Kernkraftwerk Obrigheim wird abgeschaltet

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eröffnet am: 10.05.05 07:52 von: Happy End Anzahl Beiträge: 34
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10.05.05 07:52
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95441 Postings, 7436 Tage Happy EndKernkraftwerk Obrigheim wird abgeschaltet

Das Atomkraftwerk Obrigheim in Baden-Württemberg soll am Mittwoch, 37 Jahre nach seiner Fertigstellung, abgeschaltet werden. Das teilte das aufsichtsführende Landesumweltministerium in Stuttgart der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf Anfrage mit.


Nach dem Kernkraftwerk Stade, das im November 2003 heruntergefahren wurde, ist die Anlage in Obrigheim das zweite aktive deutsche Kernkraftwerk, das nach dem 2002 beschlossenen Gesetz über den Atomausstieg stillgelegt wird. Sie ist auch die älteste deutsche Anlage zur Erzeugung von Strom durch Kernspaltung.

Deutschlandweiter Ausstieg soll 2020 sein

Nach 37 Jahren ab Mittwoch stillgelegt: Atomkraftwerk Obrigheim
In einem 2001 ausgehandelten Vertrag mit der Stromwirtschaft waren jedem der damals 19 Kernkraftwerken Strommengen zugebilligt worden, die sie noch produzieren durften. Ist die jeweilige Quote erfüllt, muß die Anlage stillgelegt werden.

Nach dem entsprechenden ?Fahrplan? wären um 2020 die letzten Meiler stillzulegen. Wirtschaft und Opposition plädieren allerdings für einen ?Ausstieg aus dem Ausstieg?. Sie wollen die bestehenden Anlagen länger in Betrieb lassen.

Umstellung auf Holzschnitzel

Ein Sprecher des Ministeriums sagte, nach Hinweisen des Betreibers EnBW gehe man davon aus, daß der 1969 in Obrigheim in Betrieb genommene Meiler am Mittwoch heruntergefahren werde, weil dann die verbliebene Reststrommenge erzeugt worden sei. Eine Konzernsprecherin wollte den Termin nicht bestätigen. Auf jeden Fall werde der 357-Megawatt-Druckwasserreaktor in dieser Woche planmäßig heruntergefahren.

Die in der Anlage beschäftigten Menschen, die nicht vom angebotenen Vorruhestand Gebrauch machten, sollen mit dem auf 20 Jahre angelegten Abbau befaßt werden. In Obrigheim wird derweilen der Neubau eines Holzschnitzel-Kraftwerks mit 5 Megawatt Leistung vorbereitet.

Trittin wirbt für seine Pläne

Die an dem Atom-Ausstiegsvertrag beteiligten Energiekonzerne Eon, RWE, Vattenfall Europe und EnBW hätten von der Restmenge an Kernenergiestrom binnen vier Jahren bereits ein Drittel verbraucht, stellt Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) in einer Broschüre ?Obrigheim - Magazin zum Abschalten? fest.

In der in einer Auflage von 1,3 Millionen Stück gedruckten Broschüre wirbt er für erneuerbare Energien und tritt Argumenten von Atombefürwortern entgegen, die unter Hinweis auf niedrige Erzeugungskosten, hohe Versorgungssicherheit und die Vermeidung klimaschädlichen Kohlendioxyds für längere Laufzeiten plädieren.

Atomenergie Spitzenreiter im vergangenen Jahr

Dafür haben sich Spitzenpolitiker von CDU und CSU sowie der FDP ausgesprochen. Sie finden damit in der Wirtschaft Beifall, die den bestehenden Mix der Energieerzeugung beibehalten will.

Strom aus Atomkraftwerken hatte im Jahr 2004 einen Anteil von 28 Prozent an der deutschen Stromerzeugung, gefolgt von Braunkohle (26 Prozent) und Steinkohle (22) vor Gas (10,4) und erneuerbaren Energien (9,4 Prozent).


Text: ami. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2005

 
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10.05.05 09:36

3061 Postings, 7827 Tage PieterQuantas, Windkraftwerke sehen sicherlich nicht

sehr schön aus. Aber Atomkraftwerke ehrlich gesagt auch nicht. Ich hatte in meiner Jugendzeit das Privileg, vom meinem Zimmerfenster schön auf das Atomkraftwerk Mühlheim-Kärlich in etwa 2Km Entfernung sehen zu dürfen. Wahrlich kein schöner Anblick. Und weist du, wenn das Ding in Betrieb wäre und ich dort immer noch wohnen würde, ich würde auf jeden Fall wegziehen. Die ständige Befürchtung, es kommt trotz aller Sicherheit doch zu einem Unfall zerfrist einen nämlich seelisch. Das ist darantiert keine Lebensqualität.
Übrigens, die Notfallpläne die es für jedes A-Werk geben soll für den Fall des Unfalls. Für Mühlheim-Kärlich gab es im Umkreis von meinen 2 Km keinen. Lohnte sich ja auch nicht. Wenn was passiert, ist der Dreck durch die Luft schneller da, als die Warnung davor. Darum hat man die Menschen im engen Radius um das Werk einfach abgeschrieben.
Je nach Windrichtung hat die eine oder anderen Seite eben Pech gehabt. Schönes tolles Lebensgefühl.

Pieter  

10.05.05 09:37

15407 Postings, 5885 Tage quantasHeftiger Streit um Windräder


Streit um Windräder geht weiter
Bundesgericht soll über Windkraftanlage im Neuenburger Jura entscheiden

Der Streit um sieben Windräder am Crêt-Meuron im Neuenburger Jura soll vor Bundesgericht entschieden werden. Nachdem das Verwaltungsgericht den Gegnern der Anlage im April 2005 Recht gegeben hatte, wurden nun beim Bundesgericht drei Rekurse eingereicht.
 
Das Bundesamt für Energie, die Neuenburger Baudirektion sowie der Ersteller der Anlagen bei der Vue-des-Alpes hätten den Gang vor Bundesgericht beschlossen, sagte der zuständige Neuenburger Regierungsrat Pierre Hirschy am Montag vor den Medien.

Geht es nach den Rekurrenten, sollen die Lausanner Richter den «unverständlichen» Entscheid des Verwaltungsgerichts rückgängig machen. Wie die Regierung in einem Communiqué schreibt, respektiere das Verwaltungsgericht den politischen Willen von Bund und Kanton nicht. Beide Ebenen wollen erneuerbare Energien fördern.

Was ist nachhaltig?
Die Neuenburger Richter hatten die Ansicht vertreten, dass der Landschaftsschutz in dem seit 1966 unter Schutz stehenden Gebiet, höher zu gewichten sei. Das Angebot an elektrischer Energie sei zudem ausreichend, argumentierten die Richter. Ein Bedürfnis für neue Anlagen bestehe nicht. Solche Anlagen seien auch nicht nachhaltig.

Diese Argumente verfangen aus Sicht der Rekurrenten nicht. Der Stromverbrauch steige kontinuierlich an. Ausserdem sei gerade die Windkraft eine nachhaltige Energieform. Der Wind sei unerschöpflich und die Anlagen könnten nach einer Lebensdauer von etwa 25 Jahren wieder abgebaut werden. Die Anlage soll Strom für 4000 bis 5000 Haushalte produzieren.

Fast 100 Meter hoch
Der Bau der sieben 93 Meter hohen Windräder ist seit der Projektauflage heftig umstritten. Im Februar 2003 lehnte die Baudirektion alle Einsprachen ab. Die Stiftung Landschaftsschutz und der Schweizer Heimatschutz sowie einige Private rekurrierten dagegen und erhielten vor einem Monat vom Verwaltungsgericht Recht.
NZZ 10.5.2005

Wenn man bedenkt, dass in diesen Verbänden Heimatschutz, Landschaftsschut usw. vor allem Grüne sitzen, die den Atomausstieg fordern und gleichzeitig Alternativen bekämpfen, dann muss man zum Schluss kommen, die sind einfach nur Verhinderer.
Zurück zum Holzkochherd!  

10.05.05 09:38
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25551 Postings, 7306 Tage DepothalbiererWievile Tote gab es eigentlich durch die Abgase

von herkömmlichen Verbrennungskraftwerken?

Prinzipiell ist es schon richtig, nach dem Verursacherprinzip vorzugehen, Pieter.

Aber einer der wichtigsten Punkte ist die Versorgungssicherheit, und die kann man mit den regenerativen Energieen in D. leider vergessen.

Wenn man mit den Milliarden, die die Windkraft bisher gekostet hat, vernünftige Einsparmaßnahmen (Dämmung) und Kraft-Wärmekopplung vorangetrieben hätte, wäre für die umwelt wesentlich mehr getan.

aber fuck off, Umwelt, es geht hauptsächlich um Geld und da die grünen lobbyisten von anderen bezahlt werden , als die schwarzen lobbyisten, treten sie auch für andere interessen ein.  

10.05.05 09:45

36845 Postings, 6452 Tage Talisker@Talisker

Schreib dir ein für allemal hinter die Ohren: Wenn du schon ironisch sein willst, kennzeichne das ordentlich! Sonst versteht z.B. ein Depothalbierer das falsch.

@quantas: China geht bei der Energiegewinnung "über Leichen", die sollten diesbezüglich nicht gerade als Vorbild dienen. Nicht mehr wollte ich zum Ausdruck bringen.
Über regenerative Energien kann man streiten. Aber bitte nicht auf dem Niveau von "Zurück in die Steinzeit! Verschandelt nur die Landschaft [z.B. mal was von Off-Shore-Anlagen gehört? Ja, ich weiß, hat auch seine Nachteile]! Umweltschutz schadet nur der Wirtschaft!"

Gruß
Talisker  

10.05.05 10:01
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51341 Postings, 7636 Tage eckiPieters Perspektive auf Atomkraftwerke

gönne ich allen AKW-Befürwortern. 2km Abstand, in der nicht mehr lohnenden Zone für Evakuierungen. Sitzend zwischen den ganzen Überlandleitungen über die mangelnde Schönheit von WKAs sinnierend.

Die Leute an den Küstenstandorten haben keine Ahnung, welchen Anspruch sie an unversehrte Landschaften stellen. Die Leute im Braunkohlegebiet kriegen ihre Heimat weggebaggert, ich habe keine Lust zu AnNgeln im vom AKW-Kühlwasser aufgeheizten Fluß mit der Dauerwolke über dem Kühlturm und den erhöhten Niederschlägen....

Jaja, in Friesland kam der Strom früher aus der Steckdose, und so hätte das doch bleiben können. Und den Dreck, den Sellafield jahrzehnte ins Meer abgelassen hat, kam ja nur zu einem geringen Teil in die Nordsee, so das die Strahlenbelastung bei Fischen ja noch gering ist.

Und nach uns die Sintflut. Habemus papam.

Grüße
ecki  

10.05.05 10:07

25551 Postings, 7306 Tage Depothalbiererja, ja talisker, es war zu erkennen.

aber ich bin ja blöd.
es gab genug kritische reportagen über diesen china-damm und mindestens 2 davon habe ich gesehen, hochhaussprengungen, zerstörung ganzer städte usw. inklusive.

ist aber vielleicht immer noch besser, als wenn sie 10 riesige kohlekraftwerke gebaut hätten oder 6 große KKW.

über den hoover-damm regt sich heute auch keiner mehr auf.  

10.05.05 10:12

36845 Postings, 6452 Tage TaliskerDepothalbierer

Sollte keine Anmache sein ;-)

Schon mal was von den ökologischen Folgen des Assuan-Staudamms gehört? Dieser, und wohl erst recht der Drei-Schluchten-Damm, sind ne völlig andere Liga als der Hoover-Damm...
Gruß
Talisker  

10.05.05 10:18

25551 Postings, 7306 Tage Depothalbiererweiß ich doch, wäre aber auch völlig i.o.

Ja, die ganzen Felder im Nildelta werden unfruchtbar.
trotzdem bleibt die frage, was mehr umweltschäden verursacht.

sind wir beim nächsten thema : Menschenanzahl.

Gerade hier in deutschland regen sich etliche über die Geburtenkontrolle in China als angebliche Repressalie eines Regimes auf.

Dabei ist dies für das immer noch rasante Bevölkerungswachstum der einzig richtige Weg.

ps:

welches Volk dieser Erde verursacht(e) eigentlich die meisten Umweltschäden pro Kopf?  

10.05.05 10:24
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3061 Postings, 7827 Tage PieterNochmal zu Windkraft und zu Atomkraft

Windkraft : "und die Anlagen könnten nach einer Lebensdauer von etwa 25 Jahren wieder abgebaut werden"  und das Metall sage ich mal kann eingeschmolzen und wiederverwertet werden.
Atomkraft : da ist nix mit wiederverwerten. Das Zeug muß, nachdem es erstmal jahrelang stehenbleiebn muß und bewacht werden muß, kompliziert und sehr teuer demontiert werden und dann im Endlager einige Millionen Jahre sicher bewacht verwahrt werden wegen der langen Halbwertszeit des PU. Ausserdem können Terroristen mit diesem Material auch recht einfach und schnell sogenannte "Schmutzige Bomben" basteln.

Zu Mühlheim-Kärlich. Der Meiler war eigentlich nie zur Stromerzeugung in Betrieb. Es gab keine Betriebsgenemigung weil dort einfach das Ding anders gebaut wurde als es in der Baugenehmigung drin stand. Die nachträgliche Genehmigung der Änderung wurde nie gegeben und von mehrereren Verwaltungsgerichten abgeschmettert. Wohl ging das Werk aber für rund 14 Tage in den Probebetrieb, mit der Genehmigung der damaligen Landesregierung.
Kann mich noch gut an die gigantischen Dunstwolken erinnern, die aus dem Kühlturm kamen und das Klima in dem eh schon sehr schwülen Neuwieder Becken (so heist da das Rheintal) noch mehr verschlechterte.  Nach 14 Tagen war dann Schluss, der Meiler wurde abgeschaltet, die entgültige Betriebsgenehmigung nie erteilt, Stromversorger und Landesregierung streiten seitdem um die Kosten dieser Ruine. Das Ding konnte nicht abgebaut werden, da wegen dem Probebetrieb nun drinnen radioaktiv verseucht. Das muß nun Millionenteuer später genauso entsorgt werden, wie die Meiler, die wenigstens mal richtig Strom geliefert haben. Tolle Energietechnik.

Übrigens, der damalige Ministerpräsident, der das ganze verbrochen hatte, war ein gewisser Helmut Kohl.

Pieter  

10.05.05 10:33

7336 Postings, 6706 Tage 54reabbetrachtet man des gesamten kreislauf

sind weder atomkraft, noch windräder noch solarkollektoren heute wirtschaftlich. forschung auf diesen gebieten ist sinnvoll, die breite anwendung jedoch nicht. neben wasserkraft sind im wesentlichen kalorische kraftwerke wirtschaftlich für die stromerzeugung. wenn man dann noch bedenkt, wieviel gaz bei der ölförderung einfach vorort abgefackelt wird, sollte man argumente à la co2 schnell vergessen.

weshalb ist es wichtig preiswerte energie zu haben?

die gesamte entwicklung der westlichen welt die letzten 300 jahre beruht auf billiger energie. erst die preiswerte energie hat uns aus der stagnation in ein wirtschaftlichen wachstum gebracht, das trotz großem bevölkerungswachstums, uns ein menschenwürdiges leben ermöglichte. jede - auch künstliche - verteuerung der energie wird unser wachstum dämpfen und damit weitere arbeitslosigkeit und elend erzeugen.

ich war immer ein gegner der atomkraft. nicht aus gründen der sicherheit. es ist absolut vorstellbar atomkraftwerke mit einer inherenten sicherheit zu entwickeln. der zeitpunkt der  sie allerdings gegenüber kohle, Gaz oder ölkraftwerken konkurrenzfähig macht, ist nicht absehbar.  


 
 

10.05.05 10:41
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5501 Postings, 7120 Tage teppichtoll, heute sind mal wieder die unterwegs

die mit ihrem wohnzimmer-denken alle probleme der welt lösen....

"hauptsache bei mir ist alles fein - und warm natürlich!! "

es hieß nicht umsonst schon vor 30 jahren:
"atomkraftgegner überwintern - bei dunkelheit mit kaltem hintern"


wir sind derzeit einfach nicht in der lage, auf atomstrom zu verzichten...
jeder der was anderes behauptet, macht sich selbst was vor.

je mehr atomkraftwerke abgeschaltet werden, desto mehr strom importieren wir.
und woher? von atomkraftwerken aus dem ausland (z.b. tschechien), die häufig nicht so sicher wie unsere sind. also fahren die auf voll-last, um uns zu beliefern. damit fördern wir die wahrscheinlichkeit, daß bei denen ein unfall passiert: mahlzeit

oder der strom kommt aus kohlekraftwerken, die bei weitem nicht die umweltauflagen (filter, etc.) haben wie bei uns...

fazit: alles toll, ich wunder mich nur, warum bei uns immer mehr leute arbeitslos sind, kann ich gar nicht verstehen?

gute nacht deutschland!

MfG Teppich (immer schön draufbleiben)

 

10.05.05 10:49

304 Postings, 7005 Tage Schorsch DabbeljuhWarum die ganze Aufregung ?

Die Stromversorgung von Baden-Württemberg ist gesichert, trotz der Abschaltung von Obrigheim. Es gibt ja noch die EDF mit Cattenom.
Die Versorgung von Bayern ebenfalls, dort gibt es die CEZ mit Temelin.

Und Rest von Deutschland hat zumindest die Möglichkeit das Licht anzumachen, wenn die Sonne scheint.

Gar nicht so schlecht die Aussichten.
Aber alles hat seinen Preis.  

10.05.05 10:57
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59073 Postings, 7476 Tage zombi17Ist fürchterlich lang, aber lesenswert

International Physicians for the Prevention of  
Nuclear War (IPPNW) – German Section
   

Fakten zur Atomenergie

Hintergrundinformationen

Von Henrik Paulitz


1. Sackgasse Atomkraft
Uran gibt’s nur noch einige Jahrzehnte - und dann?
Atomkraftwerke werden mit dem nur begrenzt vorhandenen Rohstoff Uran betrieben. Das Natururan wird in Untergrundminen, im Tagebau oder durch das so genannte In-situ Lösungsverfahren gefördert und kommt hauptsächlich aus Kanada, Australien, Niger und Namibia. Kleinere Mengen werden weiterhin vor allem in Usbekistan, Russland, Kasachstan, den USA und in der Europäischen Union gefördert.

Im Jahr 2004 wurden weltweit etwa 440 kommerzielle Atomkraftwerke betrieben. Der Bedarf an Natururan lag in diesem Jahr bei 62 000 Tonnen. Die Europäische Union hat einen jährlichen Bedarf von etwa 20 000 Tonnen Uran. Ein Teil des Uranbedarfs wird aus vorhandenen, z.T. militärischen Beständen gedeckt.

Die wirtschaftlich gewinnbaren Uranreserven wurden von der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEA) und der OECD Nuclear Energy Agency (NEA) im Jahr 1999 im so genannten „Red Book“ ausgewiesen. Demnach sind – je nach Höhe der unterstellten Förderkosten – insgesamt noch zwischen 1,25 und 4 Millionen Tonnen Uran „wirtschaftlich“ abbaubar. Es handelt sich zum Teil um gesicherte und zum Teil um vermutete Uranvorkommen.

Bezogen auf den Uranbedarf des Jahres 2004 in Höhe von 62 000 Tonnen reichen die Reserven noch für etwa 20 bis 65 Jahre.

Würden die Atomkraftwerkskapazitäten noch ausgebaut werden, wären die Reserven entsprechend schneller erschöpft. Nach den Vorstellungen der IAEA könnte sich der Uranbedarf bis zum Jahre 2050 auf insgesamt 7,6 Millionen Tonnen summieren. Angesichts einer geschätzten Gesamtmenge von „wirtschaftlich“ gewinnbarem Uran von maximal 4 Millionen Tonnen wären die Reserven im Falle eines Ausbaus der Atomenergie lange vor 2050 erschöpft.

Allenfalls mit Schnellen Brutreaktoren ließen sich die Uranvorräte zeitlich strecken. Doch die „Schnellen Brüter“ sind weltweit aus technischen, sicherheitstechnischen und aus wirtschaftlichen Gründen gescheitert.

In den USA wurde die Entwicklung dieses Reaktortyps bereits 1977 wegen des großen Gefahrenpotenzials gestoppt. Das britische Brüterprogramm scheiterte an den hohen Kosten und an mangelnden Erfolgsaussichten. In Deutschland konnte der über 5 Milliarden Euro teure Schnelle Brüter in Kalkar wegen ungelöster Sicherheitsfragen und technischer Probleme nicht in Betrieb gehen. In Frankreich musste der Schnelle Brüter Superphenix 1990 nach nur 176 Betriebstagen aus technischen Gründen außer Betrieb genommen werden. Der japanische Schnelle Brüter Monju wird wegen gravierender technischer Probleme repariert.

Das zeigt: Schnelle Brüter stellen auch keine Lösung für die extrem knappen Uranreserven dar.

Die Atomenergie führt also schon in kurzer Zeit in die Sackgasse. In wenigen Jahrzehnten, vielleicht schon in 20 oder 30 Jahren, wird Uran so knapp und teuer, dass der Atomstrom – trotz massiver Subventionen – endgültig unwirtschaftlich wird.

Im Gegensatz dazu sind erneuerbare Energien (Sonne, Wind, Wasser und Biomasse) unerschöpflich. So lange die Sonne auf unseren Planeten scheint und Menschen auf diesem Planeten leben, stehen diese Energiequellen zur Verfügung.

2. Hochstapler Atomkraft
Atomstrom ist für die Energieversorgung verzichtbar
Um die Bedeutung der Atomenergie zu vergrößern, beschränkt sich die Atomwirtschaft meist auf die Darstellung des Anteils der Atomenergie an der Stromerzeugung. Der Energiebedarf der Menschheit beschränkt sich aber keineswegs nur auf den Bedarf an elektrischem Strom. Weitaus größere Energiemengen werden benötigt für den Verkehr und für Wärmezwecke (zum Kochen, Heizen und für industrielle Prozesse).

Eigentlich ist die Atomenergie relativ unbedeutend: Nach der  Energiestatistik der International Energy Agency („Key World Energy Statistics 2003“) wurden im Jahr 2001 weltweit 2 653 Terawattstunden Atomstrom erzeugt.

Diese Menge Atomstrom entsprach lediglich 6,9 Prozent des globalen Primärenergiebedarfs.

Doch selbst dieser geringe Anteil stellt eine Überbewertung der Atomenergie dar.

Denn bei Strom aus Wasserkraftwerken, Windkraftanlagen und Solaranlagen wird nach statistischen Gepflogenheiten (Wirkungsgradmethode) als Primärenergie nicht etwa die Energie des Wassers, des Windes oder der Sonne angegeben – so wie man es beim Uran macht. Als Primärenergie wird – im Unterschied zur Atomenergie – nur die Energiemenge des gewonnenen Stroms selbst gewertet.

Das ist natürlich problematisch, weil so Äpfel mit Birnen verglichen werden: Im einen Fall gibt man die Primärenergie an, mit denen das Kraftwerk betrieben wird (Uran, nicht Atomstrom), im anderen Fall gibt man die Energie an, die aus der Anlage herauskommt (Strom, nicht Wasser, Wind bzw. Sonne).

Nach der so genannten Substitutionsmethode lässt sich dieses Problem auflösen. Hierbei werden nicht nur beim Atomstrom die Umwandlungsverluste im Atomkraftwerk berücksichtigt, sondern auch bei Strom aus erneuerbaren Energien ein Primärenergieverbrauch angenommen; dieser entspricht der Energiemenge, die bei einer gleich hohen Stromerzeugung in durchschnittlichen fossilen Kraftwerken (die sie je substituieren, daher der Name Substitutionsmethode) erforderlich sein würde!

Unterstellt man hier vergleichbar der Atomenergie einen Umwandlungswirkungsgrad von 33%, resultiert beispielsweise für die Stromerzeugung aus Wasserkraft, der nach der Wirkungsgradmethode ein Anteil von 2,2% beigemessen wird, heute schon einen Primärenergieanteil von 6,6%.

Man kann dies auch genau umgekehrt betrachten und die Atomenergie genauso bewerten wie die Wasserkraft. Dann ergibt sich, dass die Atomenergie im Jahr 2001 nur 2,3 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs deckte!

Das zeigt: Allein die Wasserkraft trug mit 2,2 Prozent fast genau so viel zum Weltenergiebedarf bei wie die Atomenergie mit 2,3 Prozent.

Dass dies kein Rechentrick ist, lässt sich auch unmittelbar der Statistik der International Energy Agency für das Jahr 2001 entnehmen. Demnach wurden 2646 Terawattstunden Atomstrom und 2569 Terawattstunden Strom in Wasserkraftwerken erzeugt. Die Wasserkraftwerke lieferten also fast genau so viel Strom wie die Atomkraftwerke.

Durch die offizielle Primärenergiestatistik entsteht aber eine drastische Schieflage: Trotz nahezu gleicher Stromerzeugung weist die International Energy Agency für Wasserkraft einen Primärenergieanteil von nur 2,2 Prozent aus, während der Anteil der Atomenergie künstlich von 2,3% auf 6,9% hochgeschraubt wird.

Verdoppelt sich der Primärenergiebedarf bis zum Jahr 2050 – so wie es die Weltenergieszenarien großteils annehmen – dann würde die Atomenergie völlig bedeutungslos und könnte im Jahr 2050 selbst bei einem unterstellten moderaten Ausbau der Atomenergie gerade mal 1 bis 2 Prozent des Weltenergiebedarfs decken – vorausgesetzt, es wären noch erschwingliche Uranreserven vorhanden.

Die erneuerbaren Energien insgesamt machen schon heute einen weitaus höheren Anteil des Weltenergiebedarfs aus als die Atomenergie.

Betrachtet man nicht nur die Wasserkraftwerke, sondern auch die aus Windkraftanlagen, Solaranlagen und insbesondere die über die verschiedenen Formen der Biomasse gewonnene Energie, dann lag der Anteil der erneuerbaren Energien im Jahr 2001 in der Größenordnung von 13 Prozent (Primärenergie).

Schon bis zum Jahre 2004 kam es aufgrund des Zubaus insbesondere von Windkraftanlagen und Solaranlagen zu einem nennenswerten Anstieg des Anteils der erneuerbaren Energien (offizielle Zahlen hierzu lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor).

Die Menschheit kann auf den geringen Beitrag der Atomenergie durchaus verzichten. Die Risiken atomarer Unfälle und die Produktion von hochradioaktivem Atommüll stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem geringfügigen Gewinn an Energie für eine kurze Zeitspanne. Atomstrom ist gefährlich und überflüssig.

3. Risikotechnik Atomkraft  
Super-GAU-Risiko in Europa: 16 Prozent!
Zahlreiche Sicherheitsstudien haben gezeigt, dass es in allen Atomkraftwerken zu schweren Unfällen („Super-GAU“) kommen kann, bei denen ein Großteil der lebensbedrohlichen radioaktiven Stoffe in die Umgebung freigesetzt wird. Die technischen Einrichtungen können versagen und auch die Menschen, die in den Kraftwerken arbeiten, können schwere Fehler machen, die zum Super-GAU führen. Hinzu kommt die Gefahr terroristischer Anschläge auf Atomkraftwerke.

Eine besondere Gefahrenquelle stellt auch die zunehmende Liberalisierung der Strommärkte dar. Denn dadurch steigt auch der Kostendruck auf die Atomkraftwerksbetreiber. In Deutschland führte dies beispielsweise schon dazu, dass die Zahl der Prüfungen von sicherheitsrelevanten Komponenten reduziert und notwendige Reparaturen zeitlich verschoben werden.

Es ist bemerkenswert, was in den Atomkraftwerken – verborgen hinter grauen Mauern – schon alles geschehen ist. Rohrleitungen rosten vor sich hin und bekommen immer wieder gefährliche Risse. Vereinzelt sind bereits Rohrleitungen geplatzt. Eine heftige Wasserstoffexplosion zerstörte in einem Atomkraftwerk eine Rohrleitung. Immer wieder fallen in Atomkraftwerken die Brennelemente von den Verladekränen. Wiederholt stoppte das Kraftwerkspersonal absichtlich zentrale Sicherheitssysteme. Nach der Reparatur von Sicherheitssystemen wird nicht selten vergessen, diese wieder zu aktivieren. Es kam vor, dass ein Schutzhelm bei Wartungsarbeiten in eine Pumpe gefallen ist und später zum Ausfall der sicherheitstechnisch wichtigen Pumpe führte. Blitze und Unwetter führten wiederholt zum gefürchteten „Notstromfall“. In einem Atomkraftwerk kam es schon zum Totalausfall der Stromversorgung. Mehrfach gab es in Atomkraftwerken gefährliche Brände. Aufgrund von Alterungsprozessen verstellen sich immer wieder Sollwerte in der Kraftwerkssteuerung, so dass Sicherheitssysteme nicht ordnungsgemäß aktiviert werden. Eine neue digitale Steuerungstechnik – wie sie auch beim Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) eingesetzt wird – führte in einem Atomkraftwerk dazu, dass mit dem Schnellabschaltsystem die wichtigste Sicherheitseinrichtung außer Kraft gesetzt wurde ... Die Liste ließe sich fortsetzen.

Die große Gefahr besteht darin, dass die Kühlung des Reaktorkerns, in dem sich die uranhaltigen Brennstäbe befinden, versagt und der Reaktorkern aufgrund der hohen Temperaturen schmilzt. Kommt es zur so genannten „Kernschmelze“, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die radioaktiven Stoffe in die Umgebung freigesetzt und mit den Luftmassen über Hunderte oder gar Tausende von Kilometern verbreitet werden.  

Im US-amerikanischen Atomkraftwerk Harrisburg (Three Mile Island/TMI) ist 1979 ein Drittel des Reaktorkerns geschmolzen. Im ukrainischen Tschernobyl kam es 1986 zur vollständigen Kernschmelze und zur Freisetzung des radioaktiven Inventars. Die „Strahlenwolke“ von Tschernobyl verbreitete sich über ganz Europa und verseuchte Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmittel.

Das Risiko, dass es zu einem schweren Atomunfall, zum Super-GAU, kommt, ist keineswegs gering.

Nach der offiziellen “Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke - Phase B” kommt es in einem deutschen Atomkraftwerk mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,9 x 10-5 pro Jahr (2,9E-05/a) zu einem Kernschmelzunfall. Legt man heute eine Betriebszeit eines Atomkraftwerks von 40 Jahren zugrunde, so ergibt sich für einen Atomkraftwerksblock eine Super-GAU-Wahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent.

Mit der Zahl der betriebenen Atomkraftwerke steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit für einen Super-GAU. In der Europäischen Union waren Anfang des Jahres 2004 mehr als 150 Atomkraftwerksblöcke in Betrieb. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Europa innerhalb von 40 Jahren zu einem Super-GAU kommt, liegt demnach bei 16 Prozent oder anders ausgedrückt bei 1 zu 6.

Dies entspricht der Wahrscheinlichkeit, beim Würfeln auf Anhieb eine 6 zu würfeln.

Entsprechend kann man auch abschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit es in einem der weltweit betriebenen Atomkraftwerke zum Super-GAU kommt. 2004 waren rund 440 Atomkraftwerksblöcke in Betrieb. Global betrachtet liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Super-GAU innerhalb von 40 Jahren bei 40 Prozent.

Die Zeitspanne von 40 Jahren heißt aber nicht, dass es erst in 40 Jahren zum Unfall kommen kann. Der Super-GAU kann bereits morgen oder übermorgen Realität werden. Genauso wenig ist auszuschließen, dass innerhalb von 40 Jahren zwei- oder dreimal ein Super-GAU eintritt.

Die Internationale Atomenergie Organisation (IAEA) und im Atomgeschäft tätige Unternehmen wie Siemens und AREVA plädieren für einen weiteren Ausbau der Atomenergie. Es liegt auf der Hand, dass das Risiko für einen Atomunfall dann noch weiter ansteigen würde.

Im Jahr 1986 ist es im Atomkraftwerk Tschernobyl (Ukraine) zu dem folgenschwersten Super-GAU in der Geschichte der Atomenergie gekommen. Der Unfall forderte mehrere zehntausend Todesopfer. Das in der Tschernobyl-Hilfe tätige Otto Hug Strahleninstitut in München schätzt auf der Basis offizieller Zahlen und von Zahlen der Liquidatorenverbände, dass bis zu 70 000 Menschen in Folge von Tschernobyl gestorben sind.

Eine Vorstellung vom Ausmaß der Erkrankungen in der Folge des Tschernobyl-Unfalls gewinnt man, wenn man die Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen und Schilddrüsenkrebs im Schilddrüsenzentrum Gomel im Endokrinologischen Dispensär des Oblast Gomel betrachtet. In dieser Poliklinik wurden seit der Errichtung und Inbetriebnahme durch das Otto Hug Strahleninstitut in 11 Jahren insgesamt etwa 120 000 Patienten mit verschiedenen Schilddrüsenerkrankungen und -krebs behandelt, rund 20 000 dieser Patienten waren Kinder. In der Republik Belarus sind über 12 000 Patienten mit Schilddrüsenkrebs in Behandlung, darunter mehr als 1 000 Fälle bei Kindern und Jugendlichen. Allein im Verwaltungsgebiet Gomel haben etwa 400 000 Menschen, die zum Zeitpunkt des Unfalls Kinder oder Jugendliche waren, ein hohes Schilddrüsenkrebsrisiko, und benötigen regelmäßige Kontrolluntersuchungen.

Neben den Schilddrüsenerkrankungen kam es in der Tschernobyl-Region zu zahlreichen weiteren Erkrankungen:

Im Gebiet Gomel ist der Jugenddiabetes im Vergleich zur Zeit vor der Katastrophe um das Dreifache gestiegen
Im Gebiet Gomel ist bei Männern ein deutlicher Anstieg von Tumoren der Lunge, des Magens, der Haut und der Prostata zu verzeichnen
Bei Frauen sind es vor allem Tumoren von Brust, Gebärmutter, Magen und Haut
der Brustkrebs bei Frauen hat sich seit 1988 verdoppelt
deutliche Zunahme der mit der Fortpflanzung des Menschen zusammenhängenden Erkrankungen
Nach der Tschernobyl-Katastrophe wurde in den betroffenen Republiken Belarus (70 %), Ukraine (15%) und Russland (15%) eine Fläche von etwa 10 000 km2 zur Sperrzone und Zone der strikten Kontrolle erklärt. Mehr als 500 000 Menschen mussten umgesiedelt werden, d. h. sie haben auf Dauer ihre Wohnungen, Häuser und Arbeitsstätten verlassen, mehr als 200 000 Menschen mussten aus den Sperrzonen evakuiert werden.

In vielen Ländern, in denen Atomkraftwerke betrieben werden, ist die Bevölkerungsdichte wesentlich höher als in der Tschernobyl-Region. In Mitteleuropa ist die Bevölkerungsdichte beispielsweise zehnmal höher. Bei einem Super-GAU im Westen müsste man wegen der 10-fach höheren Besiedlungsdichte entsprechend mehr Menschen umsiedeln, verbunden mit dem Verlust von Gesundheit, Arbeit und Gütern.

Nicht zuletzt auch die finanziellen Verluste eines Super-GAU sind praktisch vollständig von den Opfern zu tragen. Die möglichen finanziellen Schäden eines Super-GAU wurden in einer Studie im Auftrag des deutschen Wirtschaftsministeriums auf bis zu 5400 Milliarden Euro geschätzt (Prognos AG, Basel). Die Schadensdeckung eines Atomkraftwerks liegt weltweit aber nur bei maximal 2,5 Milliarden Euro. Das sind weniger als 0,1 Prozent der erwarteten Schäden. Für mehr als 99% der bei einem Super-GAU erwarteten Schäden gibt es also seitens der Atomindustrie keine Deckungsvorsorge. Die Opfer gehen praktisch leer aus.  


4. Müllmacher Atomkraft
Wohin mit dem Atommüll?
Jedes Atomkraftwerk verwandelt durch die Kernspaltung Uranbrennstäbe in extrem langlebigen, hochradioaktiven Atommüll. Jeder, der sich den „verheizten“ Kernbrennstoffen nähert, erhält eine tödliche Dosis radioaktiver Strahlung.

Ein Atomkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 1300 Megawatt produziert jährlich rund 30 Tonnen und in 40 Jahren etwa 1200 Tonnen hochradioaktiven Abfall. Weltweit entstehen in den etwa 440 Atomkraftwerken schätzungsweise 8300 Tonnen hochradioaktiver Atommüll pro Jahr. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Betriebszeit von 35 Jahren hinterlässt diese Generation von Atomkraftwerken grob geschätzt 290 000 Tonnen hochradioaktiven Atommüll sowie ein zigfaches dessen an schwach- und mittelaktivem Müll.

Dieser Atommüll strahlt und gefährdet Menschen für Hunderttausende von Jahren.

Plutonium-239 etwa hat eine Halbwertszeit von rund 24 000 Jahren. Das bedeutet, dass beispielsweise von 100 Tonnen Plutonium nach 24 000 Jahren noch die Hälfte, also 50 Tonnen vorhanden sind. Nach weiteren 24 000 Jahren sind noch 25 Tonnen übrig. Nach weiteren 24 000 Jahren sind noch 12,5 Tonnen übrig. Nach weiteren 24 000 Jahren sind noch 6,25 Tonnen übrig.

Nach der unvorstellbaren Zeit von rund 100 000 Jahren sind also von 100 Tonnen Plutonium-239 noch immer etwa 6 Tonnen übrig. Da etwa 5 kg genügen, um eine Atombombe (Plutoniumbombe) zu bauen, wäre nach 100 000 Jahren also noch immer genügend Material für rund 1200 Atombomben vorhanden.

Da weniger als ein Milligramm Plutonium-239 beim Menschen Lungenkrebs auslösen kann, reichen die 6 Tonnen dieser Substanz theoretisch aus, um bei mehr als 6 Milliarden Menschen Lungenkrebs hervorzurufen.

Wie Analysen der hochradioaktiven Abfälle aus Atomkraftwerken zeigen, tragen Isotope wie etwa Technetium-99, Zirconium-93, Niobium-93, Uran-233 (und Töchter), Cäsium-135, und insbesondere Neptunium-237 sogar nach mehr als einer Million Jahre noch nennenswert zur Strahlenbelastung des Atommülls bei!

Wenige Jahrzehnte der Nutzung der Atomenergie hinterlassen also hochgefährlichen Atommüll für Generationen, deren Zahl wir uns nicht vorstellen können. Die Nutzung der Atomenergie sichert einer Generation dieser Erde drei Prozent ihres Energiebedarfs und hinterlässt nicht nur unseren Kindern und Enkeln, sondern einer nicht vorstellbaren Zahl von Generationen tödlichen Strahlenmüll für Hunderttausende von Jahren.

Dieser Müll muss also für viele hunderttausend Jahre oder sogar für über eine Million Jahre sicher von der Biosphäre, das heißt von Menschen, Tieren und Pflanzen abgeschottet werden.

Den Atommüll für eine so lange Zeitdauer in einem Endlager sicher von allem Leben abzuschirmen, ist allerdings eine unlösbare Aufgabe. Jedes Gestein dieser Erde, in welches man den Atommüll vergraben könnte, birgt das Risiko, dass sich radioaktive Stoffe zum Beispiel über Wasseradern einen Weg an die Erdoberfläche suchen und diese verseuchen.

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen der deutschen Bundesregierung stellte in seinem „Umweltgutachten 2000“ fest, dass der Bau eines auf Dauer sicheren Endlagers für Atommüll aus wissenschaftlicher Sicht praktisch unmöglich ist: „Eine Abschätzung des Gefährdungspotenzials über einen derartig langen Zeitraum hinweg ist nahezu ausgeschlossen. Untersuchungen, die eine Basis für geeignete Endlager bilden sollen, sind letztlich nie zu einem naturwissenschaftlich einwandfreien Nachweis eines absolut sicheren Endlagers gelangt. Der Umweltrat ist davon überzeugt, dass es keinen idealen Standort für Endlager für (hoch-)radioaktive Abfälle gibt.“

Auch die U.S. National Academy of Sciences stellte schon 1983 fest, dass „praktisch das gesamte Jod-129 [Halbwertszeit 15,7 Millionen Jahre] in nicht wiederaufgearbeitetem bestrahltem Brennstoff in Endlagern in Nassgestein irgendwann einmal in die Biosphäre eindringt.“

Atomkraftwerke werden nun schon seit mehr als 50 Jahren betrieben und noch immer weiß niemand, wo der Müll einmal bleiben kann.

5. Bombenrisiko Atomkraft
Atomenergie fördert die Verbreitung von Atomwaffen
Die Geschichte lehrt, dass viele Länder, die in die Atomtechnologie eingestiegen sind, vorrangig ein militärisches Interesse damit verbanden. Das heißt: Sie wollten nicht nur Strom produzieren, sondern auch die Fähigkeit erwerben, Atombomben zu bauen.

In den USA und in der Sowjetunion war das Interesse am Bau von Atombomben von Beginn an das ausschlaggebende Motiv beim Einstieg in die Atomtechnologie.

Unter dem Eindruck der US-Doktrin „Atoms-for-Peace“ von 1953 starteten zahlreiche Länder offiziell ein rein ziviles Atomprogramm, obwohl es ihnen um den Zugang zur Bombentechnologie ging.

So ist in Europa das militärische Motiv nachzuweisen bei den zunächst rein zivil deklarierten Atomprogrammen Großbritanniens, Frankreichs, Schwedens, der Schweiz und Spaniens. Alle diese Programme zielten, zumindest in ihren ersten beiden Jahrzehnten, darauf ab, eine industrielle Kapazität zur Produktion von Waffen-Plutonium zu schaffen.

Außerhalb Europas betrieben unter anderem folgende Länder ein zivil getarntes Atomprogramm für militärische Zwecke: Argentinien, Brasilien, Südafrika, Israel und Irak. Für andere Länder wie den Iran wird entsprechendes vermutet. Auch Nordkorea wird verdächtigt, über mindestens eine Atombombe zu verfügen. Zuletzt gelang es Indien und Pakistan, auf der Basis eines als zivil deklarierten Atomprogramms Atombomben zu entwickeln und ihr militärisches Potenzial durch Atombombentests öffentlich zu demonstrieren.

In Japan drohte der Präsident der Liberalen Partei im April 2002 damit, sein Land könne Tausende von Atomsprengköpfen bauen. Das dafür notwendige Plutonium sei verfügbar, weil Japan mehr als 50 kommerzielle Atomkraftwerke betreibe.  

Alle Länder, die an die Technologie zum Bau von Atombomben gekommen sind – oder dies jahrelang versucht haben –, wurden dabei von Ländern mit vorhandenen Atomprogrammen unterstützt. Der Export von – vermeintlich ziviler – Atomtechnologie, Know-how und spaltbaren Stoffen ist der Weg für die Verbreitung der Techniken und von Know-how zum Bau von Atomwaffen.

Alle Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Länder, die Atomtechnik exportieren, sorgen für eine Weiterverbreitung einer hochgefährlichen Waffentechnologie.

6. Klimaflop Atomkraft
Ein Ausbau der Atomenergie kann das Klima nicht retten
Seit Jahren empfiehlt sich die Atomwirtschaft verstärkt mit dem Argument, die Atomenergie sei wichtig, um die Klimakatastrophe abzuwenden.

Doch selbst die Atomwirtschaft gibt zu, dass man die Treibhausgasproduzenten Kohle, Erdöl und Erdgas durch Atomkraftwerke gar nicht ersetzen kann. So erklärte der langjährige Chef des im Atomgeschäft engagierten Siemens-Konzerns (Beteiligungsgesellschaft Framatome ANP), Heinrich von Pierer, 1991 auf der „Jahrestagung Kerntechnik“:

„Aus vielen Gründen unrealistisch wäre aber der Versuch, alle fossilen Energieträger durch Kernenergie ersetzen zu wollen. Das geht mit heutiger Technik weder regional noch global.“

Schon wenn man auch nur einen geringen Teil der fossilen Energie im Jahr 2050 mit Atomstrom ersetzen wollte, stieße man an Grenzen. Es müssten bis zu 1000 neue Atomkraftwerke mit einer elektrischen Leistung von jeweils 1300 Megawatt gebaut werden, um bei dem erwarteten Anstieg des Weltenergieverbrauchs bis zum Jahre 2050 10 Prozent der fossilen Primärenergie durch Atomenergie zu ersetzen.

Der Bau dieser Großanlagen würde mehrere Jahrzehnte dauern. Denn der Atomwirtschaft gelang es selbst in ihrem besten Jahr (1985) lediglich 34 Gigawatt, entsprechend 26 großen Atomkraftwerken, neu in Betrieb zu nehmen. Und seitdem sind die Fertigungskapazitäten für neue Atomkraftwerke deutlich gesunken. Der Zubau von 1000 neuen Großkraftwerken könnte also durchaus 40 Jahre Zeit erfordern. Zusätzlich müssten die gegenwärtig rund 440 Atomkraftwerke aus Altersgründen teilweise durch neue ersetzt werden.

Es ist allerdings fragwürdig, ob es überhaupt gelänge 1000 neue Atomkraftwerke zu bauen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Das Problem, für so viele Anlagen geeignete Standorte zu finden. Die begrenzten Fertigungskapazitäten der Atomkraftwerkshersteller einschließlich des Mangels an qualifizierten Fachleuten. Die fehlende Akzeptanz für die Atomenergie in vielen Ländern. Die fehlende Bereitschaft vieler Banken und Unternehmen, in den in vielen Ländern teil-liberalisierten Märkten in die teure und risikobehaftete Atomenergie zu investieren. Die Knappheit der Uranreserven.

Doch selbst wenn es gelänge, 1000 neue Atomkraftwerke zu errichten, so wäre das ein Ersatz für gerade mal rund 10 Prozent der fossilen Energie. 90 Prozent des Problems wären trotz dieser Kraftanstrengung noch immer ungelöst.

Wenn diese 1000 neuen Atomkraftwerke zudem erst in mehreren Jahrzehnten zur Verfügung stehen, so kommt selbst diese marginale Maßnahme für den Klimaschutz unter Umständen viel zu spät, um den von Klimaforschern erwarteten Klimawandel abzuwenden oder zumindest deutlich zu begrenzen.

Selbst die Internationale Atomenergie Organisation IAEA gab im Juni 2004 in einem Bericht zu, dass die Atomenergie sogar unter günstigsten Bedingungen überhaupt nicht schnell genug ausgebaut werden könnte, um den Klimawandel zu begrenzen.

All das zeigt, dass die Atomenergie das Klimaproblem nicht lösen kann.

Um zu erkennen, welche energiepolitische Entwicklung dem Klimaproblem gerecht werden, indem der Kohlendioxid-Austausch reduziert wird, ist es sinnvoll, verschiedene Weltenergieszenarien zu vergleichen.

Energieszenarien des Ölmultis Shell und ein Großteil der Szenarien der Weltenergiekonferenz (WEC) gehen bis zum Jahre 2050 von einem drastischen Wachstum des globalen Primärenergieverbrauchs aus, wobei die erneuerbaren Energien massiv ausgebaut werden, die Atomenergienutzung ausgeweitet wird und auch fossile Energieträger in stärkerem Maße als heute verbrannt werden. Die – wegen der Zunahme der Verbrennung fossiler Energieträger – naheliegende Konsequenz aller dieser Szenarien ist, dass die weltweiten Kohlendioxidemissionen weiter drastisch ansteigen würden.

So ist das Klimaproblem nicht zu lösen.

Vergleicht man diese Szenarien mit einem weiteren Szenario der Weltenergiekonferenz (WEC), mit dem „Renewable intensive Global Energy Scenario“ von Johansson et al., dem „Solar Energy Economy“-Szenario von Nitsch et al., mit dem Szenario des Wissenschaftlichen Beirats der deutschen Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU) und mit dem „Faktor 4- Szenario“ von Lovins, Hennicke et al., dann zeigt sich, wie das Klimaproblem bewältigt werden kann:

1. Begrenzung des Wachstums des globalen Primärenergieverbrauchs durch den Einsatz effizienter Energienutzungstechniken auf der Erzeugungs- und Anwendungsseite (Rückgang des Primärenergieverbrauchs in den Industrieländern, Begrenzung des Anstiegs des Primärenergieverbrauchs in den Schwellen- und Entwicklungsländern).

2. Reduktion der Verbrennung fossiler Energieträger.

3. Verzicht auf die Nutzung der Atomenergie.

4. Forcierter Ausbau der erneuerbaren Energien.

7. Arbeitsplatzarme Atomkraft
Arbeitsplätze? Windbranche schlägt Atomindustrie!
Am Beispiel Deutschland lässt sich aufzeigen, dass die Erneuerbaren Energien sehr viel mehr Arbeitsplätze anbieten können als die Atomenergie.

In der deutschen Atomindustrie waren im Jahr 2002 nur noch maximal 30.000 Menschen beschäftigt. Im gleichen Jahr arbeiteten aber allein in der deutschen Windenergiebranche bereits mehr als 53.000 Menschen, obwohl der Beitrag der Windenergie zur Stromerzeugung noch bei weitem unter dem der Atomenergie lag.

Die gesamte Branche der erneuerbaren Energien sicherte nach Angaben des deutschen Umweltbundesamtes 2002 rund 120 000 Arbeitsplätze. In nur vier Jahren hatten die Arbeitsplätze um 80 Prozent zugenommen.

In den kommenden 10 bis 20 Jahren wird erwartet, dass allein in Deutschland 500 000 Arbeitsplätze oder mehr entstehen werden.  

Das zeigt: weltweit könnten durch den Ausbau erneuerbarer Energien in kurzer Zeit viele Millionen neue Arbeitsplätze entstehen.

8. Alternativen zur Atomkraft
100% Energie aus Sonne, Wind, Wasser & Biomasse
Das theoretisch verfügbare Energieangebot der natürlichen Energiequellen Sonne, Wind, Wasser, Biomasse, Meeresenergie und Erdwärme ist 3000-mal größer als der derzeitige Weltenergiebedarf. Allein die verfügbare Sonneneinstrahlung entspricht 2850-mal dem Weltenenergiebedarf. Das Windenergieangebot entspricht 200-mal dem Weltenergiebedarf. Selbst das Biomasse-Angebot entspricht noch 20-mal dem heutigen Weltenergiebedarf.

Technisch nutzbar ist von diesem theoretischen Energieangebot der erneuerbaren Energien natürlich nur ein Teil. Nach Angaben des Forschungsverbunds Sonnenenergie könnten die erneuerbaren Energien beim heutigen Stand der Technik aber immerhin das 6-fache des Weltenergiebedarfs decken.

Das zeigt: eine vollständige Deckung des Weltenenergiebedarfs mit erneuerbaren Energien ist problemlos möglich.

Selbst Shell gibt zu, dass im Jahr 2050 so viel Energie aus erneuerbaren Energien gewonnen werden kann, wie die Menschheit heute verbraucht. Sonne, Wind, Wasser und Biomasse und andere erneuerbare Energien könnten demnach im Jahr 2050 eine Primärenergiemenge von 580 Exajoule bereitstellen. Das wäre weit mehr als die globale Primärenergieproduktion des Jahres 1997: damals wurden 390 Exajoule verbraucht.

Auch Joachim Nitsch zeigte mit seinem Weltenergieszenario „Solar Energy Economy“ (SEE) auf, dass die erneuerbaren Energien bis 2050 rund 490 Exajoule und somit mehr Energie liefern können, als heute weltweit verbraucht wird. Das Szenario von Nitsch sieht in den Industriestaaten zudem eine engagierte Energieeffizienzpolitik vor, um das Wachstum des globalen Primärenergieverbrauchs zu begrenzen. Fossile Energieträger würden 2050 nur noch 24% der Energie liefern. Atomstrom wird nicht benötigt. Mit diesem Energiepfad könnten die Kohlendioxidemissionen weltweit von 23 Milliarden Tonnen im Jahr 1997 auf 11 Milliarden Tonnen im Jahr 2050 gesenkt werden.

Schon Ende der 70er und Anfang der 80er Jahren des 20. Jahrhunderts zeigten mehrere Studien für die USA, Westeuropa und für Frankreich die Möglichkeit einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energien auf.

Für Deutschland hat das Parlament (Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages) 2002 ein Energieszenario präsentiert, wonach bis 2050 die gesamte deutsche Energieversorgung mit erneuerbaren Energien realisierbar ist. Was in Deutschland – ein Land mit kleiner Fläche, großer Bevölkerungs- und Energiedichte und hohem Lebensstandard – möglich ist, ist überall möglich. Selbst die Energiewirtschaft gibt inzwischen zu, dass bis zum Jahre 2050 mehr Energie aus erneuerbaren Energien bereit gestellt werden kann als die Menschheit heute an Energie verbraucht.

Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist entscheidend, das Wachstum des globalen Primärenergieverbrauchs zu begrenzen. Das „Faktor 4- Szenario“ von Lovins, Hennicke et.al. zeigt, dass mit einer Energie-Effizienzpolitik in den Industriestaaten das Wachstum des Weltenergiebedarfs von 390 Exajoule im Jahr 1997 auf 430 Exajoule im Jahr 2050 begrenzt werden kann.

Dieser Primärenergiebedarf des Jahres 2050 von 430 Exajoule könnte wie dargelegt vollständig durch erneuerbare Energien bereitgestellt werden.

Die Vorteile einer solchen Strategie liegen auf der Hand:

1. Auf Atomenergie könnte sofort verzichtet werden.

2. Durch den Ersatz der fossilen Energieträger durch erneuerbare Energien bis zum Jahre 2050 könnten die Ziele der Klimaschutzpolitik übererfüllt werden.

3. Mit der Effizienzpolitik könnte den Entwicklungs- und Schwellenländern eine nachholende Entwicklung zugestanden werden, ohne jedoch die Fehler der Industriestaaten (mangelnde Energieeffizienz, erhebliche Emissionen von Luftschadstoffen und Treibhausgasen, Gefahren durch Atomkernspaltung) zu wiederholen.

4. Während die knapper werdenden fossilen Rohstoffe schon heute immer wieder zu Rohstoffkriegen führen, stellt der Umstieg auf erneuerbare Energien eine Strategie dar, die eine der wesentlichen Kriegsursachen deutlich reduzieren würde.
 

10.05.05 10:59

5883 Postings, 6409 Tage tafkarboah, happy hat die quelle genannt

was ist denn mit dir los?

  ralph kabot :: zeitgeist :: mediengestalt

 

10.05.05 11:29

8451 Postings, 6213 Tage KnappschaftskassenFalsche Argumente

Bei allen anderen Stromanbietern ist mehr oder weniger Atomstrom-Anteil im Spiel. Auch wenn einige von ihnen argumentieren, sie würden Haushalte nur mit Wasserkraft beliefern und ???schmutzige? Primärenergieträger wie Kohle oder Atomkraft Industrie und Gewerbe vorbehalten ? technisch ist diese Trennung gar nicht möglich. ???Mit dieser verquerten Logik werden die Konsumenten für dumm verkauft?, ärgert sich Knappschaftskasse. !!!
Denn kein Stromhändler kann zu einem bestimmten Abnehmer eine bestimmte Sorte Strom leiten.?


Der Mix muß stimmen!ariva.de  

10.05.05 11:55
1

8451 Postings, 6213 Tage KnappschaftskassenKernerergie braucht man auch weiterhin

 

Kernenergieausstieg beeinträchtigt Versorgungssicherheit
Die effizienteste Strategie zur Verbesserung der Versorgungssicherheit ist die Diversifizierung der Energieträger. Daher ist der Ausstieg aus der CO
2-freien Kernenergie in Deutschland nicht nur klimapolitisch falsch, sondern läuft auch den Interessen der Versorgungssicherheit entgegen. Im Ende November 2000 vorgelegten Grünbuch zur Energieversorgungssicherheit in der EU stellt die Europäische Kommission heraus, dass die Beherrschung der Nukleartechnologie zudem weiterhin erforderlich ist, um noch sicherere Kernspaltungsreaktoren zu entwickeln und die Kernfusion zu verwirklichen

 

11.05.05 00:09

8451 Postings, 6213 Tage KnappschaftskassenFür die deutsche Anti-Atom-Bewegung kommt es dicke

Für die deutsche Anti-Atom-Bewegung kommt es dicke. Zwar wird mit dem Reaktor in Obrigheim heute ein AKW ausschließlich wegen des Atomausstiegs abgeschaltet. Aber es könnte auch das Letzte sein: Nach dem Konsens zwischen Regierung und Energiewirtschaft ist als nächster Reaktor der von Biblis dran - 2007. Davor jedoch ist Bundestagswahl. Falls die Union gewinnt - und dafür spricht derzeit einiges -, wird der Ausstiegsbeschluss obsolet.

Die grünen Realpolitiker und Umweltminister Trittin mussten sich wegen ihres Ausstiegsszenarios seinerzeit harsche Kritik aus der Anti-AKW-Bewegung gefallen lassen: Er sei zu lasch und dauere zu lange. Außerdem zogen sich viele AKW-Gegner aus den Anti-Atom-Protesten zurück, weil sie glaubten, der Ausstieg sei eingeleitet - und Rot-Grün sorge dafür, dass er unumkehrbar bleibe.

Doch rund um den Globus scheint die Kernkraft eine Renaissance zu erleben. Und die Konservativen landauf, landab wittern Morgenluft - in den USA, in Finnland und auch in Osteuropa. Es passt nicht in ihr Weltbild, dass Strom oder Wärme von Arztgeldern oder Bauernkapital geliefert wird - also von Windrädern oder Biogasanlagen. Das konservative Denken braucht großkapitale Konzerne, die mit großtechnischen Anlagen nationale Unabhängigkeit sichern. Tatsächlich kann aber von einer Renaissance keine Rede sein. In Schweden gibt es einen juristischen Rückschlag, im britischen Sellafield wieder einmal einen Störfall. Und ob in der Ukraine tatsächlich neue Reaktoren gebaut werden, ist höchst fraglich - vielleicht will die Regierung nur mehr Geld von der EU haben.

Die guten Argumente der Anti-Atom-Protestler bleiben gute Argumente. Mag sein, dass ein Teil der einst mächtigen Bewegung angesichts des rot-grünen Atomkonsenses müde geworden ist. Und manch einer mag die Stilllegung von Obrigheim als Erfolg eines jahrzehntelangen Kampfes sehen. Momentan aber werden die Proteste gebraucht wie selten zuvor. Erst sie können aus dem Atomkonsens einen wirklichen Atomausstieg machen. Dabei steckt die Anti-AKW-Bewegung in einem gewissen Dilemma: Wenn sie nicht dazu beiträgt, dass Rot-Grün an der Macht bleibt, bekommt sie in jedem Fall die Laufzeitverlängerung, die die Atomlobbyisten wollen.
 

11.05.05 00:12

69031 Postings, 6404 Tage BarCodeKnappkasse, hast du den Artikel eigentlich gelesen o. T.

11.05.05 00:21

8451 Postings, 6213 Tage KnappschaftskassenIch bin keinen Parteibuch hörig und lese

das was mir gefällt! Und auch die TAZ gehört dazu! Ich muß ja nicht immer die Meinung teilen die andere so täglich von sich geben!

Das einzige was sehr bedenklich ist in diesem Artikel ist der Aufruf zur Gewalt!  

11.05.05 00:31

69031 Postings, 6404 Tage BarCodeEs ist annerkennenswert, dass du dich auf breiter

Basis informierst. Tu ich auch. Nur: #25 und #26 stehen sich einfach diametral gegenüber. Solche Spagate fallen mir dann doch schwer. Übrigens, die Grafik von 25: Das können ja nur Schätzungen gewesen sein, da aus dem Jahr 2000. Wie sieht es tatsächlich aus? (Bei Schätzungen von Lobbyisten wie VDEW bin ich immer eher skeptisch...)

Gruß BarCode  

11.05.05 00:32

12 Postings, 5852 Tage RADIOFREEEUROP.ATOMKRAFT JETZT! Stoppt diese Steinzeitökologisten

Ist der Treibhauseffekt wirklich auf menschlichen Einfluß zurückzuführen? Zweifel sind angebracht

von Dirk Maxeiner

Im Internet fragte die Londoner Nachrichtenagentur Reuters: "Klimaerwärmung alles Einbildung?" Es wurde ein gewisser Nigel Calder zitiert, der ein neues Buch geschrieben hat: "The Manic Sun" (Pilkington Press London 1997, deutsche Ausgabe "Die launische Sonne" im Böttiger Verlag, Wiesbaden) - die verrückte Sonne. Aha, also ein Verrückter. Normalerweise hätte ich gleich weitergeklickt. Aber der Name: Calder? Was er laut Reuters so zu sagen hat: Die Klimaschwankungen der Vergangenheit gingen hauptsächlich auf Sonnenstrahlung zurück, und die ändert sich zyklisch. Die Klimaforschung habe jene Erklärungen sträflich vernachlässigt, die von der Treibhausthese abweichen, lautet Calders Vorwurf. Aha. Das sagen doch auch diese finsteren Kohle- und Autolobbyisten in Amerika. Calder? Woher kenne ich bloß diese Hyäne? Das Archiv bringt Aufklärung: Nigel Calder ist angesehener Wissenschaftsautor in Großbritannien. Sapperlot, was geht hier vor? Will der uns etwa die Klimakatastrophe kaputtmachen?

Die deutlichste Treibhausfolge ist ein warmer Regen: Geld ergießt sich über wissenschaftliche Eliteeinheiten in Deutschland, Grossbritannien und den USA. In Hamburg wird das Max-Planck-Institut für Meteorologie zum Deutschen Klimarechenzentrum gerüstet, das britische Meteorological Office nennt seine Klimaretter Hadley Centre for Climate Prediction and Resarch. In den USA bekommt das Lawrence Livermore National Laboratory schöne Großrechner. Die sind gleichsam die Jäger 90 des Klimafeldzuges: teuer und absturzbedroht. Sie sollen den Luftkampf mit den Treibhausgasen durchspielen und Aufschluß über das Klima der Zukunft geben. Zum Umweltgipfel von Rio 1992 einigt sich das IPCC diesmal auf eine mittlere Katastrophe: Das Klima werde zum Ende des nächsten Jahrhunderts bis zu sechs Grad wärmer - das ist zwar weniger als zuvor geschätzt, aber immer noch mehr als genug. Es entstehen neue, inzwischen vertraute Bilder: Pole schmelzen wie Moevenpick-Eis, dem Kölner Dom steht der Rhein bis zu den Turmspitzen, in Moskau tummeln sich Krokodile. Die letzte Grillparty der Wohlstandsgesellschaft ist anberaumt. 1995 erreicht die fiebrige Erwartung erneut Höchststände, diesmal gipfeln die Klimatologen in Berlin. Mittlerweile arbeiten 2500 Wissenschaftler aus 100 Ländern dem IPCC zu. Allein für das deutsche Klimarechenzentrum hat der Forschungsminister 540 Millionen Mark lockergemacht.

Doch während die Zahl der Mitarbeiter steigt, werden bei den Vorhersagen kleinere Brötchen gebacken: Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts soll es jetzt nur noch etwa 1 bis 3 Grad wärmer werden. Hoppala. Die Trendvorhersage von 1 Grad wird durch Satellitenmessungen bestätigt - und korrespondiert mit der natürlichen Variabilität des Klimas. Die Aussagekraft über den Einfluß des Menschen auf das Klima tendiert gegen Null. Zum Glück merkt das keiner.

Wer die beiden IPCC-Berichte vergleicht, kommt aus dem Staunen nicht heraus: 1990 galt eine Erwärmung um 2 Grad bis zum Jahr 2100 als vergleichsweise erstrebenswert. Für dieses Ziel ("Szenario B") seien drastische Maßnahmen erforderlich: der vollständige Übergang von Kohle auf Erdgas, der Stopp jeglicher Abholzung sowie eine Halbierung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Fünf Jahre später prognostizieren die Fachleute das gleiche Ergebnis für den Fall, daß die Menschheit mehr oder weniger so weiterwurstelt wie bisher. Zum Glück merkt auch das keiner.

Wie heißt doch das erste Gebot der Klimabibel: Du sollst nicht verharmlosen. Deshalb apportiert Klaus Hasselmann, Chef des deutschen Klimarechenzentrums, entschlossen wie Kommissar Rex den Treibhaustäter - pünktlich zum Berliner Klimagipfel. Auf einer Pressekonferenz versichert er in Gegenwart des Forschungsministers: Die Klimaänderungen der vergangenen Jahrzehnte seien "mit einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent durch den Menschen hervorgerufen", was auch immer eine "geschätzte Wahrscheinlichkeit" sein mag. Der Minister weiß es auch nicht, nickt aber betroffen. Auf dem grossen Klimarad, das global gedreht wird, glaubt auch das Team um Benjamin Santer am amerikanischen Lawrence Livermore National Laboratory einen menschlichen "Fingerabdruck" gefunden zu haben. Santer ist einer der Autoren der 95er IPCC-Studie. Dort heißt es: "Bei Abwägung aller wissenschaftlichen Erkenntnisse scheint ein merklicher menschlicher Einfluß auf das Klima erkennbar." Ob des überführten Missetäters bricht medialer Jubel aus: Von Focus ("Beweis erbracht") bis taz ("Endgültig: Menschen schaufeln sich Klimagrab"). Umweltschützer sehen sich bestätigt - und zwar durch eine "überwältigende Mehrheit" der Wissenschaftler. Doch was müssen wir im Mai 1997 von Klaus Hasselmann in Science lesen: "Die Frage, ob der Anstieg der Temperaturen im letzten Jahrhundert tatsächlich vom Menschen verursacht wurde oder ob es sich einfach um eine natürliche Variabilität des Klimas handelt, bleibt kontrovers." Eine Woche später sagt auch Benjamin Santer: "Die Zweifel sind da." Aus Mehrheiten werden rasch Minderheiten. Der Fingerabdruck der Klimakatastrophe scheint mit einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent wieder verschwunden zu sein.

In Nigel Calders Buch "The Manic Sun" fungiert der Däne Eigil Friis-Christensen als Kronzeuge. Der Leiter der Abteilung für Solarterrestrische Physik am Meteorologischen Institut in Kopenhagen entschlüsselt seit Jahren Zusammenhänge zwischen der Aktivität der Sonne und unserem Klima. Die Sonne "häutet" sich in einem Rhythmus von neun bis fünfzehn Jahren, was mit Sonnenflecken und veränderter Strahlung einhergeht. Die Forscher interessieren sich nicht nur für die sichtbaren Sonnenstrahlen, sondern für die gesamte, erheblich schwankende Strahlung. Funkamateure können vom störenden "Sonnenwind" ein Lied singen. Treibt die Sonne es ganz wild, schwanken sogar Kompasse, Stromnetze brechen zusammen. Leuchtende Boten der Strahlung sind die Polarlichter. Beachtliches hält die Sonne auch für die Klimaforschung bereit: Die Länge ihrer Zyklen und die Vehemenz ihrer Aktivitäten korrespondieren in erstaunlicher Weise mit Temperatur- und Wetteränderungen auf der Erde. Dank neuer Analysemethoden lassen sich die Aktivitäten der Sonnenflecken bis in graue Vorzeit zurückverfolgen. Als sie das letzte Mal im 17. Jahrhundert fast völlig ausblieben, folgten strenge Winter und abnorme Kälte. Das Team um Eigil Friis-Christensen glaubt inzwischen auch dem Mechanismus auf der Spur zu sein: Die kosmische Strahlung wirke sich auf die Wolkenbildung aus. Darf das wahr sein? Das haben sich auch dänische Parlamentarier gefragt. Peter Laut, Chefberater des Umweltministers in Klimafragen, erschien am 28. April 1997 zu einer Fragestunde vor dem Parlament in Kopenhagen. Zunächst erläuterte er die amtliche These vom menschengemachten Treibhauseffekt. Die Rede kam jedoch schnell auf Eigil Friis-Christensen und sein solares Widerstandsnest. Früher hatte der Regierungsberater das stets als Unsinn abgetan. Nun sagte er: "Es erheben sich herausfordernde Fragestellungen." Die Zuhörer erheben die Augenbrauen. Was tut sich denn hier? Buchautor Nigel Calder zitiert auch Arbeiten von Karin Labitzke an der Freien Universität Berlin. Zusammen mit ihrem in den USA forschenden Kollegen Harry van Loon hat sie festgestellt, daß sich das Wetter über der Nordhalbkugel augenfällig mit dem Zyklus der Sonnenflecken ändert. "Während die Dänen die große Klimaskala im Auge haben", sagt Karin Labitzke, "zoomen wir uns näher an das Wettergeschehen heran." Das IPCC hielt ihre Ergebnisse ebenso wie die dänischen Resultate für Kaffeesatzleserei.

Die widerspenstigen Meteorologen liessen sich nicht unterkriegen. Sie erhielten bisher unzugängliche Wetterdaten von 1973 bis 1995. Die erlauben einen Blick auf die Südhalbkugel. Die Ergebnisse werden bald veröffentlicht: Nord- und Südhalbkugel zeigen spiegelbildlich die gleichen Wetteränderungen im Rhythmus der Sonnenflecken. "Das ist schon fast ein Beweis", sagt Karin Labitzke, "da muß ein Zusammenhang bestehen, auch wenn wir den Wirkungsmechanismus nicht verstehen." Die Berliner Meteorologin will das Kind nicht mit dem Bade ausschütten: "Es geht gar nicht darum, die These vom Treibhauseffekt zu widerlegen. Aber der Einfluß der Sonnenvariabilität ist so offensichtlich, daß man wirklich nicht mehr so tun kann, als gebe es ihn nicht." Jörg Negendank, Physiker am Geoforschungszentrum Potsdam, urteilt: "Das ist ein Feld, das angegangen werden muß, um die umlaufenden Ideen vom Treibhauseffekt in die richtige Perspektive zu bringen." Einigkeit herrscht in einem Punkt: Der Anteil des Kohlendioxids in der Atmosphäre ist seit 1870 von 270 Teilen pro Million (ppm) auf heute 364 ppm gestiegen. Und schon scheiden sich die Geister: Welche Rolle spielt dabei der Mensch? Die Forscher um Eigil Friis-Christensen machte besonders eine Beobachtung nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo stutzig: Anfang der neunziger Jahre sanken die Temperaturen infolge der abschirmenden Eruptionswolken. Das läßt sich mit der These vom menschengemachten Treibhaus in Einklang bringen. Aber dann wird es wunderlich. Die Zunahme des Kohlendioxids ging nach dem Vulkanausbruch zwar nur vorübergehend, aber auffallend zurück (von 2,5 ppm auf 0,6). Und das, obwohl die Industrie das Gas weiter in die Luft pustete. Könnte es sein, daß beim Klima Ursache und Wirkung vertauscht werden?

Unsere Ozeane speichern Kohlendioxid und sind so etwas wie eine große Sprudelflasche. Und wer eine solche (geöffnet!) erhitzt, sieht, wie CO2 entweicht. Hohe Kohlendioxid-Konzentrationen sind auf der Erde nichts Neues: In der Zeit der Dinosaurier war der CO2-Anteil drei- bis fünfmal so hoch wie heute. "In der Erdgeschichte kann man feststellen, daß mit höheren Temperaturen auch der CO2-Spiegel sehr stark steigt", erklärt Jörg Negendank und stellt die delikate Frage: "Wer verursacht hier eigentlich was?" Hier kommt das zweite Gebot der Klimabibel zum Tragen. Es lautet ebenfalls: Du sollst nicht verharmlosen. Aber denken ist erlaubt. Leicht sensibilisiert sollten wir die grundsätzliche Frage klären: Wie sieht es tatsächlich aus mit den Temperaturen in unserem irdischen Jammertal? Auch hier herrscht auf den ersten Blick Einigkeit: Zwischen 1881 und 1993 stieg die globale Durchschnittstemperatur den meisten Quellen zufolge um 0,54 Grad Celsius. Auf den zweiten Blick stellt sich das Bild differenzierter dar: 0,37 Grad dieser Erwärmung - also siebzig Prozent - erfolgten in der ersten Hälfte der hundert Jahre. Der weitaus größte Teil der Kohlendioxide gelangte aber erst in den letzten fünfzig Jahren in die Atmosphäre. Treibhausgase können die Atmosphäre aber nicht rückwirkend erwärmen. Der Hund muß also woanders begraben liegen.

Gernot Patzelt vom Institut für Hochgebirgsforschung in Innsbruck hilft beim Ausgraben: "Man läßt diese Temperaturreihen zu einem Zeitpunkt beginnen, der deutlich einen Tiefpunkt der Entwicklung zeigt", sagt er. Wenn man sich die Klimaschwankungen als Wellenbewegung vorstellt, dann war 1880 ganz unten. Doch im Jahrhundert zuvor gab es ähnliche Warmphasen wie heute. Patzelt: "Bezieht man diese mit ein, dann lässt sich kein einheitlicher Trend mehr feststellen." Gegenwärtig schwanken die Angaben über die globale Durchschnittstemperatur zwischen 0,04 und 0,1 Grad Erwärmung pro Jahrzehnt. Nun stehen heute auch Satellitendaten zur Verfügung, die den ganzen Globus erfassen und besonders genaue Zahlen liefern. Der Meteorologe John Christy von der Universität von Alabama hat die Messreihen seit 1979 ausgewertet: "Für die untere Troposphäre bis zu 5 Kilometer Höhe ergibt sich seit 1979 eine leichte Abkühlung von 0,05 Grad pro Jahrzehnt." In dieser Zeit brachen allerdings Vulkane aus, die den Globus abkühlten. Wenn die Wissenschaftler die Naturereignisse herausrechnen, dann ist die Welt um 0,09 Grad pro Jahrzehnt wärmer geworden, theoretisch. Wissenschaft kann wunderbar sein: Es wird wärmer, obwohl es eigentlich kälter geworden ist. Egal, welchen Messungen wir glauben, lebenspraktisch lässt sich wohl sagen: Nach der finalen Grillparty sieht das alles nicht aus. Doch Einspruch: War 1995 nicht das heißeste Jahr seit der modernen Temperaturaufzeichnung? Leider wieder eine Niete: 1995 war kein Rekordjahr, sondern lag abgeschlagen an achter Stelle. Das britische Metereological Office - eines der Forschungszentren im Dienste des IPCC - hatte das Jahr nur geschätzt. Vorab und falsch, aber rechtzeitig zum Berliner Klimagipfel. Deshalb sei vor der nächsten UN-Klimakonferenz, die Ende des Jahres im japanischen Kyoto stattfindet, darauf hingewiesen: Auch das Jahr 1996 kühlte ab: um 0,08 Grad. Im Kalten Krieg lehrten die Satelliten die Militärs das Fürchten. Inzwischen leuchten sie den Klimaforschern heim. Und von der himmlischen Warte aus muß manch irdische Gewissheit korrigiert werden. Die Klimaweisen des IPCC prophezeien, der Meeresspiegel werde sich bis zum Jahr 2100 um bis zu einem Meter erhöhen. Doch der Meeresspiegel denkt gar nicht daran, den Prognosen zu folgen.

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Geoforschungszentrums Potsdam, die Satellitendaten von 1992 bis 1995 ausgewertet haben: Der Pegel der Weltmeere hat sich im globalen Durchschnitt jedes Jahr um etwa zwei Millimeter erhöht. Ebenso zeigen die Ergebnisse, dass die Ozeanspiegel keineswegs gleichmäßig steigen: Wenn die Pegel des Indischen Ozeans und des Südwestpazifiks klettern, dann sinken die Fluten im zentralen Pazifik und im Golf von Bengalen. Die Ozeane unterliegen einem Rhythmus von etwa vierzehn Jahren, der jetzt erst einmal vollständig beobachtet werden muß. Und auch die Sonne spielt bei Meeresschwankungen womöglich eine Rolle. Läuft die Badewanne nicht spätestens über, wenn die Pole schmelzen? Schließlich sagen die Modelle der Klimaforscher für die Pole eine bis zu dreimal höhere Erwärmung voraus als in gemäßigten Zonen. Damit liegen sie weit daneben: Die Satellitendaten zeigen für die Arktis eine Abkühlung um 0,28 Grad pro Jahrzehnt. Temperaturaufzeichnungen aus dem russischen Teil der Arktis zeigen jetzt sogar einen Temperatursturz von bis zu 4 Grad in den vergangenen vierzig Jahren. Auch am Südpol ist der Zusammenhang zwischen einer Klimaerwärmung und der Bewegung der westantarktischen Eisströme fragwürdig geworden. "Die vielfach zitierte Aussage, es wird wärmer, die Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt dramatisch, ist falsch", resümiert Heinz Miller vom Alfred-Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. "Das Gegenteil ist der Fall."

In den Rechenzentren der Klimaforscher wachsen Wissen und Ratlosigkeit. Die Wissenschaftler haben alle Hände voll zu tun, den Launen der Natur zu folgen. Der letzte Rückzieher erfolgte aufgrund einer simplen Entdeckung: Smog der Städte und Rauch der Brandrodungen schirmen das Sonnenlicht ab. Das kühlt die Erde. Nach dieser Erkenntnis wurden die Klimavoraussagen 1995 deutlich zurückgenommen. Daraufhin stimmten sie auch mit dem tatsächlichen Klima überein. Jetzt stellt sich jedoch heraus: Die kühlende Wirkung der winzigen Partikelchen in Smog und Rauch liegt wahrscheinlich nicht bei dreißig, sondern höchstens bei zehn Prozent. Damit dürfte das mühsam austarierte Rechengebilde wieder wanken: Weniger Kühlung heißt höhere Temperaturen - aber die gibt es in diesem Masse nicht. Klimaforschung wie im Maggi-Kochstudio?

Das wäre in der Wissenschaft nicht neu: "In der Praxis widerstrebt es Menschen, eine Theorie aufzugeben, in die sie viel Zeit und Mühe investiert haben", hat der Astro-Pysiker Stephen Hawking erkannt, "gewöhnlich versuchen sie die Theorie so abzuändern, daß sie zu den Beobachtungen paßt." Schließlich verwandele sich die Theorie in ein "schiefes und hässliches Gebäude". Einigen wir uns auf eine eher salomonische Sicht: Wie das Wetter ist auch das Klima ein Produkt aus unzähligen, teils unberechenbaren Faktoren. Wolken und Blitze, Meere und Moore: All das wird erst langsam erforscht und kann in den Computern kaum simuliert werden.

Und mit der Sonne kommt jetzt auch noch die kosmische Dimension hinzu. Auch noch schnellere Superrechner werden vorläufig nichts daran ändern: Klimamodelle sind primitive Abbildungen der Realität. Fazit: Der menschliche Einfluß auf das Klima hat bisher noch zu keiner Entwicklung geführt, die es in der Vergangenheit ohne menschlichen Einfluß nicht schon gegeben hätte (was freilich nicht gegen das Energiesparen spricht). Nigel Calder bringt es auf den Punkt: "Die These vom Treibhauseffekt - zumindest in der offiziellen, aufschreckenden Form - liegt in ihren Todeszügen." Nur wolle das noch keiner wahrhaben.

© DIE ZEIT 25.07.1997 Nr.31

 

11.05.05 10:43

8584 Postings, 7341 Tage RheumaxNicht nur fürchterlich lang, Zombi, (P22)

sondern auch fürchterlich ausgewogen.
Das Argument vom Ausgehen der Uranvorkommen erinnnert doch stark an die Diskussionen, welche zu Zeiten der Energiekrise 1973 bezüglich der Reserven an fossilen Energieträgern geführt wurden.
Demzufolge dürfte es in wenigen Jahren kein Erdöl mehr geben..
Aber steigende Preise führen zu verstärkter Prospektion, zudem werden dadurch bislang unwirtschaftliche Vorkommen abbauwürdig.
Genauso wird es auch mit dem Abbau von Uran-Erz verlaufen, dazu braucht man kein Prophet zu sein.
Z.B. war eine der größten Uraninit(Pechblende)-Lagerstätten, die Rössing-Mine in Namibia, über etliche Jahre wegen durch niedrige Weltmarktpreise fehlender Rentabilität geschlossen. Heute wird eben wieder Uran abgebaut.
So läuft das.

Aber wenn es in die Ideologie passt, kann man viele Arumente an den Haaren herbeiziehen.

Oder auch Hundertausende an Steuergeldern für ganzseitige Zeitungsanzeigen und Hochglanzbroschüren ausgeben und in Obrigheim ein rauschendes Abschalt-Fest feiern.
Wie ein gewisser Herr Trittin.  

11.05.05 14:39

8584 Postings, 7341 Tage RheumaxNa, dann herzlichen Glückwunsch..

AKW Obrigheim abgeschaltet

Rückbau bis 2023 kostet 500 Millionen Euro

Der zentrale Leitstand des Reaktors: Das AKW versorgte jährlich 850.000 Haushalte mit Strom. (Foto:dpa) Obrigheim - Das Atomkraftwerk Obrigheim in Baden-Württemberg ist endgültig vom Netz. Wie die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) in Karlsruhe mitteilte, wurde die Anlage im Rahmen des 2001 vereinbarten Atomausstieges am Mittwochmorgen um 7.58 Uhr abgeschaltet. Der Druckwasserreaktor war 37 Jahre in Betrieb und produzierte insgesamt mehr als 90 Milliarden Kilowattstunden Strom. Mit dem Aus von Obrigheim reduziert sich die Anzahl der in Deutschland noch betriebenen Atomkraftwerke auf 17.

Zeitplan des Ausstiegs: Noch 17 AKW in Betrieb
Ausstieg: AKW Stade vorzeitig vom Netz

Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) sieht in der Stilllegung einen weiteren Schritt in Richtung Energiewende. Zusammen mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien sei die Abschaltung des ältesten deutschen Atomkraftwerkes ein Schritt in Richtung einer sozialen und ökologisch verantwortbaren Energiepolitik. Damit werde "konsequent auf die Chancen der neuen Umwelttechnologien" gesetzt. Allein im Bereich der regenerativen Energien arbeiteten schon jetzt mehr als 130.000 Menschen, meinte Höhn. "Das ist weit mehr als im Bereich der atomaren Energiegewinnung je beschäftigt waren."

CSU-Generalsekretär Markus Söder warnte hingegen vor negativen Folgen des von Rot-Grün beschlossenen Atom-Ausstieges. "Es werden massiv die Energiepreise in den nächsten Jahren steigen, weil andere, alternative Dinge nicht in dem Maß zur Verfügung stehen, wie es die Deutschen an Energie brauchen", meinte Söder. Die Union stellt den Atomausstieg in Frage und will im Falle eines Regierungswechsels in Berlin die Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängern.

Strom für 850.000 Haushalte

EnBW-Technikvorstand Thomas Hartkopf betonte, mit der Abschaltung gehe eine "Erfolgsgeschichte" zu Ende. Das Atomkraftwerk habe jährlich rund 850.000 Haushalte zuverlässig mit Strom versorgt. Technisch und wirtschaftlich betrachtet hätte Obrigheim seinen Betrieb weiterführen können, fügte Hartkopf hinzu. Die EnBW akzeptiere aber den politisch gewollten und gesetzlich vorgeschriebenen Ausstieg aus der Kernenergie.

Obrigheim war 1968 als Demonstrationskraftwerk errichtet worden und galt damals als Wegbereiter für den Ausbau der Kernenergie in Deutschland. Ursprünglich sollte es schon vor gut zwei Jahren noch vor dem AKW Stade in Niedersachsen vom Netz gehen, das im November 2003 heruntergefahren wurde. Durch eine Zusatzvereinbarung wurde es der EnBW jedoch ermöglicht, von ihrem Kernkraftwerk Philippsburg insgesamt 5,5 Terawattstunden Strom auf Obrigheim zu übertragen und damit die Laufzeit zu verlängern.

Kompletter Rückbau bis spätestens 2023

Dem Energiekonzern zufolge beginnt nun die so genannte Nachbetriebsphase, in der die Anlage bis 2007 auf die Stilllegung und den Abriss vorbereitet werden soll. Dabei seien die im Reaktorzyklus eingesetzten Brennelemente in das Standortzwischenlager zu überführen und die Betriebsstoffe zu entsorgen. Der komplette Rückbau der Anlage soll nach den bisherigen Planungen bis spätestens 2023 abgeschlossen sein und rund eine halbe Milliarde Euro kosten. 160 bis 180 der derzeit noch 290 festen Stellen im AKW bleiben hierfür zunächst erhalten.

Von den übrigen deutschen Kernkraftwerken müssen laut Bundesumweltministerium in den nächsten Jahren zunächst die Atomkraftwerke Biblis A und B, Brunsbüttel und Neckarwestheim I vom Netz gehen. (md/ddp/dpa/AFP)  

17.05.05 15:36

5501 Postings, 7120 Tage teppichs it das AKW Obrigh im abg schalt t ist...

...g ht an m in r tastatur das " " nicht m hr!

irg ndw i wusst  ich  s imm r: d r aussti g aus d r atom n rgi  wird nicht
spurlos an uns vorüb rg h n!

ist irg ndj mand unt r  uch, d r  twas änhlich s b obacht t hat??

was soll ich j tzt bloß tun?
hat j mand  in id  ?

MfG T ppich (immer schön draufbl ib n)  

18.05.05 07:20

15407 Postings, 5885 Tage quantasAlternativen helfen nicht



Der Schweiz droht ab 2020 ein Stromengpass. Deshalb schlägt die Axpo ein neues Atomkraftwerk in Beznau und ein Gas-Kombikraftwerk vor.

Am nächsten Dienstag stellt die Axpo ihre Vision vor, wie sie die Stromversorgung der Schweiz langfristig sicherstellen will. Die Vorschläge des Elektrizitätskonzerns beruhen auf der streng vertraulichen Studie mit dem Namen «20-20». Der Titel sagt schon vieles: Das Jahr 2020 ist ein Schlüsseljahr. Dann gehen die ersten Atomkraftwerke aus Altersgründen vom Netz, und Lieferverträge mit dem Ausland laufen aus. Die Folge davon ist ein Stromengpass.

Als langfristige Lösung für den Versorgungsengpass favorisiert die Axpo ein neues Atomkraftwerk. Gemäss einem ersten Szenario soll es, so erklären gut unterrichtete Kreise aus der Schweizer Stromwirtschaft, auf dem Gelände zu stehen kommen, wo der Konzern schon jetzt zwei Werke betreibt: im aargauischen Beznau. Der Standort geniesse aus politischen Gründen Priorität. Für einen neuen Ort wäre es viel schwieriger, die nötige Akzeptanz zu finden. Zudem müssen die Werke in Beznau voraussichtlich früher abgebrochen werden als das in Mühleberg BE, sodass der Neubau früher beginnen könnte.

Da die Berner BKW für Mühleberg einen Ersatz finden müssen, wäre Axpo bereit, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Solche Kooperationen sind in der Energiewirtschaft bei Milliardenprojekten üblich. Sie erleichtern die Finanzierung und ermöglichen es, die Risiken zu verteilen. Die Axpo nimmt zu den Vorschlägen nicht Stellung.

Europäischer Typ bevorzugt
Es ist davon auszugehen, dass die Axpo einen Europäischen Druckwasserreaktor vom Typ EPR III favorisiert, der von der französischen Framatome und Siemens gebaut wird. Ein Kraftwerk dieses Typs befindet sich in Finnland im Bau und soll in nur vier Jahren fertig sein. Auch Frankreich hat sich für einen EPR III entschieden. Für ihn sprechen die schnelle Verfügbarkeit und seine Sicherheit. Zudem wird er mit Gestehungskosten von rund 4 Milliarden Franken vergleichsweise günstig.

Wie aus Studien des Bundesamtes für Energie hervorgeht, belaufen sich die voraussichtlichen Produktionskosten auf 4 bis 5 Rappen pro Kilowattstunde, was den Kosten in den heutigen Atomkraftwerken entspricht. Wegen des neuen Kraftwerks käme es also nicht zu einer Verteuerung des Schweizer Stromes.

Der EPR III wird allerdings standardisiert mit einer Leistung von 1600 Megawatt geliefert. Das ist eine Leistung, die mehr als 40 Prozent über derjenigen liegt, welche die drei stillzulegenden Atomkraftwerke hergeben. Ein zweiter Nachteil jeder Kernkraftlösung: Politische Diskussion, Bewilligungsverfahren und Bau benötigen mindestens 20 Jahre. Es ist deshalb zu befürchten, dass das Ersatzwerk nicht rechtzeitig bereit steht.

Die Axpo erwägt deshalb zur Überbrückung, so ist von Insidern aus der Strombranche weiter zu vernehmen, zusätzlich ein Kombi-Gaskraftwerk zu erstellen. Es könnte nach der viel leichter zu erhaltenden Bewilligung rasch gebaut werden. Der Axpo kommt zudem zustatten, dass ihre Tochter EG Laufenburg bereits Erfahrung mit Gaskraftwerken gesammelt hat und sich im Gashandel auskennt. Technisch sind Gas-Kombikraftwerke ausgereift und energetisch effizient. Die Produktion wird indes teurer sein als im Kernkraftwerk, besonders wenn die Umweltkosten mitgerechnet werden. Dabei wird die Axpo genau rechnen müssen, wie sich die CO2-Abgabe auswirkt oder zu welchem Preis sie sich technisch reduzieren lässt.

Für ein Gas-Kombikraftwerk sind entlang den grossen Gasleitungen viele Standorte denkbar. Aber Branchenkenner befürchten, dass ein für die Schweiz neuer Emissionsverursacher «im Mittelland, wo schon jede Handyantenne Widerstand weckt», keine Chance hat.

Alternativen helfen nicht
Die Axpo scheint sich der Brisanz ihrer Vorschläge bewusst zu sein. Jedenfalls prüfte sie auch Alternativen. Dabei kam sie wie die übrige Elektrizitätswirtschaft zum Schluss, dass grüne Energien einen Platz im Strommix haben, aber die Versorgungslücke nicht beseitigen können. Vom Tisch ist auch der Import aus einem deutschen Kohlekraftwerk. Für so viel Strom, wie die Schweiz benötigt, würden die Transportkapazitäten nicht ausreichen,.  

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