Oder geht doch alles weiter seitwärts?

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neuester Beitrag: 27.04.05 19:34
eröffnet am: 27.04.05 19:14 von: moya Anzahl Beiträge: 3
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27.04.05 19:14
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1008418 Postings, 6308 Tage moyaOder geht doch alles weiter seitwärts?

Oder geht doch alles weiter seitwärts?

von Jochen Steffens

Natürlich habe ich auch Bedenken, die habe ich immer, meistens viel zu viele. Denn sie wissen, tief in meinem Herzen bin ich ein Bär. Doch ich kenne das Spiel zur Genüge: Je näher der Markt innerhalb von Korrekturphasen an sein Tief gerät, desto größer werden die Bedenken, desto unruhiger werden die Nächte. Das ist völlig normal.

Die fallenden Kurse sind schließlich häufig dadurch verursacht worden, dass die Researchabteilungen der Institutionellen, anhand von eigenen Analysen oder der typischen Informationsverbreitung beim Golfspiel, mit schlechten Konjunktur- und Unternehmensdaten gerechnet haben und sich entsprechend positionierten (z.B. verkauft haben). Wenn Sie als Otto Normalanleger diese Daten dann später erfahren, hat die Gehirnwäsche der Börse bereits ihr Gemüt zerfleddert. Schließlich wurden und werden Sie von zwei Seiten angegriffen: Einerseits mussten Sie die Kursverluste über Tage, vielleicht Wochen hinnehmen. Das zehrt an den Nerven. Dann kommen noch nach und nach die schlechten Nachrichten über die Ticker, wie soll Otto Normaltrader da noch Hoffnung schöpfen?

Und so geschieht, was geschehen muss: Der Leidensdruck wird hoch und höher. Wenn dann noch eine einzige schlechte Nachricht kommt, oder eine wichtige charttechnische Marke bricht, dann reißt der Geduldsfaden und alles wird verkauft.

Allerdings ist das dann natürlich sehr häufig genau der Zeitpunkt, wo die schlechten Nachrichten, die von institutioneller Seite erwartet wurden, endlich durch sind, wo die Korrekturmarke im Chart endlich erreicht wurde - also häufig das vorläufige Tief.

Die Enttäuschung ist groß, wenn Sie verkauft haben und der Markt kurze Zeit später dreht. Diese Enttäuschung lähmt, so das keine weiteren Käufe mehr getätigt werden können. Nun setzt die umgekehrte Gehirnwäsche ein. Die Kurse steigen, denn nun werden nach all den schlechten Nachrichten dazu relativ "bessere" Nachrichten erwartet.
Sie sehen die steigenden Kurse, zunächst noch gelähmt, dann interessiert, zum Schluss überzeugt. Schließlich ärgern Sie sich, dass Sie nicht eingestiegen sind, dann kommen auch noch bessere Nachrichten, alles sieht wieder rosig aus - der Frust ist vergessen - endlich kann man wieder kaufen ... Wenn dann noch eine wirklich positive Nachricht kommt, wird frohen Mutes gekauft ... und wieder das Hoch erwischt.

Ich frage mich also, sind meine Bedenken zurzeit schon massiv genug?
Ist die Massenstimmung schon pessimistisch genug? Wenn ich mir viele Artikel in den Zeitungen anschaue, dann fließt dort schon das Blut.
Mit anderen Worten, auf dem aktuellen Niveau kann sich ein Boden bilden. Doch wie gesagt, diverse Korrekturziele sind noch nicht abgearbeitet. Auch der Dax kann durchaus noch eine Ebene tiefer rutschen, diese liegt bei 4025. Da die 4000er Marke als psychologische Marke in der Nähe ist, muss in diesem Fall sogar mit einem Rutsch unter die 4000er Marke gerechnet werden.

Was mache ich, wenn ich mich frage, ob noch ein Rutsch zu erwarten ist? Ich analysiere alle Dax Charts und ausgewählte Charts aus den anderen Indizes. Hin und wieder mache ich mir dann die Mühe, meine Charts zu erneuern und neu zu analysieren, um ein "neues" Bild zu kriegen.

Nachdem ich letzte Woche wenig Zeit hatte, habe ich mir nun die langfristigen Dax-Charts vorgenommen. Das Resultat war enttäuschend.
Sehr viele Dax-Charts befinden sich in einer langen Seitwärtsbewegung und sind gerade im Prinzip am oberen Ende dieser Seitwärtsbewegung abgeprallt. Wenn die Märkte nicht bald drehen, ist das zwar immer noch nicht bearish zu werten, spricht aber für eine Fortführung dieser langen quälende Seitwärtsbewegung in den Aktien und damit wahrscheinlich auf die ein oder andere Art und Weise auch im Dax.
Wirklich bearishe Aspekte habe ich allerdings aus charttechnischer Sicht kaum finden können.

Die aktuelle Konsolidierungsphase wird darüber entscheiden: Geht der Aufwärtstrend weiter, dann müssten die oben genannten Seitwärtsbewegungen in der Gegenbewegung dieser aktuellen Konsolidierung nach oben gebrochen werden. Ansonsten sind die Seitwärtsbewegungen bestätigt. Bearishe Signale werden bei den meisten Aktien erst generiert, wenn wichtige Marken, die allerdings noch sehr weit entfernt liegen, nach unten gebrochen sind.

Soweit, so gut. Ein Chart alleine sagt nicht viel, sondern gibt nur die Richtung vor. Ich habe mich also gefragt, ob die fundamentalen Gesichtspunkte zu einer Seitwärtsbewegung passen. Angesichts der sich verschlechternden Konjunkturnachrichten aus den USA ist die Wahrscheinlichkeit für stärker steigende US-Leitzinsen natürlich bereits aus dem Markt genommen worden. Normalerweise wirkt sich das im kurzfristigen Horizont positiv auf die Kurse aus. Das tut es aber im Moment nicht.

Dafür gibt es leider eine ganz einfache Erklärung, die ich hier auch schon genannt habe: Die Märkte befürchten, dass die Fed in die Zwickmühle zwischen niedrigen Zinsen, schwacher Konjunktur und steigenden Preisen geraten könnte. Das heißt, die Märkte spielen folgendes Szenario: Die anziehende Inflation zwingt die Fed zu weiteren Leitzinserhöhungen in einem Maße, das der "zarten"
Konjunkturpflanze das Wasser abgräbt, so dass ein weiteres Wirtschaftswachstum abgedämpft wird. Die Folge hiervon wäre auch: Eine Seitwärtsbewegung. Das macht alles soweit Sinn.

Hoffen wir für uns Anleger, dass die Märkte bald drehen und nach oben ausbrechen ...
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US-Konjunkturdaten

von Jochen Steffens

Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter sind um 2,8 % zurückgegangen. Erwartet wurde +/-0,0 bis +0,3 % nach zuvor -0,2 % (revidiert von +0,5 %). Das i

Das ist ein wirklich schlechter Wert, auch hier scheinen die fallenden Kurse der letzten Wochen/Monate an den amerikanischen Indizes die Nachrichten zu beeinflussen.

Die Rohölvorräte (Crude Oil Inventories) sind in der vorangegangenen Woche um 5,5 Mio. Barrel gestiegen nach zuvor -1,8 Mio. Barrel.

Die Benzinvorräte (Gasoline Inventories) haben sich im Wochenvergleich um 300.000 Barrel verringert nach zuletzt -1,5 Mio. Barrel.

Die Vorräte an Destillaten (Distillate Inventories) sind gegenüber der Vorwoche um 1,4 Mio. Barrel geschrumpft nach zuvor unverändert.

Ach siehe da, ich hatte letzte Woche gar nicht mitgekriegt, dass die Ölvorräte geschrumpft waren. Nun, das ist ja wohl bestens ausgeglichen worden. Die Destillate schrumpfen weiter, das können sie auch. Dass die Benzinvorräte nur um 300.000 Barrel schrumpften, zeigt, dass die Raffinerien sich umgestellt haben.

Das sollte eigentlich den Ölpreis nach unten drücken. Das könnte wiederum die Inflationssorgen dämpfen, bei gesunkener Zinserhöhungsangst könnte das den Märkten ziemlichen Auftrieb geben.

Gruß Moya

 

27.04.05 19:27

33505 Postings, 5868 Tage PantaniTippe auch

auf eine Seitwärtsbewegung mit Range +- 200 Punkte
im DAX.  

27.04.05 19:34

9279 Postings, 6325 Tage Happydepotdas wäre natürlich am besten o. T.

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