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Israels Armee hat gemordet: London Gericht urteilt

Seite 1 von 2
neuester Beitrag: 10.04.06 14:44
eröffnet am: 08.04.06 11:35 von: cassius.c Anzahl Beiträge: 34
neuester Beitrag: 10.04.06 14:44 von: Depothalbiere. Leser gesamt: 861
davon Heute: 1
bewertet mit 5 Sternen

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08.04.06 11:35
5

1492 Postings, 5776 Tage cassius.cIsraels Armee hat gemordet: London Gericht urteilt

SPIEGEL ONLINE - 08. April 2006, 09:07
URL: 
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,410335,00.html

Tod im Gaza-Streifen
 
Gericht erklärt Doku-Filmer zum Mordopfer der israelischen Armee

Von Sebastian Borger, London

James Miller drehte vor drei Jahren im Gaza-Streifen einen Film über palästinensische Kinder, als ihn eine tödliche Kugel traf. Ein Londoner Gericht stellte nun fest, dass es sich um keinen Unfall handelte. Millers Witwe beklagt israelische Lügen und britische Saumseligkeit.

In der Nacht, als ihr Mann starb, ging Sophy Miller früh zu Bett. Die junge Mutter des knapp dreijährigen Alexander und des sechs Monate alten Säuglings Charlotte hatte einen anstrengenden Tag hinter sich. Als mitten in der Nacht das Telefon läutete, wollte sie erst gar nicht antworten. "Aber dann schaute ich auf den Wecker und merkte, dass da was nicht stimmte." Am anderen Ende der Leitung war eine Freundin und Kollegin ihres Mannes mit der Nachricht: "James ist tot."

Getty ImagesWitwe Sophy Miller: "Merkte, dass da was nicht stimmte"
Knapp drei Jahre nach der schrecklichen Nacht zum 3. Mai 2003 hat Sophy Miller wieder geweint. Aber diesmal waren es keine Tränen der Trauer, sondern des Zorns und der Erleichterung. Einstimmig hat die Jury des Zentral-Londoner Untersuchungsgerichts von St. Pancras Ende dieser Woche den renommierten Dokumentar-Filmer James Miller, 34, zu einem Mordopfer erklärt - "unrechtmäßig getötet" durch einen Leutnant der israelischen Armee im Flüchtlingslager von Rafah. Es sei ein bedauerliches Faktum, fügt die Jury-Sprecherin noch hinzu, "dass die israelischen Behörden diese Untersuchung nicht unterstützt haben". Der Untersuchungsrichter hat einen Brief an den Generalstaatsanwalt Lord Goldsmith angekündigt. Dieser muss nun prüfen, ob die Anklagebehörde ein Verfahren gegen Leutnant Haib einleiten und dessen Auslieferung beantragen soll.

Der Fall des erschossenen Journalisten beleuchtet nicht nur die Leichtfertigkeit, mit der israelische Soldaten im Frühjahr 2003 Menschenleben aufs Spiel setzten oder gar auslöschten. Die anschließenden Untersuchungen sind auch ein Musterbeispiel dafür, wie ein Rechtsstaat seine Glaubwürdigkeit verspielen kann - und wie die britische Regierung im Nahen Osten Realpolitik praktiziert. Dabei müsste der Genfer Konvention zufolge, argumentiert Millers Anwältin Louise Christian, die Tötung des unbewaffneten Dokumentarfilmers als Kriegsverbrechen gelten.

"Genau und gründlich ins Visier genommen"

Fast ein Jahrzehnt lang hatte James Miller aus verschiedenen Kriegsgebieten berichtet - aus Algerien, Tschetschenien und Afghanistan. Kollegen wie der BBC-Reporter Fergal Keane erlebten ihn als "sensiblen und nachdenklichen Journalisten, keinen Kriegs-Junkie". Im Gaza-Streifen spürten Miller und seine langjährige Arbeitskollegin Saira Shah dem Alltag dreier palästinensischer Kinder nach - das Ergebnis, der TV-Film "Tod in Gaza", erhielt später drei Emmy-Preise.

Am Abend des 2. Mai 2003 verließ das Kamerateam gegen 23 Uhr das Haus einer Palästinenser-Familie und näherte sich einem gepanzerten Fahrzeug der israelischen Armee. Miller trug eine weiße Fahne und beleuchtete sie mit einer Taschenlampe. Plötzlich peitschten einzelne Schüsse durch die Nacht. Der zweite Schuss traf den Briten tödlich. Unmittelbar nach dem Zwischenfall behauptete ein Armee-Sprecher, Miller sei ins Kreuzfeuer zwischen Israelis und Palästinensern geraten und durch einen Querschläger in den Rücken getötet worden. Doch die Obduktion ergab: Miller starb durch einen einzigen gezielten Schuss von vorn in den Hals. "Da hat ihn jemand genau und gründlich ins Visier genommen und getötet", sagt Millers Witwe Sophy. "Das ist am schwersten zu ertragen." Bis die israelische Regierung aber zugab, dass ein israelisches Projektil den unbewaffneten Journalisten getroffen hatte, vergingen Wochen.

AFPJames Miller in Rafah: Getötet von der israelischen Armee
Der Versuch, die Schuld an Millers Tod auf die Palästinenser abzuwälzen, war der Anfang einer langen Reihe von Merkwürdigkeiten. Dass die Familie auf der Anwesenheit eines britischen Gerichtsmediziners bei der Obduktion bestand, hielt der britische Botschafter in Jerusalem für "eine Verschwendung von Steuergeldern". So besagt es ein Telefonprotokoll von James Millers Schwester, der Rechtsanwältin Anne Waddington, das dem Untersuchungsrichter vorlag. Wenige Tage nach dem Todesschuss wurde der Tatort planiert. Erst nach wochenlangem Drängen durch den Anwalt der Millers ließ die israelische Militärstaatsanwaltschaft die Waffen der beteiligten Soldaten einziehen. Die Vernehmung der britischen Augenzeugen fand mit zweimonatiger Verzögerung statt. Einer Palästinenser-Familie, deren Zeugenaussagen den Tathergang bestätigten, drohten israelische Soldaten "mit der Zerstörung ihres Hauses", sagt Sophy Miller.

Die "gründliche und intensive Untersuchung", so ein Armee-Sprecher, durch die israelische Militärpolizei dauerte beinahe zwei Jahre. Ergebnis: Der Kommandeur der Patrouille vor Ort, Leutnant Haib, hatte sein Gewehr abgefeuert und dabei "gegen die Richtlinien der Armee verstoßen". Es sei aber nicht möglich gewesen, das Gewehr und die tödliche Kugel in zweifelsfreien Zusammenhang zu bringen.

Ein Streit ums Geld

Der militärische Generalstaatsanwalt, Brigadegeneral Avichai Mandelblith, sah deshalb im März 2005 von einer Anklage ab, ordnete aber ein Disziplinarverfahren gegen Leutnant Haib an. Dieses wurde binnen weniger Wochen niedergeschlagen, Mandelbliths Einspruch abgewiesen.

Unterdessen hatte der Richter in London seine eigene Untersuchung eröffnet. Dafür verweigerten ihm die israelischen Behörden jede Zusammenarbeit. Der britische Außen-Staatssekretär Kim Howells zeigte sich "nicht überrascht" vom Ausgang der Untersuchung. Die Regierung sei "enttäuscht" über das Verfahren in Israel. "Wir unterstützen James' Familie bei ihrem Antrag auf eine Entschädigungszahlung." Womit der Tod des jungen Dokumentarfilmers auf einen Streit ums Geld reduziert wäre.

Das sieht die Familie anders. James' Vater Geoffrey Miller diente 33 Jahre lang in der britischen Armee, zuletzt als Oberst. Seine Regierung, sagt der alte Herr, habe sich "vollkommen gleichgültig und ineffizient" verhalten. Sie selbst hätten ja genug Unterstützung bekommen, um den Fall auszufechten, fügt James' Mutter Eileen hinzu. "Die Palästinenser können das nicht, und es hat Hunderte von Toten gegeben unter den Palästinensern."
 

© SPIEGEL ONLINE 2006
 
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8 Postings ausgeblendet.

08.04.06 16:16

1492 Postings, 5776 Tage cassius.cWahre Worte bammie

08.04.06 16:42
1

10041 Postings, 7109 Tage BeMiIch stell das mir so vor, cassius.c ,

da sitzt ein beknackter Scharfschütze, sieht
ein Ziel und drückt ab.
Ein Verbrecher, wie es ihn leider überall geben kann,
in Soldatenuniform.
Du verallgemeinerst und
machst daraus die reißerische Überschrift:
"Israels Armee hat gemordet:"
Sry, cassius c., Du bist unseriös,
erweckst den Eindruck, ein übler Hetzer zu sein.
... und das nicht zum ersten Mal.
Da kann Dich ja keiner mehr für ernst nehmen.
Das ist BILD-Niveau.

Ciao
BeMi

 

08.04.06 16:48
1

1492 Postings, 5776 Tage cassius.cBeMi "Gericht erklärt Filmer zum Mordopfer"

Steht bei Spiegel in der Überschrift. Die stammt nicht von mir.


Das ist normale Logik.

Wer das Moropfer tötet, ist ein per Definition "Mörder". Und das hat ein GERICHT geurteilt und nicht ich.

Wo habe ich etwas verfälscht?

 

08.04.06 16:51

10041 Postings, 7109 Tage BeMiLogik?

Deine Überschrift!
Nicht die israelische Armee hat gemordet,
sondern ein israelischer Soldat!

Ciao
BeMi  

08.04.06 16:52

1492 Postings, 5776 Tage cassius.cGut BeMi. Da hast du zwar recht

aber zu meiner Entlastung foolgendes: Das Gericht beschwert sich auch über die mangelnde Kooperation der Armee.

Stammt nicht von mir, sondern aus dem Artikel  

08.04.06 16:55

10041 Postings, 7109 Tage BeMicassius c,

es geht mir nur um die
BILD-mäßige Überschrift.
.... um mehr nicht.
Beispiel:
Ein HHer säuft -->
Überschrift:
"HHer saufen!"

Ciao
BeMi  

08.04.06 16:57

1492 Postings, 5776 Tage cassius.cHabe verstanden BeMi

Aber Hamburger saufen tatsächlich (Wasser)

 

:-)

 

 

08.04.06 17:02

31051 Postings, 7373 Tage sportsstarWill mich ja nicht einmischen

aber anmerken BeMi, dass

"[...]da sitzt ein beknackter Scharfschütze, sieht
ein Ziel und drückt ab.
Ein Verbrecher, wie es ihn leider überall geben kann,
in Soldatenuniform."

auch nicht sonderlich differenziert ist.

greetz
sports*  

08.04.06 17:04

10041 Postings, 7109 Tage BeMiWalum?

sporti, erzähl mich das, bitte.
War mein persönlicher Eindruck,
aber keine Überschrift.

Grüße
B.  

08.04.06 17:05

1492 Postings, 5776 Tage cassius.cI sag da nix zu

08.04.06 17:10
1

129861 Postings, 6592 Tage kiiwiies tut halt so gut, ja es verschafft halt so ein

erleichterndes Gefühl, wenn man als Deutscher den Israelis auch endlich mal "am Kittel flicken" kann, gelle ...?

... und dann noch so ganz harmlos und unverfänglich mit dem Finger auf andere, in diesem Fall auf den SPIEGEL oder  - noch unverfänglicher - auf ein englisches Gericht deuten kann: "Is ja nich von mir, ich hab das ja nicht gesagt, is ja von dem Londoner Gericht, das wird man ja noch zitieren dürfen..."


Und im Hinterkopf hat man was ganz anderes...


Nein, für jeden Deutschen gibt es da nur eine einzige Regel:
Klappe halten! Einfach nur Klappe halten.
Anstand und Schamgefühl sollten einem jeden dies gebieten.


MfG
kiiwii  

08.04.06 17:13

10041 Postings, 7109 Tage BeMicassius.c

Bißchen älter mußt Du doch schon sein!
Am 01.04.1979 warst Du nach Deinen Ariva-Aussagen
ein Jugendlicher. Schwarzhaarig ist wahrscheinlich.
*g*
Guck bitte nicht immer so grimmig.

Grüße
B.  

08.04.06 17:13

31051 Postings, 7373 Tage sportsstarBeMi

Wieso ist ein Scharfschütze "beknackt"?
Wenn man mal davon absieht, dass sie -für mich- ganz arme Schweine sind und ein echt beschissenen Job machen, erledigen sie diesen jedoch im Auftrag der Armee (oder bspw. auch der Polizei).

"Verbrecher" sind sie in meinen Augen schon gar nicht, sondern allenfalls diejenigen, die den Schussbefehl/ Auftrag geben.

Doch manchmal ist es eben von Nöten...hier leider nicht!

greetz
sports*

PS..bin bei der Überschriftwahl und Kritik allerdings absolut bei dir..  

08.04.06 17:14

1492 Postings, 5776 Tage cassius.c@kiiwii: Der Filmer war wohl ein übler Terrorist

Ist die Sache damit erledigt und gut?

Ist ja nicht so, dass man hier die Palästinenser verteidigt hätte. Man kann nämlich tatsächlich MEHRERE MIS-

STÄNDE gleichzeitig schlecht finden.

 

 

 


:-*
 

 

08.04.06 17:16

1492 Postings, 5776 Tage cassius.c@BeMi. Hab mich halt gut gehalten

08.04.06 17:16

129861 Postings, 6592 Tage kiiwiiIch denke, ich habe mich klar genug ausgedrückt.

08.04.06 17:21

10041 Postings, 7109 Tage BeMisporti,

Du hast nicht gedient?
In jeder Armee gibt es
die Situation des Befehlsnotstands
und eine einfache Lösung in diesem Fall,
die naheliegend ist:
Daneben schießen!!!
Das haben sogar die Mauerschützen vielfach
so gehandhabt.
Der Schütze war Leutnant, somit kein Blödel.
Btw., sagt der vorliegende Sachverhalt nichts über
einen vorliegenden Befehl aus.

Grüße
B.
 

08.04.06 17:30

10041 Postings, 7109 Tage BeMiJa, cassius.c

                               

08.04.06 17:33

1492 Postings, 5776 Tage cassius.cJa.

Fit wie ein Turnschuh;-P  

08.04.06 17:35

10041 Postings, 7109 Tage BeMiBefehlsnotstand?

In P 1 steht:

"Die "gründliche und intensive Untersuchung", so ein Armee-Sprecher, durch die israelische Militärpolizei dauerte beinahe zwei Jahre.
Ergebnis:

Der Kommandeur der Patrouille vor Ort, Leutnant Haib, hatte sein Gewehr abgefeuert und dabei "gegen die Richtlinien der Armee verstoßen".

Es sei aber nicht möglich gewesen, das Gewehr und die tödliche Kugel in zweifelsfreien Zusammenhang zu bringen."
 

08.04.06 17:47

10041 Postings, 7109 Tage BeMicassius.c

Die rätseln hier immer noch,
was am 01.04.1979 los war,
aber das bleibt unser großes Geheimnis.
*gg*

Grüße
B.
                           

08.04.06 17:51

1492 Postings, 5776 Tage cassius.cBeMi: Bist aber etwas stark geschminkt

:-- ))

 

So muss los. Habe den Kindern die Sportschau versprochen

 

Geetz

 

08.04.06 17:56

31051 Postings, 7373 Tage sportsstarBeMi

mal abgesehen davon, dass ich nicht gedient habe, weil mir persönlich das Helfen hier in meiner Umgebung im Rettungsdienst als sinniger erschien, ist mir die Möglichkeit auf eine solche - von dir angesprochene - Berufung durchaus vertraut...naja, sagen wir bekannt.

Natürlich hätte der Schütze vorbei schießen können, aber auch seine Konsequezen bei mehrmaligem "verweigern" sind ihm sicherlich bewusst gewesen.
Deshalb sprach ich ja davon, dass sie einen beschissenen Job machen. Auch andere Soldaten töten, was man mit seinem Gewissen erstmal vereinbaren muss, aber für mich ist die Abteilung noch einen Tick extremer. Zumeist werden nachvollziehbare Befehle geben (bspw. Geiselnahmen et cetera..). In kriegerischen Auseinandersetzungen werden sie das schon weniger, aber man arbeitet eben nach Auftrag und auf Befehle hin.

Wie du zwar richtigerweise sagst, steht hier nichts von einem Befehl für die Elimnierung des Journalisten, jedoch unterstelle ich das mal. Sollte dies nicht der Fall gewesen sein, kann dieser Kerl meinetwegen auf gleiche Weise ausgelöscht werden...
Hinzufügen muss ich allerdings, dass sich der Fall für mich ohnehin anders darstellt als hier vorgetragen, denn ich glaube den Aussagen des Armeesprechers nicht. Das beruht auf der Tatsache, dass es zu keiner Anklage kam und letztlich sogar das Disziplinarverfahren abgeschmettert wurde. Ist für mich viel interner Schmu dabei..

Das Problem ist bei unserer Diskussion, dass wir sowohl über den hier vorliegenden Bericht, den Fall an sich, äußerst fragwürdige Gründe, aber auch über Scharfschützen allgemein reden. Ist natürlich sehr diffizil hier einen roten Faden reinzubringen..;-)

greetz
sports*  

08.04.06 20:31

8584 Postings, 7542 Tage Rheumax"Relativieren" nennt man das wohl

gemeinhin, was da in #2 dem Major abging.
Im umgekehrten Fall: Oh,oh,oh,oh..welch Geschrei der selben Claqueure..  

10.04.06 14:44

25551 Postings, 7507 Tage Depothalbiererupps.

treffen sich 2 jäger, beide sind tot.  

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