiwans Politik haben. Interessant könnte es aber werden, wenn das Thema Iran und seine jüngsten Atomprovokationen zu Sprache kommen. Hier kann Bush von seinem Gast interessante Beiträge erwarten.

Erning Zhu  

http://www.dw-world.de

 

19.04.06 13:01

42128 Postings, 8167 Tage satyrSWay Man braucht das nicht diskutieren das

sind Tatsachen-Man sollte Lao-Tse und Mao nicht in einem Atemzug nennen.  

19.04.06 13:17

11123 Postings, 6007 Tage SWayOhren anlegen ist aber ganz schön teuer o. T.

19.04.06 13:24

42128 Postings, 8167 Tage satyrBei mir nicht-Ich tackere oder nagle-geht ganz

schnell-schick ein Bild und ich mach dir nen Preis.  

19.04.06 13:54

13300 Postings, 7944 Tage TimchenSo funktioniert Globalisierung

Alle haben Angst vor dem Gewinner.
Nur der Gewinner nicht.  Der hat keine Zeit, der muss arbeiten.
Für all die schönen grünen Dollarnoten.  

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