Verbietet den Kauf von Küchenmessern

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neuester Beitrag: 21.05.02 09:53
eröffnet am: 20.05.02 23:30 von: vega2000 Anzahl Beiträge: 3
neuester Beitrag: 21.05.02 09:53 von: Wolkenstein Leser gesamt: 221
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bewertet mit 2 Sternen

20.05.02 23:30
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Clubmitglied, 46979 Postings, 7682 Tage vega2000Verbietet den Kauf von Küchenmessern

Das Erfurt-Massaker sollte uns vielleicht ein wenig zu denken geben. Aber sicher nicht in der Form, wie es derzeit bundesdeutsche Wahlkampfpolitiker tun ?sofern diese überhaupt in der Lage sind, zu denken! ?, um vorwiegend sich selbst mit übertriebenem Aktionismus in Szene zu setzen.
Da flippt ein verkorkstes Arschloch aus & ballert um sich, & schon haben Regierung & Opposition nichts Besseres zu tun, als das Waffengesetz, das ohnehin schon verschärft wird, noch einmal weiter zu verschärfen, getreu dem Motto »Intelligenz, lauf weg, ich komme!«. Daß der eigentliche Grund für den Massenmord, der auch noch sachlich falsch als Amoklauf apostrophiert wird, nicht im angeblich leichten Zugang zu Waffen begründet ist, wird tunlichst ignoriert. Man müßte sich sonst ja vielleicht unbequemen Fakten stellen & Antworten auf noch unbequemere Fragen suchen. Da ist es doch einfacher, einmütig in lautes Geschrei zu verfallen & da zu kurieren, wo es gar keine Krankheit gibt.
Nur ein paar Stunden nach dem Massenmord sagte ich noch zu meiner Frau: »Wetten, daß gleich einer wieder Computerspielen und Gewaltfilmen die Schuld gibt?« Wie gesprochen, so gekommen. Daß diese Spiele & Filme auch bereits vorhandene Gewaltfantasien kanalisieren können, auf diese Idee will niemand kommen. Man hat ja schließlich Psychologie studiert & schreibt für viel Geld hirnrissige Gutachten, statt einfach mal den normalen Menschenverstand einzuschalten. Und da Ballerspiele & Videos schon immer als Begründung herhalten mußten, müssen sie das auch jetzt & künftig immer tun.
Dabei ist das eigentliche Problem ein anderes. Zum Realitätsverlust, zur Flucht in diese Scheinwelt, kommt es doch nur, wenn jemand mit seinen Problemen allein gelassen wird. Sei es durch Freunde, die keine Lust haben, sich in unserer Spaßgesellschaft auch mit den Schattenseiten der Seele zu befassen, sei es durch die Eltern, die sich nicht dafür interessieren, was ihr Kind macht, Hauptsache, es stört nicht bei ach so wichtigen Dingen wie Parties, Fußball, Saufen & Sex. Und es ist ja auch viel wichtiger, als Doppelverdiener den ganzen Tag in der Firma zu hängen, damit man sich den dritten Perserteppich im Wohnzimmer, den Fünftfernseher in der Toilette, den Mercedes 600 als Zweitwagen & die Luxusvilla im Tessin oder auf Mallorca leisten kann, von den alljährlich mehrmals stattfindenden Urlaubsreisen rund um die Welt mal ganz abgesehen. Irgendwie muß man die Nachbarn doch neidisch machen & einen Status vortäuschen, den man eigentlich gar nicht erreichen kann. Und am Wochenende wollen Papa &  Mama dann endlich mal füreinander da sein, da stört das Kind doch auch nur.
Und sollte man zum Heer der Arbeitslosen gehören, die sich das alles nicht leisten können, kann man wenigstens die Schuld an der Arbeitslosigkeit allen anderen geben & den Frust damit auf die Kinder übertragen, die somit zur Erkenntnis kommen: Leben ist Scheiße. Aber auch dann kümmert man sich nicht um die Kinder. Man muß ja in der Kneipe abhängen & die Parolen der Blödzeitung nachplappern.
Wenn das Kind sich dann selbst auch als Versager sieht ? (»Das Leben ist scheiße, meinen Eltern geht's beschissen, & ich bin auch scheiße, sonst würden sie sich doch um mich kümmern!«) ? & irgendwann ausrastet, sind natürlich die Ballerspiele & die Gewaltvideos schuld. Nicht die familiäre Situation, die Kinder nicht fördert, sondern weitgehend als lästige Begleiterscheinung ignoriert.
Wir können das Rad der Zeit nicht zurückdrehen in eine Ära, in welcher sich die Großeltern ein wenig um die Kinder kümmerten, wenn die Eltern schon beide arbeiten mussten (heute, in unserer Spaßgesellschaft, schiebt man ja möglichst auch die Großeltern als lästiges Übel ins Altersheim ab), aber wir können versuchen, beim nächsten Schritt nach vorn erst zu denken & dann zu handeln.
Eine Verschärfung der Waffengesetze hilft da ebensowenig weiter wie eine blindwütige Zensur von Spielen & Filmen ? da müsste ja eigentlich auch die »Moorhuhnjagd« verboten werden! Wie sich gezeigt hat, konnte der Massenmörder von Erfurt seine Waffen völlig legal erwerben, weil er trotz seiner desolaten Psyche Mitglied in einem Schießsportverein werden konnte. Aber wer töten will, & das wollte er ja offensichtlich, ist auch in der Lage, sich illegal Waffen zu beschaffen. Und selbst wenn ihm das nicht gelingt, kann er auch mit einem simplen Küchenmesser ein prachtvolles Gemetzel veranstalten. Also verbietet auch den Kauf von Küchenmessern!
Eine Anhebung der Altersgrenze ist nicht minder schwachsinnig. Auf der einen Seite verlangt eine unserer politischen Parteien das Absenken des Wahlalters von 18 auf 16, auf der anderen Seite sollen Jugendliche bzw. junge Erwachsene durch neue Antigewaltgesetze wiederum entmündigt werden. Ungeachtet der Tatsache, dass mancher 15jährige seelisch & moralisch gefestigter ist als mancher 40- oder 50jährige! Und mit 18 werden die jungen Leute zur Bundeswehr eingezogen & lernen das möglichst effiziente Töten, & niemanden interessiert es, ob sie die »sittliche Reife« dazu überhaupt besitzen.
Nun gut (oder eher schlecht), der ganze Aktionsmus ist jetzt ohnehin hirnloses Wahlkampfgekreische. Wenn hier ein Schüler um sich schießt, wird ganz Deutschland alarmiert. Wenn in Israel ein Selbstmordattentäter die doppelte Menge Menschen kilt, ist uns das nur eine Kurzmeldung wert, wenn israelische Soldaten palästinensische Kinder niederschießen, kräht erst recht kein Hahn danach. (Na, wer steht jetzt prompt auf & schimpft mich einen Antisemiten?) Wenn Terroristen amerikanische Hochhäuser vernichten, schreit die Welt auf, wenn Uncle Sam als Antwort einen Vernichtungskrieg startet, schaut dieselbe Welt zu. Und das alles ebenfalls, ohne nach den wirklichen Ursachen zu forschen.
Denn wenn man all diesen unmenschlichen Taten, vom ETA- und IRA-Terror über den Erfurt-Killer bis zu Morden unserer Neonazis an ausländischen Mitbürgern, wirklich auf den Grund ginge, müßten wir alle uns sehr unangenehmen Fragen stellen ...
Aber das wollen wir in unserer Spaß- und Freizeitgesellschaft ja nicht. Wir wollen in unserer heilen Scheinwelt weiterleben, koste es, was es wolle.
Meiner bescheidenen Ansicht nach kostet es uns erheblich zu viel, nämlich unsere eigene Menschlichkeit.
Die Steinigung meiner Person ob der vorangegangenen Worte bitte ich auf Samstag anzusetzen, aber bitte nicht vor Ende der Sportschau.  

21.05.02 00:09

Clubmitglied, 46979 Postings, 7682 Tage vega2000up o.T.

21.05.02 09:53

118 Postings, 7098 Tage WolkensteinInteressant

Genauso ist das in Deutschland, --schade dass unsere Politiker hier nicht mitlesen !  

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