Über Dilettantismus, Journalisten und die FTD

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neuester Beitrag: 06.07.12 14:58
eröffnet am: 06.07.12 14:43 von: Rigomax Anzahl Beiträge: 3
neuester Beitrag: 06.07.12 14:58 von: potzblitzzz Leser gesamt: 259
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06.07.12 14:43
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8034 Postings, 6678 Tage RigomaxÜber Dilettantismus, Journalisten und die FTD

Da bringt die Financial Times Deutschland heute so einen richtigen Aufreger, garniert mit heftigen Formulierungen:
https://www.ftd.de/finanzen/maerkte/...tschen-oekonomen/70059879.html

Da gab es den offenen Brief von Hans-Werner-Sinn und rund 170 weiteren Wirtschaftsprofessoren an die Kanzlerin, in dem die Zustimmung der Kanzlerin zu den Entscheidungen des letztenEU-Gipfeltreffens deutlich kritisiert wurde. Eine Vorversion dieses Briefes war laut FTD "durchgesickert" und unterschied sich in kleinen Teilen von der Endversion, die in der FAZ unter
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/...en-im-wortlaut-11810652.html
zu finden ist. Die kleinen Unterschiede der beiden Versionen bläst die FTD zum "Dilettantismus der deutschen Ökonomen" auf, der offene Brief wird zum "Pamphlet", das noch "kurzerhand" in der Nacht "verschlimmbessert" wurde, der Inhalt ist laut FTD "absurd". Schön, dass die FTD das alles "entlarvt".

Über den Inhalt des "Offenen Briefes" kann man natürlich streiten. Der FTD Artikel ist aber nichts als journalistische Stimmungsmache ohne Substanz. Aber das wird erst deutlich, wenn man ein wenig in die Tiefe geht.

Die FTD bringt nämlich auf beide Versionen keinen Link. Woher stammt also diese "durchgesickerte" Version? Da schweigt die FTD, aber das Handelsblatt bringt etwas Aufklärung:
http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2012/07/...-okonomenaufrufs/
Danach stammt die "durchgesickerte" Vorversion von Gustav Horn.

Was die FTD verschweigt: Herr Horn hatte den offenen Brief gar nicht unterschrieben. Das ist auch kein Wunder. Denn Herr Horn ist Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).  Dass der sich nicht mit dem Brief der 170 Professoren identifizieren kann, ist naheliegend. Und wenn man diese Zusammenhänge kennt, kann man sich denken, wie es zu diesen Unterschieden gekommen ist: So ein Dokument wird natürlich nicht von einem Autor verfasst, der dann alle anderen autoritär zur Unterschrift verdonnert. Statt dessen wird erstmal ein Entwurf verfasst, der dann anderen Kollegen mit der Bitte um Unterstützung zugesandt wird. Auf diese Weise dürfte auch Herr Horn einen der Vorentürfe erhalten haben. Er hat dann die Unterschrift verweigert, was sein gutes Recht ist. Die anderen Beteiligten haben sich dann auf die endgültige Version geeinigt. Und Herr Horn hat eine Vorversion "durchsickern" lassen.

Ein ganz normaler Vorgang also - aber die FTD meint, daraus auf einen unter deutschen Ökonomen verbreiteten Dilettantismus schließen zu können. Ich schließe da eher auf Dilettantismus in der Redaktion der FTD.  

06.07.12 14:52
Dann lieber Rubensrembrandt
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Grüße
Apfelbaumpflanzer

06.07.12 14:58

27350 Postings, 4241 Tage potzblitzzzWoran soll man bitte erkennen können, dass

es zu einer Inhaftungsnahme der Gläubiger statt des Steuerzahlers kommt?

Die Befürworter sind sich ja einig, dass ESM+Fiskalpakt eine Methode sei, die Gläubiger "zur Rechenschaft" zu ziehen. Wozu brauchen sie dann bitte Steuergelder, bzw. Haftungsversprechen auf zukünftige Verschuldungen?

Das ist doch absolut widersinnig und wurde auch gestern so dümmlich bei Maybritt Illner von der Talkrunde (mit dem Motto "4 gegen Sarah") unterstrichen.  

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