Klienten fordern verstärkt Erfolgshonorar

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eröffnet am: 29.04.05 10:48 von: EinsamerSam. Anzahl Beiträge: 1
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24466 Postings, 6073 Tage EinsamerSamariterKlienten fordern verstärkt Erfolgshonorar

Handelsblatt-Umfrage Top-50-Kanzleien: Abwerben guter Leute wird Methode

Klienten fordern verstärkt Erfolgshonorar

Verstecken gilt nicht mehr. Anwälten gelingt es immer seltener, sich hinter Gesetzen, Standesrecht und Gebührenordnung zu verschanzen ? um letztlich ihre Pfründe zu sichern. Den Top-Kanzleien bläst der harte Wind des Wettbewerbs ins Gesicht. Sie sind auf dem besten Wege, Dienstleister zu werden. So wie andere Unternehmen auch.

DÜSSELDORF. Die neue Handelsblatt-Umfrage unter den Top-50-Kanzleien in Deutschland (Basis: Juve Handbuch Wirtschaftskanzleien 2004/05, Antwortquote 60 Prozent) belegt dies: Jeder zweite Mandant verlangt von den Juristen Honorare, die sich ? auch ? am Erfolg ihrer Arbeit orientieren. Und bei 32 Prozent der Kanzleien kommen die Firmenkunden damit auch durch. ?Die Nachfrage der Mandanten nach erfolgsabhängiger Vergütung wächst fast täglich?, weiß Tobias Bürgers, Sprecher der Partner bei Nörr Stiefenhofer Lutz. Zwar sind Erfolgshonorare nach US-Muster hier nicht zulässig. Doch wo kein Kläger, da kein Richter. Und: ?Im Nachhinein darf man jede Vereinbarung treffen?, urteilt Michael Kliemt, Chef der gleichnamigen Düsseldorfer Arbeitsrechtskanzlei.

Und umgekehrt heißt es ausgerechnet aus den zwei deutschen unter den Top-Ten-Kanzleien ? Hengeler oder Gleiss ? souverän, dass sie das Honorar ohnehin bei Mandatsende aushandeln (Hengeler) und sich ?daran orientieren, welchen Wert die Sache für den Mandanten hat?, wie es Jobst-Hubertus Bauer von Gleiss auf den Punkt bringt.

Gestiegen sind die Stundenhonorare. Partner kassieren im Schnitt 400 Euro die Stunde (2003: 370 Euro), angestellte Anwälte 265 Euro (2003: 225 Euro). Das bedeutet eine Steigerung um acht Prozent bei den Partnern und 18 Prozent bei den angestellten Juristen. 80 Prozent der Top-Adressen vermelden höhere Umsätze ? freilich ohne diese zu beziffern. Einzig die Kanzlei Rödl & Partner aus Nürnberg mit 2 350 Mitarbeitern verkündet Umsatzzahlen ? und dieses Recht musste sie sich erst gerichtlich erstreiten: 2004 waren es 151,4 Millionen Euro. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch die anderen Großkanzleien diesen Mut aufbringen. Etliche angloamerikanische Sozietäten verkünden zwar ihren Welt-Umsatz, verraten aber keine Deutschland-Zahlen. Beispiel: Die größte Kanzlei weltweit, Clifford Chance, macht 1,38 Milliarden Euro Umsatz mit 3 300 Anwälten.

Dass die Bundesliga-Kanzleien jedenfalls keine Not leiden, zeigt auch dies: Bei fast 80 Prozent hat sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Knapp die Hälfte beabsichtigt auch, weitere Juristen einzustellen. Die andere Hälfte will diese Zahl zumindest konstant halten.

Dementsprechend haben 62 Prozent der Kanzleien auch mehr Partner an Bord. Und wie stark aus den Sozietäten schon normale Unternehmen werden, zeigt sich daran, dass sie auf die Zahlen der einzelnen Kollegen genau achten. Immerhin 14 Prozent der Kanzleien trennten sich in jüngster Vergangenheit von einzelnen Partnern, wenn diese zu wenig einspielen. Dauerten Partnerschaften einst lebenslang, so wird heute der Boden für unrentable Rechtsanwälte schnell zu heiß. Zum Beispiel bei Linklaters oder Lovells ? weltweit trennten sich letztere von 25 Partnern. Dass die lebenslange Loyalität zu einer Kanzlei vorbei ist, zeigen auch die vielen Wechsel, die auch oft im ganzem Team erfolgen: Schon die Hälfte der Top-Kanzleien hat Erfahrungen mit Abtrünnigen gemacht. McDermott Will & Emery angelte sich vier Steueranwälte von KPMG, Beiten Burkhard bediente sich bei Faegre & Benson mit einer Arbeitsrechtler-Truppe von vier Leuten. Die Top-US-Kanzlei Kaye Scholer ? hier ein Newcomer ? warb Jones Day gleich ein Trio ab.

Die Umfrage des weiteren: Befragt nach der Anzahl der Dax 30-Unternehmen in ihrer Klientel liegt Clifford Chance mit 29 an der Spitze gefolgt von Freshfields mit 26 und Haarmann Hemmelrath mit 22 und Gleiss mit 17. Dennoch ist die Kundenorientierung noch nicht ausgefeilt: Die Zufriedenheit ihrer Mandanten fragt einzig Baker & McKenzie strukturiert, umfassend und schriftlich ab. Stichprobenartig handhaben dies zumindest 14 Prozent der Kanzleien wie Lovells, Bird & Bird und McDermott. Die allermeisten Top-Adressen belassen es bei einer Nachfrage ? meist beiläufig beim Kaffee nach dem Abschlussessen. Positiv ist dagegen dieses Ergebnis: 77 Prozent der Kanzleien wollen ihre Pressearbeit weiter professionalisieren, indem sie PR-Profis einstellen ? mit entsprechender Kontaktfreudigkeit, Hartnäckigkeit und Servicebewusstsein. Sie haben gemerkt, dass auch PR ein Handwerk ist, das gelernt sein will.

Quelle: HANDELSBLATT, Freitag, 29. April 2005, 09:58 Uhr

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