US-Zinserhöhungen werden wieder zum Thema

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US-Zinserhöhungen werden wieder zum Thema

Alan Greenspan hat die Schleusen geöffnet. Die Geldmenge M3 wächst mit einer Jahresveränderungsrate von über elf Prozent - stärker als im gesamten vergangenen Jahrzehnt. Alles halb so schlimm, beruhigt er, die Unternehmen haben keine Preismacht. Wall Street glaubt ihm.

Da pfeift aber ein Notenbanker im Walde. Inflation droht auf Sicht von zwei, drei Jahren zum großen Thema zu werden. Und wenn nicht, dann schrumpfen die Margen, weil die Unternehmen die steigenden Kosten nicht überwälzen können - ebenfalls eine ungemütliche Aussicht.

Greenspan geht offensichtlich davon aus, dass sich das Produktivitätswunder der Jahre 1995 bis 2000 künftig fortsetzen wird. Drastisch erhöhte Investitionen haben das Produktivitätswachstum auf durchschnittlich 2,5 Prozent erhöht, was wiederum das BIP-Wachstum getrieben hat. Der von der Fed geschneiderte Liquiditätsmantel passte demnach. Fällt der Produktivitätsfortschritt auf die durchschnittlichen 1,5 Prozent der Jahre zuvor zurück - und vieles spricht dafür -, wächst die Wirtschaft langsamer. Greenspans Großzügigkeit erhöht dann also nicht die Mengen, sondern die Preise. Erstmals seit Anfang 1995 ist die Arbeitsproduktivität - im Quartalsvergleich - sogar rückläufig. Das ist bislang noch rein zyklisch. Im Abschwung sinkt selbst in den flexiblen US-Unternehmen zunächst die Produktion stärker als die Beschäftigung. Die Lohnstückkosten sind um über sechs Prozent gestiegen - der höchste Zuwachs seit zehn Jahren. Die Firmen werden weiter entlassen. Das wird die ausgewiesene Produktivität zunächst erhöhen.


Die Nagelprobe kommt, wenn die US-Konjunktur wieder anzieht. Aber werden die Firmen wieder jährlich über zwölf Prozent mehr investieren wie im goldenen Jahrfünft? Die produktivitätserhöhenden Ausgaben der US-Unternehmen für das Internet sind größtenteils getätigt. Im Übrigen gilt das Gesetz schrumpfender Grenzerträge. Diese Kondratieff-Welle läuft aus - zumindest in den USA. Und wo ist die nächste?


Vielleicht kommt im Sommer noch eine kleine Zinssenkung der Fed. Aber wenn ihre Geldpolitik jetzt wirkt, werden Zinserhöhungen das nächste Thema an der Börse sein. Die Märkte erwarten derzeit bis Ende 2002 kumuliert 100 Basispunkte, bis Ende 2003 200 Basispunkte. Das könnte nicht reichen, um Inflationsraten jenseits der vier Prozent zu bekämpfen. Für die Börse wäre das Gift.



Oracle


Billiger, schneller, besser. Auf diese Formel hat Oracle-Chef Larry Ellison die Vorzüge des neuesten Babys des Softwarehauses gebracht. Mit dem neuen Application-Server, einem Programm zur Einbindung von Internetanwendungen, will Ellison IBM und BEA Systems die Stirn bieten. BEA-System-Chef Bill Coleman zeigte sich gelassen. Selbst wenn Oracles Produkt besser ist, wird es schwer, sich gegen die Kundenbasis von BEA Systems durchzusetzen. Aber Oracle kann sich ein Scheitern kaum leisten.


Aus dem Datenbankgeschäft kommt künftig nicht mehr so viel Wachstum wie bisher. Im Jahr 1999 wuchs der Datenbank-Markt noch mit 18 Prozent, vergangenes Jahr mit zehn Prozent. Wenn sich die Konjunktur erholt, könnten in den nächsten Jahren vielleicht 15 Prozent drin sein. Marktanteile zu gewinnen ist für Oracle schwer, denn das Unternehmen versorgt bereits ein Drittel des Marktes. Und IBM ist dicht auf den Fersen.


Bei den Anwendungsprogrammen sieht es nicht viel besser aus. Oracles Kern ist hier die Unternehmensplanungssoftware (ERP), die wächst aber von allen Anwendungen am langsamsten. Bei den Programmen, die den Datenflusses mit Lieferanten (SCM) und Kunden (CRM) optimieren, hat Oracle Nachholbedarf. Zwar bietet das Unternehmen ein integriertes Paket mit allen drei Anwendungen an. Aber noch fehlen die Daten von Referenzkunden. Die erst können beweisen, dass die integrierte Software in der Anwendung tatsächlich billiger und einfacher ist als die Einzelprogramme.


Beratung und Schulung kann die Schwäche der übrigen Bereiche nicht ausgleichen. Erstens kürzen die Kunden an dieser Stelle als erstes ihre EDV-Budgets. Zweitens hängt der mögliche Umfang des Geschäfts direkt von der Anzahl der verkauften Lizenzen ab. Fehlt dort das Wachstum, schwächelt auch das Service-Geschäft.


Die Bewertung unterstellt, dass Oracle seine Probleme in den Griff bekommt. Die Aktie kostet das rund 34fache des für 2002 geschätzten Gewinns. Abgesehen von den Ausnahmejahren 1999 und 2000 war in den vergangenen sieben Jahren für Oracle das 20fache bis 45fache des Gewinns des kommenden Jahres hinzublättern. Die jetzige Bewertung ginge daher in Ordnung, wenn es das Unternehmen schafft, wieder an sein altes Wachstum anzuknüpfen. Von 1993 bis 2000 wuchs der Umsatz im Schnitt um ein Drittel pro Jahr. Für nächstes Jahr liegt der Konsens nur bei zwölf Prozent. Wenn es mit der neuen Software nichts wird, ist mit Oracle-Aktien kein Geld zu verdienen.

 

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