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Heute Schmieren-Journalist auf N3

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neuester Beitrag: 19.04.06 09:59
eröffnet am: 19.04.06 09:59 von: onestone Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 19.04.06 09:59 von: onestone Leser gesamt: 238
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19.04.06 09:59

1673 Postings, 6132 Tage onestoneHeute Schmieren-Journalist auf N3

Man möchte Kotzen, aber vielleicht ändert heute abend ja der Beitrag mein Denken. Bisher hat Wagner über 20 Anfragen von Illner und Christiansen zu talks abgelehnt:

Ich bin Wagner - Du bist Deutschland

Ein Zapp-Spezial von Thomas Leif

Franz Josef Wagner (62) ist wohl der meistgelesene Boulevard-Journalist Deutschlands. Mit seiner Kolumne "Post von Wagner" auf Seite zwei der "Bild"-Zeitung erreicht er jeden Tag zwölf Millionen Leser. Sein Markenzeichen: gnadenlose Subjektivität, eiskalte Respektlosigkeit und die unstillbare Lust an der Polarisierung. Dieser Stil "zwischen Genie und Wahnsinn" hat ihm, dem früheren Polizeireporter und langjährigen Chefredakteur der "Bunten", den Namen "Gossen-Goethe" eingetragen. Wagners Kommentar zu diesem Markenzeichen: "Der Unterschied zwischen Goethe und mir ist, dass Goethe zwar jeden Tag schrieb, aber nicht jeden Tag veröffentlichte."

Doch nicht nur in seinen Kolumnen pflegt Wagner einen eigenwilligen und gelegentlich dadaistischen Stil. Diese Erfahrung musste auch der Autor Thomas Leif (SWR) machen. "Franz Josef Wagner ist eine cholerische Sphinx, völlig unberechenbar und jemand, der sich die Medien prinzipiell vom Hals hält. Zwei Jahre hat es gedauert, bis wir das erste Interview aufzeichnen konnten," resümiert Leif die durchaus anstrengende Arbeit mit einem Protagonisten, "der partout nicht portraitiert werden wollte und Angst vor der Kamera hatte." Für die Distanz zu den Medien hat Wagner Gründe. Bis heute hat er zehn bis zwanzig Einladungen zu den einschlägigen Talk-Shows "von Christiansen bis Illner" abgelehnt: "Ich habe jedes Mal 'Nein' gesagt. Ich glaube, dass das Fernsehen ganz unbarmherzig ist. Das Fernsehen zeigt jedes nicht Perfektsein tödlich genau, jedes Überlegen, nicht schlagfertig zu sein. Das sind negative Dinge, die mir schaden und auch meinen Mythos zerstören würden."

Der Chefkolumnist des Springer-Verlags gilt als Erfinder des "Romanes auf 15 Zeilen", den er jeden Tag zwischen 15.30 und 18.00 Uhr in seiner Berliner Wohnung in seinen Laptop tippt. Woher nimmt der frühere Domspatz in Regensburg, Möbelpacker in Paris und Hafenarbeiter in Hamburg die Lust an der Provokation? "Erstens will ich den Leser nicht langweilen, zweitens will ich ihn unterhalten, drittens will ihn zum Nachdenken zwingen, zum Widerspruch. Er soll sich aufregen und mir sagen: ... die Scheiße, die er wieder verzapft hat ... oder auch: Ich kann ohne diesen Typ nicht leben. Dahin schreibe ich." 60 Prozent der Leser hassen diesen Stil, 40 Prozent lieben ihn. "Jeden Tag anders, mal 60 so, mal 40 so, das ist schon eine sehr polarisierende Geschichte, die ich da jeden Tag mache," bilanziert der "konservative Anarchist".

Wagners Post ist nicht selten ein geistiges Attentat. So musste sich die SPD-Politikerin Andrea Nahles gefallen lassen, als "Münte-Mörderin" stigmatisiert zu werden. Dazu Wagner: "Ach, es gibt schon den einen oder anderen Satz, den ich so nicht mehr schreiben würde. Wenn ich merke, dass ich wirklich jemanden verletzt habe, dann tut es mir schon sehr leid. Aber es ist halt so. Gesagt ist gesagt. Und ich selber stecke ja auch viel ein." Was steckt Wagner ein? "Kollegenschelte, Häme, dass sich die spitzen Federn des Feuilletons über meine Kolumnen hermachen. Aber das genieße ich natürlich auch."

Nach mehr als 1.000 Kolumnen und vielen Briefen an die Mächtigen der Republik, schätzt Wagner den politischen Einfluss des Springer-Verlages eher gering ein. Vor der Konzern-Zentrale sagte er: "Hier wird keine Politik gemacht. Im Kanzleramt wird Politik gemacht. Hier wird Politik begleitet, aber nicht aktiv gemacht."

Im Springer-Verlag zählt "Welt"-Chefredakteur Roger Köppel zu seinen "großen Bewunderern": "Ich würde mich glücklich schätzen, wir hätten auch so einen." "Er ist ein Exzentriker und sicher nicht eine Person des Mainstreams. Durch Instinkt, Formulierungskraft und Provokationsvermögen ragt er irgendwo raus." Anders sieht das der frühere "Bild"-Chefredakteur Udo Röbel: "Wagner ist Genie und Wahnsinn in einer Person." Und der Ex-Chefredakteur der "Bild am Sonntag", Michael Spreng sieht in Wagner einen "einsamen Wolf, einen sehr guten Schreiber, aber auch einen völlig Verrückten. Eine Figur, die aus dem deutschen Journalismus nicht wegzudenken ist." Der Hamburger Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg zeigt sich skeptischer. Für ihn ist die "Post von Wagner": "Singulär, grenzwertig, teilweise unterirdisch".

Kritik ficht Wagner nicht an. Für ihn gibt es ein "schlimmeres Horrorszenario": "Wenn ich ungedruckt leben müsste und nur für mich brummelnd den Kudamm rauf- und runtergehe, wo mich keiner hört."

 

Alles hat sich geändert, nur das menschliche Denken nicht. (A. Einstein)

 

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