Interview: TV-Loonland

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eröffnet am: 12.09.02 09:03 von: daxbunny Anzahl Beiträge: 1
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Interview: TV-Loonland sieht geringe Auswirkungen der Kirch-Insolvenz
FRAGE:
Der Umsatz hat sich im ersten Halbjahr 2002 mehr als halbiert. Nach 34,2 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum bzw. 9,1 Mio. Euro im ersten Quartal wurden in der ersten Jahreshälfte insgesamt 15,3 Mio. Euro umgesetzt. Bitte erklären Sie uns die Gründe dafür.



PETER VÖLKLE:
Die Gründe hierfür sind mehrere:



* Umsatz aus Business Unit (BU) Produktion:
Da das letzte Jahr noch von Co-Produktions-Tätigkeiten geprägt war, ist hier ein deutlicher Umsatzrückgang zu sehen. Zum einen haben wir unsere Co-Produktionen sehr drastisch reduziert. Der Co-Produktions-Anteil wird zusätzlich als Umsatz gebucht, bei reinen Eigenproduktionen ist dies nicht der Fall. Zum anderen haben wir auch unser Produktionsvolumen den Marktbedingungen angepasst. Diese zwei Faktoren sind ausschlaggebend für den Rückgang.



* Umsatz aus BU Distribution:
Durch die momentane Schwäche auf dem nationalen, wie auch internationalen Programm-Markt ist der Distributionsumsatz auch zurückgegangen. Durch unsere internationale Positionierung sind wir immer noch in der Lage, konjunkturelle Schwankungen einzelner Märkte auszugleichen. Momentan herrscht jedoch eine weltweit schwache Marktsituation vor, die auch wir zu spüren bekommen. Diese auszugleichen ist schwierig und schlägt sich leider auch in unseren Zahlen nieder. Im Vorjahreszeitraum hatten wir zwei Mal die Möglichkeit, Out-put Deals abzuschließen, die in diesen VJ Zahlen enthalten sind. In diesem Jahr ergab sich leider keine ähnliche Möglichkeit. Falls man diese Deals gedanklich herausrechnet, haben wir uns ungefähr gleichgehalten.



* Umsatz aus BU HomeEntertainment:
Hier ist der Rückgang eher geringer und kam hauptsächlich von dem zur Zeit schwächeren Korea Markt, auch bedingt durch die Fußball-WM.



* Umsatz aus BU Merchandising:
Auch hier zum Vorjahr ein leichter Rückgang. Jedoch konnten wir hier wieder deutlich anziehen. Im Vergleich zum ersten Quartal um über 340 % auf 319.000 Euro.




FRAGE:
Warum ist das Halbjahres-EBIT mit -7,9 Mio. Euro, nach +12,7 Mio. Euro im Vorjahr, nun tiefrot?



PETER VÖLKLE:
Zum einen muss der halbierte Umsatz den gesamten Kostenapparat tragen. Zum anderen hatten wir fast verdoppelte Abschreibungen.




FRAGE:
Was war der Grund für den relativ hohen Cash flow von 8,2 Mio. Euro im zweiten Quartal 2002 bzw. 9,3 Mio. Euro im gesamten ersten Halbjahr 2002? Im Vorjahreszeitraum lag dieser bei -9,5 Mio. Euro und im ersten Quartal 2002 bei 1,1 Mio. Euro.




PETER VÖLKLE:
Zum Börsengang hat TV-Loonland angekündigt, das Geld in den Ausbau der Eigenproduktionen und der gesamten Bibliothek zu investieren. Durch diese verstärkte Investitionstätigkeit hatten wir natürlicherweise und planmäßig einen negativen Cash flow. Geplant war, diesen Ende 2002 in den positiven Bereich zu bringen. Aufgrund der sich abzeichnenden Schwächephase bereits in 2001, hat das Management/Vorstand von TV-Loonland die Konsequenzen gezogen, um die TV-Loonland Gruppe sicher durch diese Krise zu steuern.
Hauptmaßnahmen, die wir damals auch schon angekündigt hatten, sind: Forderungen abzubauen und den Cash flow zu optimieren bzw. einen positiven Cash flow zu erreichen. Faktoren, die das Überleben der Gruppe sichern und uns bei einer Wende im Gesamtmarkt die nötige Kraft geben werden, wieder deutlich zu wachsen. Wie Sie auch an unseren Zahlen erkennen können, haben wir diese Zahlen deutlich verbessern können. Sowohl Forderungen, als auch operativer Cash flow, als auch Free Cash flow.




FRAGE:
Die kurzfristigen Darlehen haben sich vom 31.12.2001 zum 30.6.2002 von 18 Mio. Euro auf 30,3 Mio. Euro erhöht; die liquiden Mittel im selben Zeitraum von 18,3 auf 25,9 Mio. Euro. Wäre es nicht sinnvoll, mit dem hohen Cash-Bestand die Verbindlichkeiten zu verringern?



PETER VÖLKLE:
Die kurzfristigen Darlehen sind eine reine Umschichtung von den langfristigen Darlehen, die teilweise von SRE (koreanische Tochter), teilweise von TV-Loonland sind. Die Verbindlichkeiten haben wir im Vorjahresvergleich auch reduziert. Momentan sehen wir keinen Grund, unsere gestiegenen liquiden Mitteln für Darlehen einzusetzen. Produktionsfinanzierungen sind festaufgestellte Finanzierungspläne, die unsere Liquidität einschränken würden. Kein Unternehmen kann über so lange Produktionszyklen (1-2 Jahre) alles vorfinanzieren. Es wäre auch ungewöhnlich und risikoreich für ein Unternehmen, alle Eigenproduktionen aus eigenen Cash-Mitteln zu finanzieren.




FRAGE:
Wie sehr betrifft die Insolvenz der Kirch-Gruppe TV-Loonland?



PETER VÖLKLE:
Die Insolvenz betrifft uns in einem Punkt: Unsere Co-Produktion mit Heidi. Diese haben wir mit unserem Partner Nelvana momentan auf Eis gelegt und warten ab, wie sich die Situation entwickelt. Wird Kirch weiter Partner bleiben oder müssen wir uns eventuell einen neuen Co-Produktionspartner suchen. Dies ist momentan alles noch offen.
Ansonsten trägt die Insolvenz von Kirch natürlich nicht gerade zur Stabilisierung bei. Gerade in der momentanen Gesamtmarkt-Situation sind diese Nachrichten schlecht für die ganze Branche. Wobei man natürlich auch wieder Chancen sehen muss: Durch das Aufbrechen des Marktes verschwindet das Duopol (Kirch/Bertelsmann) in Deutschland, was die Position von Independents stärkt.




FRAGE:
Welchen wirtschaftlichen Nutzen hat die Einbringung Ihrer britischen Tochter in Metrodome plc, wodurch sich der Firmenanteil von TV-Loonland von 29,9 % auf 54,18 % erhöht hat?



PETER VÖLKLE:
Mit diesem Tausch gewinnt TV-Loonland die operative Kontrolle über einen wichtigen Distributor im attraktiven britischen Home-Entertainment-Markt. Mit dieser Mehrheit bauen wir unser neues Geschäftsfeld Home-Entertainment weiter aus: Durch die Übernahme der Home-Entertainment-Rechte aus der umfangreichen TV-Loonland-Filmbibliothek dürfte das weitere Umsatzwachstum von Metrodome auf dem lukrativen Video- und dem schnell wachsenden DVD-Markt ab Anfang 2003 noch verstärkt werden.



(Quelle: "Der Spekulant")

Quelle: Finanzen.net

 

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