Greenspan redet von massiven Zinserhöhungen

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eröffnet am: 09.06.04 18:44 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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Greenspan redet von massiven Zinserhöhungen

Zum Markt:

Genauso habe ich mir das vorgestellt: Die Märkte steigen und Alan Greenspan spielt an der Zinsschraube, erst einmal verbal. Es wäre natürlich viel zu früh, wenn jetzt schon die Märkte nach oben ausbrechen. Also muss etwas getan werden. Ich weiß, einige von Ihnen werden monieren, dass die Fed sich nicht einer wahlkampftaktischen Strategie der US-Regierung beugen würde. Aber es ist schon ein wenig auffällig, dass gerade jetzt, wo die Märkte aufgrund des deutlich sinkenden Ölpreises steigen, Fed-Chef Alan Greenspan nichts Besseres zu tun hat, als die Möglichkeit auch stärker (!) steigender Zinsen zu verkünden. Es hätte doch völlig ausgereicht, wenn er bei der alten Möglichkeit von moderat steigenden Zinsen geblieben wäre.

Ich hatte Ihnen die Theorie vorgestellt, die besagt, dass die Märkte bis 2-3 Monate vor der Wahl "unten" gehalten werden sollen. Dann werden die amerikanischen Ölkäufe für die strategischen Ölreserven im September eingestellt und der Ölpreis purzelt wieder in den Keller.

Die Fed wird dann deutlich machen, dass das (Ende Sommer erreichte) Zinsniveau vielleicht doch länger so niedrig gehalten werden kann, schließlich sinkt die Inflation allein schon aufgrund sinkender Öl- und damit Energiepreisen. Die Amerikaner freuen sich über billiges Benzin, die Wirtschaft kann ihre Gewinnprognosen aufgrund niedriger Ölpreise anheben. Das US-Universum ist wieder in Ordnung - Bush wird wiedergewählt.

Und Old Greeny hat gestern in seiner Rede ein weiteres Mosaiksteinchen für diese These geliefert. Warum sollte er sonst, gerade jetzt, wenn die Ölpreise sinken, damit die Inflationsgefahr in den USA eigentlich gedämpft wird, plötzlich von den Gefahren der Inflation reden, die die Fed nötigenfalls mit stärker steigenden Zinsen verhindern will? Und das, wo doch eigentlich bekannt ist, dass gerade der Ölpreis die Inflation angeheizt hat (Ölpreis steigt = Energiekosten steigen = & Herstellungskosten steigen = Preise für Waren steigen, wenn der Konsum es zulässt, also zulegt. Der Konsum legt zu, wenn die Verbraucherkredite steigen, Steuern sinken, Geldmenge steigt, etc.)

Etwas seltsam ist das schon. Es macht keinen Sinn, es sei denn, Sie glauben, Alan Greenspan sei auf seine alten Tage etwas langsam geworden und er hätte noch nicht mitgekriegt, dass die Ölpreise über 13 % seit dem Hoch verloren haben. Er müsste zudem übersehen, dass die strategischen Reserven in den USA bald aufgefüllt sind.

Aber wie gesagt, der letzte Beweis wird erbracht sein, wenn die Märkte nun bis Ende Juni fallen, dann im Sommer unmotiviert umherdümpeln, um dann im September bei einem deutlich fallenden Ölpreis und sich verbessernder US-Konjunkturdaten immer stärker ansteigen.

Nichts desto Trotz wird nun von Tag zu Tag mehr über eine mögliche Zinserhöhung Ende Juni diskutiert werden. Die wenigsten Analysten gehen im Moment davon aus, dass die Zinsen nicht angehoben werden, die Masse geht von einer Erhöhung um 0,25 Basispunkten aus, einige erwarten eine Anhebung um 0,5 Basispunkte.

Ich denke, es wird auf den Markt ankommen, was passiert und natürlich auf die neusten Inflationsraten, deswegen warte ich noch etwas mit gewagten Prognosen.

Auch der Euro kam nach dieser Rede deutlich unter Druck. Ich hatte schon mehrfach darauf hingewiesen, dass der Euro das heißeste Eisen im Moment ist und ich die Finger davon lassen würde. Das hat sich nach wie vor bestätigt und gilt, solange US-Zinserhöhungen im Raum stehen.

Der Dax konsolidiert heute weiter, steht aktuell (15 Uhr) leicht im Minus, der erste Ausbruchsversuch nach oben ist damit gescheitert. Der plötzliche Einbruch um 13 Uhr hat nach meiner Recherche mit einer Nachrichtung über eine stark fallende Nachfrage nach Hypothekendarlehen in den USA zu tun. Das könnte auch eine Folge der Rede von Greenspan sein. Wenn ich genauere Angaben dazu finde, werde ich Sie natürlich sofort informieren.

Insgesamt befindet sich der Dax nun in einem sich verjüngenden Aufwärtstrend, sofern nicht bald ein neues Hoch gebildet wird. Das würde jedoch für einen Trendbruch sprechen und damit für fallende Kurse. Also sichern Sie ihre Positionen ab, sofern Sie kurzfristiger investiert sind.
 

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