Mary Quant - Erfinderin des Minirocks - wurde 75

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 15.02.09 14:24
eröffnet am: 15.02.09 14:07 von: kiiwii Anzahl Beiträge: 3
neuester Beitrag: 15.02.09 14:24 von: cicco Leser gesamt: 263
davon Heute: 1
bewertet mit 1 Stern

15.02.09 14:07
1

129861 Postings, 6357 Tage kiiwiiMary Quant - Erfinderin des Minirocks - wurde 75

...die 60er - einfach eine tolle Zeit...und London war der Nabel der Welt...



"Der Mini lag damals in der Luft"


von Bianca Lang

Wenn die Röcke bald wieder kürzer werden, können Sie sich bei Mary Quant bedanken: Die britische Designerlegende, die am Mittwoch 75 Jahre alt wurde, gilt als Erfinderin des Minirocks.

Wer Mary Quant interviewen will, darf ihr zunächst seine Fragen in einer Schriftgröße faxen, bei der jeder Augenarzt die Hoffnung verliert. Wenn sie überhaupt in ein Treffen einwilligt, dann niemals vor 14 Uhr und an keinem anderen Ort als im Wintergarten ihres Lieblingshotels in London-Chelsea. Sechs Monate hatte ich auf den Termin gewartet, zwei Tage zuvor musste sie wegen einer Hüftoperation ins Krankenhaus. Noch mal vier Wochen warten. Und dann stand sie da, pünktlich, frisch frisiert wie eh und je von Vidal Sassoon, elegant gekleidet in eine schwarze Hose mit passender Weste und auf einen Stock gestützt. Sie lächelte leicht verlegen und bestellte Weißwein.

FTD Mrs Quant, mit dem Minirock sind Sie als Modeschöpferin in die Geschichte eingegangen. Tragen Sie denn noch Ihre eigene Erfindung?

Quant Natürlich, in zehn Tagen kommt der Stock weg, dann tanze ich wieder im Mini durch die Gegend. Und in Shorts, die haben einen Schritt, deshalb kann man sie sehr kurz und stylish tragen, ohne die Leute zu schockieren. Ich ziehe immer schwarze Strumpfhosen und Stiefel dazu an. Warum auch nicht? Beine halten sich gut, die können sich lange sehen lassen.

FTD Als Sie 1955 Ihre Boutique Bazaar in der Londoner King's Road eröffneten, waren Sie gerade 21 Jahre alt. Erzählen Sie mal!

Mary Quant Wir waren Kunststudenten, Chelsea und die King's Road waren unsere Gegend, sehr bohemian und unkonventionell, voller Maler und Künstler. Ich suchte nach Dingen, die zu uns passten und die ich sonst nirgendwo finden konnte. Nach dem Krieg gab es ein Vakuum, alles stand still, alle warteten, dass etwas passiert. Die Älteren wünschten sich alles wieder so wie vor dem Krieg. Wir wollten etwas Eigenes, wurden immer ungeduldiger und unzufriedener. Es gab ja nichts, weder das Essen, was wir wollten, noch die Kleider.

FTD Die haben Sie dann selbst entworfen, obwohl Sie das nie gelernt hatten?

Quant Ich habe schon als Sechsjährige Bettzeug mit der Nagelschere zu kurzen Kleidern zerschnitten und später meine Schuluniformen sabotiert. Ich hatte immer schöne Beine, die ich gern zeigte. Als Kind bekam ich die abgelegten Klamotten meiner Cousine, die mir überhaupt nicht gefielen. Seither entwerfe ich meine Kleider selbst.

FTD Bereits Ende der 50er-Jahre haben Sie Röcke abgeschnitten ...

Quant Der Mini lag damals in der Luft. Hätte ich den Rock nicht abgeschnitten, die Mädchen hätten selbst die Scheren gezückt. Wir konnten mit ihm auf den Bus aufspringen und zur Arbeit fahren, ihn mit ein paar Accessoires kombinieren und so abends gleich weiter tanzen gehen in den Jazzklubs. Das war unsere Lieblingsbeschäftigung. Als wir anfingen, waren die Röcke gar nicht so kurz, auch wenn die Leute das dachten. Wie oft haben Herren in Hut und Mantel mit ihren Schirmen gegen unsere Scheiben getrommelt und geschrien, das sei obszön! Unsere Sachen haben sie wahnsinnig provoziert.

FTD Das war doch Absicht, oder?

Quant Schon, ich habe mit meinen Entwürfen gern provoziert. Ich kombinierte Maskulines mit Femininem, Schottenkaro mit Seide, verlängerte Westen zu Minikleidern, trug knallgelbe Strumpfhosen. Das tat man natürlich nicht. Trotzdem konnte ich die Aufregung nicht verstehen. Die Leute empfinden das Neue oft als ziemlich vulgär. Sie hängen alten Vorstellungen an. Aber das Leben ist vulgär. Guter Geschmack ist der Tod.

FTD Die Aufregung hat Ihnen nicht geschadet. Wie empfanden Sie damals Ihren Erfolg?

Quant Wir waren zunächst total eingeschüchtert. Wir hatten klein angefangen und keine Ahnung von Geschäftsführung oder Buchhaltung. Zu unseren selbst geschneiderten Kleidern hatten wir Schmuck von jungen Künstlern gekauft und alles im Haus meiner Schwiegermutter gehortet, bevor wir eröffneten. Und dann rannten uns die Leute die Türen ein. Es kamen Schauspieler, Künstler, Mädchen aus Chelsea mit wundervollen Beinen. Und alle ermunterten mich, die Röcke kürzer zu machen. Das habe ich dann auch gemacht, jede Saison ein Stückchen mehr.

FTD Sie wollten nicht das Establishment bekämpfen, sondern einfach Ihre Kundinnen glücklich machen?

Quant Ich wollte für das Leben entwerfen. Und das Leben verändert sich. Die Mode verändert sich. Frauen fingen an, ihr eigenes Geld zu verdienen und damit ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Sie mussten nicht mehr anziehen, was ihr Vater ihnen kaufte oder ihr Mann wünschte. Zu uns kamen berühmte, moderne, finanziell unabhängige Frauen: Audrey Hepburn zum Beispiel und Grace Kelly, aber auch Models wie Jean Shrimpton, denen die Röcke gar nicht kurz genug sein konnten. Es machte plötzlich Spaß, eine Frau zu sein. Der Mini war sicher ein Mittel, sie zu befreien, aber wirklich frei waren sie erst mit der Pille. Mit ihr konnten sie erstmals Schwangerschaften und damit ihre Karrieren planen.

FTD Chelsea war das Zentrum von Swinging London. Wie fühlte es sich an, mittendrin zu sein?

Quant Toll natürlich, wild, schwindelerregend. Unser Laden war eine andauernde Party, die King's Road der Laufsteg für alles Neue und Chelsea voller Ideen, Energie und natürlich Musik. Unser Freund Archie betrieb einige Häuser weiter eine Cafébar und wir zusammen das Restaurant Alexander unter der Boutique. Das waren die angesagtesten Orte der Stadt. Die Leute kamen zum Essen und wollten danach noch einkaufen. Sie überredeten uns, den Laden wieder aufzuschließen. Ein paar Mal wurden wir angezeigt. Wir schliefen kaum. Zur Not hatten wir immer eine Flasche Scotch unterm Tresen. Es war so aufregend.

FTD Kamen Sie überhaupt mit der Produktion hinterher?

Quant Ich kaufte bei Harrods Stoffe und Kurzwaren, brachte alles zu den Näherinnen in unserer Wohnung, trug fertige Kleider in den Laden, verkaufte sie und ging wieder zu Harrods. So ging das tagein, tagaus. Einmal kam ein amerikanischer Fabrikant und sagte, er wolle meine Knickerbockers, die könne er zu Tausenden in den USA verkaufen. Ich antwortete, die seien nicht für die USA, sondern für Chelsea. Es fiel mir schwer zu glauben, dass das, was wir so klein begonnen hatten, so groß werden würde.

FTD Nicht nur Ihre Kleider kamen gut an, auch Ihre Bob-Frisur wurde ein Vorbild für viele.

Quant Das kann man wohl sagen. Vidal Sassoon hat mir diesen Schnitt verpasst - ich war begeistert. Noch heute sind wir befreundet, und ich lasse mir von seinen Leuten die Haare schneiden. Einmal saß ich im Restaurant und hörte, wie eine Frau ihren Mann fragte: "Ist das nicht Mary Quant?" Er antwortete: "Nein, die sehen heute alle so aus."

FTD 1971 haben Sie Bazaar geschlossen und sind aufs Land gezogen. War da der Rausch endgültig vorbei?

Quant Wir hatten die beste Zeit, die man haben konnte, am besten Ort, an dem man sein konnte. Und das fast 15 Jahre lang. Es fiel mir nicht leicht, Bazaar aufzugeben. Jedes Mal, wenn ich durch die King's Road fahre, werde ich wehmütig. Aber ich hatte ja noch 200 Läden in Japan und fuhr ständig dort hin. Bis unser Sohn in die Schule musste. Dann hatte auch dieser Spaß ein Ende.

FTD Entwerfen Sie noch für sich und Ihre Läden in Japan?

Quant Mode ist eine Droge. Ein tolles Zeug. Natürlich mache ich noch Kleider und bringe meine Ideen ein. Es macht Spaß, Japaner anzuziehen, sie werden nicht dick.

FTD Muss man dünn sein für den Mini?

Quant Natürlich. Wer elegant sein will, muss dünn sein. Ansonsten glaube ich nicht an Regeln, das Alter spielt keine Rolle, nur Proportionen und die Art, wie etwas kombiniert wird. Deshalb lieben die Leute den Mini, weil er so vielseitig ist. Die Mode ist nicht mehr so steif wie früher, jeder hat die Freiheit zu tragen, was er will. Aber natürlich ist der Mini mehr als ein Stück Stoff, ein Mythos, eine Revolution. Deshalb beziehen sich viele auf ihn, interpretieren ihn neu, machen ihn besser: Weil er etwas bedeutet. Weil er nicht selbstverständlich war. Weil er sich sein Existenzrecht erkämpfen musste.

Mary Quant eröffnete im Jahr 1955 mit ihrem Mann Alexander Plunket Greene ihre erste Boutique in der Londoner Kings Road - das legendäre Bazaar. Dort verkaufte sie unter anderem Hängekleider aus Jersey im Schulmädchen-Look, die schnell zur Uniform der Chelsea-Girls wurden und zum Synonym für einen neuen Frauentyp, der sich selbstbewusst durch das Swinging London bewegte. Als sie 1957 ihren zweiten Laden in Knightsbridge mit einer Modenschau eröffnete, sprach die Presse von einer Revolution - weil Musik gespielt wurde und die Models dazu tanzten.

Quants kurze Mode kam nicht nur in England gut an. So entwarf sie als erste britische Designerin für eine amerikanische Modekette. Auch in der Heimat setzte Quant mehr und mehr auf Massenproduktion und ließ ihre Entwürfe von anderen produzieren. 1963 gründete sie die Ginger Group für Großhandelskollektionen. Im selben Jahr zeigte die Zeitschrift "Vogue" erstmals Miniröcke von Quant, die bereits mit Anfang 30 ihre Biografie verfasste und von der Queen mit dem Orden des britischen Empire ausgezeichnet wurde. Neben Mode entwarf die Designerin auch Schuhe und Make-up, in Japan sind ihre 200 Kosmetikläden bis heute erfolgreich.


http://www.ftd.de/lifestyle/outofoffice/...uft/474061.html?mode=print
-----------
"Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle Unrecht haben" (B. Russell)

MfG
kiiwii

15.02.09 14:12
3

15373 Postings, 4682 Tage king charlesob das gut war?

-----------
Grüsse King-charles

15.02.09 14:24

3673 Postings, 4893 Tage cicco#1...das ist Brutal....

   Antwort einfügen - nach oben