Sozial ist, was Arbeitsplätze schafft!!

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neuester Beitrag: 02.05.05 17:54
eröffnet am: 02.05.05 17:32 von: zombi17 Anzahl Beiträge: 3
neuester Beitrag: 02.05.05 17:54 von: kiiwii Leser gesamt: 284
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02.05.05 17:32

59073 Postings, 7467 Tage zombi17Sozial ist, was Arbeitsplätze schafft!!

Ich dachte immer, das wäre von Hundt, Henkel, Grygowski oder der Union?

Sozial ist, wer Arbeit schafft
Parole eines Steigbügelhalters von Hitler
Sozial ist, wer Arbeit schafft. Haben Sie gedacht, dass mit diesem populären und allseits verkündeten Spruch neues Denken und Modernität bei deutschen Eliten Einzug gehalten hat? Dem ist nicht so. Denn die Propaganda "Sozial ist, wer Arbeit schafft", ist ein alter Hut. Sie stammt vom unseligen Alfred Hugenberg, der im Auftrag und mit dem Geld der Schwerindustrie einen Medienkonzern gegründet hat, "dessen publizistische Organe Hugenbergs national-konservative bis reaktionär-antirepublikanische Auffassungen formulierten und ihm großen Einfluss auf die öffentliche Meinung sicherten." (Brockhaus-CD, 2002). Alfred Hugenberg und Adolf Hitler haben zusammen mit anderen die sogenannte Harzburger Front gebildet, die sich den bedingungslosen Kampf gegen die Weimarer Republik auf die Fahnen geschrieben hat.


Den vollständigen Brockhaus-Text zu Hugenberg und der Harzburger Front finden Sie am Ende dieses Artikels.


Nun kann jedoch auch eine Propaganda aus der äußersten rechten Ecke richtig sein, obwohl man sich mit braun befleckten Sprüchen nicht wirklich profilieren kann.
Was ist nun dran am Wahrheitsgehalt des Spruchs: Sozial ist, was Arbeit schafft.
Zunächst muss man sich klar machen, wozu diese Propaganda dient. In erster Linie soll sie die Bevölkerung darauf einstimmen, sozialen Abbau zu akzeptieren. Denn diese Propaganda wird ja hauptsächlich dann benutzt, wenn es um Kürzungen im Sozialbereich geht oder auch um Erpressungen von Mitarbeitern, Lohnkürzungen zu akzeptieren. Folgende Denkkette soll erzeugt werden: unsozial ist sozial, weil dadurch ein höheres Gut entsteht, nämlich Arbeitsplätze. Dazu ist zweierlei zu sagen: unsozial bleibt immer unsozial und wird nie sozial. Und zweitens ist die Behauptung fraglich, ob unsoziale Kürzungen oder unsoziales Verhalten wirklich Arbeitsplätze schafft. Arbeitsplätze hängen von vielen Faktoren ab. Die Denkkette läuft aber ganz anders ab. Z. B. schaffen Investitionen Arbeitsplätze. Deshalb wäre es sozial, wenn man den Weg ins Finanzcasino durch hohe Abgaben (Stichwort: Tobin-Steuer) versperren würde, damit mehr Kapital in die Realwirtschaft fließt. Mit derselben Blödheit wie "Sozial ist, was Arbeit schafft" könnte man auch sagen: "Sozial ist die Tobin-Steuer, weil sie Arbeit schafft." (weil sie die Börsengeschäfte verteuert und dadurch Realinvestitionen begünstigt.) Aber Arbeitsplätze hängen noch von vielen anderen Faktoren ab. Eine plakative Aussage, die nur einen Weg zu mehr Arbeitsplätzen kennt, ist nur auf die Verdummung der Bevölkerungsmehrheit gerichtet. Es ist ein Totschlagsargument, mit dem man jegliche Diskussion schon im Keim ersticken will, damit die Bevölkerung möglichst die Unsinnigkeit dieser Behauptung nicht erkennt.
Es ist ein unanständiger Psychotrick. Wenn dieser Psychotrick heute wieder wie zu unseligen Zeiten quer durch alle Medien, Parteien, Institute, Wirtschaft etc wiederholt wird, dann wird er dadurch nicht besser, sondern ist ein Indiz für die Verlotterung der Sitten und den Zerfall von Anstand und Moral, aber auch für völlige Ratlosigkeit und Gefahr.
Und es kommt noch schlimmer. Auch die heutigen wie die gestrigen Eliten sind staatsfeindlich eingestellt. Denn der Spruch: "Sozial ist, was Arbeit schafft", ist gleichzeitig ein Angriff auf den Staat und eine Verächtlichmachung des Staates. Denn der Spruch beinhaltet unausgesprochen auch, dass der Staat sich mehr und mehr aus der sozialen Sicherung verabschieden soll. Hier soll folgender Eindruck entstehen: Alles, was der Staat macht, ist teuer und schlecht. Die Privatwirtschaft kann es besser. Auch dies ist eine Ideologie, deren Beweis noch aussteht. Auch mit dieser Staatsfeindlichkeit stehen die heutigen Vertreter der Propaganda: "Sozial ist, was Arbeit schafft", den gestrigen und ewig gestrigen Gesellen sehr nahe. Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Ein Nutzen für die Bevölkerungsmehrheit ist nicht zu erkennen, der Schaden kann aber immens sein.



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Die Quelle für den Ausspruch Hugenbergs ist das Buch
Albrecht Müller: Die Reformlüge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren. Droemer Verlag München, 2004, 415 Seiten, 19,90 Euro.
Das Buch ist sehr lesenswert und entlarvt noch viele weitere Parolen als Psychotricks im Kampf gegen die Bevölkerungsmehrheit.

Die nach unten offene Blödheitsskala:


Sozial ist, was Arbeit schafft.
Lieber ein Arbeitsplatz ohne Kündigunsschutz als arbeitslos mit Kündigungsschutz.
Lieber schlechtes Wetter und einen Arbeitsplatz als gutes Wetter ohne Arbeitsplatz.
Lieber reich und gesund als arm und krank.
Wer kann es noch blöder?  

02.05.05 17:51

1673 Postings, 5922 Tage onestoneNicht von Münte:

Der Sturz des kapitalistischen Systems ist unvermeidlich. Er wird durch die Einkommensteuer erreicht werden.  

02.05.05 17:54

129861 Postings, 6382 Tage kiiwiiCopy and Paste

Fehlerfrei.
Gut.


MfG
kiiwii

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