Miss Börse reagiert immer und auf alles hysterisch

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eröffnet am: 02.05.05 19:19 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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1008418 Postings, 6308 Tage moyaMiss Börse reagiert immer und auf alles hysterisch

Miss Börse reagiert immer und auf alles hysterisch!

von Jochen Steffens

Der Ölpreis fällt und endlich reagieren die Märkte. Warum sie reagieren, ist eindeutig: Ein sinkender Ölpreis wird sich dämpfend auf die Inflation auswirken und damit der Fed Spielraum geben, die Zinsen weiter moderat anzuheben.

Morgen wird die Fed ihre Zinsentscheidung und natürlich auch den entsprechenden Text dazu veröffentlichen. Nahezu jeder geht davon aus, dass die US-Zinsen um 0,25 Basispunkte angehoben werden. Die Investoren warten jedoch auf Aussagen, die über die zukünftige Geldpolitik der Fed Auskunft geben. Im Moment ist der Markt noch im
Fieber: "Inflation wird die Fed zu Zinserhöhungen zwingen." Die Inflationszahlen sehen aber auch ungünstig aus.

Die Fed wird es sicher besser wissen. Sie kennt zudem die Zusammenhänge zwischen steigenden Zinsen, Verlangsamung der Wirtschaft und einer sinkenden Inflation (mit sinkender Inflation ist keine Deflation gemeint, sondern nur eine Verlangsamung des Preisanstiegs).

Die Fed hat im letzten Jahr begonnen, die Leitzinsen moderat zu erhöhen, gerade um einem zu starken Wachstum in den USA und der damit verbundenen Gefahr einer ausufernden Inflation entgegenzutreten. Das war ihr erklärtes Ziel, und momentan erntet die Fed lediglich nur die Früchte dieser Arbeit. Und zwar in der richtigen Reihenfolge: Zunächst sinkt das Wirtschaftswachstum, und im zweiten Schritt geht auch die Inflation wieder etwas zurück. Dass die Börsen auf ein sinkendes Wirtschaftswachstum bei steigender Inflation hysterisch reagieren ...
- Börsen reagieren doch immer und auf alles hysterisch!

Aus heutiger Sicht kann man also rückblickend festhalten: Die Fed hat bisher (!) alles richtig gemacht. Zumal sie sicherlich auch um den Umstand weiß, dass steigende Zinsen sich stärkend auf den Dollar auswirkt und das ein starker Dollar auf der anderen Seite einen weiteren Anstieg des Ölpreis "belasten" wird. Und, siehe da, trotz riesigem Doppeldefizit, grenzenlosem Misstrauen der meisten Analysten, was den Wert des Dollars anbetrifft, bewegt der Dollar sich, wie hier im Investor's Daily angekündigt, seit Ende Februar, im größeren Kontext sogar seit Oktober letzten Jahres, "seitwärts". Auch hier wirken sich die steigenden US Zinsen also stabilisierend aus - so seltsam es manchem auch scheinen mag, so logisch ist es.

Mit dieser Erkenntnis wird höchstwahrscheinlich jetzt zunehmend zumindest der spekulative Aufpreis aus dem aktuellen Ölpreis herausgenommen. Erst dann werden wir einen klaren und ungetrübten Blick auf den realen Ölpreis erhalten. Sicherlich wird er nicht mehr unter 30 Dollar fallen. Wenn man dann jedoch den bisherigen Preisverfall des Dollars herausrechnen würde, könnte das alles viel weniger dramatisch erscheinen, als allgemein heraufbeschworen. Damit kristallisiert sich dann für den versierten Börsianer der Ölpreiswahnsinn als das heraus, was es höchstwahrscheinlich immer war:
Eine Ölpreis- und Rohstoffspekulationshysterie - doch das mus abgewartet werden.

Langfristig sind und bleiben Rohstoffe trotz allem in einer Haussebewegung, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Langfristig müssen Sie auch mit einer weiteren Abwertung des Dollars rechnen, keine Frage! Schließlich werden die Zinsen noch einige Zeit unterhalb der (wirklichen) Inflation liegen, und damit wird allein schon eine schleichende Entwertung in Kauf genommen.

Bleibt noch eins zu diskutieren. Das ganze Geld, das zurzeit bei niedrigsten Zinsen angelegt wird, wann wird es die Aktienmärkte wiederentdecken? Wann wird es verstehen, dass niedrige Zinsen unter dem Strich sogar einen Verlust bedeuten können, es dort eine der schlechtesten Anlageformen gefunden hat, die es zur Zeit gibt. Wann wird die noch größere aktuelle Hysterie namens "Sicherheit" an steigenden Renditen in den Aktienmärkten zusammenbrechen.

Das ist tatsächlich eine psychologische und auch sehr wichtige Frage.
Die meisten Anleger scheuen die Aktienmärkte noch. Die Erfahrung, viel Geld verloren zu haben, sitzt in den Gemütern wie eine dunkle, große Giftspinne.

Wie lange wird es dauern, bis endlich Vertrauen in Aktienanlagen die traumatisierte Angst der letzten Crash ersetzen kann?

Wenn Sie diese Frage beantworten können, dann wissen Sie auch, wie lange es dauern wird, bis wir die nächste richtige Spekulationsblase an den Aktienmärkten erleben werden. Dann wissen Sie auch, wann wir den nächsten richtigen Crash zu erwarten haben - kurze Zeit später.

Natürlich werden die Börsen bis dahin rauf und runter gehen.
Vielleicht auch stärker. So lange jedoch Vertrauen und Sicherheit noch ein Thema bei den Anlegern ist, werden Aktien zumindest langfristig interessant bleiben - schließlich liegt die Masse wie immer gerne falsch.

Es ist sogar geradezu paradox: Die wichtigste Vorraussetzung, die zu der Erhaltung eines Aufwärtstrend absolut notwendig ist, ist Angst.
Nur so lange Angst herrscht, kann (nicht muss (!)) ein Aufwärtstrend weiter gehen - ohne Angst würde jeder investiert sein, ohne Angst kommt der Crash - das hatten wir gerade 2000.

Die Bondmärkte und die niedrigen Zinsen zeigen das aktuelle Maß der Angst und sie sagen uns, dass die Angst noch sehr, sehr groß ist - das ist einer der Hinweise, zwar kein sicheres Kriterium, aber einer der Hinweise darauf, dass die Märkte weiter steigen werden.

Gruß Moya

 

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