Leben nach dem Dax

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Geldanlage: Leben nach dem Dax
Von Michael Prellberg

Einige Index-Absteiger haben sich neu ausgerichtet und schlagen sich dabei wacker.

Wegen mangelnder Erfolge werden am Montag einige Firmen aus MDax und SDax verabschiedet. Das schmerzt und lässt das Selbstwertgefühl rapide sinken. Noch bitterer muss der Ausschluss aus dem Dax 30 sein, der Liga der bedeutendsten deutschen Unternehmen. Doch kaum war der Schmerz abgeklungen, stellten die betroffenen Unternehmen fest: Es gibt ein Leben nach dem Dax.

Elf Unternehmen wurden seit Einführung des Index zum Jahresanfang 1988 aus dem Dax 30 geworfen. Um ehrlich zu sein: Meist verschwanden nur die Namen. Nixdorf rutschte 1990 von der Liste, weil der Computerhersteller von Siemens aufgekauft worden war. Dasselbe Schicksal erlebten später die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank (aufgegangen in der HypoVereinsbank ), der Chemiekonzern Hoechst ( Aventis ), dann Mannesmann ( Vodafone ) und zuletzt Veba und Viag, die sich zu Eon vereinigten.


Das sind schon sechs von elf Firmen. Die Nummer sieben wäre Feldmühle Nobel, 1990 aus dem Dax 30 geschmissen. Das Unternehmen gibt es heute ebenfalls nicht mehr. Es wurde an den schwedischen Stora-Konzern verkauft und ist formal in der FPB Holding aufgegangen. Das Einzige, was an den früheren Konzern erinnert, ist die Adresse der Holding: Sie residiert in Düsseldorf am Feldmühleplatz 1.



Deutsche Babcock


Damit bleiben vier Unternehmen übrig, die diese Demütigung weggedrückt und weitergemacht haben. Meist steckten diese Konzerne seinerzeit dermaßen tief in Schwierigkeiten, dass der Rauswurf aus dem Index noch als geringstes Problem erschien. Das gilt beispielsweise für die Deutsche Babcock, die 1995 als maroder Maschinenbaukonzern mit unrentablen Töchtern den Dax 30 verlassen musste. Wenig später wurde Klaus Lederer Vorstandschef und begann den Turnaround.

In einem "beispiellosen Parforceritt" hätte Lederer sein Programm durchgeprügelt, attestiert Analyst Axel Luther von der BHF-Bank . Was unrentabel war, wurde abgestoßen. Dabei gelang es Babcock sogar, den von der Preussag zwangsweise übernommenen Anlagebau Gewinn bringend zu verkaufen. Heute konzentriert sich das Oberhausener Unternehmen, das seit der 1999er-Fusion mit Borsig als Babcock Borsig firmiert, weniger auf den Maschinen- And Anlagenbau denn auf Energietechnik und Bootsbau. "Die Restrukturierung ist weitgehend abgeschlossen", sagt Analyst Luther. Spätestens 2003 werde sich das in den Umsätzen und den Gewinnen niederschlagen. Luther: "Babcock hat gute Jahre vor sich."



MG Technologies


Ähnliches gilt, glaubt man Analysten, für MG Technologies , weitaus bekannter unter ihrem früheren Namen "Metallgesellschaft". Auch dieses Unternehmen musste - 1996 - den Dax 30 verlassen. "Die Metallgesellschaft war damals tot", sagt Analyst Erkan Aycicek vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Davon mag heute niemand mehr sprechen. Der Vorstandsvorsitzende Karl Josef Neukirchen hat gnadenlos aufgeräumt und unrentable Sparten abgetrennt.


Zuerst blieb der altbackene Name auf der Strecke. Heute besitzt MG Technologies mit dem Anlagebauer GEA und der Chemiefirma Dynamit Nobel hochprofitable Geschäftsbereiche. Bei den Akquisitionen habe die Metallgesellschaft "vor allem im Chemiebereich ein geschicktes Händchen bewiesen", sagt Analyst Aycicek. Selbst der kränkelnde Großanlagenbauer Lurgi komme wieder auf die Beine. Durch die Kooperation von GEA sei es möglich, mittelfristig auch in diesem Bereich profitabel zu arbeiten.



Continental


Etwas Ähnliches wünscht sich auch Continental . Die Hannoveraner hatten sich lange geweigert, die Zeichen an der Wand zu lesen. "Reifen" und "Gummi" hätten sie zu entziffern gewusst, aber "Technologie"? Irgendjemand muss es für die Conti-Manager buchstabiert haben, denn langsam läuft die Umstrukturierung an. Das ist auch nötig, denn mit Reifen lässt sich derzeit kaum Geld verdienen. 2000 sank der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 22 Prozent. Die Reifenfabrik im belgischen Herstal ist größtenteils stillgelegt worden, das Werk in Bad Nauheim soll zum Jahresende folgen. Die Produktion wird ins slowakische Puchov verlagert. In Großbritannien sollen innerhalb weniger Monate mehr als 100 Verkaufsstellen schließen.

Umstritten ist vor allem die Absicht, wegen der Umstrukturierung die profitable Contitech zu verkaufen. Der Verkaufserlös könnte, so schätzt SEB-Analyst Martin Haug, "zum Abbau der hohen Verschuldung eingesetzt werden." Conti belasten Netto-Finanzschulden in Höhe von zwei Mrd. Euro. Damit endlich schwarze Zahlen geschrieben werden, setzen die Manager auf das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, ein weiterentwickeltes Anti-Blockier-System. Der Markt für ESP dürfte nach Haugs Ansicht erst in fünf bis sechs Jahren gesättigt sein und bis dahin für satte Gewinnmargen sorgen.



Karstadt Quelle


Missmanagement wollen sich die Chefs von Karstadt Quelle nicht vorwerfen lassen. Das Unternehmen musste vor allem weichen, weil die Deutsche Post sich auf dem Weg in den Dax 30 nicht aufhalten ließ - und Karstadt Quelle schwächstes Mitglied war. Dabei versucht der Konzern gerade, eine neue Struktur aufzubauen und bis 2003 die Gewinnmarge entscheidend zu steigern. Einige Filialen sollen geschlossen, Mitarbeiter entlassen werden. Fünf Prozent Wachstum pro Jahr sind geplant. "Die Ziele klingen gut, sind aber sehr ambitioniert", sagt DIT-Fondsmanager Christoph Niesel. Das gelte insbesondere für die Absicht, durch Synergien zwischen Karstadt und Quelle bis 2004 insgesamt 540 Mio. DM zu sparen.

Dabei ist Quelle das Sorgenkind des Konzerns. Während die Kaufhauskette Karstadt als Marktführer etabliert ist, sieht es beim Versandhändler Quelle auf Grund seines als altbacken geltenden Images weniger rosig aus. Gelingt über E-Commerce ein Turnaround zur Modernität, liegt hier Potenzial. Der Anfang ist gemacht: Mit 80.000 Besuchern am Tag liegt Karstadt Quelle schon heute ganz weit vorn. Fondsmanager Niesel ist überzeugt: "Beim E-Commerce kommt Karstadt Quelle groß raus."


Abgänge und Zugänge im Dax 30 seit Gründung (1988)  

Datum  
 
Ausscheider  
 
Nachrücker  


 
 
 
 
 



05.09.1990  
 
Feldmühle Nobel  
 
Metallgesellschaft  



05.09.1990  
 
Nixdorf  
 
Preussag  



15.09.1995  
 
Deutsche Babcock  
 
SAP  



20.09.1996  
 
Continental  
 
Münchener Rück  



18.11.1996  
 
Metallgesellschaft xx  
 
Dt. Telekom  



19.06.1998  
 
Bayer.HypoBank  
 
Adidas  



17.09.1999  
 
Hoechst  
 
FMC  



14.02.2000  
 
Mannesmann  
 
Epcos  



19.06.2000  
 
Veba  
 
Eon  



19.06.2000  
 
Viag  
 
Infineon  



19.03.2001  
 
Karstadt Quelle  
 
Deutsche Post  



 
 
 
 
 





Quelle: Deutsche Börse  




 

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