Letzte Reise nach 209 Jahren

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 08.06.04 10:42
eröffnet am: 08.06.04 10:42 von: chrismitz Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 08.06.04 10:42 von: chrismitz Leser gesamt: 223
davon Heute: 1
bewertet mit 0 Sternen

08.06.04 10:42

16833 Postings, 7678 Tage chrismitzLetzte Reise nach 209 Jahren

Ein Prinzenherz wird heute nach über zweihundert Jahren bei Paris beigesetzt

Paris (dpa) Genau am 209. Todestag des schon mit zehn Jahren gestorbenen Ludwig XVII. wird sein luftdicht aufbewahrtes Herz heute mit einer standesgemäßen Zeremonie in der königlichen Krypta der Prunk-Basilika von Saint-Denis bei Paris beigesetzt. Bislang ruhte das Herz des kleinen Königs, der niemals regiert hat, in einer angrenzenden Kapelle. Erst Gentests hatten bestätigt, was Jahrhunderte lang bestritten wurde ? es ist das Herz des Sohnes von Ludwig XVI. und Königin Marie-Antoinette. Als jüngster Sohn von König Ludwig XVI. hätte er das Land regieren können. Die herzzerreißende Geschichte um diesen 1785 geborenen Knaben namens Louis Charles begann in den Wirren der Französischen Revolution. Wie seine 1793 von den Revolutionären enthaupteten Eltern war der Junge im Temple-Gefängnis eingekerkert ? und ist dort am 8. Juni 1795 an Tuberkulose gestorben. Abenteuerliche Gerüchte kursierten Jahrhunderte lang um den Jungen, der nach der Hinrichtung seiner Eltern zum Thronfolger ernannt wurde. Verwirrung stiftete der in Versailles geborene Uhrmacher Karl Wilhelm Naundorff. Er behauptete zeitlebens, als kleiner Ludwig von Revolutionären aus dem Gefängnis geschmuggelt worden zu sein, während seine Eltern vor dem Gang zum Schafott standen. Immerhin stand gut 150 Jahre lang auf dem Grabmal des 1845 gestorbenen Naundorff in Delft: ?Hier liegt begraben Ludwig XVII. von Frankreich, auch bekannt als Karl Wilhelm Naundorff.?

  Professor Jean-Jacques Cassiman von der katholischen Uni Löwen in Belgien machte sich daran, das Geheimnis um Ludwig zu lüften. Zunächst entlarvte er 1998 die Lebenslüge Naundorffs ? zwischen dessen Erbmaterial und der Königsfamilie gab es keine Übereinstimmung. Haarsträhnen von zwei Schwestern der Königin Marie-Antoinette aus Medaillons eines Rosenkranzes verglich Cassiman mit Knochen aus Naundorffs Grab.

  Zusammen mit Professor Bernd Brinkmann von der Uni Münster ging Cassiman dann daran, per Gentest alles klar zu machen ? mit einem Stückchen des eingetrockneten Ludwig-Herzens.

  Ein Arzt hatte früher das Herz nach einer Autopsie entwendet. Erst 1975 war es in der Kapelle von Saint-Denis gelandet.



 

   Antwort einfügen - nach oben