LBO-Spezialist KKR hat kein glückliches Händchen

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 09.03.01 10:14
eröffnet am: 09.03.01 10:14 von: SAHADOOM Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 09.03.01 10:14 von: SAHADOOM Leser gesamt: 189
davon Heute: 1
bewertet mit 1 Stern

09.03.01 10:14
1

50 Postings, 7412 Tage SAHADOOMLBO-Spezialist KKR hat kein glückliches Händchen

LBO-Spezialist KKR hat kein glückliches Händchen mehr

New York, 6. März (Bloomberg) - Keine andere Buyout-Firma hat wie Kohlberg Kravis Roberts & Co. in den letzten 15 Jahren das Leveraged Buyout-Geschäft in den USA bestimmt. Aber die goldenen Zeiten von KKR scheinen vorbei zu sein. Ihr 1996 aufgelegter KKR- Fonds mit einem Volumen von 6 Mrd. Dollar hat nach Angaben des staatlichen Pensionsfonds von Massachusetts in den zwölf Monaten bis zum 30. September nur magere 2,8 Prozent eingefahren, während die Rivalen Thomas H. Lee & Co. und die Carlyle Group Inc. mit ihren Konkurrenzfonds 30 Prozent erwirtschafteten. Schuld an der Misere ist KKRs Engagement bei Regal Cinemas Inc.: 492 Mio. Dollar bzw. 8 Prozent des Fonds sind in diese amerikanische Kinokette investiert, die möglicherweise Konkurs anmelden muss.

,Uns bereitet es immer Bauchschmerzen, wenn sich eine Investition nicht so gut entwickelt wie erwartet," erklärt James Penner, Chef-Stratege beim Investitionsausschuss des Staates Montana. Montana hatte 1996 100 Mio. Dollar in den Fonds investiert, nur halb so viel wie die 207 Mio. Dollar vom letzten Jahr.

Bei einigen Pensionsfonds macht sich Skepsis breit, ob KKR noch den 1,6 Mrd. Dollar Fonds von Lee schlagen kann. KKR muss die Anleger überzeugen, dass es genügend profitable Investments in dem Fonds von 1996 gibt, um die Schieflage bei Regal auszugleichen. KKR will Regal bzw. 8 Prozent des gesamten Fonds abschreiben, heißt es aus unterrichteten Quellen. Obwohl Kunden wie die Pensionsfonds von New York und Massachusetts von KKR seit Mitte 2000 umworben wurden, haben sie nicht noch mehr Geld locker gemacht. Allerdings wollen die Pensionsfonds in Michigan, Minnesota, Oregon und Washington rund 3 Mrd. Dollar in den neuen Buyout-Fonds investieren.

KKR brachte den Begriff Leveraged Buyout in das Bewusstsein der Öffentlichkeit mit bahnbrechenden Transaktionen wie der Übernahme von RJR Nabisco Inc. für 26,4 Mrd. Dollar im Jahr 1989. Bis vor kurzem konnten sich die KKR-Anleger die Hände reiben. Der Fonds machte aus 9,15 Mio. Dollar, die der Pensionsfonds Massachusetts von 1986 einbrachte, mehr als 84,3 Mio. Dollar, das entspricht einer Rendite von jährlich 28 Prozent. Mehr als verzehnfacht hat sich das Anlagekapital des Staates New York: Die eingesetzten 55 Mio. Dollar erbrachten einen Gewinn von über 600 Mio. Dollar. Nach den Daten von Massachusetts erzielte der KKR- Fonds von 1987 Renditen von 13,5 Prozent und der Fonds von 1993 Renditen von 19,4 Prozent pro Jahr. Das ist nicht weit von der jährlichen Verzinsung von 20,1 Prozent entfernt, die Buyout-Firmen in den letzten zwei Jahrzehnten erzielen.

Der 1996 aufgelegte Fonds hat sich nicht so gut abgeschnitten. Wegen unterschiedlicher Berechnungsmethoden schwanken die Angaben zwischen 2,8 Prozent nach Gebühren und 6,7 Prozent vor Abzug der Gebühren. KKR wird ihren nächsten Fonds, den sogenannten Millennium Fund - in den nächsten zwei Monaten auf die Erfordernisse von Montana zuschneiden. Penner sagte, dass die schlechte Performance des Fonds von 1996 sicherlich ein Thema wäre.

Kritisiert werden auch die hohen Gebühren der KKR-Fonds. Allein der Staat Washington hat rund 35 Mio. Dollar an Gebühren für den 1996er Fonds gezahlt - 6 Prozent der Ursprungsinvestition von 589 Mio. Dollar. ,Bei der Größe von KKR und der Größe der Fonds sind die Gebühren schon allein riesige Einnahmeströme," erklärt Bob Boldt, ehemals Investitionsleiter Private Equity von Calpers, der staatlichen Pensionskasse Kaliforniens. Ein Grund für die hohen Gebühren ist die lange Investitionsdauer. Während Gesellschaften wie Lee und Carlyle ihre Investitionen innerhalb von fünf bis sieben Jahren nach Kauf versilbern, bleiben bei KKR die Investitionen fast 20 Jahre im Portefeuille. Die Fonds von 1986, 1987 und 1993 liefern den Anlegern immer noch Renditen. ,Man muss das Gesamtbild beurteilen können, bevor man sagen kann, KKR hat kein glückliches Händchen mehr bei den Investitionen," sagt Boldt. ,Drei Prozent sind besonders peinlich, aber kurzfristig kann solch ein Ausrutscher passieren."

KKR steht vor dem Dilemma, dass sie mit Regal ihr größtes Engagement in dem Fonds von 1996 abschreiben können. ,Wir sind enttäuscht, jedoch halten wir es durchaus für möglich, das Regal durch die anderen Investitionen insgesamt ein positives Ergebnis erzielt," sagt Jeffrey Gordon, Sprecher für das Büro für Investitionsaufsicht im Staat New York. Aber auch der Übernahmespezialist Hicks Muse Tate & Furst Inc. befindet sich in einer ähnlichen Misere. ,Diese Kinokette ist genauso ein Ego-Trip wie Nabisco," kritisiert Penner. ,Alle Buyout-Spezialisten waren von dem Zukunftspotenzial der Branche überzeugt und bauten immer größere und größere Kinos. Und jetzt stecken sie alle im Schlamassel. Nur weil sie so von sich überzeugt waren, waren sie mit Blindheit geschlagen.

Und Regal ist nicht der einzige Fehlgriff. KKR hat 96 Mio. Dollar in CAIS Internet Inc. investiert, die seitdem um 97 Prozent abgesackt sind. Auch ist KKR an dem Rückversicherer Alea Europe Ltd. beteiligt. Nach zwei Bargeldspritzen über 279 Mio. Dollar läuft Alea Re Gefahr ihre Bonitätseinstufung von ,A-" durch Standard & Poor's Corp. zu verlieren.

Aber einige Engagements in dem 1996er Fonds waren Glückstreffer. KKR hatte sich 1997 für 225 Mio. Dollar an der Supermarktkette Randall's Food Markets beteiligt. 1999 verkaufte sie ihren Anteil an Safeway Inc. für 883,5 Mio. Dollar. 320 Mio. Dollar investierte KKR auch in DPL Inc. Sie kaufte die Aktien vor einem Jahr für rund 21 Dollar, seitdem sind sie um rund 33 Prozent gestiegen. ,Hier könnte es noch einige versteckte Perlen geben," vermutet Boldt. ,KKR hatte nie Probleme, Investoren für ihre Fonds zu finden und hat und immer großartige Renditen erwirtschaftet.

 

   Antwort einfügen - nach oben