Insolvenzprognose für 2004 - steigend

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745 Postings, 6540 Tage NextLevelInsolvenzprognose für 2004 - steigend

I N S O L V E N Z E N
Der deutsche Patient



Die Zahl der Unternehmenszusammenbrüche in Deutschland wird auch im kommenden Jahr steigen. Bei der Vorlage der Insolvenzprognose 2004 gab der weltgrößte Kreditversicherer Euler Hermes keine Entwarnung.

Hamburg - Die Euler Hermes Kreditversicherung rechnet für 2004 mit 43.000 Unternehmensinsolvenzen. Das wäre gegenüber dem laufenden Jahr ein Plus von vier Prozent und damit ein weiterer trauriger Rekord. Immerhin würde sich die Steigerungsrate im Vergleich zum laufenden Jahr abschwächen. Für 2003 rechnet Euler Hermes mit 41.300 Insolvenzen - ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2002.


[M]DPA,DDP,mm.de

Mehr Insolvenzen drohen: 43.000 Pleiten im kommenden Jahr


Ein Hoffnungsschimmer also, jedoch ein äußerst schwacher. Und so passte die Botschaft von Clemens von Weichs, Vorstandschef der Euler Hermes Kreditversicherung, zum trüben norddeutschen Herbstwetter als er am Dienstag in der Hamburger Konzernzentrale vor die Journalisten trat: "Wir bewegen uns beim gewerblichen Ausfallrisiko stetig weiter nach oben." Will heißen: Auch die kurze konjunkturelle Atempause nimmt kaum den Druck von den Unternehmen. "Die Chance, dass das Risiko steigt, ist größer als eine Trendwende" ergänzte Euler-Hermes-Chefvolkswirt Romeo Grill.

Europaweite Zunahme der Insolvenzen

Die Bundesrepublik folgt zwar einem europaweiten Trend. Nach der Euler-Hermes-Studie werden im laufenden Jahr Großbritannien (+ 11 Prozent) und Frankreich (+ 7 Prozent) ebenfalls hohe Steigerungsraten bei den Unternehmenszusammenbrüchen verbuchen. Bei den Niederlanden (+ 27 Prozent) und Norwegen (+ 25 Prozent) fällt der Anstieg noch höher aus.

Aber der Zusammenhang zwischen dem Zustand einer Volkswirtschaft und der Entwicklung bei den Pleiten ist nach den Worten von Grill in keinem Land so offensichtlich wie in Deutschland. Die hiesige Strukturkrise und ihre Folgen für den Arbeitsmarkt, die sozialen Sicherungssysteme und die Investitionsbereitschaft wirken sich demnach besonders auf die Zahl der Insolvenzen aus. Auch die seit Anfang der 70er Jahre fortwährend schwindende Eigenkapitalbasis destabilisiert die Betriebe.

Ein Blick auf die Branchen zeigt, dass alle wichtigen Sektoren von Insolvenzen betroffen sind. Dienstleister werden demnach in 2003 mit einer Zunahme von 15 Prozent an der Spitze liegen. Es folgen der Handel (+ 14 Prozent) und die Industrie (+ 11 Prozent). Nur das krisengeschüttelte Baugewerbe verzeichnet einen leichten Rückgang, ausgehend von einem hohen Niveau.

Jetzt erwischt es die "alten Hasen"

Angesichts der anhaltenden Belastung erreicht die Insolvenzwelle laut Euler Hermes jetzt vermehrt die so genannten älteren Unternehmen, zu denen nach Angabe des Statistischen Bundesamtes Betriebe gehören, die älter als acht Jahre sind. Lag deren Anteil bei den Insolvenzen 1991 noch bei 25 Prozent, so markieren die rund 30 Prozent im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand. "Es geht an die Substanz", kommentiert Grill die Entwicklung. Die Strukturkrise zwinge zunehmend die unternehmerische Basis in die Knie.

"Wir haben da Bedenken"

Für die Zukunft erwartet Euler-Hermes-Chef von Weichs keinen Rückgang des Insolvenzrisikos in Deutschland und greift dabei tief in die Metaphernkiste. "Wenn man Deutschland mit einem Fieberpatienten vergleicht, geht derzeit die Temperatur zurück." Allerdings, so von Weichs weiter, stellt sich die Frage, ob die Abwehrkraft für den nächsten Infekt noch reicht. "Wir haben da Bedenken."

Demnach braucht die deutsche Volkswirtschaft zwischen zehn und 20 Jahre bis etwa die Eigenkapitalquote der Unternehmen wieder ein stabiles Niveau erreicht und der Weg damit frei ist für Investitionen. Erst dann dürfte das Insolvenzrisiko hier zu Lande wieder sinken.

Ergebnisse der Euler Hermes Insolvenzprognose 2004

Internationale Insolvenzentwicklung**
Unternehmensinsolvenzen Anzahl Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

2002 2003* 2004* 2002 2003* 2004*

Belgien 7200 7600 7800 +2,0 +5,6 +2,6
Dänemark 2469 2400 2400 +6,0 -2,8 0
Deutschland 37.579 41.300 43.000 +16,4 +9,9 +4,1
Finnland 2173 2300 2300 +6,8 +5,8 0
Frankreich 42.897 46.000 46.100 +2,0 +7,2 +0,2
Griechenland 650 700 700 +6,2 +7,7 0
Großbritanien 46.892 52.300 54.600 +4,8 +11,5 +4,4
Irland 650 700 700 -2,0 +7,7 0
Italien 10.000 10.000 10.000 -7,1 0 0
Luxemburg 600 700 700 -20,0 +16,7 0
Niederlande 4963 6300 7200 +14,6 +26,9 +14,3
Norwegen 4473 5600 5800 +25,6 +25,2 +3,6
Österreich 5281 5000 4800 +2,0 -5,3 -4,0
Portugal 400 400 400 +2,6 0 0
Schweden 7930 8300 8600 +6,7 +4,7 +3,6
Schweiz 4002 4500 4400 +10,8 +12,4 -2,2
Spanien 880 1000 1100 +15,9 +13,6 +10,0

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Westeuropa1 179.039 195.100 200.600 +6,2 +9,0 +2,8
USA 38.540 37.700 35.300 -3,9 -2,2 -6,4
Kanada 9458 9400 9700 -8,8 -0,6 +3,2
Japan 19.087 17.600 17.700 -0,4 -7,8 +0,6
1 Summe aufgeführter Länder
* Euler Hermes Schätzung
** Eingeschränkte Vergleichbarkeit aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden
*Stand: 10/2003. Quelle: Euler Hermes/ Nationale Statistiken. Datastream




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