Multikulti für Deutschland

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eröffnet am: 18.06.04 12:16 von: Happy End Anzahl Beiträge: 6
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18.06.04 12:16

95441 Postings, 7568 Tage Happy EndMultikulti für Deutschland

Beim EM-Auftakt gegen die Niederlande war der gebürtige Brasilianer Kevin Kuranyi einzige deutsche Spitze, seine Sturmkollegen stammen aus Polen und Slowenien. Weil im Jugendbereich immer mehr Migranten dominieren, wird die DFB-Elf in Zukunft eine Multikulti-Truppe werden. Besondere Impulse werden aus der Türkei erwartet.



Eine dunkle Halle mit rundem Eisenkäfig in der Mitte, ein Ball und zwei Tore: Der Sportartikelhersteller Nike suchte bei seiner Turnierserie "PannaKO" in Hamburg, München, Köln und Berlin Deutschlands beste "Eins gegen Eins"-Spieler. Es entwickelte sich eine Show mit atemraubenden Spielen, bei denen vor allem Technik und Schnelligkeit entschieden. Nur der Catering-Service, der Spieler und Gäste beim Turnier in München mit bayerischen Spezialitäten versorgen sollte, hatte Probleme: Denn Deutschlands beste Straßenfußballer stammen zu 85 Prozent aus dem Ausland, ein Großteil davon Muslime, für die bayerische Schmankerl wie Leberkäse und Bratwürste tabu sind.

Diese Beobachtungen sind kein Einzelfall, auch in Deutschlands höchster Jugendklasse, der A-Junioren-Bundesliga, geht es mulikulturell zu: 210 ausländische Spieler aus 37 Ländern stehen im Aufgebot der Mannschaften, durchschnittlich fünf pro Team. Dazu kommen etliche Migranten, die inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. "Die Zahl der Einwanderkinder hat in den letzten Jahren stark zugenommen", sagt Edwin Boekamp, Jugendkoordinator von Borussia Dortmund. "Die Söhne von Einwanderern sind willig und heiß darauf, sich über den Fußball hochzuarbeiten und nicht so verwöhnt und bequem wie viele deutsche Jugendliche." Die Gründe sieht Boekamp in der Wohlstandsgesellschaft. "Viele Deutsche spielen Computer oder haben andere teure Hobbys, die sich Einwanderkinder nicht leisten können. Migranten sind nicht grundsätzlich begabter, sondern spielen einfach häufiger Fußball."



Weltbürger Kuranyi

In Dortmunds A-Junioren-Team, das in den vergangenen zehn Jahren fünfmal Deutscher Meister wurde, spiegelt sich diese Entwicklung vor allem im Sturm wieder. Mehmet Akgün und Mustafa Sahbaz haben türkische Eltern, Massimo Ornatelli kommt aus Italien, Alexander Topolewski aus Polen und Sahr Senesie aus Sierra Leone - gemeinsam haben sie nur eines: einen deutschen Pass. "In den Jugendzentren des DFB und der Vereine gibt es eine Vielzahl von Spielern mit ausländischen Wurzeln. Es ist eine logische Konsequenz, dass sich diese Entwicklung im Jugendbereich auf die Nationalmannschaft auswirken wird", ist Boekamp überzeugt. Er glaubt an "viele positive Akzente", der aktuelle EM-Kader gebe bereits einen Vorgeschmack, wie sich das Bild der Nationalmannschaft in Zukunft wandeln werde.

Beim Turnier in Portugal ist Thomas Brdaric, der seinen Nachnahmen dem jugoslawischen Großvater verdankt, der einzige in Deutschland geborene Stürmer. Miroslav Klose lebte bis zu seinem neunten Lebensjahr im schlesischen Oppeln, bevor er mit seinen Eltern in den pfälzischen Ort Kusel zog. Lukas Podolski kommt ebenfalls aus Polen, aus dem oberschlesischen Gliwice. Weil er bereits als Zweijähriger nach Bergheim bei Köln zog, hatte er noch genügend Zeit, sich den kölschen Dialekt anzueignen. Fredi Bobic kam im slowenischen Maribor zur Welt und erhielt erst 1992 einen deutschen Pass. Die größten Wahlmöglichkeiten, für welches Land er spielen wollte, hatte Kevin Kuranyi, derzeit Stürmer Nummer eins in Rudi Völlers Mannschaft: Der in Rio de Janeiro geborene und zum Teil in Panama aufgewachsene Sohn eines in Frankreich geborenen deutschen Vaters aus dem Schwäbischen und einer panamaischen Mutter hätte neben Brasilien, Panama und Deutschland auch für Ungarn stürmen dürfen - wegen seines ungarischstämmigen Großvaters.



Scouting-Netz der Türken
 
Professor Frank Kalter von der Universität Leipzig hat in seiner Arbeit "Chancen, Fouls und Abseitsfallen - Migranten im deutschen Ligen-Fußball" untersucht, warum die DFB-Elf bisher nicht ähnlich stark von der Einwanderung profitiert wie Franzosen oder Niederländer. "Klose, Podolski, Kuranyi oder Bobic sind alles andere als repräsentativ für die Migranten in Deutschland", gibt der Soziologe zu bedenken. Die Türken sind zwar die größte und seit langem in Deutschland ansässige Migrantengruppe. Dennoch war Mustafa Dogan, der 1999 zwei Länderspiele für Deutschland bestritt, bisher einziger türkischstämmiger Spieler im DFB-Team. Das liegt auch daran, dass der türkische Fußballverband vor gut fünf Jahren ein Scouting-System um den ehemaligen Dortmunder Profi Erdal Keser etablierte, durch das talentierte türkischstämmige Spieler wie Hamit Altintop, Yildiray Bastürk oder Ümit Davala frühzeitig für das türkische Nationalteam verpflichtet werden. "In diesem Bereich", glaubt Kalter, "ist noch ein erhebliches Potenzial vorhanden."



Eine Rolle spielen dabei auch die veränderten Einbürgerungsbestimmungen. "Die Schwäche des deutschen Fußballs muss man der Union ankreiden", hatte der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit vor kurzem behauptet, weil sie zusammen mit der FDP die Reform des Staatsbürgerrechts so lange verschleppt habe, "dass jetzt 20 Jahre Einwanderung im Fußball fehlen." Migrationsexperte Kalter bestätigt, "dass das Staatbürgerrecht damals der Situation der Migranten im Sport abträglich war", in diesem Bereich mittlerweile aber erhebliche Fortschritte zu erkennen sind: Seit 2000 erhält ein Kind automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn ein Elternteil seit acht Jahren legal in Deutschland lebt.

Unprofessionelle Frühförderung

Gravierende Defizite sieht Kalter jedoch in der Frühförderung des Nachwuchses in der F- und E-Jugend: Weil Eltern von Migranten nicht genug Deutsch sprechen oder die üblichen Fahrdienste zu Auswärtsspielen nicht anbieten können, kommen ausländische Jugendliche zu spät in die Clubs: "Ein Migrantenkind kommt durchschnittlich ein Jahr später in den Fußballverein als deutsche Jungen und Mädchen. Gerade am ganz wichtigen Punkt der Frühförderung ist tendenziell Unprofessionalität an der Tagesordnung", sagt Kalter. "Das riesige Potenzial, was vorhanden ist, wird nicht optimal genutzt." Für die zahlreichen Migranten, die es mittlerweile bis in die Junioren-Bundesliga geschafft haben - darunter auch 77 Türken - sieht Kalter jedoch keinerlei Probleme mehr fürs Weiterkommen in Bundesliga und Nationalmannschaft: "Sie befinden sich in professionellen Strukturen, in denen allein die Leistung zählt - da spielt die Ethnie keine Rolle mehr. Generell profitieren Minderheiten immer davon, wenn ein System wettbewerbsorientiert ist."

Werden die Kommentatoren bei künftigen Turnieren Ausspracheprobleme bei der Aufstellung haben, wenn Einwandererkinder für die deutsche Auswahl spielen? "Das hoffe ich", sagt Kalter und lacht. Ganz alleine aber werden die Migranten die DFB-Auswahl nicht zurück an die Weltspitze führen. Beim Finalturnier von "PannaKO" in Berlin kamen zwar 13 von 16 Spielern aus dem Ausland: aus Brasilien, Bosnien, Serbien und Montenegro, Kamerun, Kongo, Italien, Iran, Nigeria und der Türkei. Den Namen des Siegers konnte dennoch jeder aussprechen: Florian Goll aus Frankfurt am Main.

 

18.06.04 12:20

16833 Postings, 7614 Tage chrismitzDas ist in anderen Top-Mannschaften

auch nicht anders!
Schau nur mal, wieviele Schwarze bei Frankreich, England u. Holland spielen. Die sind nunmal sehr gut zu erkennen, gibt natürlich auch andere! ;-)

Gruß  

18.06.04 12:28

287 Postings, 6348 Tage AlabamaDann sollte man aber auch mal über die

Bezeichnungen nachdenken. Als Vorschlag für die nächste Europameisterschaft könnte die deutsche Fussball"national"mannschaft in Fussballeuropamannschaft Nr.6 oder doch gleich Fussballweltmannschaft Nr.126 umbenannt werden.  

18.06.04 12:29

1853 Postings, 7241 Tage FunMan2001ist doch ok so !

Multi-Kulti kann auch Fun machen ;-)

Grüsse
FunMan  

18.06.04 12:31

12850 Postings, 7200 Tage Immobilienhaihey chris, deswegen haben wir doch noch gerald

18.06.04 12:33

12570 Postings, 6500 Tage EichiLegionäre

eingebürgert, gabs bereits im alten Rom.  

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