Gottfired Heller traut dem Dax 5000 Punkte zu

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eröffnet am: 14.11.03 15:08 von: Nassie Anzahl Beiträge: 1
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16003 Postings, 7245 Tage NassieGottfired Heller traut dem Dax 5000 Punkte zu

„Der Dax kann bis auf 5.000 Punkte steigen"

14. November 2003 Obwohl es zu Jahresbeginn nicht danach aussah, daß sich die Aktienmärkte aus der Umklammerung der Bären befreien können, ist ihnen genau das inzwischen doch eindrucksvoll gelungen.

Zu denjenigen, die schon frühzeitig zum Kaufen geraten haben, zählt Gottfried Heller. Der Chef der Münchener Fiduka Depotverwaltung GmbH, der schon seit Jahren als einer der wenigen deutschsprachigen Aktien-Gurus gilt, war mit seiner Kaufempfehlung zunächst zwar etwas früh dran, inzwischen hat sich seine Empfehlung aber mehr als bezahlt gemacht.

Richtig lag Heller vor allem mit seiner These, wonach sich der deutsche Aktienmarkt in diesem Jahr zum Überraschungssieger mausern könnte. Und nachdem der Dax erst in der Vorwoche auf ein neues Jahreshoch gestiegen ist, bot es sich an, den Fondsmanager, der unter anderem den Pro Fonds Emerging Markets und den Pro Fonds Inter Bonds aktiv verwaltet, nach seiner aktuellen Anlagehaltung zu fragen.


Herr Heller, sind Sie hinsichtlich der weiteren Kursaussichten an den Börsen noch immer zuversichtlich eingestellt?

Ich bin weiterhin positiv gestimmt. Nur haben sich mittlerweile die Kursantriebskräfte verändert. Bisher handelte es sich um eine Korrektur vorheriger Übertreibungen nach unten, wobei der deutsche Aktienmarkt mit das größte Nachholpotential hatte. Schließlich hatte hier das unselige Zusammenwirken von Versicherungen und Aufsichtsamt zuvor zu übertrieben drastischen Kursverlusten geführt. Wenn sich Aufsichtsbeamte und Versicherungsbuchhalter am Kapitalmarkt tummeln, kann dabei eben nur ein Unglück herauskommen. Das Ergebnis dieser deutschen Besonderheit waren herbe Kursverluste beim Dax. Folglich mußte auch die Korrektur nach oben stärker ausfallen. Darauf habe ich gesetzt und das hatte sich als richtig erwiesen.

Auch jetzt traue ich dem Dax noch Potential zu. Der Index ist noch immer billiger als etwa die Pendants an der Wall Street und zudem stärker konjunkturzyklisch zusammengesetzt. Das dürfte sich angesichts der sich abzeichnenden Konjunkturerholung als vorteilhaft erweisen. Als Bonus kommen außerdem die hierzulande eingeleiteten Reformen hinzu. Diese werden trotz aller Kritik im nächsten Jahr noch eine vorteilhafte psychologisch Rolle spielen. Das alles zusammen genommen könnte ich mir vorstellen, daß der Dax im Zuge des derzeitigen Börsenzyklus die Marke von 5.000 Punkten noch testen wird.

Ist aber die Wall Street trotz allem nicht überbewertet und beinhaltet zu viele Risiken?

Ja, da sind wir uns einig. Aber dennoch sehe ich dort aktuell noch keine Baisse. Man spricht zwar von Blasen am Immobilienmarkt, beim Dollar und der Verschuldung. Doch wenn man die Verschuldung als wichtiges Kriterium für Investitionsentscheidungen genutzt hätte, hätten man in den achtziger Jahren überhaupt nicht investiert und dadurch die langjährige Hausse verpaßt. Verschuldung ist somit kein Kriterium für die mittel- und längerfristige Aktienentwicklung. Schließlich wird in Amerika deshalb investiert, weil man dort eine höhere Rendite erwartet. Und im industriellen Bereich betragen die Umsatzrenditen in Amerika zwischen fünf und sechs Prozent, während sie in Deutschland wegen der sturren Gewerkschaften und der vielen Mitbestimmungsregelungen nur bei 1,5 bis zwei Prozent liegt.

Sehen Sie die Probleme um den schwachen Dollar und dem überteuertem Immobilienmarkt ähnlich gelassen?

Zum Dollar ist zu sagen, daß die Amerikaner vor den Wahlen kein Interesse an einem Dollar im freien Fall haben. Das wäre politisch und psychologisch kontraproduktiv. Zudem stützen ihn das starke Wachstum und die Interventionen der Asiaten, die mit Macht einen zu starken Dollar verhindern wollen. Aus meiner Sicht dürfte der Dollar mittelfristig zwischen 1,05 und 1,20 Dollar zum Euro und zwischen 100 und 115 im Verhältnis zum Yen schwanken.

Damit bleibt als Risiko der Immobilienmarkt. Der ist vielleicht die größte Gefahr. Ein Problem bekommen wir hier aber erst dann, wenn die amerikanische Notenbank anfängt, die Zinsen deutlich zu erhöhen und die Renditen auch am langen Laufzeitenende in den Bereich 5,5 bis 6,0 Prozent steigen. Das dürfte aber nur dann geschehen, wenn die Inflation auf Werte zwischen 2,5 und 3,0 Prozent steigt. Das sehe ich derzeit aber nicht. denn die Inflation ist traditionell in Umkehrphasen der Konjunktur, wenn sich das Geschehen von Rezession zum Aufschwung wandelt, am niedrigsten. Folglich sehe ich unmittelbar keine Gefahr für ein Platzen einer Immobilienblase.

Im übrigen kann es mit dem Leistungsbilanzdefizit von 500 Milliarden Dollar auf Dauer zwar so nicht weiter gehen. Aber vorläufig ist das Muttermilch für die Welt. Denn die 500 Milliarden Dollar sind Exportchancen nach Amerika und das Budgetdezit ist Brot für Amerika. Es handelt sich um einen auf Pump finanzierten Aufschwung. Dieser könnte sich schon Ende 2004 deutlich verlangsamen. Meine Sicht reicht deshalb nicht sehr weit über Ende nächsten Jahres hinaus. Für 2005 würde ich, was die Performance angeht, keine Hand ins Feuer legen. Denn irgend wann stecken alle positiven Nachrichten in den Kursen drin und die Konjunktur-Stimulanzen sind inzwischen ausgereizt.

Welche Anlageregionen bevorzugen Sie?

Kommt die Konjunktur tatsächlich in Fahrt, spricht das für zyklische Aktien wie etwa Auto, Chemie, Papier, Maschinenbau, Finanzwerte und Rohstoffe, obwohl ich wegen fehlender Inflationsrisiken die Rohstoffpreise nicht durch die Decke gehen sehe. Als Region bevorzuge ich Europa, vorzugsweise Deutschland, sowie Asien und Emerging Markets allgemein, wobei ich übrigens trotz der Vorgänge um den Ölkonzern Yukos auch Rußland noch interessant finde. Denn in den Emerging Markets finden sich Rohstoffaktien aber auch viele Nebenwerte, die besonders von einer anspringenden Konjunktur profitieren werden.

Unter den Einzelwerten gefällt mir die Allianz ganz gut. Hier wurden übertrieben starke Prügel verteilt. Nach der Krise profitiert die Allianz von den Gebührenerhöhungen in der Branche sowie ganz allgemein von ihrer Größe im operativen Geschäft, weil kleinerer Wettbewerber eher gemieden werden. Auch die Schwierigkeiten bei der Dresdner Bank dürften zunehmend geringer werden.

Das einzige, was mich an den Finanzaktien stört, ist, daß sie bis zu 70 Prozent ihrer Mittel in festverzinslichen Anleihen halten und da kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Zudem haben sie sich an den Kapitalmärkten so dumm benommen wie die unbedarfte Hausfrau Lieschen Müller. Doch die sitzt in Deutschland in den Vorstandsetagen und zwar mit Doktortitel. Trotzdem sind bei der Allianz-Aktie noch weitere 30 bis 40 Prozent an Kursgewinnen drin.

Wie schätzen Sie derzeit die Lage am Rentenmarkt ein?

Zunächst dürfte die Inflation zwischen 1,5 und 2,5 Prozent schwanken. Das wird keine drastische Leitzinsanhebungen und auch keine deutlich steigende langfristige Renditen nach sich ziehen. Die Renditen im Zehnjahresbereich dürfte weiter zwischen 4,5 und 5,5 Prozent schwanken, was historisch betrachtet noch immer niedrig ist. Als Konsequenz daraus haben wir schon Mitte Juni in dem von uns verwalteten internationalen Rentenfonds von längeren Laufzeiten auf kürzere Laufzeiten umgestellt, den Euro gespielt und verstärkt auf Unternehmensanleihen gesetzt. Uns geht es derzeit darum, das Niveau zu halten und haben deshalb auf eine defensive Anlagepolitik umgestellt.


FAZ.de  

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