ÖGER - SPD-Politik nach Gutsherrenart

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neuester Beitrag: 16.11.03 23:25
eröffnet am: 16.11.03 10:42 von: anarch. Anzahl Beiträge: 8
neuester Beitrag: 16.11.03 23:25 von: anarch. Leser gesamt: 641
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16.11.03 10:42
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2728 Postings, 6953 Tage anarch.ÖGER - SPD-Politik nach Gutsherrenart


Lieber Genosse,

lass mich bitte kurz einen Punkt ansprechen, von dem ich glaube, dass er für die SPD UND ihre Mitglieder von enormer Bedeutung ist, und ihn ein wenig spitz formulieren:
Der Kanzler zwingt mit seiner par ordre de mufti-Vorgehensweise, die ja kulturell von mir aus adäquat oder besonders sophisticated sein mag, die Sozialdemokraten und ihre Wählerschaft gegen ihre vitalen Interessen zu wählen.

Er stellt sie mit seiner inzwischen ja leider usus gewordenen Druck-Methode vor die Alternative, entweder ihre Stimme der SPD (genauer: den SPD-EU-Kandidanten) gar nicht erst zu geben oder für den Beitritt der Türkei in die EU zu stimmen.

Der Beitritt der Türkei ist aber (da gibt´s nix zu debattieren, multikulti hin, Versprechen oder Sicherheitspolitik oder allen anderen halbgaren Pseudoargumentequatsch her:) nicht nur weder im Interesse Deutschlands allgemein noch der SPD-Klientel im besonderen, er wäre eine Katastrophe für Europa.

Öger wird sich nie im Leben für die Interessen Deutschlands und der Deutschen einsetzen. Nicht mal für die der hier lebenden Türken, deren Interessen nämlich viel zu diffus und heterogen sind, als dass sie mit den Interessen eines Konzernchefs abgedeckt werden könnten, und in deren Interesse ein Türkei-Beitritt auch nicht wäre. Er wird die Interessen nicht greifbarer türkischer politischer Kreise und seine eigenen betreiben, zum Schaden Deutschlands und der SPD inklusive Klientel. Ich will es mal auf den Punkt bringen: weißt du (von Gerd mal ganz zu schweigen!!), welche türkischen Kräfte hinter Öger und seinem interessegeleiteten Eintritt in die SPD stecken? Ich gehe mal davon aus, dass du nicht so naiv bist anzunehmen, dass das eine plötzlich entdeckte Liebe zur sozialdemokratischen Idee ist. Kannst du garantieren, dass er nicht die Interessen der AKP vertritt? Dass das nicht seine Hintermänner sind? Dass er von denen nicht vorgeschoben ist, um die dumme alte Tante SPD zu instrumentalisieren?
Ich wiederhole es, Schröder zwingt uns damit, gegen unsere vitalen Interessen zu stimmen.

Schröder zwingt uns damit, für die Türkei und gegen Deutschland zu stimmen.
Das wird manchen derartige Magenschmerzen verursachen, dass sie lieber nicht für die SPD stimmen werden!

Das ist meine Überzeugung und ich sage dir, lieber Genosse, dass das viele Genossen so sehen werden, und die paar zehntausend türkischen Stimmen, auf die ich s.....e, sind es nicht wert, dass man dafür einen Öger im Pelz sitzen hat, der innerhalb unserer Partei, der Sozialdemokratischen Partei DEUTSCHLANDS (von der ich etwas Patriotismus erwarte!!!) für die Interessen einer uns nicht freundlich gesonnenen Macht (ich erinnere an Helmut Schmidt und sage nicht, wie ich deren Haltung eigentlich einschätze) arbeiten wird. Die paar tausend Stimmen werden womöglich die Stimmen nicht wettmachen, die wir bei unseren eigenen Leuten verlieren werden!

UND DENKE AN DIE STEILVORLAGE FÜR DIE CDU. Wenn ich in deren Wahlkampfteam sitzen würde, würde ich seit drei Tagen Sekt trinken und die Wahl für gelaufen halten. Leichter geht´s nicht: SPD von der Türkei instrumentalisiert. Für wen arbeitet ÖGER? Die 5. Kolonne in der SPD.........

Abgesehen davon gibt es natürlich die auf der Hand liegenden Gründe gegen Öger:
Im Fernsehen hat er sich wiederholt als schlimmer Simplifizierer und noch schlimmerer Demagoge gezeigt.

Er sieht in Diskussionen schon deshalb schlecht aus, weil er sich nicht beherrschen kann: er kann keine Kritik oder andere Standpunkte vertragen, er ist dazu vielleicht zu sehr türkischer Macho oder einfach Firmenchef, der es gewohnt ist, rumzukommandieren (bei dem möchte ich nicht arbeiten), er ist unduldsam und autoritär und viel zu sehr von sich als dem Supergeschäftsmacho überzeugt. Er wird mit diesen Defiziten ein gefundenes Fressen für die Medien und den politischen Gegner sein. (Mit dem werdet ihr aber auch intern keinen Spaß haben.)

Er hat keinerlei politische Erfahrung, er wird auch nicht die Zeit und die Bereitschaft haben, sich da reinzuarbeiten.

Er wird nur ab und zu da sein, nämlich immer dann, wenn es um seine (türkischen) Interessen oder die seiner Hintermänner geht.

Er wird bei anderen von euch Kraft und Nerven binden bzw. unnötig verpulvern.
Seine Kandidatur hat schon jetzt die Partei und die EU-Abgeordneten schwer BESCHÄDIGT und wenn er es ernst mit seiner Mitgliedschaft meinte, würde er selber von dieser Kandidatur sofort zurücktreten.

Bündig zum Schluss: ich halte ihn für eine derartige Katastrophe für die SPD, dass ich mich schon langsam frage, ob es nicht im Interesse der Verhinderung eines EU-Beitritts der Türkei besser wäre, wenn er auf der Liste bliebe!!!! Entiendes?

Ich hoffe, du liest meinen Brief noch vor Sonntag und ich kann dich ein wenig anstoßen, nicht nachzulassen (wenn das überhaupt nötig ist). Mach´s gut, halt die Ohren steif und

vielleicht mal
auf bald!

Karl Thönnissen  

16.11.03 19:02

2728 Postings, 6953 Tage anarch.Warum nicht gleich als Kanzlerkandidat?


Warum verschwendet man derartiges Talent in der EU?  

16.11.03 19:27

2728 Postings, 6953 Tage anarch.Polit-Größen der SPD-Liste


EUROPA-PARLAMENT

Reiseunternehmer Öger auf SPD-Ticket

Der Hamburger Reiseunternehmer Vural Öger wird für die SPD bei der Wahl zum Europaparlament antreten. Der Geschäftsmann türkischer Herkunft erhält den aussichtsreichen Platz zehn. SPD-Generalsekretär Scholz nannte seine Kandidatur eine "Zierde" für die Liste seiner Partei.

 

Berlin - Das SPD-Präsidium beschloss am Montag in Berlin die Liste, die am kommenden Sonntag beim Europa-Parteitag in Bochum abgesegnet werden soll. Auf den Spitzenplatz für die Europawahl im Juni 2004 kam Martin Schulz, der sich im Juni im Europa-Parlament eine heftige Auseinandersetzung mit Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi geliefert hatte. Der 47-jährige Schulz war von Berlusconi für die Filmrolle eines Nazi-Schergen in einem Konzentrationslager vorgeschlagen worden.

SPD-Generalsekretär Olaf Scholz nannte die Aufstellung Ögers eine "Zierde" für die Liste der Sozialdemokraten. Der 61-Jährige habe sich viele Verdienste um Deutschland und das Zusammenleben von Deutschen und Türken erworben. Bei der letzten Europawahl hatten 33 SPD-Abgeordnete den Einzug ins Straßburger Parlament geschafft.



GUTE NACHT, SPD!


Spiegel online, 15.11.2003  

16.11.03 19:30

16003 Postings, 7245 Tage NassieImmerhin ein erfolgreicher

selfmade Unternehmer. Davon haben wir in den Parlamenten viel zu wenige.
Und mehr kaputtmachen als die vielen Lehrer kann er auch nicht.  

16.11.03 19:34
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2728 Postings, 6953 Tage anarch.Aber SPD-Spitzenkandidat ist der Berlusconator ...


... Martin Schulz (Maddin)! Ergo: Möglichst populistisch die Klappe weit aufreissen und selbiges bei anderen beklagen. Das hat Format und besetzt SPD-Spitzenpositionen.

Und Öger ist selbstverständlich eine Idealbesetzung wenn es um die Vertretung deutscher Interessen geht.  

16.11.03 19:36

16003 Postings, 7245 Tage NassieEr lebt in Deutschland und zahlt hier

seine Steuern und hat das passive Wahlrecht.
Soll das Grundgesetz für Türken nicht gelten ?  

16.11.03 19:37

2728 Postings, 6953 Tage anarch.Was hat das mit dem Grundgesetz zu tun?

16.11.03 23:25

2728 Postings, 6953 Tage anarch.Der Maddin und die Schäbigen


EUROPAWAHL

Berlusconi-Kritiker soll SPD zum Europasieg führen

Die Sozialdemokraten haben ihren Spitzenkandidaten für den Europawahlkampf gekürt: Martin Schulz führt die SPD-Liste an. Der ausgewiesene Kritiker des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi erhielt auf der Delegiertenkonferenz in Bochum am Sonntag 260 von 265 abgegebenen Stimmen.

 
Bochum - Vier SPD-Delegierte stimmten gegen Schulz, einer enthielt sich. Der 47-Jährige hatte als einziger für das Amt des Spitzenkandidaten kandidiert. Insgesamt werden auf der Delegiertenkonferenz in Bochum 99 Bewerber für die Europawahl im Juni 2004 aufgestellt. Dies entspricht der Zahl der Abgeordneten, die Deutschland im Europaparlament zustehen. Derzeit haben die SPD 35, die CDU 43, die CSU 10, die PDS 6 und die Grünen 5 deutsche Abgeordnete im Europaparlament.

Zuvor hatte der SPD-Chef und Bundeskanzler Gerhard Schröder die Union eindringlich davor gewarnt, den Europawahlkampf für eine Kampagne gegen den EU-Beitritt der Türkei zu missbrauchen. Die CDU/CSU wolle "aus innenpolitischem Opportunismus" eine "schäbige Kampagne" gegen die Türkei führen, sagte Schröder. Dabei könne gerade die Aufnahme der Türkei in die EU dafür stehen, dass zwischen islamischer Welt und europäischen Werten kein Gegensatz bestehe. Der Beitritt wäre auch ein "ungeheurer Sicherheitszuwachs für unser Land".

Schröder warb in seiner Rede für ein Zusammenwachsen Europas. Die EU-Erweiterung berge die riesige Chance, Europa zu einem Ort dauerhaften Friedens und Wohlergehens zu machen. Diese `ungeheure Möglichkeit" gebe es bei nur "sehr kleinen" Risiken. "Die Erweiterung ist die große historische Chance", sagte der SPD-Vorsitzende unter dem Beifall der Delegierten.

Wer über die Erweiterung der EU rede, müsse auch über ihre Vertiefung sprechen, sagte Schröder. Der Verfassungsprozess biete die Chance, Grundrechte für alle Bürger festzuschreiben. Natürlich gehe es auch um die Zahl der Kommissare und das politische Gewicht der einzelnen Länder. Aber Europa müsse eine Stimme bekommen und deshalb solche technokratischen Fragen durch Kompromisse lösen.


Spiegel online,16.11.2003  

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