W A T C H . F R E E (14.11.2003)

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eröffnet am: 15.11.03 15:48 von: Rübensalat Anzahl Beiträge: 2
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15.11.03 15:48

6799 Postings, 6905 Tage RübensalatW A T C H . F R E E (14.11.2003)

W A T C H . F R E E

- US-BOERSENBRIEF -
4. Jahrgang - Ausgabe 46 (14.11.2003)
______________________________________________

DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1616-1521

Erscheinungsweise: woechentlich Freitag/Samstag
* Bitte Schriftart Courier einstellen *
(-;______________________________________________;-)

I N H A L T

01. IWATCH ABSTRACT
02. RUECKBLICK: FONDSSKANDAL OHNE WIRKUNG AUF AKTIENKURSE
03. AUSBLICK: JAHRESENDSPURT ODER GEMAECHLICHER AUFWAERTSTREND?
SHORTEMPFEHLUNG: GENERAL MOTORS
04. LESERFRAGEN
FRAGE 1: NOKIA, DEUTSCHE TELEKOM, LUCENT
FRAGE 2: IMMOBILIENFINANZIERUNG IN US-DOLLAR
05. HYPERINFLATION 1923
06. TRADINGIDEEN UND BILANZ
07. TERMINE DER NAECHSTEN WOCHE
08. CHARTTECHNIK DOW JONES, NASDAQ & GOLD
09. BROKER- UND HANDELSPLATTFORMEMPFEHLUNGEN
10. DISCLAIMER / HAFTUNGSAUSSCHLUSS UND RISIKOHINWEISE
11. AN-/ABMELDUNG


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01. IWATCH ABSTRACT
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Liebe Boersenfreunde,

Heute habe ich einige schoene Zusammenhaenge fuer Sie
herausgearbeitet. Fuer die iWatch.Pro Leser habe ich eine
besonders praegnante Shortempfehlung zu General Motors
ausgearbeitet. Doch seien Sie vorsichtig: Noch steigt der Markt
gegen jegliche Erwartungen (ausser meiner :-). Es wird in den
naechsten Wochen und Monaten immer schwerer werden, die
unterschiedlichen Bewegungen in den verschiedenen Sektoren zu
erkennen und fuer sich zu nutzen.

Fondsskandale bewegten die letzte Woche, aber ein Ausverkauf
folgte nicht, da die abgezogenen Gelder sofort wieder in Aktien
angelegt wurden. Gleichzeitig hat die Fed ihre
Finanzmarktaktivitaet erhoeht und damit am Mittwoch fuer eine
sensationelle Rallye gesorgt.

NACH REDAKTIONSSCHLUSS: Und auch am heutigen Freitag nimmt der
Fondsskandal seinen Lauf: Heute wurde bekannt, dass auch beim
Onlinebroker Charles Schwab, dem groessten Onlinebroker der USA,
Fondsmanager auf Kosten ihrer Kunden in die eigene Tasche
gewirtschaftet haben. Weiterhin sind die beiden Gruender der
Fondsgesellschaft PBHG, die Herren Pilgrim und Baxter, heute
ueberraschend zurueckgetreten. Auch sie haben ihren eigenen Fonds
fuer ?Markettiming" genutzt, so die elegante Umschreibung des
Begriffes Diebstahl.

Ziehen Sie sofort Ihre Gelder aus entsprechenden Fonds ab. Sie
brauchen aber nicht zu fuerchten, dass der Markt aufgrund der
Fondsabfluesse ausverkauft wird. Schlimmer ist der
Vertrauensverlust in den Finanzmarkt. Dem wird jedoch bereits
durch hohe Strafandrohungen entgegen gewirkt: Mit Geldstrafen
kommen die ueberfuehrten Diebe diesmal nicht davon, diesmal
gelten ein paar Jahre Knast als sicher.

Aber ein Thema lag mir heute am dem Herzen: Die Hyperinflation
von 1923. Tun Sie mir den Gefallen und lesen Sie meinen Artikel
zu diesem Thema im Kapitel 04. Ich erwarte nicht wieder solche
Verhaeltnisse, wie 1923! Aber in den naechsten Jahren, wenn das
Thema Inflation immer staerker in unser Bewusstsein ruecken wird,
werden solche Vergleiche, wie ich sie heute angestellt habe,
vermehrt in der Presse erscheinen. Mit einem Unterschied: Ich
informiere Sie, die Massenmedien spielen wie immer mit Ihrer
Angst.

Informieren Sie sich also fruehzeitig, damit Sie kuenftig nicht
wie die Maus vor der Schlange sitzen, wenn alte Inflationsdramen
beschrieben werden.

Viel Anregendes bei der Lektuere wuenscht

Stephan Heibel


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02. RUECKBLICK: FONDSSKANDAL OHNE WIRKUNG AUF AKTIENKURSE
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Index Aenderung z. Aenderung z. 16.10. Aenderung
52/W-Tief 52/W-Hoch Schlusskurs zum 09.10.
Internet 73% -1% 134.71 0.33%
S&P 500 34% 0% 1,058.41 0.03%
Nasdaq 57% -1% 1,967.35 -0.46%
Nasdaq-QQQ 53% -1% 35.77 -0.47%
Dow Jones 33% -1% 9,837.94 -0.19%
Gold 25% 0% 395.40 3.98%
Oel 31% -18% 29.30 3.13%
30-Jahr Anl 24% -7% 5.11 -0.14
Volatilitaet 4% -29% 16.47 -0.27
Euro-Dollar 13% -2% 1.17 0.03


Auf dem amerikanischen Finanzmarkt tobt der Skandal um die
Betruegereien der Fondsgesellschaften. Janus, Putnam und Strong
sind die drei Fondsgesellschaften, die bislang unter Anklage
stehen. Sie haben mit den Geldern ihrer Kunden parallel
Geschaefte gemacht, die der Performance des Fonds geschadet
haben, gleichzeitig anderen, wohlhabenderen Kunden Gewinne
einbrachten.

Der Betrug hat viele Gesichter. Ein Gesicht koennte ausgesehen
haben wie folgt: Leider erhalten die meisten Fondsmanager nicht
Provisionen gemessen an der Performance ihres Fonds, sondern
Provisionen gemessen am Fondsvolumen. Wenn beispielsweise die
Zusage Pakistans im letzten Jahr, die ?Allianz gegen das Boese"
zu unterstuetzen, nach Boersenschluss vermeldet wurde, so war
abzusehen, dass die Boerse am folgenden Tag um rund 5 % steigen
wuerde.

Nun erhielt der Fondsmanager einen Anruf von seinem
Geschaeftspartner, der einen grossen Hedgefonds fuehrte. Der
Hedgefondsmanager bot dem Fondsmanager an, sagen wir einmal $100
Mio. bei ihm in Fonds zu platzieren, damit der Fondsmanager zum
naechsten Monatswechsel wieder eine satte Provision erhaelt. Im
Gegenzug wollte er aber, dass der Fondsmanager ein paar
Kaufoptionen schrieb und ihm zu einem Preis auf
Tagesschlussniveau verkauft.

Diese Kaufoptionen kann der Hedgefondsmanager am naechsten Morgen
wieder verkaufen, jedoch mit einem satten Gewinn. Das Ganze hat
er natuerlich nicht fuer seinen Hedgefonds getan, sondern privat.
Hedgefonds sind ja als riskant bekannt und an dieser Spekulation
war ja nichts riskantes: Die Information war ja schon vor dem
Geschaeftsabschluss raus.

Der Fondsmanager kaufte die Optionen am naechsten Tag zu einem
hoeheren Kurs zurueck. Die Fondskunden wunderten sich, warum ihr
Fonds den Kurssprung nicht mitgemacht hatte, aber der
Fondsmanager laesst ja niemanden in seine Karten gucken. Fonds
behaupten, dass sie zum Schutz ihrer Anlagen die
Portfoliostruktur nicht veroeffentlichen. Sonst koennte man gegen
einen Fonds spekulieren.

Dies war einmal richtig. Jedoch haben Fonds dieses Privileg nun
selbst ausgenutzt, indem sie die Kunden, die ihre Gelder dort
eingezahlt haben, ausnutzen.

Nun, dies ist kurz gesagt die Geschichte, die derzeit in den USA
untersucht wird. Je tiefer die Untersuchungskommission graebt
desto mehr Betruegereien entdeckt sie. Einige Fondsmanager
mussten bereits ihren Hut nehmen. Der Vertrauensverlust in die
Fonds wird mit jedem Tag groesser, Anleger ziehen ihre Gelder von
den Fonds ab.

Es gab schon Befuerchtungen, dass dieser Geldabfluss und der
dadurch entstandene Liquidationszwang der Fondsgesellschaften zu
einem Ausverkauf an den Boersen fuehre. Jedoch haben wir am
Mittwoch dieser Woche gesehen, dass diese Befuerchtung
unbegruendet ist. Denn: Die Gelder, die aus den S&P 500 Fonds
abgezogen werden, werden postwendend wieder in S&P 500 Aktien
angelegt.

Es findet lediglich eine kleine Verschiebung statt: Anleger, die
ihre Gelder aus den Fonds abziehen, haben natuerlich eine andere
Einkaufsliste als die Fondsmanager. Es ist bekannt, dass Janus
einen besonderen Schwerpunkt bei Pharmawerten hatte. Diese haben
zum Wochenbeginn ziemlich gelitten. Privatanleger suchten sich
wiederum Aktien, die sie moeglichst lange und sorglos halten
koennen. So fiel der S&P 500 Montag und Dienstag, um sich am
Mittwoch nach schwachem Start trotz einer durchwachsenen
Nachrichtenlage ploetzlich zu einer Rallye zu entscheiden.

Die Nachrichtenlage:

Microsoft und Wal-Mart haben diese Woche gelitten. Wal-Mart
vermeldete eine schwache Konsumnachfrage: Der Ausblick wurde sehr
verhalten formuliert. Microsoft sieht sich in Europa einer harten
Linie der Kartellbehoerden gegenueber. Der Schmusekurs, den
Microsoft mit der Bush-Administration fahren konnte, gelingt in
Europa offensichtlich nicht. Strafen im zweistelligen
Milliardenbereich stehen zur Diskussion.

Aber diese beiden Unternehmen vermochten nicht, weitere
Unternehmen ihres Sektors mit in den Keller zu ziehen. Anleger
sind also wieder in der Lage, Unternehmensmeldungen von
Branchenmeldungen zu unterscheiden. Das war nicht immer der Fall,
schon gar nicht in den Jahren 1999 und 2000. Ich werte diese
Aenderung als positiv.

Aber es gab auch eine Hand voll guter Meldungen: Dell (DELL),
Applied Materials (AMAT), Intel (INTC), General Electric (GE) und
IBM (IBM) warteten allesamt mit positiven Quartalszahlen
beziehungsweise Ausblicken auf. Aber wenn Sie sich die
Aktienkurse dieser Papiere ansehen, so werden Sie keine
Kursspruenge sehen. Vielmehr haben sich die Aktienkurse gut
gehalten. Auch das ist eine Veraenderung zu 1999, 2000: Damals
wurden Kurse mit positiven Prognosen in die Hoehe gepeitscht,
wenn dann diese positiven Ziele erreicht oder gar uebertroffen
wurden, so stiegen die Kurse weiter. Heute sind die Kurse einige
Monate lang in der Erwartung dieser positiven Ergebnisse
gestiegen. Nun, da viele Unternehmen die Erwartungen erfuellen
und teilweise auch einen positiven Ausblick geben, werden diese
Meldungen als Bestaetigung der bereits durchgefuehrten
Kursbewegungen gewertet. Sie werden nicht mehr zum weiteren
Puschen der Aktienkurse missbraucht.

Fuer weitere Kurssteigerungen werden nun wieder neue Erwartungen
benoetigt.

Aber noch etwas ist mir in dieser Woche aufgefallen: Die Repro-
Aktivitaet der Fed, also die Einflussnahme der Fed auf den
Finanzmarkt, war bis zum Dienstag extrem niedrig. Der Nettobetrag
belief sich auf taeglich rund $3 bis $5 Mrd. Am Mittwoch jedoch
sprang dieser Betrag auf $8 Mrd, am Donnerstag sogar auf $16 Mrd.
Warren Buffet wuerde sagen: ?Geben Sie mir $25 Mrd. und ich werde
Ihnen ein paar freundliche Boersentage bescheren".

Ich deute diese Aktivitaet so, dass die Fed ein paar Tage lang
beobachtet hat, ob die Boerse schon aus eigener Kraft das
aktuelle Niveau halten kann, sie musste jedoch feststellen, dass
zum Wochenbeginn saemtliche Aktienindizes ploetzlich nur knapp
oberhalb wichtiger Unterstuetzungsmarken notierten. Ein
Unterschreiten dieser Marken wuerde Stopp-Loss Verkaufsorders in
einem so grossen Volumen ausloesen, dass auch die Fed ein
weiteres Abrutschen der Boerse nicht mehr verhindern kann. Also
wurde man am Mittwoch aktiv.

Zufaellig fiel diese Aktivitaet auf den gleichen Tag, an dem die
ersten Anleger, die ihre Fondsmittel abgezogen hatten, ihre
Gelder wieder anlegten. Die vermoegenden Anleger sind meist
schneller als der Kleinanleger, daher wurden am Mittwoch
entsprechend grosse Betraege in den Markt gespuelt.

Liebe iWatch-Leser: Sie merken es! Auch ich finde es immer wieder
erstaunlich, welche Zusammenhaenge ich entdecke, wenn ich die
oberflaechlichen Erklaerungen, die durch die breite Presse
kursieren, nicht akzeptiere. Nicht die guten Ergebnisse von Dell
oder Applied Materials haben fuer das ploetzliche Ende der sich
andeutenden Korrektur gesorgt. Ebenso haetten die schlechten
Ergebnisse von Wal-Mart und die drohende Monopolstrafe fuer
Microsoft in Europa fuer eine heftige Korrektur an der
Aktienboerse sorgen koennen.

Aber das passiert zur Zeit einfach nicht. Und da ich nicht nur
auf das breite Mediengerassel hoere, habe ich Ihnen nun schon
seit diesem Sommer kontinuierlich zum Verbleib in der
Aktienboerse geraten. Ja, im Fruehjahr hatte ich einmal zu frueh
zum Verkauf geraten, damals traute ich dem Braten noch nicht.
Aber seither habe ich Sie kontinuierlich bei der Stange gehalten.

Glauben Sie mir: Ich werde alles dran setzen, Sie auch
rechtzeitig aus den Aktien zu holen, wenn die Zeit gekommen ist.
Die Boerse ist keine Einbahnstrasse, irgendwann kommt eine
heftige Korrektur.

Nur: Kommt sie noch in diesem Jahr? Zum Jahresanfang? Im
naechsten Fruehjahr? Oder brauchen wir uns bis zur
Praesidentschaftswahl im naechsten Herbst keine Sorgen zu machen?
Mehr dazu im naechsten Kapitel.


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04. LESERFRAGEN
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FRAGE 1: NOKIA, DEUTSCHE TELEKOM, LUCENT
Hallo Herr Heibel,

bin seit kurzem interessierter Leser Ihres iwatch.Pro. Wenn Sie
mir meine Fragen kurz beantworten wuerden, waere das fuer mich
sehr hilfreich. Also ich mache es kurz mit der Einfuehrung.

Ich bin noch relativ neu in der Szene und habe mehrere Male
verschiedene Aktien gekauft und nicht rechtzeitig die Notbremse
gezogen. Aber das kennen Sie ja zur Genuege.

Gekauft habe ich Nokia zu 20,0, Deutsche Telekom zu 25,0 und
Lucent zu 3,0. Schaffen es Ihrer Meinung nach diese Werte in
'mein' Plus und wenn ja, innerhalb welchem Zeitrahmen oder soll
ich auf andere Werte wechseln ? Wenn ja, auf welche. Danke fuer
eine kurze Antwort.

Mit freundlichen Gruessen, G. Koepf


ANTWORT 1:
Ich weiss nicht, ob Sie mir US-$ oder Euro-Kurse genannt haben.
Ich schreibe stets in US-$:

Nokia (NOK, $17,88) auf $20: koennte in den naechsten Monaten
noch gelingen. Dann wuerde ich den Wert aber verkaufen. Wenn in
den naechsten Wochen ein Hype entsteht, dann sollten Sie diesen
zum Verkaufen nutzen.

Dt. Telekom (DT, $15,98) auf $25: Ich halte von Telekomaktien
nicht unbedingt viel: Der Wettbewerb ist hart und wird mit
zunehmender PC-Vernetzung noch weiter zunehmen. Daher gebe der DT
kaum Chancen, dieses Niveau in den naechsten 2 Jahren zu
erreichen.

Lucent (LU, $3,15) auf $3: Ist inzwischen geschehen: Fuer Lucent
und JDSU erwarte ich im Kielwasser von Cisco eigentlich noch
einen Kurssprung - dieser blieb bislang leider aus...vielleicht
ein Grund zum Verkaufen? Vielleicht koennen Sie hier die Haelfte
Ihrer Position verkaufen und den Rest mit einem Stopp Loss bei $3
versehen.

Fuer Tipps zu alternative Aktien moechte ich Sie gerne auf den
iWatch.Pro verweisen, den Sie ja abonniert haben.


FRAGE 2: IMMOBILIENFINANZIERUNG IN US-DOLLAR
Sehr geehrter Herr Heibel,

Sie haben in einer Ihrer letzten Ausgaben des iWatch die
eventuellen Vorteile eine Immobilienfinanzierung in US-Dollar
erwaehnt.

Da ich gerade vor der Entscheidung ueber eine sinnvolle
Anschluss-
Finanzierung fuer eine privat genutzte Immobilie stehe, habe ich
mich ueber eine Moeglichkeit informiert in US-Dollar, Yen oder
SFR zu finanzieren.

Im aktuellen iWatch aeussern Sie jedoch die Erwartung, dass Euro
und US-Dollar bis zum Jahresende wieder Paritaet erreichen
koennten.

Sollte sich der Euro nicht staerker entwickeln, wuerde es doch
Kaum Sinn machen, in US-Dollar zu finanzieren.

Ihre Meinung zu diesem Thematik wuerde ich sehr schaetzen.

Mit freundlichen Gruessen, Helmut Worsch

ANTWORT 2:
Tja, wenn ich das sicher wuesste, wuerde ich Haus und Hof drauf
setzen und braeuchte mir keine Sorgen mehr um meine finazielle
Zukunft machen. Ich kann Ihnen nur meine Gedanken mitteilen:

Beide Waehrungen werden kuenftig abgewertet werden, sprich das
Gold wird steigen.

Kurzfristig: Ich denke, dass die USA mit besseren
Wirtschaftsdaten aufwarten koennen (ist ja schon geschehen).
Weltweit wird also wieder einmal vermutet, dass eine Investition
in die USA besser ist als in die EU. Unabhaengig von der
Geldmengenentwicklung wird vor diesem Hintergrund der US-Dollar
nochmals steigen - sprich fester sein als der Euro. Dies koennte
in den naechsten Wochen dazu fuehren, dass sich der Wechselkurs
zwischen Dollar und Euro in Richtung Paritaet entwickelt.

Langfristig: Die EU wird um den Ostblock erweitert. Dort kommen
relativ arme Laender zu unserer Waehrungsunion hinzu, die ein
starkes Wirtschaftswachstum aufweisen werden. Durch diesen Effekt
wird die EU nicht soviel neues Geld benoetigen, die von mir
erwartete Inflation koennte dadurch in Europa niedriger ausfallen
als in den USA. Daher koennte der Euro langfristig fester sein
als der US$.

Fuer Ihren Kredit wuerde das bedeuten: Warten Sie noch ein paar
Monate auf den Rueckschlag des US$, finanzieren Sie dann - zu
hoffentlich noch immer niedrigen US-Zinsen. Oder finanzieren Sie
heute zu garantiert niedrigen Zinsen und sitzen Sie den
voruebergehenden Rueckschlag aus. Eine Finanzierung ist ja
weniger eine Spekulation von Monaten, sondern in diesem Fall eher
von Jahren.


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05. HYPERINFLATION 1923
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80 Jahre Hyperinflation 1923 in Deutschland

Am 16.11.1923, also Sonntag vor genau 80 Jahren, wurde die
Rentenmark eingefuehrt.

Ich gehe davon aus, dass kaum jemand von Ihnen lebhafte
Erinnerungen an diese Phase der Deutschen Finanzgeschichte hat.
Der aelteste mir bekannte iWatch-Leser, Herr Trautnitz, war
damals gerade 3 Jahre alt.

Auf dem Hoehepunkt der Hyperinflation zirkulierte in Deutschland
eine wahre Flut von Papiergeld. In den vorhergegangenen drei
Monaten hatte sich die im Umlauf befindliche Geldmenge jeweils
verzehnfacht. Fuer die astronomisch hohen Betraege, die auf den
Banknoten vermerkt waren, standen jedoch keine Werte mehr. Fuer
die woechentlichen Lohnzahlungen wurde koerbeweise Papiergeld von
den Banken abgeholt. die Hyperinflation hatte dazu gefuehrt, dass
Laender, Kommunen, Reichsbahn und grosse Privatunternehmen
eigenes Geld (Notgeld) gedruckt haben.

Direkt nach der Lohnzahlung wurden die Geschaefte gestuermt.
Denn, wenn man heute noch fuer seine Millionen Mark Mehl, Milch
und Reis kaufen konnte, so war die Wahrscheinlichkeit gross, dass
dieses Paket morgen schon wieder 1,5 Mio. Mark kosten wuerde. Die
Lebensmittel aber, die man zu Hause in der Vorratskammer aufhob,
wuerden auch naechste Woche, naechsten Monat, teilweise naechstes
Jahr zu gebrauchen sein. Bei dem Papiergeld war dies nicht der
Fall. Die Kirchenkollekte wurde schliesslich mit Waeschekoerben
durchgefuehrt.

Auf dem Speicher meiner Grosseltern fand ich als kleines Kind
einmal einen Brief, der mit 2,3 Mrd. Reichsmark frankiert war.
Sie werden sicherlich aehnliche Erfahrungen haben: In meiner
Kindheit versuchte mich mein Grossvater stets fuer das Sammeln zu
begeistern: Briefmarken und Muenzen standen ganz oben auf der
Liste... von ihm.

Fuer mich waren Muenzen und Briefmarken stets
Gebrauchsgegenstaende und ich pruefte, ob die Briefmarke
abgestempelt war. Sie war ohne Stempel. Eine unglaeubige freudige
Erregung entwickelte sich in mir: Ich sah die Chance, diese
Briefmarke gegen ihren Nennwert bei der Post einzutauschen.

Nun ja, Sie werden das Ende dieser kleinen Anekdote kennen:
Natuerlich zahlte die Post auf Reichsmark keine D-Mark aus. Mein
Grossvater erzaehlte mir jedoch zu diesem Anlass in spannenden
Worten die Wirren dieser Tage. Obwohl in diesen Tagen Deutschland
voll von Millionaeren war, konnte sich kaum jemand ein Haus oder
einen Urlaub leisten. Das Geld war wertlos.

Wie konnte es dazu kommen? 1871 wurde die Reichsmark eingefuehrt
und war stets mindestens zu einem Drittel durch Gold gedeckt,
fuer den Rest gab es andere Sicherheiten. Wie eigentlich immer
war es der Krieg, in diesem Falle der erste Weltkrieg, in dessen
Umfeld die Golddeckung aufgehoben wurde. Am 04. August 1914 wurde
durch das Ermaechtigungsgesetz die Reichsbank von der Pflicht
enthoben, die Reichsmark jederzeit gegen Gold zu tauschen.

Der Verlauf des Krieges und die anschliessenden
Reparationszahlungsverpflichtungen an die Alliierten fuehrten
nicht dazu, dass die Werte hinter dem Papiergeld in gleichem
Masse anstiegen. Vielmehr verschuldete sich Deutschland durch
seine Ruestungsausgaben so sehr, dass die Inflation bereits gegen
Ende des Krieges begann. Mit der Festsetzung der
Reparationszahlungen 1921 beschleunigte sich die Inflation und
wurde schnell zur Hyperinflation.

Da die Reichsbank alleine mit dem Gelddrucken nicht nachkam,
halfen Gemeinden und Unternehmen aus: Sie druckten ebenfalls Geld
und nannten es Notgeld, mit dem sie ihre Angestellten dann
bezahlten. Fuer dieses Notgeld bekamen Arbeiter und Angestellte
dann Sachwerte wie Weizen, Speck, Zucker, Kohlen, Strom oder Gas.
Am Ende waren 700 Trillionen Reichsmark und weitere 524
Trillionen Mark Notgeld im Umlauf.

Reichsfinanzminister Hans Luther macht angesichts dieser Lage am
16.11.1923 vor dem Reichstag darauf aufmerksam, dass es nur EINE
wirklich gute Loesung gebe: Rueckkehr zu einer durch Goldreserven
gedeckten Waehrung.

Am Dienstag, dem 20.11.1923, wurde dann eine Billion Papiermark
durch eine Rentenmark abgeloest. Auch gegenueber dem Ausland
verpflichtete man sich zu einer Deckung der neuen Waehrung durch
die Goldreserven.

1 US$ = 4,2 Rentenmark (oder auch Goldmark) = 4,2 Billionen
Papiermark - der Begriff Goldmark statt Rentenmark setzte sich
im Volksmund aufgrund der Golddeckung durch. Ein klares Zeichen
dafuer, welchen Stellenwert das Gold beim Volk hatte.

Hauptverantwortlich fuer die Reform war Bankier Hjalmar Schacht
als Reichskommissar fuer Waehrungsangelegenheiten und
Reichsbankpraesident. Luther ist es in kurzer Zeit gelungen, das
Sanierungswerk zum Abschluss zu bringen. Am 20.11. wurden die
Notenbankpressen fuer Papiergeld stillgelegt. Verantwortlich fuer
den Erfolg war aber auch das Verhalten der Bevoelkerung und der
Regierung: Des Zahlenzaubers der Inflation ueberdruessig, wurde
die neue Waehrung anerkannt. Beendigung der oeffentlichen
Schuldenwirtschaft! Luther formulierte treffend, die oeffentliche
Hand und die Wirtschaft muessten mit einem Schlag von "der
suessen Gewohnheit der Inflation" ablassen und die Vorstellung
aufgeben, der Staat koenne jederzeit mit der Notenpresse
Geldmittel bereitstellen.

Geldnoten, mit denen nicht einmal mehr die Kinder spielen
wollten, wurden anschliessend zum Anzuenden des Herdfeuers
genutzt.

Ich habe das Gefuehl, dass ich mir einmal eine Zigarre mit einem
100-Euro-Schein anzuenden werde. Und das wird nicht aus Dekadenz
geschehen, sondern vielmehr weil meiner Erwartung nach der Euro
bereits heute zum Scheitern verurteilt ist: Keine Golddeckung und
die ersatzweise Bindung an die Wirtschaftsleistung der jeweiligen
Laender ist durch Frankreich bereits zur Genuege missachtet
worden und durch Deutschland nun sogar gebilligt ? denn naechstes
Jahr wird auch Deutschland in der heutigen Position von
Frankreich stecken.


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06. TRADINGIDEEN UND BILANZ
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BILANZ:

Immer wieder werde ich nach Statistiken gefragt: Wie meine
Performance sei? Hier ein kleiner Überblick für 2003:
Die drei besten abgeschlossenen Tradingideen waren:

Yahoo! (YHOO) +36,2% in 10 Wochen
AOL Time Warner (AOL) +33% in 7 Wochen
Novastar (NFI) +25,44% in 1 Woche

Die drei schlechtesten abgeschlossenen Tradinideen waren:

Maverick Tubes (MVK) -8,33% in 2 Wochen
Lucent (LU) -6,82% in 2 Wochen
Microsoft (MSFT) -5,88% in 1 Woche

Derzeit sind 12 Spekulationen offen, zwei davon sind diese Woche
noch immer leicht im Minus, der Rest steht im Plus.

Nortel (NT) +50%
Wheaton River (WHT) +29,44%
E*Trade (ET) +26,94%


iWatch 03/30

Time Warner (WKN: 502251; TWX; $15,90) gekauft zu $15,
Langfristposition. Rueckschlaege unter $15 konnten zum Ausbau
der Position genutzt werden. Die $15 haben sich nun bereits
mehrfach als stabile Unterstuetzung bewaehrt.

Alfa Corp. (WKN: 886560; ALFA; $12.82 gekauft zu $12,9,
Langfristanlage: Niedriges Bewertungsniveau und Spekulation
darauf, dass Insider besser Bescheid wissen. Stop Loss unter
$11,8.

Nortel (WKN: 929925; NT; $4.20) gekauft zu $2,8, Stop Loss auf
$3,2 anheben, Ziel $5. Erste Gewinne wurden mit einem Plus von
60% realisiert.


iWatch 03/22

Royal Gold (WKN:885652; RGLD; $19.62) gekauft zu $18,5, Ziel
$27. Laufen lassen. Zwischen $15 und $18 nachkaufen, erst unter
$14 mache ich mir ernsthafte Gedanken um dieses Unternehmen.


BEOBACHTUNG:

iWatch 03/43

Blockbuster (WKN: 924821; BBI; $18,32) Shorten, sobald sich der
Kurs auf $21 erholt hat.


iWatch 03/25

Genentech (WKN: 924632; DNA; $84.86) vielleicht spaeter erneut
Shorten (bei $100? ;-).


iWatch 03/26 und iWatch 03/30

NovoStar (NFI, $ 76.16)
Fannie Mae (WKN; FNM, $69.90)
Freddie Mac (FRE, $55.36)
Diese Werte befinden sich in Lauerstellung und warten ab, wie
sich die Zinsen weiter entwickeln: Mal schauen, wie weit der
aktuelle Renditeanstieg geht.


iWatch 03/21

Voellig ueberbewertete Internetaktien, aber noch nicht shorten:

Amazon (WKN: 906866, AMZN, $54.80)
Interactive (WKN: 885364, IACI, $33.22)
Sina (WKN: 929917, SINA, $35.98)
Ask Jeeves (WKN: 924075; ASKJ; $19.60)
Ebay (WKN: 916529,EBAY, $56.23)
Priceline (WKN: 2779063; PCLN; $18.52)



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07. TERMINE DER NAECHSTEN WOCHE
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Obwohl naechste Woche einige beachtliche Namen im Kalender
vermerkt sind, geht die Periode der Quartalsberichte fuer das
dritte Quartal zur Neige. Aehnliches gilt fuer die
volkswirtschaftlichen Ergebnisse in der naechsten Woche. Hier
werden keine signifikanten Aenderungen erwartet. Lediglich
bestaetigt wird naechste Woche wahrscheinlich der Trend der
langsam ansteigenden Inflation.

Nur 400 Unternehmen legen naechste Woche ihre Quartalsberichte
vor. Stark vertreten ist der Einzelhandelssektor mit Unternehmen
wie Lowes, Home Depot, Gap und Limited Brands.


UNTERNEHMEN TICKER ERWARTUNG TERMIN
Agilent A $0.05 10/17/2003
Lowes LOW $0.53 10/17/2003
Analog Devices ADI $0.23 10/18/2003
Hewlett Packard HPQ $0.35 10/18/2003
Home Depot HD $0.46 10/18/2003
Network Appliance NTAP $0.09 10/18/2003
Staples SPLS $0.32 10/18/2003
Intuit INTU $0.27 10/19/2003
Gap GPS $0.28 10/19/2003
Limited Brands LTD $0.04 10/19/2003
Walt Disney DIS $0.16 10/19/2003


Das New Yorker Institut fuer Statistik und die Philadelphia Fed
werden naechste Woche einen Einblick in die wirtschaftlichen
Entwicklungen diesen Monats gewaehren. Erwartet wird, dass beide
die Wirtschaft in einem expansiven Zustand sehen, jedoch in einem
geringerem Tempo als im Oktober.

BERICHT ERWARTUNG TERMIN
Lagerbestaende (Sept.) 0.00% 1/17/2003
Empire State Index (Nov.) 27 1/17/2003
Konsumentenpreisindex (CPI)(Okt.) 0.10% 1/18/2003
CPI, ohne Lebensmittel & Energie(Okt.) 0.20% 1/18/2003
Baubeginne (Okt.) 1.850M 1/19/2003
Baugenehmigungen (Okt.) 1.850M 1/19/2003
Philadelphia Fed (Nov.) 25 1/20/2003
Haushaltsbudget (Okt.) ($72.5B) 1/21/2003
 

15.11.03 16:19

10502 Postings, 6598 Tage onassisHier liests sich einfach besser !

      Hier darf ja jeder !!!!!  *gggggggggggggggggggg*
      Vielen Dank rübe  

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