HV-Bericht debitel AG

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Am 8. Juni 2001 fand um 10:00 Uhr im Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle in Stuttgart die zweite ordentliche Hauptversammlung der debitel AG nach dem Börsengang statt. Anwesend waren rund 300 Aktionäre und Gäste, unter ihnen auch ein Vertreter von GSC Research, der diesen Bericht erstellte.
Die debitel AG wurde 1991 von der debis AG, einer Tochtergesellschaft der DaimlerChrysler AG, und der Metro VVG, einer Firma der Metro-Gruppe, gegründet. Der Schwerpunkt bei den Tätigkeiten der debitel AG liegt im Angebot von Basis- und Zusatzdiensten für die mobile Kommunikation. Dabei kann debitel heute als einer der führenden Service-Provider für mobile Kommunikation bezeichnet werden.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Herr Alder, eröffnete die Hauptversammlung und begrüßte zunächst alle Aktionäre, Gäste und Pressevertreter. Anschließend stellte er den Vorstand mit dem Vorsitzenden Herrn Peter Wagner und dem Finanzvorstand Herrn Dr. Hermann Roemer sowie den Aufsichtsrat und die weiteren Vorstandsmitglieder vor. Danach gab er die Formalien bekannt und leitete dann zum ersten Tagesordnungspunkt, dem Bericht des Vorstands, über.


Bericht des Vorstands

Zuerst versuchte Herr Wagner, einen Rückblick auf die Marktlage 2000 zu geben. Er erläuterte, dass das vergangene Jahr wesentlich von der UMTS-Auktion, die nahezu 100 Mrd. DM in die Kassen des Finanzministers gespült hat, und von einem explosionsartigen Wachstum im Mobilfunkbereich geprägt war.

Die UMTS-Auktionen in Deutschland und Europa seien nicht zuletzt der Grund gewesen, dass die Telekommunikationswerte ins Kreuzfeuer der Analysten und Ratingagenturen kamen. Ein Problem sei dabei das explosionsartige Wachstum innerhalb der Mobilfunkbranche, das durch die kostspielige Gewinnung von Neukunden erschwert wird. Der Markt befinde sich eindeutig in einer Konsolidierungsphase, worüber man tägliche neue Facetten aus den Medien erfahren könne.

Mit Stolz und Genugtuung stellte Herr Wagner deshalb fest, dass das Jahr 2000 wieder einmal das beste Jahr in der Firmengeschichte gewesen ist. Der Umsatz weitete sich dabei auf 2,6 Mrd. EUR oder um 32% aus. Es wurde ein EBIT von 67 Mio. EUR und ein Konzernergebnis von 40 Mio. EUR erzielt, und der Teilnehmerbestand in der Gruppe erhöhte sich um 83% auf 8,6 Mio. erhöht. Dies bedeutet einen Zugewinn von 75% bei den Marktanteilen in Europa. Speziell in Deutschland konnte man dabei die Anzahl der Mobilfunkteilnehmer auf 6 Millionen steigern, was einem Zuwachs von 116% entspricht.

Dann wies Herr Wagner darauf hin, dass eine Vielzahl von Mitbewerbern stark unter dem Druck der Akquisitionskosten steht, was erhebliche Schleifspuren in deren Bilanzen hinterlassen habe. Diese Spuren finde man hingegen bei debitel nur in sehr moderater Form in der Reduktion des EBIT (Rückgang 7%) wieder.

Dass sich das Wachstum nur in geringem Umfang auf das Ergebnis ausgewirkt hat, liege an der Effizienz der Prozesse und der Umsetzung des Geschäftsmodells zwischen Netzbetreiber und Handel. Infolge eines verbesserten Finanzergebnisses habe man es geschafft, das Konzernergebnis um 18% auf 40 Mio. EUR zu steigern. Hiermit sei debitel nicht nur der erfolgreichste Anbieter am deutschen Markt, sonder auch eines der wenigen profitabel arbeitenden Unternehmen.

Debitel sei jedoch von der allgemeinen Einschätzung der Branche nicht unberührt geblieben, so der Vorstand, was sich auf den Kursverlauf der Aktie ausgewirkt hat. Aufgrund des Erreichten sei die debitel aber im Verhältnis zur Branche noch glimpflich davongekommen, so dass man am Jahresende bei einem Schlusskurs von 21,5 EUR oder 84% des Kurses vom Jahresanfang notierte.

Wie Herr Wagner weiter ausführte, wurden in 2000 alle strategischen Ziele erreicht, in einigen Punkten wurden diese sogar übertroffen. Dies waren im Einzelnen die Wahrnehmung der Chance UMTS durch Ersteigerung einer Lizenz, wobei man die starke Marktposition nutzen kann, falls sich der Preis hierfür als zu hoch erweist. Ferner wurde der Kundenbestand ausgebaut und das Markenimage gestärkt. Die Maßnahmen zur Kundenbindung wurden intensiviert und ein profitables Wachstum erreicht.

Das Jahr 2000 war von einem explosionsartigen Wachstum im Pre-Paid-Markt geprägt, wobei debitel einen Anteil von 60% in Deutschland abdecken konnte. Hierbei ist anzumerken, dass debitel 8% der Antragsteller auf einen Kreditvertrag ablehnt und aufgrund von deren Bonität statt dessen einen Pre-Paid-Vertrag anbietet.

Im Jahr 2000 schuf debitel überdies nochmals 600 neue Arbeitsplätze, davon 400 in Deutschland. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass die debitel AG seit dem 1.1.2001 mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt und somit unter das Mitbestimmungsgesetz bezüglich des Aufsichtsrats fällt, was zu einer Satzungsänderung und gleichzeitig zu einer Neubesetzung des Aufsichtsrats führt (Beschlussfassung unter TOP 5 und 6).

Von fundamentaler Bedeutung für den Erfolg des Geschäftsmodells sind nach den Worten von Herrn Wagner die Beziehungen zum Handel. Dabei habe man die Beziehungen zum Fachhandel großflächig ausgeweitet. Mit über 6.000 aktiven Vertriebspunkten verfüge man jetzt über 20% der Zugriffsfläche in Deutschland, was ein Alleinstellungsmerkmal und ein Eckpfeiler der Erfolgsgeschichte sei. Nichtsdestotrotz habe man jedoch aus Gründen des Markenimages und des Bekanntheitsgrades die Anzahl der Shops in Deutschland auf 28 erhöht, und man werde in absehbarer Zeit mit einer sprunghaften Erhöhung dieser Zahl an die Öffentlichkeit treten.

Als Rezept für den Erfolg nannte der Vorstand die Bündelung der Angebote an Netzbetreibern, was zu einer Vereinfachung des Handels führt. Zur Abrundung des Angebots fehle nur noch Viag Interkom als Vierter Netzbetreiber, der dies bisher jedoch abgelehnt habe.

Nach Ermittlungen der Regulierungsbehörde verfüge Viag Intercom mittlerweile über ausreichend Repräsentanz am Markt, womit die Gesellschaft unter den sogenannten § 4 TKV fällt und gezwungen ist, mit debitel zu kooperieren. In der Gerichtsverhandlung vom 22.2.2001 in München sei dieses Anliegen grundsätzlich unterstützt worden, und Viag sei dazu aufgefordert worden, mit debitel in Vertragsverhandlungen einzutreten. Sollte dies in absehbarer Zeit jedoch nicht passieren, dann werde man den Rechtsweg weiter beschreiten.

Da sich die debitel AG nicht auf den Mobilfunk alleine beschränken will, bietet sie darüber hinaus im Segment Festnetz erweiterte Kommunikationsdienste an, bei denen sie mit den Vertragspartnern tesion und Worldcom sowie dem Auskunftsdienst Telegate zusammenarbeitet.

Insbesondere ist dabei ein vollständiges Angebot bei der Dienstleistung Internet von Bedeutung. Dies wurde durch eine Kooperation mit der Firma SELECTRIC erreicht, welche mehr als 140 technische Service Center in der Bundesrepublik Deutschland betreut.

Die Internettochter debitel Network Services in Köln habe man überdies erfolgreich als Nukleus der Internetaktivität positioniert. Hervorzuheben sei in diesem Zusammenhang der Einstieg in das Portal Jamba und die eingegangene Beteiligung an einem First Mover im Umfeld des mobilen Bezahlens, an paypox.

Bevor Herr Wagner nun einen Ausblick wagte, machte er darauf aufmerksam, dass es in der Aktionärsstruktur einen Wechsel gegeben hat. So hat die DaimlerChrysler Service AG ihre Put-Option im Januar gezogen und die 10-prozentige Beteiligung an der debitel glatt gestellt. Dies führte zu einer Erhöhung des Anteils der Swisscom AG auf 84%. Die Swisscom wäre jedoch jederzeit bereit, diesen Anteil zu senken, sofern es der debitel hilft.

Nach einem immensen Anstieg des Mobilfunkmarkts in Deutschland, so der Vorsitzende, werde es nun naturgemäß zu einer Verlangsamung des Wachstums kommen. So werden in Zukunft der Erhalt und Ausbau der Kundenbeziehungen, die Bereitstellung von attraktiven Diensten und die wohl dosierten Maßnahmen zur Kundenbindung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dennoch lasse eine Penetrationsrate in Deutschland von 64% per Ende März immer noch genügend Raum für Wachstum.

Man wolle die Rolle des reinen Wiederverkäufers verlassen und immer mehr die Position des Diensteveredlers besetzen. Mit den Kooperationen Jamba und paypox AG habe man dabei nur einige Schritte in diese Richtung getan. Um eine ähnliche Marktabdeckung für UMTS wie bereits für GSM zu erhalten, möchte man mit voraussichtlich vier Netzbetreibern vertragliche Regelungen treffen, was einer 90-prozentigen Marktabdeckung gleichkäme.

Zur Erhöhung der Attraktivität für die jüngere Generation sei man eine Kooperation mit dem Musiksender "Viva" und der Firma Webmiles eingegangen, wovon man sich größere Aufmerksamkeit und eine stärkere Kundenbindung verspricht.

Als Ziele für das Geschäftsjahr 2001 nannte Herr Wagner noch die Pflege und den Ausbau des Kundenbestands, die Stärkung der Marke in Form von Marketingkampagnen und ein weiterhin profitables Wachstum. Abschließend bedankte er sich für den engagierten Einsatz aller Mitarbeiter und übergab dann das Wort an den Finanzvorstand, Herrn Dr. Roemer, für dessen Bericht zum Jahresabschluss.


Bericht zum Jahresabschluss

Herr Dr. Roemer ging zuerst auf die Eckdaten des Jahres 2000 ein. So erhöhte sich der Umsatz von 1.963 Mio. EUR (1999) auf 2.596 Mio. EUR (2000) oder um 32%. Das Bruttoergebnis stieg um 32% auf 365 Mio. EUR an, während das EBIT trotz hoher Kundengewinnung von 72 auf 67 Mio. EUR oder um 7% zurückging. Das Konzernergebnis konnte dennoch infolge eines verbesserten Finanzergebnisses um 18% gegenüber 1999 auf 40 Mio. EUR gesteigert werden. Debitel hat somit ein profitables Wachstum generiert und stellt deshalb eine Ausnahme am Markt dar.

Der Wachstumsmotor im debitel-Konzern war weiterhin der Mobilfunk, wobei die Teilnehmerzahlen von 2,8 auf 6 Millionen angestiegen sind. Das EBIT ging jedoch von 112 Mio. EUR auf 85 Mio. EUR oder um 24% zurück, was Herr Dr. Roemer auf die hohen Kosten für die Kundengewinnung zurückführte.

Im Festnetzbereich habe man es zwar geschafft, das EBIT von minus 26 Mio. EUR auf minus 9 Mio. EUR zu erhöhen, man sei mit dieser Entwicklung aber immer noch sehr unzufrieden. Ebenfalls könne man sich im Internet-Bereich noch steigern, in dem das EBIT von minus 7 Mio. EUR auf plus 2 Mio. EUR anstieg.

Der Anteil des Auslandsumsatzes lag bei 24%, der Anteil der ausländischen Teilnehmer am Bestand bei 26%, und das Teilnehmerwachstum ergab sich zu 22%. Dabei stiegen die Umsätze in Belgien, Dänemark (durch Kooperation) und Slowenien (starkes Wachstum von 20%). Die Umsätze in den Niederlanden (Margendruck) und Frankreich (nur noch Geschäftskunden) hingegen gingen zurück.

Nach Angaben von Herrn Dr. Roemer stieg die Bilanzsumme um 31% auf 851 Mio. EUR. Das Anlagevermögen erhöhte sich dabei, bedingt durch Investitionen in Jamba und paypox, von 107 Mio. EUR auf 127 Mio. EUR. Ebenfalls interessant zu erwähnen sei der Anstieg der Verbindlichkeiten auf 456 Mio. EUR, der aus einer Erhöhung im Pre-Paid-Bereich resultiert.

Abschließend schlug Herr Dr. Roemer eine gleichbleibende Dividende von 0,25 EUR wie im letzten Jahr vor und übergab dann das Wort an Herrn Alder, der die Allgemeine Diskussion eröffnete.


Allgemeine Aussprache

Als erster Redner sprach ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der sich zunächst für die gute Arbeit bedankte, dann aber darauf hinwies, dass man solch ein Wachstum nicht mehr erreichen wird. Des Weiteren stellte er fest, dass es laut Presse zu einer Verzögerung bei der Einführung der neuen Dienste von mindestens einem Jahr kommen wird, und er wollte die Auswirkungen für die debitel AG genannt haben. Außerdem interessierten ihn sonstige Kooperationspartner, und er fragte, ob man gedenkt, die Kundenbindungszeit von 36 Monaten beizubehalten.

Die Ertragskraft des Unternehmens stellte der DSW-Vertreter als vorbildlich heraus. Er wollte jedoch Möglichkeiten genannt haben, um diese zu erhalten. Nachdem der Internetbereich noch weiter ausgebaut werden soll, wollte er zudem wissen, warum man die Beteiligung Berlin.de verkauft hat. Außerdem fragte er, was die Investitionen in Jamba und paypox gekostet haben.

Dann verwies er darauf, dass das Auslandsgeschäft auch weiterhin weniger ertragreich war. In diesem Zusammenhang erkundigte er sich nach dem Saldo aus dem Verkauf der Beteiligung in Belgien und nach dem Grund, warum man nicht Nord- und Westeuropa genauer betrachtet.

Des Weiteren wollte er die Kosten für ein Aktienprogramm für die Mitarbeiter genannt haben und den Grad der Inanspruchnahme dieses Angebots. Zudem fragte er nach der Anzahl der Optionen für die Vorstandsmitglieder, und er wies daraufhin, dass bei Gesellschaften wie z.B. SAP solche Zahlen schon aus dem Geschäftsbericht ersichtlich sind. Schließlich erkundigte er sich noch nach Kosten und Erfolg des Programms zur Mitarbeiterwerbung.

Abschließend gab der DSW-Vertreter eine Bewertung der debitel AG ab und meinte, man könne diese sehr zwiespältig sehen. Einerseits gebühre ihr Anerkennung für jahrelang hohe Wachstumsraten, andererseits gerate der Aktienkurs aufgrund des sehr geringen Streubesitzes immer wieder unnötig unter Druck. Deshalb wollte er wissen, wann endlich der Forderung der Swisscom nachgekommen wird, den Streubesitz zu vergrößern.

Als zweiter Redner meldete sich Herr Pfündl von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) zu Wort und erklärte, das Ergebnis der debitel sei erstaunlich, es werde jedoch in der Segmentberichterstattung auf einige Probleme hingewiesen. So seien z.B. im Festnetzbereich Verluste entstanden, obwohl das Call by Call-Geschäft aufgegeben wurde, und auch das Auslandsgeschäft trage ein Minus.

Des Weiteren interessierte Herrn Pfündl, wie hoch die Abfindungszahlung an Dr. Kreier aus dem Vorstand war, und er bemerkte, dass dieser jetzt im Aufsichtsrat sitzt, gebe ihm zu denken. Ebenfalls wollte er von Herrn Wagner erklärt haben, wieso dieser auf der letzten Hauptversammlung die Aktie als unterbewertet ansah und wieso er den Kursverfall auf das schlechte Umfeld zurückführt, denn normalerweise werde doch Kursplege durch Maßnahmen zum Shareholder Value betrieben.

Die Dividendenzahlung bezeichnete Herr Pfündl als lächerlich, und er fragte nach, warum keine Vollausschüttung vorgenommen wurde, was laut Finanzbestand durchaus möglich gewesen wäre. Im Hinblick auf den Optionsplan wollte er die begünstigten Personen wissen und wie viele Optionen die einzelnen erhalten haben.

Außerdem interessierte ihn, ob die Swisscom in irgendeiner Weise mit Vodafone verflochten ist und wie viel bisher für UMTS ausgegeben wurde. Bezüglich des Festnetzbereichs wollte er Informationen, wie man in die Pluszone zu kommen gedenkt. Abschließend wies Herr Pfündl den Aufsichtsratsvorsitzenden Herrn Alder noch darauf hin, dass dieser über ausscheidende Vorstände informieren muss.


Antworten

In seiner Beantwortung der Fragen erklärte Herr Wagner erklärte zunächst, man habe sich bisher noch gar nicht an den Aufbaukosten für UMTS beteiligt. Er bemerkte jedoch, dass man glaubt, eine 90-prozentige Marktabdeckung auch mit 4 Partner zu erreichen. Eine weitere Kooperation z.B. mit Mobilcom wollte er ebenfalls nicht ausschließen.

Um die Balance zwischen Anzahl der Kunden und Ertragskraft zu halten, wäge man diese Werte gegenseitig ab. So wolle man z.B. versuchen, Kunden zurückzugewinnen, die gekündigt haben, und die Dienste durch steigende Attraktivität, wie z.B. durch Webmiles, zu erhöhen. Die Beteiligung Berlin.de sei ein regionales Projekt gewesen, so Herr Wagner, und man denke, dass die neu erworbenen Beteiligungen an Webmiles und Jamba lukrativer sind als Berlin.de.

Bezüglich des Belegschaftsaktienprogramms und des Stockoptionsprogramm erklärt er, dass alle Mitarbeiter berechtigt waren, vom 12.12. bis zum 22.12.2000 die Aktien zu einem Tageskurs zwischen 17 und 23 EUR zu beziehen. Die Akzeptanz habe bei 15% der Arbeitnehmer gelegen. Beim Optionsprogramm seien 200 Personen berücksichtigt worden, 28% habe dabei der Vorstand bekommen, 25% die Vertriebsleiter und den Rest die Abteilungsleiter.

Im Hinblick auf den Streubesitz von nur 6% ließ er verlauten, man halte in Zukunft nach Akquisitionsobjekten Ausschau, und bei einem besseren Umfeld ziehe man eine Platzierung in Erwägung.

Dann erklärte Herr Dr. Roemer, dass sich die Investitionen in Jamba und paypox auf insgesamt 18,3 Mio. EUR belaufen haben und dass durch die Veräußerung der Berlin.de ein außerordentlicher Ertrag von 1,5 Mio. EUR erzielt wurde. Von den Belegschaftsaktien seien insgesamt 12.000 Stück gezeichnet worden. Debitel habe dabei einen Zuschuss von 24.838 EUR geleistet, was den Personalaufwand entsprechend erhöht hat.

Herr Dr. Egner, Vorstand für Internationales Marketing, ging daraufhin auf den Verlust im Ausland ein und erklärte, das Geschäft sei hauptsächlich durch die hohen Anlaufinvestitionen belastet worden. In den Niederlanden habe das Problem hingegen darin bestanden, dass 3 neue Anbieter mit Tarifsenkungen um mehr als 30% an den Markt gekommen sind, was sich gegen Ende des Jahres jedoch gebessert habe.

Auch würde man gerne im Ausland weiter Wachsen, wobei man bereits in Verhandlungen mit den Kroatischen Firmen Wunet und Wilnet stehe. In Westeuropa, so Dr. Egner, wäre es hingegen riskant, jetzt noch einzusteigen. Man behalte den Markt aber im Auge, und man werde jede sich bietende Chance nutzen.

Anschließend stellte Herr Friedrich Chrisstandl, Vorstand für Personal und Soziale Arbeit, fest, dass 4% der neuen Mitarbeiter aus dem Mitarbeitergewinnungsprogramm (Mitarbeiter wirbt Mitarbeiter) kommen und dass man in Zukunft dieses Programm auch weiterführen will. Weiter erklärte er, dass die Erfolgsprämie auf 1.000 DM angesetzt wurde, was einem Gesamtbetrag von runden 60.000 DM im Jahr 2000 gleichkomme.

Herr Wagner kam dann auf die Fragen von Herr Pfündl zu sprechen und meinte, dass man mit dem im Bereich Festnetz erzielten Ergebnis nicht zufrieden ist, dass man jedoch diese Ausrichtung nur als zusätzlichen Bereich zum Mobilfunk angesehen hat. Dass er letztes Jahr den Börsenkurs für unterbewertet befand, führte er auf den Vergleich mit anderen Mitbewerbern zurück, wobei er bemerkte, es sei sicherlich immer noch lohnenswert, sich debitel genauer anzuschauen.

Danach erklärte Herr Dr. Roemer, zum Börsengang habe man eine 50-prozentige Ausschüttung versprochen, und der Dividendenvorschlag mit über 62% liege über diesem Versprechen. Die Dividendenpolitik wäge man dabei mit der Geschäftspolitik ab.

Zur Verflechtung von Vodafone mit Swisscom nahm Herr Alder Stellung und stellte fest, dass Vodafone mit 25% an Swisscom beteiligt ist, dass dabei jedoch keine direkten oder indirekten Verflechtungen mit debitel bestehen und dass debitel immer noch ein unabhängiger Service-Provider ist.


Abstimmungen

Der Aufsichtsratsvorsitzende gab anschließend die Präsenz bekannt. Von insgesamt 89.844.862 Aktien waren 84.912.379 Stückaktien mit ebenso vielen Stimmen vertreten, was 94,51% des Grundkapitals entspricht. Vor der Abstimmung erläuterte Herr Alder noch die Formalitäten.

Alle Tagesordnungspunkte wurden mit großen Mehrheiten beschlossen. Im Einzelnen waren dies die Verwendung des Bilanzgewinns (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4) und unter (TOP 5) eine Satzungsänderung aufgrund des Gesetzes zur Namensaktie und zur Erleichterung der Stimmrechtsausübung (1. Aufsichtsratsmitglieder können im Fall einer Verhinderung auch per Email, Video- oder Internetkonferenz abstimmen und 2. Die Hinterlegungsfrist für Teilnehmer der Hauptversammlung verkürzt sich auf 7 Tage) sowie eine Satzungsänderung aufgrund der Geltung des Mitbestimmungsgesetzes (Der Aufsichtsrat muss aufgrund einer Arbeitnehmerzahl von über 2.000 Mitarbeitern jeweils zur Hälfte von den Aktionären und den Arbeitnehmern gewählt werden).

Schließlich stand unter Top 6 die damit verbundene Neuwahl des Aufsichtsrats und unter Top 7 die Wahl des Abschlussprüfers zur Abstimmung.


Fazit und eigene Meinung

Insbesondere ist bei dieser Hauptversammlung hervorzuheben, dass sich alle Vorstandsmitglieder zu keinem Zeitpunkt von den Aktionärsvertretern aus der Ruhe bringen ließen und sehr selbstsicher und souverän durch die Veranstaltung führten.

Über die debitel AG im Allgemeinen ist dabei zu bemerken, dass sie es, wie auch alle anderen Firmen, die im Mobilfunk tätig sind, in den nächsten Jahren sicherlich schwer haben wird, neue Teilnehmer für sich zu gewinnen, um dadurch die wirklich fantastischen Wachstumsraten der Vergangenheit zu erreichen. Der Mobilfunk wird sich Meinung des Autors aber erst in 2 bis 3 Jahre erholen, dann aber, falls die neuen Technologien wie z.B. GSM und UMTS einschlagen, rasend schnell. Positiv ist dabei für debitel hervorzuheben, dass sie im Gegensatz zu den Netzbetreibern nichts oder zumindest weniger für den Ausbau der genannten Netze ausgeben muss.

Die debitel AG könnte also wirklich der lachende Dritte im Konzert der Telekommunikationsfirmen werden, da deren Management die Lage des Unternehmens bisher immer realistisch eingeschätzten und nicht, wie andere Unternehmenslenker, im Börsenboom dem Größenwahn verfielen.

Für risikobereite Anleger, die über sehr hohe Schwankungsbreiten beim Aktienkurs und den sehr geringen Streubesitz hinwegsehen können und die voll und ganz an die Zukunftstechnologien GSM und insbesondere UMTS glauben, ist debitel, auch vom Gesichtspunkt der Aufstellung her (Kooperationen D2, D1, E-plus und vielleicht schon bald VIAG Interkom), sicherlich nicht das schlechteste Investment in dieser Branche.


Kontaktadresse

debitel AG
Schelmenwasenstr. 37-39
70545 Stuttgart

Tel.: 0711 / 721 - 7000
Fax: 0711 / 721 - 7100
Internet: www.debitel.com

 

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