Nordsee könnte ein guter Fang werden

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 12.06.01 10:37
eröffnet am: 12.06.01 10:37 von: vanSee Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 12.06.01 10:37 von: vanSee Leser gesamt: 215
davon Heute: 1
bewertet mit 1 Stern

12.06.01 10:37
1

536 Postings, 7995 Tage vanSeeNordsee könnte ein guter Fang werden

Nordsee könnte ein guter Fang werden

Bietet Fisch eine Wachstums-Story? Die Emissionsbanken verkaufen den Börsenkandidaten Nordsee als solche. Die Deutschen hängen bislang an Fleisch und Wurst. Fisch ist gesund - und damit zeitgeistig. Nordsee will in dem nur zwei Prozent wachsenden Markt für Schnellimbisse den Würstchenbuden kräftig Anteile entreißen. Abwegig ist der Gedanke nicht.

Auf mittlere Sicht könnte Nordsee durchaus zweistellig zulegen. In Deutschland und Österreich sollen in den nächsten drei Jahren 150 Geschäfte aufgemacht werden. Die Expansion ins weitere europäische Ausland steht an. Der Markenname lässt sich ausschlachten: Auf Fisch-Fonds werden dann Nordsee-Etikettchen geklebt. Und schließlich will der etwas ältliche Fischbrötchen-Verkäufer die Jugend gewinnen.

Natürlich darf bei derartigen Ambitionen kein Fisch-Skandal in die Quere kommen. Und die Marke zu verjüngen, ist leichter gesagt als getan. Die Bewertung trägt aber den Risiken ein Stück weit Rechnung. Nordsee lässt sich am ehesten mit dem britischen Pizza Express und der spanischen Tele Pizza vergleichen. Für die Pizzaketten sind das 3,4fache beziehungsweise das 1,6fache des laufenden Umsatzes hinzulegen. Bei einem Ausgabepreis von 22,50 Euro kostet Nordsee nur einmal den Umsatz. Dank Nordsees niedrigeren Ebitda-Marge verringert sich der Abschlag auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und Goodwill (Ebitda). Nordsee bleibt aber deutlich billiger und könnte sogar auch noch rascher wachsen.



Cambridge Antibody


Mit künstlich hergestellten Antikörpern lässt sich in Zukunft nicht nur Leiden verhindern, sondern auch massig Geld verdienen. Das jedenfalls hoffen viele Anleger.


Cambridge Antibody Technology (CAT) hat schon vier Medikamente in den klinischen Tests. Die zu Grunde liegenden Antikörper sind zudem alle rein menschlich, was die Verträglichkeit erhöhen soll. Die beiden nächsten Konkurrenten in den USA, Medarex und Abgenix, haben nur drei, respektive zwei, menschliche Antikörper in diesem Versuchsstadium. Trotzdem wird an der Börse mehr für sie bezahlt. Durch eine Notierung an der New Yorker Börse will CAT jetzt der Fantasie der US-Investoren auf die Sprünge helfen.


Auf den ersten Blick hat das CAT-Management recht. CAT kostet das rund 66fache des laufenden Umsatzes, Medarex das 71fache und Abgenix gar das 111fache. Doch halt! Schon das 111fache des Gewinns ist eine extrem hohe Bewertung, 111 Mal den Umsatz zu bezahlen ist Roulette-Spiel. Jedenfalls für ein Unternehmen, das in den kommenden Jahren mit 50 bis 60 Prozent wachsen soll. Da müsste schon noch mehr drin sein. Auch CATs angenommenes Wachstum von gut 30 Prozent ist für die Bewertung eher zu wenig. Und das bei erheblichen Risiken.


Nach Schätzungen von CSFB wird CAT nicht vor 2006 profitabel. Das setzt aber voraus, dass die Ausfallrate in den klinischen Tests nicht überproportional hoch ausfällt und dass kein neuer Ärger durch Patentstreitigkeiten droht. Nur wegen eines New Yorker Listings wird CAT kaum abgehen wie nichts; und Abgenix schon lange nicht mehr.



KGV


Quo vadis, KGV? Nur mal so angenommen, die Anleger der Vergangenheit haben nicht vollkommen daneben gelegen damit, Aktien mit dem rund 15fachen des Gewinns zu bewerten. Immerhin haben sie das Jahrzehnte lang getan, und dümmer als die heutigen Investoren waren diese Leute ja wohl nicht.


Also weiter angenommen, die Börse notiere - sagen wir ab 2010 - wieder mit dem 15fachen des Gewinns. Da der Markt heute mit dem 24fachen des Gewinns bewertet ist, ergäbe das bei einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von sechs Prozent bis dahin eine Rendite von nahezu Null. Selbst wenn die Gewinne im Schnitt um zehn Prozent jährlich zulegten, würden die Indizes Kursgewinne von weniger als fünf Prozent pro Jahr einbringen.


Die KGV-Entwicklung ist deshalb eine der entscheidenden Fragen für den mittelfristigen Börsenverlauf. Zwei Argumente sprechen für höhere als historische KGV. Zum einen die einstweilen besiegte Inflation. Niedrige Preissteigerungen sorgen - grob gesprochen - dafür, dass die Wirtschaft runder läuft und dass Aktien deshalb unriskanter (wertvoller) sind als in inflationären Zeiten. Zum zweiten ein möglicherweise höheres Trendwachstum im Zuge der Internetrevolution.


Die Inflation mag fürs Erste keine Rolle spielen. Wegen des weltweiten Abschwungs dürften die Preise sogar bald unter Druck kommen, wenigstens vorübergehend. Aber wer weiß, was in ein paar Jahren ist - mit Inflation und Trendwachstum. Wer das 24fache des Gewinns bezahlt, muss auf der Hut sein, sogar wenn er langfristig orientiert ist.

 

   Antwort einfügen - nach oben