Venus gibt Jahrhundertvorstellung

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eröffnet am: 06.06.04 14:54 von: Luki2 Anzahl Beiträge: 1
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Seltene Mini-Sonnenfinsternis: Venus gibt Jahrhundertvorstellung

Von Till Mundzeck, dpa


 
Hamburg (dpa) - Die Venus lädt zu einem Jahrhundertschauspiel: In einer seltenen Mini-Sonnenfinsternis zieht unser Nachbarplanet am Dienstagvormittag (8. Juni) als dunkler Punkt vor der Sonnenscheibe vorbei.

Ein solcher Venustransit ist so selten, dass kein heute lebender Mensch je selbst dieses Phänomen beobachten konnte. Wer allerdings nicht gezielt hinschaut, wird von dem Ereignis nichts bemerken. Dunkler wird es nicht, die Venus bedeckt gerade einmal ein Promille der Sonnenscheibe. Experten warnen Beobachter eindringlich davor, ohne Spezialschutz in die Sonne zu sehen. Schwere Augenschäden bis zur völligen Blindheit drohen. Sonnenbrillen reichen als Schutz keinesfalls aus.

Die Jahrhundertvorstellung ist von ganz Mitteleuropa aus in voller Länge zu sehen und beginnt um 7.20 Uhr, wenn die Venus den Sonnenrand berührt. Insgesamt rund sechs Stunden gleitet die Venus, die sonst nachts abwechselnd als Abend- und Morgenstern den Himmel schmückt, über die Sonnenscheibe, der Transit endet um 13.23 Uhr. Laien können das Schauspiel durch eine Spezialschutzbrille beobachten, die es wie zur Sonnenfinsternis bei vielen Optikern zu kaufen gibt. Allerdings hat das kleine Venusscheibchen nur ein Dreißigstel des Sonnendurchmessers und ist nicht leicht zu erkennen. Zahlreiche Sternwarten, Planetarien und Institute bieten jedoch öffentliche Beobachtungen mit professionellen Geräten an.

Die Profi-Astronomen interessiert heute nicht mehr die Beobachtung des Phänomens selbst, das Forschern vergangener Jahrhunderte half, über die Entfernung der Venus unseren Abstand von der Sonne zu bestimmen. Die Distanz zur Venus lässt sich inzwischen viel genauer mit Radargeräten messen. Dennoch ist der Venusdurchgang auch heute noch von wissenschaftlicher Bedeutung. «Unter anderem geht es darum, mehr über die Venusatmosphäre zu erfahren», erläutert der Sonnenphysiker Hubertus Wöhl vom Freiburger Kiepenheuer-Institut. Denn während unser Nachbarplanet vor der Sonne vorbeiwandert, durchleuchtet diese seine Atmosphäre. Mit Spezialgeräten können die Astronomen dabei messen, wie schnell beispielsweise die schweren Stürme auf der Venus toben.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sogar Leben auf der Venus vermutet, die wegen ihrer ähnlichen Größe und Umlaufbahn oft als Schwester der Erde bezeichnet wird. Spätestens seit dem Besuch der ersten Raumsonden sind jedoch die wahrhaft unwirtlichen Bedingungen bekannt, die auf unserem Nachbarplaneten herrschen. Die undurchdringliche Venusatmosphäre besteht zu 96 Prozent aus Kohlendioxid. Ihr Treibhauseffekt heizt die Temperaturen auf bis zu 500 Grad Celsius auf, so dass an der Venusoberfläche sogar Blei schmilzt. Der Luftdruck ist 90 Mal so hoch wie auf der Erde, und Wolken konzentrierter Schwefelsäure hängen in der Luft.

«Der Venustransit ist auch ein wichtiger Testfall für den Nachweis extrasolarer Planeten bei anderen Sternen», betont Wöhl. «Die Frage lautet: Wie sieht es aus, wenn ein Planet vor einem Stern vorbeiwandert?» Mehr als hundert Planeten bei anderen Sternen sind bislang bekannt. Die meisten davon sind sehr groß und haben sich verraten, weil sie ihren Stern mit ihrer Schwerkraft zu charakteristischen Pendelbewegungen veranlassen. Vor einigen Jahren entdeckten Astronomen jedoch erstmals einen Planeten, weil er vor seiner Sonne vorbeiwanderte - wie jetzt die Venus - und dadurch ihr Licht etwas abschwächte. Diese Methode ist für die Astronomen unter anderem deshalb so interessant, weil sie damit auch kleine, erdähnliche Planeten aufspüren können.

Ein Venustransit kann nur entstehen, wenn die Venus zwischen Erde und Sonne steht und sich alle drei genau auf einer Linie befinden. Die Venus kreist etwas schneller um die Sonne als die Erde und überholt uns alle 584 Tage auf der Innenbahn. Da die Venusbahn aber gegen die Erdbahn leicht gekippt ist, wandert die Venus dabei von der Erde aus gesehen fast immer ober- oder unterhalb der Sonnenscheibe vorbei. Nur wenn die Venus die Erde genau an jenem Punkt überholt, wo sich die beiden Bahnebenen schneiden, gibt es einen Venustransit - im Schnitt nur vier Mal in 243 Jahren.

Zuletzt kreuzte Venus 1882 die Sonnenscheibe. Der nächste Venustransit steht zwar schon in acht Jahren, am 5. Juni 2012, auf dem Programm, bleibt aber von Europa aus unbeobachtbar. Auch der darauf folgende Durchgang im Dezember 2117 ist von Europa aus nicht zu sehen. Erst am 8. Dezember 2125 bekommen unsere Nachfahren wieder eine Chance.



also nicht vergessen, Dienstagvormittag den, 08. Juni!

Gr. luki2  

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