Heuschrecken-Sehnsucht nach dem Crash

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eröffnet am: 16.04.06 18:42 von: sportsstar Anzahl Beiträge: 7
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16.04.06 18:42
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31051 Postings, 7377 Tage sportsstarHeuschrecken-Sehnsucht nach dem Crash

noch nicht mal vor einem Jahr waren Hedge-Fonds an der Wall Street noch die neuesten Lieblinge. Nirgendwo ließe sich mehr Geld machen und Hedge-Manager wie George Soros kontrollierten Milliarden-Werte. Skeptiker allerdings warnten damals bereits schon vor einer Spekulationsblase...

greetz

sports*

 

Sehnsucht nach dem Crash

Von Beat Balzli und Christoph Pauly

Hedgefonds-Manager galten bislang als mysteriöse Turbo-Kapitalisten mit Gewinngarantie. Nun entzaubert sich die Branche. Image und Renditen sind oft so bescheiden wie die Aussichten.

Vor 16 Jahren musste Thies Ziemke sein Geld noch hart verdienen. Als Mitinhaber eines deutschen Buchverlags gründete er gleich nach der Wende in Moskau einen Ableger. Permanent schlug sich der studierte Slawist mit Schutzgelderpressern herum. Das Papier für den Buchdruck ließ sich nur über dubiose Händler besorgen, bei denen "wir zuerst ein Auto kaufen mussten".

APLondoner Finanzzentrum: "Riesige Konsolidierungswelle"

Heute sitzt Ziemke zwar immer noch in Moskau. Aber nun reist er nicht mehr zur Buchmesse, sondern präsentiert sich auf der Frankfurter Finanzkonferenz Superhedge, einer Art Gipfeltreffen jener Hedgefonds-Manager, die auch gern als "Heuschrecken" beschimpft werden.

Vergangene Woche machte Ex-Verleger Ziemke dort Reklame für seinen neuen Russland-Fonds Kreml Capital Management mit Sitz auf den karibischen Cayman Islands. "Das klingt nicht sehr vertrauenswürdig", gibt der 57-Jährige selbst zu. "Aber ich habe in meinem Leben noch nie so viel Geld wie heute verdient."

Mit einem Fondsvolumen von rund 13 Millionen Dollar, das zu einem Viertel von der Hamburger Privatbank M. M. Warburg stammt, backt er indes kleine Brötchen - und lag damit in Frankfurt voll im Trend.

Noch vor wenigen Monaten galten sie als die Elite der Finanzmärkte: Bleiche Jungs in Nadelstreifen, die Konzerne auseinandernehmen und ihre Profite ohne Gnade nach oben peitschen.

Doch nun entzaubert sich die Branche selbst. In der Szene sind offenbar längst nicht alle Akteure Ausnahmekönner, beweisen Studien. Und in Deutschland kommt das Geschäft nur schwer in Gang.

Boomende Aktienmärkte und schlechtes Image, Initiativen für schärfere Kontrollen und magere Renditen lassen die Frischgeldzufuhr für Hedgefonds stocken. Vor zwei Wochen musste der Münchner Fonds Lion Advisors dichtmachen. Selbst in London und New York häufen sich Fondsschließungen und -fusionen.

Dabei klang das Geschäftsmodell der meist jungen Geldjongleure doch immer besonders raffiniert: Oft auf Pump wetten sie mit den Millionen ihrer Anleger - gern auf fallende Kurse. Je nach Strategie kaufen sie zum Beispiel vor möglichen Übernahmeschlachten die Aktie des Opfers und sichern sich parallel mit Verkaufsoptionen für die Papiere des Angreifers ab. Dann werden noch ein paar Gerüchte gestreut, die von der Börse gierig aufgenommen werden und den Profit zusätzlich treiben.

Da sich mit den komplexen Versicherungen gegen Kursabstürze - to hedge heißt auf Deutsch: absichern - viel Geld verdienen lässt, glänzten etliche Hedgefonds nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 mit traumhaften Renditen. In Zeiten boomender Aktienmärkte bringen diese Instrumente allerdings nur Kosten. Selbst Stars wie David Shaw, Gründer der weltgrößten Hedgefonds-Gesellschaft D. E. Shaw & Co. prophezeien ihrer ganzen Branche eine nie erlebte Renditeschwäche: "Immer mehr Geld jagt immer weniger Investment-Gelegenheiten nach."

Über eine Billion Dollar floss seit 2000 in die über 8000 vermeintlichen Geldvermehrungsmaschinen. "In der Hedgefonds-Industrie trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen, nur die Besten werden überleben", sagt Uwe Eberle, Chefanalyst von RMF Investment Management. Die Schweizer Gesellschaft ist eine Tochter der britischen Branchengröße Man und verwaltet derzeit 19,6 Milliarden Dollar in 292 Einzelfonds.

Wie beim Zusammenbruch der New Economy verschwinden viele Wunderkinder von der Bühne. "Derzeit rollt eine riesige Konsolidierungswelle an", beobachtet Eberle. Es gebe jede Menge Übernahmen und Schließungen, weil viele die enorme Frischgeldzufuhr der vergangenen Jahre nicht bewältigen konnten. "Das Geld wurde schlecht investiert, was teilweise für sehr bescheidene Renditen sorgte."

Tatsächlich legte der Branchenindex CSFB-Tremont vergangenes Jahr nur um 7,6 Prozent zu. An europäischen Aktienmärkten ließ sich dagegen im selben Zeitraum das Drei- bis Vierfache verdienen.

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Womöglich ist die Kluft sogar noch größer. Denn schlechtlaufende Fonds oder Pleitefälle tauchen in den Datenkolonnen nicht auf. Deshalb "überschätzen Hedgefonds-Indizes in der Regel die Branchenentwicklung", sagt Eberle. Bittere Wahrheiten verkündet auch der Londoner Risikoforscher Harry Kat in einer Studie: Nur ein Fünftel der Fonds bringe den Anlegern mehr Profit, als wenn sie mit gängigen Wertpapieren gehandelt hätten.

Die Szene hofft, beim nächsten Crash bald wieder glänzen zu können. Gleichzeitig sucht man nach neuen Investitionsmöglichkeiten. In Asien und auf dem Gesundheitsmarkt sollen die Traumrenditen der Zukunft zu finden sein. Der Handel mit CO2-Emissionszertifikaten ist der letzte Schrei. Und weil Ethanol als Treibstoffersatz der Zukunft gilt, bunkern manche Fondsmanager nun Optionen auf den zur Herstellung benötigten Rohstoff Zucker.

Dem deutschen Geschäft hilft solcher Aktionismus wenig. Nur zwei Milliarden Euro steckten die Anleger bislang in hiesige Finanzprodukte, die seit einer Liberalisierung deutscher Gesetze Anfang 2004 auf dem Markt sind. Die Euphorie von damals ist verflogen. Zudem werden die staatlichen Finanzkontrolleure nervös: Während überall nach mehr Aufsicht und Transparenz gerufen wird, weiß niemand, was die Heuschrecken treiben.

Die USA verhinderten bis vor kurzem jegliche Form internationaler Regulierung. Bis 1. Februar sollten sich die Fonds wenigstens zu einer Registrierung bei der Aufsichtsbehörde SEC in New York bereitfinden. Weil selbst das von vielen abgelehnt wird, sind nun die Verantwortlichen aufgewacht. "Hedgefonds machen ähnliche Fehler wie die Wirtschaftsprüfungsunternehmen in den neunziger Jahren", warnte der Ex-SEC-Chef Arthur Levitt kürzlich auf einer Investorenkonferenz in Genf. Sie scheuten das Licht der Öffentlichkeit und wollten sich durchmogeln. Wenn nur einige der mittlerweile berüchtigten Fonds zusammenbrechen würden, wäre der Druck auf die Politiker immens.

Diese Woche ist die schillernde Branche erneut Thema im Bankenausschuss des US-Senats. Selbst in Washington, wo die Heuschrecken zu den eifrigsten Wahlkampfspendern zählen, geraten die Finanzmanager mit ihren aggressiven Aktionen neuerdings in die Kritik.

Die SEC verwarnte etwa den New Yorker Zehn-Milliarden-Dollar-Fonds Perry wegen eines undurchsichtigen Deals. Bei Perry hatte TCI-Chef Christopher Hohn, der die Deutsche Börse im vergangenen Jahr das Fürchten lehrte, sein Geschäft gelernt. Hohn und ein knappes Dutzend Heuschrecken verhinderten damals, dass Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert seinen Londoner Konkurrenten übernehmen konnte. Seifert wurde gestürzt. Nun wollen die Fonds die Fusion mit der französisch dominierten Euronext erzwingen. Dort gehören sie seit langem zu den wichtigsten Aktionären.

Kreml-Chef Ziemke kann wie die meisten seiner Kollegen von solchen Deals nur träumen. Die Superhedge-Konferenz brachte ihm außer ein paar neuen Kontakten nichts: "Es gab mehr Anbieter als Investoren."

 

18.04.06 09:50

31051 Postings, 7377 Tage sportsstarWeg frei zum Hedge-Fonds

Portfolio

Weg frei zum Hedge-Fonds

von Tim Höfinghoff, Heike Buchter, New York, und Elisabeth Atzler, Frankfurt

In der rasant wachsenden Hedge-Fonds-Branche drängen immer mehr Indexanbieter auf den Markt - und eröffnen verstärkt Investitionsmöglichkeiten für Privatanleger. Über Fonds und Zertifikate auf die Indizes wird es für private Investoren einfacher, Geld in die sonst schwer zugänglichen Hedge-Fonds zu stecken.

 

Immerhin haben die Fonds in ihren guten Jahren zweistellige Renditen eingefahren. "Hedge-Fonds-Indizes ermöglichen durch ihre einfache Konstruktion und vielseitige Strukturierungsmöglichkeiten eine Beteiligung an der Wertentwicklung der Branche", sagt Oliver Schupp, Präsident des Indexanbieters Credit Suisse Tremont.

Auch in Deutschland verkaufen mehrere Banken Zertifikate auf Hedge-Fonds-Indizes. Der Vorteil für die Anleger: Die Gebühren sind in der Regel niedriger als bei direkten Investitionen in Hedge-Fonds. Zudem fordern Hedge-Fonds von ihren Kunden meist hohe Mindestanlagesummen und binden das Kapital häufig für Monate oder Jahre.

Ein Nachteil bei Indexinvestitionen ist allerdings, dass der Anbieter die Fondsmanager nicht aktiv aussucht. Ein schwaches Jahr der Hedge-Fonds-Branche, wie das Jahr 2005, schlägt auf die Indizes voll durch.

Doch das aktive Management durch Dachfonds ist teuer, zumal die Einzelfonds hohe Erfolgsgebühren verlangen. Ursprünglich waren Hedge-Fonds daher exklusive Geldpools für sehr wohlhabende Investoren und amerikanische Stiftungen sowie Universitäten. Inzwischen sind auch immer mehr institutionelle Anleger wie Pensionsfonds und Versicherer engagiert. Das verwaltete Volumen der mittlerweile rund 9000 Fonds ist auf 1200 Mrd. $ angeschwollen - einige Datendienstleister ermittelten sogar 1500 Mrd. $.

Kampf um die Marktführerschaft

Die Indexanbieter streben danach, in der Boombranche zum Maßstab zu werden, wie es der S&P 500 und der Dow Jones für die Aktienmärkte sind. Um die Marktführerschaft kämpfen derzeit Standard & Poor's (S&P), Dow Jones und FTSE, die Morgan Stanley-Tochter MSCI und Branchenbeobachter wie Hedge Fund Research (HFR) und Greenwich-Van.

Zu den Ersten auf dem Markt zählen Credit Suisse (CS) und der Finanzdatenanbieter Tremont, die zusammen seit 1999 einen Hedge-Fonds-Index erstellen - seit 2003 auch als investierbaren Index. 2004 begann CS Tremont auch damit, den Index in Deutschland als Zertifikat zu vertreiben. Mehrere Banken bieten inzwischen Zertifikate auf Hedge-Fonds-Indizes wie den HFR-Index. Doch die Investoren hier zu Lande halten sich zurück. "Unsere Statistik zeigt, dass das große Anlegerinteresse noch nicht angekommen ist", sagt Dieter Lendle, Vorstand des Branchenverbands Deutsches Derivate Institut. 2005 ging das Volumen von Hedge-Fonds-Zertifikaten, die oft auf Indizes beruhen, deutlich zurück. Die Produkte seien wenig beliebt bei deutschen Privatanleger, stellt das Derivate Forum fest.

Problematisch ist, dass einige Indizes noch unübersichtlich sind. Die Indexzusammensetzung - zum Beispiel nach welchen Kriterien ein Fonds in den Index kommt - ist nicht immer transparent.

"Der Antrieb ist, ein Benchmark-Produkt für Investoren zu schaffen", sagt Justin Dew, Hedge-Fonds-Experte bei S&P. Für die Hedge-Fonds-Branche ist der Ansatz der Indexanbieter allerdings ein Stachel im Fleisch: Das Motto der Fonds ist es doch gerade, sich nicht an Indizes messen zu lassen und absolute Erträge zu erzielen.

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Aus der FTD vom 18.04.2006
© 2006 Financial Times Deutschland

 

02.05.06 17:21
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29429 Postings, 5900 Tage sacrificeInvasion der Heuschrecken

Sommer 2005. Werner G. Seifert, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse, und Aufsichtsratsvorsitzender Rolf E. Breuer räumen auf Druck einzelner Aktionäre ihre Posten. Vorausgegangen ist ein Wirtschaftskrimi der besonderen Art: International agierende Hedge-Fonds greifen ein deutsches Unternehmen an. Mit fragwürdigen Methoden zwingen britische Investoren um Hedge-Fonds-Manager Chris Hohn (TCI) einem der profitabelsten DAX-Unternehmen neue Spielregeln auf: Sie verhindern die Übernahme der Londoner Börse durch die Deutsche Börse, plündern durch Aktienrückkäufe die Unternehmenskasse und setzen ihre Wunschkandidaten für den Aufsichtsrat durch ? und das alles, ohne die Mehrheit des Unternehmens zu besitzen. Ein Einzelfall? Der Putsch der Hedge-Fonds gegen die Deutsche Börse ist nur die Speerspitze einer breiten Attacke auf die europäischen Kapitalmärkte, meint Werner Seifert. In seinem packenden Tatsachen-Krimi erzählt er vom Machtkampf an der Börse und seinen Hintergründen. Pressestimmen:


»Das Werk liest sich wie ein Wirtschaftskrimi und basiert auf einer Art Kriegstagebuch, das Seifert während seines Konfliks mit den Hedgefonds führte...«
»Das Buch hat das Zeug zum Wirtschaftsbestseller des Jahres. Seiferts Erlebnisse mit den Hedgefonds lesen sich spannend wie ein Krimi, sie sind lehrreich wie eine Harvard-Fallstudie und ein leidenschaftliches Plädoyer für eine vernünftige Regulierung des Kapitalmarktes.«
MANAGER MAGAZIN


»... er mußte im vergangenen Jahr unter dem Druck der als Heuschrecken titulierten Hedge-Fonds seinen Stuhl räumen. Das hinterlies bei dem ehemaligen McKinsey-Berater ein Gefühl der Verbitterung. Nun hat er seine Abrechnung mit den agressiven Investoren fertig.«
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG


»Aber warum hat er vor einem Jahr nicht gekämpft, wo doch die Heuschrecken bei der Börse in der Minderheit waren? Warum ist er vor der entscheidenden Hauptversammlung zurückgetreten? Seifert verweist auf ein Grundproblem deutscher Aktionärstreffen. Es kämen einfach zu wenige. Dann kaufen fünf große Opponenten aus London Flugtickets, kommen nach Frankfurt und sagen, wo es langgeht.«
DER TAGESSPIEGEL
 

»Wie eine römische Legion marschieren die Heuschrecken in Reih und Glied, zu Kohorten geordnet, auf dem Einband des Buches Die Invasion der Heuschrecken, in dem Seifert nun, knapp ein Jahr nach seinem Sturz, die für ihn so traumatischen Erlebnisse verarbeitet. Wem es gelingt, über die wehleidigen und selbstgerechten (Ich bedaure keine meiner Entscheidungen) Passagen hinwegzulesen, wird viel über den Aktionärskapitalismus der verschärften, angelsächsisch geprägten Varianten lernen.? DER SPIEGEL


» Im gedruckten Rückblick auf seinen Sturz vom Chefsessel der Deutschen Börse legt Werner Seifert eine kesse Sohle aufs (Börsen-) Parkett: Raubauziger Charme statt kalter Rache. ... Jetzt, fast ein Jahr nach seinem Rücktritt, tanzt Werner Seifert mit ihr. Invasion der Heuschrecken heißt sein Rückblick auf die traumatischen Ereignisse des vergangenen Jahres. Bei diesem Tanz, das sollte den Heuschrecken klar sein, führt Seifert. Werbewirksam eilten dem Buch Gerüchte voraus, die Deutsche Börse werde das Buch verbieten. ... Auch ohne justiziable Details tanzt Seifert mit leichter Hand und beschwingtem Fuß. Mit überzeugender dramatischer Stringenz, angereichert durch viele persönliche Eindrücke sowie lehrreiche und allgemein verständliche Exkurse über Börsen, Hedge-Fonds und Finanzmarktregulierung erzählt er die Geschichte seines Winterfeldzuges 2005: Wie er die Übernahme der LSE einfädelte, wie sein Widersacher, der Hedge-Fonds-Manager Chris Hohn, ihn immer weiter in die Ecke drängte und wie er keinen anderen Ausweg mehr wusste, als seinen Stuhl zu räumen. ... Vorher verrät Seifert spannende Details, etwa wie weit die Anläufe zu einer Fusion mit der Vierländerbörse Euronext bereits gediehen waren und welche Probleme die EU-Kommission damit hatte. Gerade vor dem Hintergrund der erneuten Fusionsversuche der beiden Börsen bringen die Passagen sogar Erkenntnisgewinn. Jenseits des Lesevergnügens stellt sich die Frage, wie viel Wahrheit in dem Buch steckt. Denn wer den schillernden Seifert ein bisschen kennt, weiß: Er ist sich mit dem Buch treu geblieben. ... Mit seinem Einblick in das Treiben der Hochfinanz dürfte Seifert endgültig jede Chance auf einen Arbeitsplatz in diesem Bereich verspielt haben - seine Enthüllungen verstoßen gegen sämtliche ungeschriebenen Gesetze der Branche.«
FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND



»Die Kassandra spielt Seifert in seinem Buch für den Kapitalmarkt in Europa. Viele Aktien seien zu niedrig bewertet, eine massive Heuschrecken-Invasion deshalb nicht auszuschließen. Fehle ein schützender Großaktionär, bleiben die Unternehmen nicht verschont. Dann folgten Schikanen gegen das Management und ein Hauch von Finanzzauberei. Ob Regulierungsbehörden früh und entschlossen durchgreifen, sei fraglich.«
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG



»Das angelsächsische Ideal von Aktionärsdemokratie sei denn auch ein Hirngespinst, das nur in Lehrbüchern existiere.«
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG


- Absolut phantastisches Buch -

I would never die for my believes, because I might be wrong
 
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09.02.07 09:31

29429 Postings, 5900 Tage sacrificeSorgenkind der Aufseher

Hedge-Fonds gelten vielen Leuten als reines Teufelszeug. Ohne jede Differenzierung packen sie unter dieser Überschrift alles zusammen, was ihnen riskant erscheint. Dabei ist klar: Die Finanzmärkte brauchen diese Anlagen, weil sie Risiken tragen und für Liquidität sorgen. Klar ist aber auch, dass sie beaufsichtigt werden müssen, um die Gefahr einer globalen Finanzkrise zu mindern. Der deutsche Versuch, hier in der G7 voranzukommen, verdient deshalb Unterstützung.

Es sind vor allem fünf Probleme, die Aufsehern und Finanzpolitikern Sorgen bereiten. Das ist erstens die Mär von der unendlichen Erfolgsgeschichte. Jahr für Jahr wächst das Volumen der Hedge-Fonds mit zweistelligen Raten. Mit geschätzten 1,3 Billionen (in Zahlen: 1 300 000 000 000) Dollar Anlagevolumen wird es für die Manager aber immer schwieriger, Risiko und Ertrag in Einklang zu bringen. Wer in den letzten Jahren in Aktien des Deutschen Aktienindexes investierte, fuhr im Durchschnitt besser als mit Hedge-Fonds-Anteilen. Das erhöht den Druck, mehr Risiken einzugehen.

Fragwürdig ist zweitens der beruhigende Hinweis, die klügsten Köpfe tummelten sich in der Hedge-Fonds-Branche. Kein Zweifel, was Rang und Namen hat, hört vielfach den Lockruf des Geldes und wandert in die Branche ab, in der es noch wenig Vorschriften gibt. Doch ist dies keine Erfolgsgarantie: In London starten jährlich etwa 200 bis 250 Hedge-Fonds, von denen mindestens die Hälfte wieder ihr Geschäft einstellt.

Ähnlich steht es mit dem Hinweis, in Hedge-Fonds investierten nur Profis, die hohe Verluste tragen können. Denn am Ende der Kette stehen doch die Privatanleger: viele Bürger, die ihr Geld den Pensionsfonds anvertrauen, die wiederum in diese riskante Anlageklasse investieren.

Der vierte Sorgenfaktor sind die Schulden. Nach der weltweiten Liquiditätskrise durch die Pleite des Hedge-Fonds Long-Term Capital Management im Jahr 1998 hielten sich die Spezialfonds mit der Schuldenaufnahme zurück. Doch das ist Vergangenheit. Top-Investmentbanker sprechen davon, dass die Fonds inzwischen wieder fünfmal mehr Fremd- als Eigenkapital einsetzen, um so die Renditen hochzujagen.

Für Unsicherheit sorgt schließlich, dass die Hedge-Fonds nicht zu packen sind: Viele von ihnen sitzen auf den Cayman-, den Virgin- und Bermuda-Inseln und entziehen sich dem Zugriff westlicher Staaten. Selbst in den USA scheiterte eine Registrierung von Hedge-Fonds. Notwendig wären aber weit mehr Informationen über ihre Investitionspolitik, die Risiken und vieles mehr, um auf Dauer die Gefahr einer Finanzkrise zu bannen.

Die westlichen Staaten müssen sich deshalb jenseits aller Eigeninteressen zusammenraufen. Am praktikabelsten scheint, mit Hilfe der Banken ein internationales Kreditregister aufzubauen, auf das alle Notenbanken und Aufsichtsbehörden Zugriff haben. Kein Institut könnte sich diesen Anforderungen entziehen, alle Aufseher stünden in der Pflicht, Aktualität und Validität der Daten über Kontrollen zu gewährleisten. Mehr ist derzeit weder machbar noch sinnvoll.

Quelle: Handelsblatt  

10.02.07 13:55
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31051 Postings, 7377 Tage sportsstarDie Angst vor den Hedgefonds hält an

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Undurchsichtige Hedgefonds bedrohen die Weltwirtschaft

Von Gabor Steingart und Frank Hornig , New York

Hedgefonds spielen mit Milliarden und gehen dabei ein gewaltiges Risiko ein. Der Kollaps eines Fonds könnte die gesamte Weltwirtschaft in Wanken bringen. Höchste Zeit, die klandestine Branche zu durchleuchten, fordert der ehemalige City-Group-Chef Weill im SPIEGEL-Interview.

Hamburg/New York - Der ehemalige Chef der weltgrößten Bank, der Citigroup in New York, fordert die in Deutschland tagenden G7-Finanzminister auf, die hochspekulative Hedgefonds-Industrie zu kontrollieren: "Hedgefonds müssen gegenüber einer öffentlichen Kontrollinstanz endlich ihre Bücher öffnen. Wir brauchen eine oberste Kontrollinstanz, die sämtliche Handelspositionen überblickt und hoffentlich im Voraus erkennen kann, wo eine gefährliche Geldkonzentration entsteht und welche Auswirkungen das haben könnte."

U.S. Department of State

Ex-Citigroup-Chef Weill: Kaum jemand hat Gespür für die Branche

Weill hält die fehlende Transparenz der Hedgefonds, die im Wesentlichen hochspekulative und auf Kredit basierende Aktien- und Rohstoffgeschäfte abschließen, für eine Gefahr für die Weltwirtschaft: "Das Missverhältnis von Fremd- und Eigenkapital ist bei ihnen enorm. Sie investieren nicht nur ihr eigenes Geld, sondern in viel größerem Ausmaß geliehenes Kapital."

Wenn dann unvorhergesehene Ereignisse das Marktgeschehen veränderten oder wenn der Geldzufluss austrockne, dann wird es schwer, sich in Sicherheit zu bringen.

Als Beispiel für die Gefahren führt Weill den Hedgefonds Long Term Capital Investment (LTCM) an, dessen Zusammenbruch 1998 beinahe zu einer globalen Finanzkrise geführt hätte. Die Fondsmanager hätten insgesamt 100 Milliarden Dollar investiert, obwohl sie lediglich 3,5 Milliarden Dollar an eigenen Mitteln besaßen. Um nach ein Jahr nach der Asien-Krise und den andauernden Problemen mit den russischen Rubel eine weitere globale Finanzkrise zu verhindern, hätten die Banken 3,6 Milliarden Dollar an frischem Kapital investieren müssen. Danach erst habe LTCM in einem drei Jahre andauernden Verfahren liquidiert werden können.

Die Krise habe den Beleg dafür geliefert, dass kaum jemand Gespür dafür habe, wie diese Branche funktioniert. " Die Leute hielten sich für bestens abgesichert, wenn sie nur in etliche unterschiedliche Hedgefonds investiert hatten. Nach dem Motto: Wenn einer schlecht läuft, gleicht das der Nächste schon aus."

Welcher Schaden entstehen könne, wenn Kontrolle fehle zeige überdies das Beispiel Amaranth. Der Hedgefonds hatte mit großen Summen auf Energiepreise gewettet. "Dummerweise ist der Unterschied zwischen den Preisen im Winter und jenen zu anderen Jahreszeiten völlig anders ausgefallen, als es die Amaranth-Manager erwartet hatten. In kürzester Zeit entstand ein Verlust von sechs Milliarden Dollar, und der Fonds wurde liquidiert."

Dem Einwand, die meisten Banker würden lieber im Stillen ihren Geschäften mit den Hedgefonds nachgehen, widerspricht Weill: Die Manager der gut geführten Institute wehrten sich nicht gegen Offenlegungspflichten. "In der Citigroup hatten wir ständig etwa 60 oder 70 Leute aus dem US-Finanzministerium im Haus. Die hatten ein eigenes Büro und haben unsere Zahlen Tag für Tag geprüft. Ich fand das extrem hilfreich."

DER SPIEGEL

Milliarden-Jongleure: Die global operierenden Hedgefonds

Ähnlich sollte es bei den Hedgefonds laufen, ergänzte der Bankmanager: "Wir brauchen eine oberste Kontrollinstanz, die sämtliche Handelspositionen überblickt und hoffentlich im Voraus erkennen kann, wo eine gefährliche Geldkonzentration entsteht und welche Auswirkungen das haben könnte. Es ist doch viel besser, ein aufziehendes Problem frühzeitig anzugehen, als hinterher den Schaden aufzuräumen."

Quelle:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,465590,00.html

greetz
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Das Leben ist hart, doch Ariva ist härter..

 

10.02.07 13:58

31051 Postings, 7377 Tage sportsstarDeutschland will mehr Transparenz

Deutschland tritt für mehr Transparenz bei den bisher weitgehend unkontrollierten Hedgefonds ein. Die etwa 9000 hoch spekulativen Finanzinvestoren, die überwiegend von den USA und Großbritannien aus agieren, verwalten schätzungsweise etwa 1,3 Billionen Dollar. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) will seine G7-Kollegen beim Gipfeltreffen in Essen für eine Transparenz-Initiative gewinnen. Die Bankenaufsichten könnten bei Banken Informationen darüber einzuholen, wie viel Geld sie an die Fonds verliehen haben und wo diese Gelder angelegt sind. So könnten - auf indirektem Weg - Erkenntnisse zur Risikostreuung der Fonds gesammelt werden. Dominoeffekte in Finanzkrisen sollen vermieden werden. Die Fonds selbst sollen ihre Informationspolitik überdenken. Ziel ist dem Vernehmen nach ein freiwilliger Verhaltenskodex. Im Gespräch ist auch eine Art Gütesiegel für die Branche, das durch unabhängige Rating-Agenturen erstellt wird.

greetz
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Das Leben ist hart, doch Ariva ist härter..  

12.02.07 00:49

29429 Postings, 5900 Tage sacrificeMeinungen über Hedgefonds

MEINUNGEN ÜBER HEDGE-FONDS

Auf der einen Seite wirken Hedge-Fonds stabilisierend auf den Weltfinanzmarkt: Sie erhöhen die Liquidität in bestimmten Märkten und fördern die Preisbildung. Sie übernehmen Risiken wie zum Beispiel von Zahlungsausfall bedrohte Kredite, die Banken verkaufen. Hedge-Fonds machen mit ihren Handelsstrategien auch bei Kurseinbruch Gewinn, wenn andere Investoren panikartig aussteigen müssen.

Auf der anderen Seite können Hedge-Fonds mit ihrer oft dominanten Stellung an einem Markt einen Kursverfall auslösen und andere Marktteilnehmer in einer Kettenreaktion mitreißen. Das wäre möglich bei einer verlustreichen Fehlspekulation, die der Fonds nicht mehr mit neuen Krediten auffangen kann.

Fatale Folgen hätte auch Herdentrieb: Viele Fonds verfolgen die gleiche Strategie. Ein Schock wie die Zahlungsunfähigkeit eines Schwellenlandes zwingt die ganze Anlegerherde zum Verkauf, der Kursrutsch greift auf andere Märkte über. Die Banken geraten in Schwierigkeiten wegen massiver Kreditausfälle.

GRUNDPROBLEME

Hedge-Fonds unterliegen keiner scharfen Finanzaufsicht. Diese würde ein Offenlegen von Risikopositionen und Handelsstrategien erfordern. Doch die Fonds können nur hohe Gewinne erwirtschaften, wenn ihre Strategien nicht allgemein bekannt sind und massenhaft nachgeahmt werden können. Die Heimatländer der meisten Fonds, USA und Großbritannien, lehnen scharfe Aufsicht deshalb ab. Nationale Alleingänge in der Regulierung bringen nichts, weil die Fonds dann einfach ihre Firmensitze noch mehr als sowieso schon in regulierungsfreie Zonen wie die Cayman-Inseln verlegen.

Eine von Hedge-Fonds-Pleiten ausgelöste Finanzkrise kann nur verhindert oder bewältigt werden, wenn Aufsichtsbehörden und Geschäftspartner gut genug informiert sind und schnell eingreifen können. Ein Mittelweg zwischen engmaschiger Kontrolle und rechtsfreiem Raum wäre mehr Offenheit der Branche, die die Selbstkontrolle an den Finanzmärkten stärken würde.

LÖSUNGSANSÄTZE

- Indirekte Kontrolle über die kreditgebenden Banken: Die Fonds stellen den Banken Informationen etwa über ihre Verlustrisiken zur Verfügung zur Bewertung des Kreditrisikos. Die Finanzaufsicht könnte den größten Prime-Brokern genauer auf die Finger schauen.

- Hedge-Fonds geben auf freiwilliger Basis bestimmte Informationen vertraulich an die Finanzaufsicht weiter.

- Verhaltenskodex: Die Hedge-Fonds vereinbaren selbst, bestimmte Geschäftsprinzipien und Standards im Risikomanagement einzuhalten oder bestimmte Daten zu veröffentlichen.

- Kreditregister: Die von Hedge-Fonds bei Banken gehaltenen Kreditlinien würden in einer zentralen internationalen Datenbank zusammengeführt.

- Rating-Agenturen: Die Spezialisten zur Bonitätsbewertung von Kreditnehmern vergeben Bewertungen, die etwa Risiken, Finanzierung und Anlagestrategien umfassen.
WELT.de/rtr

Artikel erschienen am 10.02.2007

http://www.welt.de/data/2007/02/10/1208134.html  

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