Im Kreis denken und zurück

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Montag, 9. Mai 2005

Im Kreis denken und zurück – gute Arbeitmarktdaten verwirren Anleger

von Jochen Steffens

So, jetzt kamen dann auch die amerikanischen Anleger nicht mehr mit. Am Freitag wurde die Zahl der Beschäftigten in den USA gemeldet und überraschte sowohl Analysten als auch Anleger. Die Zahl der Beschäftigen ist um 274.000 gestiegen, erwartet wurden 160.000 bis 200.000 nach zuvor 146.000 (revidiert von 110.000).

Damit erreicht die Zahl der Beschäftigten nun einen Wert, der, sofern er auf diesem Niveau (um die 240.000) bleiben würde, die Kraft hat, den amerikanischen Arbeitsmarkt nachhaltig zu beleben.

Sofort raste der Dollar nach oben. Gold und Silber wie auch andere Rohstoffe gaben entsprechend nach. Denn diese Zahl bedeutet: Wenn der Arbeitsmarkt sich belebt, dann ist das gut für den amerikanischen Konsum. Wenn jedoch der amerikanischen Konsum sich belebt, bestehen erhöhte Inflationssorgen. Das wiederum würde die Fed zwingen, die Zinsen stärker anzuheben. Verkaufen ist die Devise des Tages!

Nun, hört man den Skeptiker sagen, wenn jedoch der Dollar stark ansteigt, dann werden die Energie- und Rohstoffpreise fallen, damit würde auch die Inflationsgefahr sinken, schließlich findet Inflation in den USA nur bei Energie, Rohstoffen und Immobilien statt. Auch die Immobilienpreise würden bei einem stärkeren Dollar höchst wahrscheinlich aufhören zu steigen, auf kurz oder lang. Also braucht die Fed die Zinsen dann nicht mehr so weit anzuheben. Starkes Wachstum bei moderater Inflation: Kaufen!

Das mag schon sein, hört man den Skeptiker des Skeptikers, doch wir sind doch bis Freitag davon ausgegangen, dass es der US-Wirtschaft wieder schlechter geht, und das die Fed aus diesem Grund die Zinserhöhungen früher als erwartet einstellen wird. Diese Sichtweise hat die Märkte in der letzten Woche unterstützt! Die neuen Zahlen belegen jedoch, dass es der Wirtschaft doch nicht so schlecht geht. Das wiederum bedeutet, dass es sich bei der aktuellen Abschwächung tatsächlich nur um eine "Delle" handeln könnte. Mit anderen Worten die US-Zinsen können noch deutlich zulegen, ohne dass die Gefahr besteht, die US-Wirtschaft abzuwürgen. Steigende Zinsen: Verkaufen!

Dann meldet sich jemand zaghaft zu Wort, der sich erinnert: Waren nicht am Anfang schlechte Arbeitsmarktdaten dafür verantwortlich, dass Analysten behaupteten, die amerikanische Wirtschaftserholung stände auf tönernen Füßen. Sie argumentierten weiter: Wenn nun die Fed aufgrund der durch die hohen Energie- und Rohstoffpreise zu stark steigenden Preise gezwungen wird, die Zinsen weiter anzuheben, die Wirtschaft aber nicht wächst, weil der Arbeitsmarkt nicht mitkommt, dann kann nur eine Rezession die Folge sein. Hebt sie die Zinsen nicht an, würde die Inflation ausufern, das wäre letzten Endes auch ein Garant für eine Rezession. Diese Sorge ist nun zunächst einmal unbegründet: Kaufen!

Und schon drehen sich die Argumente im Kreis und machen den geneigten Anleger schwindelig. So kam es, dass offenbar kaum jemand am Freitag wusste, wie denn nun diese Zahlen zu deuten seien, bullish oder bearish.

Wiedereinmal zeigt die Wirtschaft den Theoretikern die kalte Schulter: Die makroökonomischen Zusammenhänge sind viel zu komplex, als dass irgendjemand sie in Gänze wirklich überblicken kann.

Wenn der Kopf raucht, sollte man auf die ganz einfachen Sichtweisen zurückzugreifen, die oftmals die besten Ergebnisse bringen:

Eine Wirtschaftserholung beginnt mit zunehmenden Gewinnen der Unternehmen. Ein Unternehmen, das mehr verdient, kann mehr Menschen einstellen. Eine Zunahme an Beschäftigung wirkt sich wiederum positiv auf den Konsum aus. Steigender Konsum fördert die Gewinne der Unternehmen, das wiederum ist gut für den Arbeitsmarkt – hier beginnt ein positiver Kreislauf.

Was wenige Menschen offenbar zurzeit wissen, zwei Faktoren begleiten eine gesunde Wirtschaftserholung: Eine Zunahme der Inflation (durch eine steigende Konsumbereitschaft steigt die Nachfrage = steigende Preise) Aber auch steigende Rohstoffpreise: Wenn mehr produziert wird, werden auch mehr Rohstoffe nachgefragt, dann steigen auch die Rohstoffpreise

Ebenso neigen die Zinsen dazu in einem Wirtschaftsboom zu steigen, ohne das dies die Aktienkurse beeinträchtigt. Eigentlich sind steigende Zinsen auch eher ein gesundes Zeichen (siehe England, Australien etc).

Wenn man nun einen Schritt zurücktritt und sich das ganze Spektakel an den Börsen und US-Wirtschaft anschaut, dann war die Nachricht von Freitag eigentlich die Nachricht, die gefehlt hat und so bis dahin die Stimmung drückte. Der starke Arbeitsmarkt ist damit ein wirklich bullishes Zeichen.

Denn, die Kurse von Aktien steigen, solange die Anleger davon ausgehen, dass die Wirtschaft und damit die Gewinne der Unternehmen auch im nächsten Jahr weiter wachsen werden. Das bedeutet doch eigentlich genau genommen: Solange die Inflation zunimmt und solange die Rohstoffpreise zulegen, ist alles in Ordnung. Erst wenn der Markt gesättigt ist, die Nachfrage die Produktion nicht mehr aufsaugen kann, die Preise fallen, weniger produziert wird und dadurch die Rohstoffpreise auch fallen, bereitet sich ein Schrumpfen der Wirtschaft vor.

Doch vielleicht ist das alles viel zu einfach gedacht – wer weiß.

Im Moment warten die Anleger noch auf das Handelsbilanzdefizit, welches am Mittwoch veröffentlich wird.

 

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