Münteferings Eigentor

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neuester Beitrag: 08.06.05 14:03
eröffnet am: 02.05.05 19:47 von: permanent Anzahl Beiträge: 81
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02.05.05 19:47

20752 Postings, 6386 Tage permanentMünteferings Eigentor

Unsere Chancen auf einen Regierungswechsel steigen!

Kapitalismusdebatte

Müntefering verkaufte selbst an "Heuschrecken"-Firma


SPD-Chef Franz Müntefering könnte sich mit der so genannten "Heuschrecken-Liste" ein Eigentor geschossen haben: Als Bundesverkehrsminister hatte er selbst Bundesvermögen an einen Investor verkauft, der nun als Negativ-Beispiel für das Vorgehen privater Beteiligungsgesellschaften aufgeführt wird. Die Opposition spricht bereits von Wählerbetrug.

BERLIN. Die Bundesanteile an der "Autobahn Tank & Rast AG", mit rund 300 Tankstellen und 330 Gastronomie-Betrieben seinerzeit das größte Dienstleistungsunternehmen an deutschen Autobahnen, gingen 1998 an ein Firmenkonsortium, an dem die Apax Fondsgesellschaften maßgeblich beteiligt waren, berichtet der Tagesspiegel (Dienstagausgabe). Apax wird in der Liste der Planungsgruppe der SPD-Bundestagsfraktion unter dem Titel "Marktradikalismus statt sozialer Marktwirtschaft" als "Aufkäuferfirma" genannt. Die umstrittene Gesellschaft erhielt im November 2000 von Finanzminister Hans Eichel (SPD) überdies den Zuschlag bei der Privatisierung der Bundesdruckerei.

Führende Vertreter der Opposition gingen Müntefering deswegen frontal an. Der Vorgang zeige die "ganze Verlogenheit" der Kapitalismus-Debatte, sagte CDU-Generalsekretär Volker Kauder der Zeitung. "Als verantwortlicher Minister hat Müntefering bundeseigene Firmen an eben jene verkauft, die er jetzt beschimpft. Das ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten. Jetzt wird deutlich: Müntefering versucht, die Sorgen der Menschen für seine Machtspielchen zu instrumentalisieren."

FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt warf Müntefering "Betrug am Wähler" vor: "Er gaukelt den Menschen eine Politik vor, die er selbst nicht umsetzt", sagte Gerhardt dem Tagesspiegel. Der designierte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sprach von "Pharisäertum". Es sei "unerträglich, internationale Finanzinvestoren als Heuschreckenplage zu verunglimpfen, mit denen man vor kurzem noch Geschäfte gemacht hat". Selbst die Grünen gingen auf Distanz zur SPD. Parteiratsmitglied Antje Hermenau bezeichnete es gegenüber der Zeitung als "verblüffend, dass Politiker, die jetzt die Kapitalismus-Debatte führen, solchen Unternehmen die Kooperation selbst angeboten haben".

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß mahnte eine Versachlichung der Diskussion an. "Es geht nicht um Personalisierung und Pauschalierung", sagte Poß. Die Liste sei kein offizielles sondern lediglich ein internes Papier der Fraktion.


HANDELSBLATT, Montag, 02. Mai 2005, 19:02 Uhr

 
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55 Postings ausgeblendet.

06.05.05 11:59

20752 Postings, 6386 Tage permanentMüntefering versteht simple wirtschaftliche

Zusammenhänge nicht. Der Mann gehört aus dem Amt gejagt.

gruss

permanent

Private-Equity-Manager fürchten um Ansehen des Investitionsstandort Deutschland

Beteiligungsfirmen fürchten Eskalation

Von D.Fockenbrock, P.Köhler, R.Landgraf, Handelsblatt

Der Schaden, den SPD-Parteichef Franz Müntefering mit seinem Vergleich von Finanzinvestoren mit Heuschrecken, die über Unternehmen herfallen, sie abgrasen und dann weiterziehen, angerichtet hat, ist groß. Manager von Private-Equity-Firmen in Deutschland fürchten schon ?um Leib und Leben ihrer Familien? weil die ?Debatte außer Kontrolle geraten ist?. Das sagte der Deutschlandrepräsentant eines großen ausländischen Finanzinvestors dem Handelsblatt.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. In Paris wurde ein deutscher Beteiligungsmanager nach eigenen Aussagen auf einer Veranstaltung mit internationalen Finanzinvestoren auf die Äußerungen Münteferings angesprochen und gefragt, ?ob wir bald mit einem gelben Judenstern in Deutschland herumlaufen müssen?.

Das Ansehen des Investitionsstandorts habe Schaden genommen, erklärt ein anderer Beteiligungsmanager, der in den vergangenen Jahren mehrere Milliarden Euro in Deutschland investiert hat.

John Jetter, Deutschland-Chef der US-Investmentbank JP Morgan Chase, unterstreicht die Bedeutung der Private-Equity-Häuser. ?Die Finanzinvestoren haben in den letzten Jahren einen maßgeblichen Beitrag zur Restrukturierung der heimischen Industrie geleistet.? Viele Unternehmen, die an Wettbewerbsfähigkeit verloren hätten, seien auf Vordermann gebracht worden. Gerresheimer Glas sei dafür ein Beispiel.

Wie bei Gerresheimer handele es sich bei 75 Prozent aller Käufe durch Finanzinvestoren um Abspaltungen, erklärt Freddy Strottmann, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Deloitte & Touche. Von Rosinenpickerei, so einer der öffentlichen Vorwürfe, könne also keine Rede sein. Ehemalige Konzerntöchter profitierten davon, dass sie nicht mehr von ihren Muttergesellschaften stiefmütterlich behandelt würden und nun frei entscheiden könnten.

Nach Ansicht des Hamburger Wirtschaftsprofessors Michael Adams verteidigt Müntefering mit seiner Kritik ausgerechnet die ?ineffizienten Strukturen? deutscher Unternehmen. So könnte nach jüngsten US-Untersuchungen der Börsenwert heimischer Konzerne um ein Drittel höher sein, gäbe es keine paritätische Mitbestimmung. Der Einfluss der Arbeitnehmer auf die Unternehmensführung blockiere oft die notwendige Anpassung an den Weltmarkt.

Laut Bankchef Jetter ist es ungeschickt, ausgerechnet ausländische Investoren zu verprellen. Denn gerade die seien zurzeit positiver für den Standort Deutschland gestimmt als inländische Unternehmen und investierten deshalb auch mehr.

Zu den großen Namen unter den ausländischen Adressen zählen Kohlberg, Kravis & Roberts (KKR), Apax, Carlyle, BC Partners, Advent, CVC, Permira, Saban Capital, Investcorp und Blackstone, die auch die SPD in ihrem Argumentationspapier über ?Marktradikalismus statt sozialer Marktwirtschaft? der Beteiligungsgesellschaften auflistet. Als einziges deutsches Haus von Rang gilt in der Branche Allianz Capital Partners, eine Tochter des Münchener Finanzdienstleisters Allianz

Die Mitglieder des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) haben zurzeit insgesamt über 20 Mrd. Euro in mehr als 5 500 kleine und mittelständische Unternehmen investiert. 2004 beschäftigten diese 638 000 Mitarbeiter bei einem Gesamtumsatz von 114,4 Mrd. Euro; das entspricht 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), also rund ein Zwanzigstel aller im Inland erzeugten Güter und Dienstleistungen. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland allerdings noch hinterher: Während etwa im Vorzeigeland Großbritannien der Anteil der Finanzinvestoren am BIP bei 0,85 Prozent liegt, hat der Verband für Deutschland 0,17 Prozent errechnet.

Angesichts der jüngsten Kritik besteht nach Ansicht von Bankern die Gefahr, dass der Aufholprozess der vergangenen Jahre erlahmt. Die Branche war als eine der wenigen in Deutschland zuletzt deutlich gewachsen; und die Finanzinvestoren waren vor der politischen Attacke Münteferings optimistisch, wie das German Private Equity Barometer zeigt.

Doch Georg Strathenwerth, Partner beim angelsächsischen Finanzinvestor Advent, sagt: ?Bei bereits investierten Mitteln wird sich nichts ändern. Aber für das Geld, das noch seine Wege sucht, ist die Diskussion sicher nicht hilfreich.? Sein Kollege Kulenkampff von Terra Firma befürchtet Folgen, ?wenn die Diskussion weiter ausufert und gesetzgeberische Konsequenzen verlangt werden, die die Investitionsmöglichkeiten der Private-Equity-Fonds erschweren?.

Private-Equity-Fonds investieren meist innerhalb einer größeren Region, also zum Beispiel in ganz Europa. Die Folge: Investments können zwischen einzelnen Ländern verschoben werden. Nach einer Auswertung der britischen Beteiligungsgesellschaft Candover entfielen im ersten Quartal 2005 von den 20 größten Transaktionen in Europa vier auf Frankreich und sechs auf Großbritannien. Deutschland kam nur mit der Übernahme von Tank & Rast durch Terra Firma in die ?Top 20?. ?In einigen Jahren werden die osteuropäischen Rechtssysteme so weit sein, dass sie mit Westeuropa um Beteiligungskapital konkurrieren können. Deutschland wird dann einen schweren Stand haben?, meint ein britischer Geldgeber. Die Beteiligung mit Private Equity, also außerbörslichem Eigenkapital, kam in Deutschland erst Ende der 90er-Jahre richtig in Schwung. Die Beteiligungsmanager nutzen vor allem Umbruchsituationen in der Wirtschaft. Davon bietet Deutschland gleich mehrere: die Wiedervereinigung, die EU-Erweiterungen, die sozialen Reformen sowie die Konzentration der Konzerne auf ihre Kerngeschäftsfelder.

?Große Veränderungsprozesse rufen immer Private-Equity-Investoren auf den Plan. Zur Gestaltung des Wandels braucht man Geld. In diesem Sinne spielen Finanzinvestoren eine wichtige volkswirtschaftliche Rolle?, sagt Hans Pütter, Chef des Branchenverbandes BVK und Vorsitzender der Geschäftsführung von Allianz Capital Partners. Und Wilken von Hodenberg, Vorstandssprecher der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG), ergänzt: ?Das Eigenkapital, das die Unternehmen in der Vergangenheit auch dank einer entsprechend ungünstigen Steuerpolitik nicht bilden konnten, stellen nun Finanzinvestoren bereit.?

Auch als Job-Maschine haben sich die Finanzinvestoren bewährt, dies aber zu wenig herausgestellt und sich zu sehr auf ihre Renditen konzentriert. Laut einer Studie haben Private-Equity-finanzierte Unternehmen zwischen 1998 und 2003 ihre Mitarbeiterzahl um 4,4 Prozent gesteigert. Dagegen hätten vergleichbare Unternehmen, so von Hodenberg, nur um 2,1 Prozent mehr Stellen geschaffen.


HANDELSBLATT, Freitag, 06. Mai 2005, 10:30 Uhr

 

06.05.05 12:12

21799 Postings, 7839 Tage Karlchen_IImmer wieder erstaunlich, wie Manche oder

auch nur einen Gedanken darüber zu  verschwenden, wie die Realität denn wirklich ist, irgendwas daher plappern - und zwar nach dem Motto: Was kümmern mich die tatsächlichen Verhältnisse bei der Bildung meiner Meinung:


Ländergruppe bzw. Land 1990 2000

Organisationsgrad in %


Länder mit ansteigendem Organisationsgrad
Dänemark 71,4 87,5
Finnland 72,0 79,0
Belgien 51,2 69,2
Norwegen1 56,0 57,0
Niederlande 25,5 27,0
Spanien 11,0 15,0

Länder mit fallendem Organisationsgrad
Schweden 82,5 79,0
Irland 49,7 44,5
Österreich 46,2 39,8
Italien1 38,8 35,4
Griechenland 34,1 32,5
Portugal 31,8 30,0
Großbritannien2 39,1 29,0
Deutschland3 32,9 27,3
Japan 25,4 21,5
USA 15,6 13,5
Frankreich 9,8 9,1  

06.05.05 12:16

13475 Postings, 7986 Tage SchwarzerLordSuper Quellenangabe, Karlchen.

Ähm, woher stammt das? Was ist ein Organisationsgrad? Ach, ich verstehe, hier geht es um die Organisation der Schleußerbanden aus dem Osten. Na dann ...
@permanent: Müntefering hat ja schon längst wieder gekniffen. Es gibt KEINERLEI Maßnahmen gegen irgendeine Firma.

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Ich schreibe: "Fischer ist schuld." Denn er will es so.

 

06.05.05 12:20

21799 Postings, 7839 Tage Karlchen_ISorry

http://www.das-parlament.de/2003/47/Beilage/003p.pdf


Organistionsgrad= Gewerkschaftsmitglieder / Arbeitnehmer * 100  

06.05.05 17:47

1889 Postings, 6287 Tage gamblelvKarlchen du gehörst doch am Ende nicht noch selber

der Gewerkschaft an.
Zu beginn der Industrialisierung, zu Hochzeiten des ungezügelten und ungeregelten Kapitalismus hatten Gewerkschaften durchaus ihre Existenzberechtigung aber wer braucht denn die heute noch?

Kapital ist ein scheues Reh und noch dazu sehr mobil, leider gilt gleichen nicht -hier insbesondere für deutsche- Arbeitnehmer.
Typisch deutsch: Ich habe doch hier mein Haus gebaut meine Freund und Vereine wie kann man denn da von mir verlangen für einen Job in eine andere Region unseres Landes zu ziehen. Es ist doch Aufgabe der Politik mir einen Job vor meine Haustüre zu bringen.

Gut ausgebildete Arbeitnehmer gibt es heute in allen Regionen der Welt. Angebot und Nachfrage sollten laut Lehrbuch den Preis im Markt finden und hier sind Gewerkschaften mit ihrem Verhandlungsmonopol nicht zeitgemäß.

mfg

gamblelv  

06.05.05 17:55

21799 Postings, 7839 Tage Karlchen_IIch und Gewerkschaft?

Nö - bin bei denen 2000 ausgetreten ob ihrer völlig unzureichenden Tarifabschlüsse.  

06.05.05 18:20

1889 Postings, 6287 Tage gamblelv@karlchen_I

Die Tarifabschlüsse halte ich hingegen noch für viel zu hoch. Für mehr Lohn sollten mehr Stunden gearbeitet werden um hier wieder auf ein international konkurrenzfähiges Niveau zu kommen.
Geringe Wochenstundenzahl, viele Feiertage, viele Urlaubstage machen einfach einen hohen Stundenlohn bei relativ geringen Monatslöhnen.
Ausreichend qualifizierte Menschen benötigen ohnehin keine Gewerkschaften um ihre Gehaltsvorstellungen durchzusetzen.
Meinen Glückwunsch zu deinem Entschluß.

mfg

gamblelv  

06.05.05 18:31

21799 Postings, 7839 Tage Karlchen_IWie definierst Du denn

"wieder auf ein international konkurrenzfähiges Niveau zu kommen"? Nicht nur Handelsbilanzüberschussweltmeister - was denn noch? Mehr geht doch nicht mehr - oder? Noch mehr unter den eigenen Verhältnissen leben?  

06.05.05 18:36

7336 Postings, 6706 Tage 54reabzu "hohe" tarifabschlüsse zu

tätigen ist das recht der vertragspartner. wenn sie wirklich zu hoch sind, wird der markt das schon regeln. wir leben in einer demokratie und haben vertragsfreiheit. die politik muss sich da draußen halten. wenn einem das nicht gefällt muss man sich in den gewerkschaften oder arbeitgeberverbände engagieren.


 


 

06.05.05 18:39
1

21799 Postings, 7839 Tage Karlchen_IQuark mit Markt.

Die Lohnquote sinkt seit nunmehr 30 Jahren - hier geht es nicht um Markt, sondern um Macht.  

06.05.05 21:02

69031 Postings, 6404 Tage BarCodekarlchen,du möchtest Inhalt

in den Diskussionen, wie ich einem anderen Thread entnehmen konnte. Also diskutieren wir mal über die Lohnquote. Meines Erachtens sinkt die Lohnquote nicht erst seit 30 Jahren, sondern seit 300 Jahren. das ist doch wohl die Folge von rationellerem Produzieren. Daher kann ich den Wert dieser Marke kaum erkennen. Betriebswirtschaftlich gesehen (Lohnquote = Anteil der Personalkosten am Produkt) ist es doch klar, dass dort, wo Maschinen billiger Routinearbeiten erledigen, diese eingesetzt werden. Damit sinkt der Lohnanteil am Produkt innerhalb des Betriebes. Die wirkt sich dann volkswirtschaftlich (Lohnquote = Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Volkseinkommen - m.E. eine eher schwammige Kategorie) natürlich entsprechend aus, insbesondere wenn die arbeitsintensiven Produktionsanteile durch Verlagerung in oder Import von Teilen aus Billiglohnländern nicht mehr im Lande selbst stattfinden. Und dieser Prozess ist so alt wie der Kapitalismus.
Volkswirtschaftlich entsteht dadurch aber nicht unbedingt weniger Reichtum (vor allem, wenn der Export immer noch deutlich über dem Import liegt. Vielmehr steigt der Anteil an Einkommensquellen, die wohl eher nicht den "Arbeitnehmerentgelten" zuzurechnen sind. Wobei mir unklar ist, was sogenannten "Arbeitnehmerentgelten" alles zugeschlagen wird.

Was also soll uns der Hinweis auf die Lohnquote sagen?

Gruß BarCode  

06.05.05 21:29

21799 Postings, 7839 Tage Karlchen_IJedenfalls nix Betriebwirtschaftliches.

Klar - dass aus der Sicht des einzelnen Betriebes die Fertigungstiefe abnimmt. Das stimmt schon - aber darum geht es nicht.

Sondern es geht gesamtwirtschaftlich um die Verteilung des vermehrten gesellschaftlichen Reichtums - also darum: Wie sind die Löhne und wie sind die Gewinne im Vergleich zum Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung gestiegen?  

06.05.05 21:45

69031 Postings, 6404 Tage BarCodeNicht nur Gewinne, oder?

- Wie werden die Löhne abgegrenzt gegen andere Einkommensarten? Sind da die
- Gegesamtwirtschaftlich wird ja mit Gesamtsummen hantiert - da muss doch auch die Anzahl derer, die Lohnempfänger sind, einbezogen werden. Wenn Lohnarbeit abnimmt, sinkt natürlich die Lohnquote. Deshalb würde mich ja interessieren, wie diese Zahl zustandekommt. Wenn ich schon mal einen "BeMi-geprüften" Fachmann an der Angel habe. :-)

Ich finde "Lohnquote" ist zwar ein beliebter, aber untauglicher Begriff, um irgendeine relevante Aussage über den Zustand einer Volkswirtschaft zu machen.

Gruß BarCode  

06.05.05 21:55

21799 Postings, 7839 Tage Karlchen_IRede natürlich über ne

bereinigte Lohnquote, wo das alles berücksichtigt ist - was denn sonst?

Wollte nur sagen, dass man den Westerwlle mal beim Wort nehmen soll, als der davon sprach, dass man mal die Umverteilung zurücknehmen sollte. Der Junge hat damit eigentlich zu einem massenhaften Streik aufgerufen. Aber fängt schon gut an - die IG Metall will von der Stahlindustrie 6,3%. Ist doch schon ein Anfang. Wenn die das durchziehen, gehts hoffentlich weiter - dann müssen wir uns nicht um das Gewäsch von Münte kümmern - denn gehts darum - Butter bei die Fische oder nicht.  

06.05.05 22:05

69031 Postings, 6404 Tage BarCode"Bereinigte Lohnquote"

heiß doch nur, dass man versucht, über einen Parameter (Vergleichsjahr = 100 oder so) die Entwicklung der Anteile unabhängig von der Veränderung der Gruppengröße darzustellen versucht - auch keine sinnvolle Zahl. Es kann ja wesentlich besser um eine Volkswirtschaft stehen, wenn mehr Leute selbständig arbeiten.

Außerdem: Da die Lohnquote alle abhängig Beschäftigten zusammenfasst: Davon hat ein Großteil zusätzliche Einkommen, die auf der "Gewinnseite" stehehn: Zinsen, Mieten Dividenden...  Also auch hier die totale Unschärfe, da sie zu beiden Gruppen gehören. Damit kann man über die Entwicklung Verteilungsgerechtigkeit einfach nix aussagen.
Da halte ich Einkommensverteilungsstatistiken für relevanter. Die lassen sich aber nicht so gut für Tarifauseinandersetzungen instrumentalisieren.

Gruß BarCode

 

06.05.05 22:09

21799 Postings, 7839 Tage Karlchen_IIch würde da noch einen nachziehen -

die nächste Forderung für den öffentlichen Dienst sollte 8% sein - mit der Perspektive, dass unter dem Strich 5% rauskommen.

Wollen wir doch mal sehen, was die Herrschaften dann zu ihren diversen Steuersenkungen sür die Unternehmen meinen.


Kurzum: Politische Veränderungen gibts nur dann, wenn man den gegebenen Verhältnissen zum Tanz aufspielt - aber gewiss nicht dann, wenn man den Nasenbären macht.  

06.05.05 22:16

59073 Postings, 7476 Tage zombi17@BarCode

Das ist doch alles müssig zu diskutieren. Fakt ist doch folgender: Selbst wenn es eine kleine Lohnerhöhung gab, hattest du nicht einen Pfennig/Cent mehr in der Tasche.
Wenn du deine Einkaufs und Lebensgewohnheiten nicht geändert hast, war im Enteffekt weniger in der Kasse, denn jede Erhöhung wurde sofort an den Endverbraucher weitergegeben. Es gab im letzten Jahr 50 Milliarden Euro gesteigertes Volksvermögen, es ist nicht ein Cent bei dem Volk davon angekommen. Trotzdem steigen alle Preise.
Da muss man dochmal drüber nachdenken dürfen?  

06.05.05 22:17

69031 Postings, 6404 Tage BarCodeDer Tanz auf dem Vulkan kann aber auch

damit enden, das man reinfällt und verbrennt, wenn man die falschen Tanzschritte macht. Damit, dass man auf Kosten der "Rest"-Wirtschaft (passt irgendwie gut) den öffentlichen Dienst teurer macht, hat man womöglich kurzfristig mehr Nachfrage erzeugt - aber mittelfristig beschleunigt das nur die Entwicklung der letzten 30 Jahre - mehr Schulden der öffentlichen Hand zugunsten vermögender Gläubiger und weiteres Verdrängen der "Rest"-Wirtschaft - die aber immer alles bezahlen muss.

Gruß BarCode  

06.05.05 22:25
1

21799 Postings, 7839 Tage Karlchen_IQuatsch

Der öffentliche Dienst ist genau so ein Tel der Wirtschaft wie etwa einige DAX-Unternehmen - habe übrigens bei meinen Rechnungen, die ich gestellt habe, im öffentlichen Dienst nicht ansatzweise soviel Bürokratie erlebt wie bei BMW.

Soll man sich mal nix vormachen - wir brauchen endlich mal ne Wirtschaftspolitik, die auch mal die Binnennachfrage in den Blickwinkel nimmt. Wenn das Opernball-Schröder nicht leisten kann, dann geht es nur durch Streik - dann aber bitte heftig.  

06.05.05 22:30

69031 Postings, 6404 Tage BarCodeZombi

Das sehe ich anders: Die Verlierer sind nicht die, die einen klassischen Job haben. Das dürften so 30 Mio. sein, von den 38 Mio. Beschaftigten. 8 Mio dürften sich im absoluten Niedriglohnsektor bzw. in Minijobs befinden - gleich 1. Gruppe von Verlierern. Dazu kommen ca. 5 Mio Arbeitslose. D.h. ca. 2/3 gehts gut, dem Rest droht, abgehängt zu werden.
Solange die Differenz zwischen Brutto und Netto so horrend ist, ist esauch für die 30 Mio. ein ziemlich dürftiges Ergebnis, wenn Lohn erhöht wird, weil soviel davon abgezogen wird. Für mehr "Kaufkraft"  sollte der Nettolohn steigen und nicht der Bruttolohn - das bringt in diesem Bereich mehr und fördert die Chancen wenigstens ein klein wenig, für die Abgehängten.

Steuerfinanzierte Sozialsysteme, die sich allein um die Grundsicherung gegen Not und für das Alter mit festen Sätzen für alle kümmern, sind billiger (natürlich dann über höhere Steuern und geringere Sozialabgaben - aber von allen - finanziert). Gutes Beispiel: Dänemark.

Dadurch wird Deutschland Garantiert als "Arbeitsplatz" attraktiver.

Gruß BarCode  

06.05.05 22:37

59073 Postings, 7476 Tage zombi17Da gebe ich dir doch recht, das ist

nicht das Problem. Aber egal was ich von welcher Partei gehört habe, alle eiern nur rum und wollen ihre Klientel nicht verschrecken, bzw. nicht noch mehr verschrecken.
Das es funktionieren kann sieht man an anderen Ländern, aber ob es bei einem 82 Mio Staat auch klappt, ist mehr als fraglich. In anderen Ländern zogen alle an einen Strang, wir sind da Lichtjahre von weg, keiner gönnt dem anderen etwas.  

06.05.05 22:39

69031 Postings, 6404 Tage BarCodeKarlchen

hab den ÖD ja durchaus als Wirtschaftszweig anerkannt (hätte ja sonst nicht von ironisch "Rest"-Wirtschaft gesprochen. Trotzdem gehört der ÖD zu weiten Teilen - als Marxist weißt du das doch - zum (marxistisch) "Überbau", der von der "Basis" finanziert wird. Und damit bleibt es doch sehr interessant, auch für den ÖD, was sich da draußen/unten sonst noch so tut.

Nachfrage ist schön und gut. Starker Binnenmarkt ist schön und gut. Aber: Das wird uns  die Massenarbeitslosigkeit vom Halse schaffen. In der nächsten Schwächeperiode dann wieder von höherem Niveau aus zu neuen Rekordzahlen? Und: Wenn der Bedarf für die gesteigerte Binnennachfrage durch Billigimporte abgegessen wird - wars teuer mit wenig nachhaltigem Effekt.

Gruß BarCode  

06.05.05 22:40

69031 Postings, 6404 Tage BarCode"nicht vom Halse schaffen" natürlich! o. T.

09.05.05 08:31

20752 Postings, 6386 Tage permanentKommentare zu Münteferings Äußerungen

Ausland lehnt Kapitalismuskritik ab


Mit zeitlicher Verzögerung registriert nun auch das Ausland die kapitalkritischen Töne des deutschen SPD-Chefs. Franz Münteferings Attacken stoßen dabei auf Unverständnis, Kopfschütteln und Abscheu. So fällt es etwa dem britischen ?Economist? schwer, beim Heuschrecken-Vergleich ?nicht an die Nazi-Propaganda gegen ,soziale Parasiten? erinnert zu werden?.
Das Ausland reagiert auf die Worte von Franz Müntefering.

HB LONDON/NEW YORK/MADRID. Müntefering hatte Finanzinvestoren mit den biblischen Heuschrecken verglichen, die über Unternehmen herfielen und sie abgrasten. Vielleicht müsse Deutschland aber durch eine solche Phase gehen, ?um letztlich zu verstehen, dass sein Wirtschaftsmodell seine besten Jahre hinter sich hat?, spekuliert das Magazin.

Man könnte glauben, ?Karl Marx sei aus dem Grab wieder auferstanden?, kommentiert die US-amerikanische ?Newsweek?. Von New York aus unterscheidet man auch nicht zwischen SPD-Chef und Kanzler: Gerhard Schröders neue marxistische Rhetorik, so Newsweek weiter, sei nicht nur dem verzweifelten NRW-Wahlkampf geschuldet, sondern solle die Wiederwahl 2006 vorbereiten. Dabei setze der Kanzler auf eine ?weit verbreitete Angst unter den Deutschen vor den ,gesichtslosen? Mächten der Ökonomie.

Die britische ?Financial Times? geißelt Münteferings Kritik als ?dreist und dumm?. Angesichts der Alternativen in der EU sei nicht zu erwarten, dass Investoren in einem solch ?politisch vergifteten Klima? investierten. Der durchschnittliche Sozialdemokrat hasse den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, weil dessen Gehalt zunehme, während sein eigenes sinke, schreibt die vor allem an der Londoner Börse sehr einflussreiche Zeitung.


Allerdings gibt es auch in Großbritannien Kritik am zunehmenden Einfluss kurzfristig orientierter Investoren. Der Präsident des Unternehmerverbandes CBI und Chairman von Cadbury Schweppes, John Sunderland, griff kürzlich die Intransparenz vieler Investmentfonds an. Hedge-Fonds und andere kurzfristige Investoren hätten einen übermäßigen Einfluss auf die Börsen und brächten mit spekulativem Vorgehen solide Unternehmen in Turbulenzen. ?Die CEOs haben die Heuchelei satt, mit denen Fondsmanager etwa ihre Gehälter kritisieren?, sagte Michael Rake, International Chairman der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG, dem Handelsblatt. ?Dieselben Fondsmanager verdienen meist viel mehr, ohne dass dies öffentlich diskutiert würde.? Sunderland habe ausgesprochen, was viele Vorstände dächten.

Die britische ?Herald Tribune? sieht Deutschland zumindest nicht als Einzelfall: Die Kapitalismuskritik appelliere ebenso wie die französische Globalisierungskritik und die Kampagne der britischen Konservativen gegen die Einwanderer an dieselbe Angst des Bürgers vor der unbekannten Welt draußen.

Die ?New York Times? hingegen gibt sich gelassen: Die Beschimpfung ausländischer Investoren als Parasiten sei weder neu noch auf Deutschland beschränkt. Zum Beispiel habe sich auch Russlands Verhältnis zu ausländischen Firmen deutlich abgekühlt. Und vor ein paar Jahren habe der damalige Regierungschef Malaysias, Mahathir Mohamad, den Finanzier George Soros gar für die Währungskrise in Asien verantwortlich gemacht.

Die auflagenstärkste politische spanische Tageszeitung ?El País? zeigt Verständnis für den deutschen Kanzler: Es sei eben ein schwieriger Spagat, ?gleichzeitig den Liebling der Wirtschaft zu spielen und den linken Flügel zu befriedigen?.


HANDELSBLATT, Montag, 09. Mai 2005, 08:17 Uhr

 

08.06.05 14:03

129861 Postings, 6391 Tage kiiwiiRegierung will Hedge-Fonds nicht einschränken

Wieso -- war da was ??



SPIEGEL


Regierungsexperten wollen Hedge-Fonds nicht einschränken


Spätestens seit ein Hedge-Fonds Börsenchef Werner Seifert aus dem Amt kegelte, gelten die Finanzjongleure vielen Konzernchefs und Aktionären als Plagegeister. Experten der Bundesregierung wollen laut einem Pressebericht dennoch nicht gegen die aggressiven Spekulanten vorgehen.


Hedge-Fonds-Opfer Deutsche Börse: Regulierung auf internationaler Ebene gefordert


Berlin/Washington - Finanzmarktexperten der Bundesregierung lehnen Stimmrechtsbeschränkungen für Hedge-Fonds ab, berichtet die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unter Berufung auf den Abschlussbericht einer Arbeitsgruppe von Vertretern der Ministerien für Finanzen, Justiz und Wirtschaft.


Die Debatte um eine stärkere Kontrolle von Hedge-Fonds war nach der Auseinandersetzungen zwischen der Deutschen Börse Chart zeigen und ihrem Aktionär TCI sowie dem Heuschrecken-Vergleich von SPD-Chef Franz Müntefering ausgelöst worden. In der rot-grünen Koalition gab es Stimmen, die sich für einen zeitweiligen Entzug von Stimmrechten ausgesprochen hatten. Es wird damit gerechnet, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf einer Konferenz der SPD-Fraktion am 13. Juni Schlussfolgerungen aus der Vorlage der Arbeitsgruppe zieht.


Die Fachleute empfehlen, dass sich die Bundesregierung aktiv für eine Regulierung von Hedge-Fonds auf internationaler Ebene einsetzt. Innerhalb des Financial Stability Forums und bei der International Organisation of Securities Commissions (Internationale Organisation der Wertpapieraufsichten) sollten einheitliche Mindeststandards für Hedge-Fonds definiert werden.




MfG
kiiwii

* * * Homines sumus, non dei! * * *  

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