RYANAIR: Das Imperium schlägt zurück

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eröffnet am: 10.09.02 05:45 von: Happy End Anzahl Beiträge: 2
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10.09.02 05:45

95441 Postings, 7406 Tage Happy EndRYANAIR: Das Imperium schlägt zurück

Für 20 Euro nach London, für zehn nach Mailand. Ryanair & Co. machen der Lufthansa zu schaffen. Doch jetzt holt der Marktführer zum Gegenschlag aus - und könnte vom Frust über kaum verfügbare Lockangebote und schlechten Service der Billigheimer profitieren.

Hamburg - Ausgerechnet hier. "Zum Bruchpiloten" steht auf dem Schild, das jedem Fluggast ins Auge springt, der im Bus aus Hamburg am Terminal des Flughafens Lübeck vorfährt. Die Kneipe am Hangar ist ein Relikt aus der ruhigen Zeit, die vor etwa zehn Jahren endete, als bis dahin in Lübeck meist nur ein paar Segelflieger pro Tag abhoben. Eine Million Passagiere jährlich werden es in acht Jahren sein, hoffen die Flughafenbetreiber. Ryanair sei dank - der Fluglinie, die entgegen dem Trend von Oktober bis Dezember 2001 ihre Passagierzahl um 30 Prozent auf 2,7 Millionen steigern konnte. Und das im Jahr Eins nach den Terroranschlägen von New York und Washington - als auch in Europa die Flugangst grassierte und manche Fluggesellschaft Konkurs anmeldete.

Ryanair ist die Fluglinie, die an allem spart, nur nicht an der Sicherheit. Doch es gibt immer noch Menschen, die das Märchen von den Stewardessen glauben, die angeblich bei den irischen Billig-Fliegern in den zwanzigminütigen Landepausen die Maschinen warten müssten. Und in Lübeck begrüßt ausgerechnet der "Bruchpilot" die Passagiere. Doch die lassen sich davon nicht beeindrucken, sagen zumindest die Zahlen.

Im Jahr bringt die irische Fluglinie Ryanair 120.000 Fluggäste von Lübeck nach London. Drei Mal täglich geht ein Flug. Vom ehemaligen US-Flughafen Hahn im Hunsrück, 130 Kilometer von Frankfurt entfernt, fliegt der Carrier unter der Woche sogar vier Mal täglich den Flughafen Stansted nahe der englischen Hauptstadt an; zudem neun weitere Kleinflughäfen in Europa. Ryanair flog als erste Discount-Airline in Deutschland und ist mittlerweile mit Abstand die bekannteste - und populärste.

Trotz des immer wiederkehrenden Rufs einer "Never-come-back"-Airline mit angeblich uralten Flugzeugen, langen Anfahrtswegen zu den entlegenen Flughäfen und den fehlenden Serviceleistungen ist Ryanair bei den Deutschen die beliebteste Airline der Billigflugsparte. Nach einer Studie der Stiftung Warentest wählten die Passagiere den irischen Carrier auf den sechsten Rang der besten Fluggesellschaften, noch vor Lufthansa und British Airways. Der Preis macht es eben aus - auch wenn Ryanair nicht so sagenhaft günstig ist, wie die ganzseitigen Anzeigen in Zeitungen vermuten lassen.

Miriam Köster hat für ihren Flug von Lübeck nach London mit 58 Euro fast das Dreifache des günstigsten Angebots gezahlt. Dabei hat sich die Studentin aus Hamburg sogar mit dem Donnerstagmorgen eine Ryanair-Randzeit ausgesucht. Denn von der Hauptreisezeit von Freitag bis Sonntag gelten die Billigtarife ohnehin nicht. Doch auch an einem Donnerstagmorgen fliegen nur die wenigsten Passagiere in Ryanair-Maschinen für 20 Euro. Die Billigtickets sind knapp kontingentiert.

Wer auf die großformatigen Zeitungsanzeigen anspringt und auf der Ryanair-Website den Buchungsvorgang startet, erlebt wundersame Preissprünge. Was die Fluggesellschaft nämlich nur am Rande erwähnt, sind die Steuern und Gebühren, die auf der Strecke Hahn - London Stansted bis zu knapp 25 Euro betragen können und den Kampfpreis dann locker übersteigen. Bezahlen lässt sich Ryanair das vermeintliche Schnäppchen ausschließlich per Kreditkarte - und verlangt hierbei zusätzliche fünf Euro Bearbeitungsgebühr.

Trotz aller Gebühren und Steuern scheinen die Angebote von Ryanair immer noch sagenhaft günstig. Aber bald wird es noch billiger. Der einstige Angreifer aus Irland gerät mittlerweile in die Defensive: Ferienflieger TUI  will mit seiner neuen Linie Hapag-Lloyd Express und mit Kampfpreisen von zehn Euro für einen Flug innerhalb Deutschlands und 25 Euro für einen Flug innerhalb Europas den Markt der Billigflieger aufrollen. Air Berlin will mit Discount-Flügen ebenso Furore machen wie neuerdings sogar die Lufthansa  über ihren Ableger Germanwings, an dem sie ein Viertel der Anteile hält und die Kaufoption auf zwei weitere Viertel besitzt. Ryanair hat es den Konkurrenten vorgemacht: Das Unternehmen steigerte im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Gewinn um 44 Prozent auf 150 Millionen Euro. Aber was ist lukrativ daran, wenn die Linien ihre Tickets zu 20 oder zehn Euro verscherbeln? Die Antwort ist einfach: 20-Euro-Tickets sind rar, sehr rar sogar.

"Die 20-Euro-Flüge sind Lockangebote", sagt Hans Huff, Luftfahrt-Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin zu SPIEGEL ONLINE. "Der Prozentsatz der Plätze, die auf einem Flug zu diesem Preis verkauft werden, ist gering." Eine genaue Prozentangabe sei nicht möglich, weil die Airlines die Zahlen nicht veröffentlichen würden. Ein Analyst der Hypo-Vereinsbank schätzt, die Billigstplätze würden bei den Low-Cost-Carrieren sogar nur ein Prozent ausmachen, berichtet die "Südwest Presse". Mischkalkulation heißt das Zauberwort: Eine Handvoll Plätze werden zu fünf Euro verkauft, der Rest fliegt für bis zu 110 Euro pro Strecke. "Im Schnitt zahlt jeder Passagier bei Ryanair 45 Euro pro Flug", schätzt Huff.

Die Deutsche BA und die Lufthansa verkaufen etwa zehn Prozent ihrer Tickets zu den günstigsten Preisen, schätzen Experten. Germanwings will etwa ein Drittel seiner Plätze für den Kampfpreis von 25 Euro verkaufen, und Hapag-Lloyd-Express will zwar Tickets zu zehn Euro für innerdeutsche und zu 25 Euro für europäische Flüge anbieten. Doch laut Tui-Chef Michael Frenzel sollen die angepeilten 1,3 Millionen Passagiere im ersten Geschäftsjahr im Schnitt 75 Euro pro Flug zahlen.

Wären die Gesellschaften großzügiger mit den billigen Plätzen, ginge ihre Kalkulation auch nicht auf. Ryanair setzt fast ausschließlich die Boeing 737 ein, die mit 150 Plätzen bestuhlt ist. Nach Expertenmeinung liegen die Betriebskosten für Benzin, Piloten und Stewardessen sowie die Wartung bei etwa 3000 Dollar pro Flugstunde. Würde jeder Passagier nun für 20 Euro fliegen, wären die Betriebskosten gerade gedeckt - und das auch nur, wenn die Maschine voll ausgebucht ist.

Einer anderen Taktik folgt Germania. Seit Ende vergangenen Jahres fliegen die Berliner von der Hauptstadt für 198 Euro nach Frankfurt und für 154 Euro nach Köln/Bonn und zurück. Das ist zwar nicht so günstig wie bei der Konkurrenz. Doch dafür gilt der Preis auch ausnahmslos für alle Plätze der Maschine. Die Berliner versuchen dadurch Spätbucher zu ködern, die bei Ryanair & Co. nicht mehr fündig werden oder zum bevorstehenden Flugtermin nur noch teure Plätze erhalten. Lufthansa selbst will den billigen Konkurrenten trotzen und ab Mitte September mit 150.000 bis 200.000 Plätzen rund zehn Prozent ihrer innerdeutschen Flüge für 98 Euro anbieten - allerdings gelten die Angebote nur für Randzeiten und müssen vier bis zwölf Wochen vor dem Flug gebucht werden. Wer dies über das Internet tut, kann nochmals zehn Euro sparen. Im Gegensatz zu den Dumping-Angeboten der Konkurrenz sind bei der Lufthansa in ihrem Angebotspreis bereits alle Steuern und Gebühren mit inbegriffen - ebenso der Rückflug. Einschränkungen wie einen Mindestaufenthalt über das Wochenende soll es nicht geben.

Eine einfache Preisstruktur, gewohnter Bordservice und die verkehrsgünstige Lage der großen Flughäfen - das sind die Vorteile der Lufthansa. Diese würden auch den Kunden von Billig-Konkurrenten wie der Deutschen BA zu denken geben, sagt Luftfahrt-Analyst Hans Huff. Er sehe einen "Trend zur Annäherung" bei den Frühbucherpreisen der etablierten Linien und Discount-Carrier zu den Randzeiten. Denn Und ab Oktober wollen die Lufthansa auch die neuen Billig-Tarife auf Großbritannien und die Türkei ausweiten. "Eventuell wird der Kunde in Zukunft die Wahl haben: Lufthansa oder Ryanair", sagt Huff. Es sei fraglich, ob die Deutschen dann immer noch mit jenen Linien fliegen würden, bei denen die Anreise zum Flughafen teurer und zeitraubender ist als der eigentliche Flug. Auch der Service, die Möglichkeit von Anschlussflügen und die Rücktrittsrechte würden wieder eine Rolle spielen - all das gibt es bei Ryanair schlicht nicht.

Die Lufthansa erwartet, dass es den Billigheimern bald an den Kragen geht: Im innerdeutschen Verkehr will der Branchenprimus mit den neuen Tarifen die Nachfrage im zweistelligen Prozentbereich steigern. Die Auslastung der Maschinen von im Schnitt etwas mehr als 60 Prozent soll um fünf Prozentpunkte anziehen. Denn mit dem Preisargument steht und fällt der Erfolg der Billig-Carrier. Das weiß auch Ryanair-Chef Michael O'Leary: "Wir bieten unseren Kunden billige Flüge - sonst nichts."  

10.09.02 07:21

61 Postings, 6796 Tage MüllmännerSind wir etwa schon im Krieg ?

Imperium: Der Begriff erinnert mich immer wieder an Dart Vader und der sitzt jetzt in Washinghton.  

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