Glaube an den Superzyklus

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HANDELSBLATT, Dienstag, 18. April 2006, 18:19 Uhr

Fortsetzung der Rohstoffhausse
Glaube an den Superzyklus
Von Udo Rettberg
Die Zahl der Akteure in der globalen Finanzszene steigt, die an die These vom ?Superzyklus der Rohstoffmärkte? glauben. Vor einigen Jahren wurde dies nur von wenigen Querdenkern verbreitet.

FRANKFURT. Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Ökonomen und Analysten von Konjunkturforschungsinstituten, Investmentbanken und Brokerhäusern Studien veröffentlichen, die in irgendeiner Form die Gefahr möglicher Versorgungsengpässe bei Rohstoffen aufzeigen. Die Preise der Commodities sind den immer optimistischeren Prognosen bereits seit Jahren vorausgeeilt.

Nachdem sich die repräsentativen Rohstoffindizes in den vergangenen viereinhalb Jahren mehr als verdoppelt haben, stellt sich für Kapitalanleger die Frage, ob es für den Einstieg in diese lange Zeit vergessene Anlageklasse zu spät ist. ?Der Preisaufschwung der Rohstoffe wird sich noch für mehrere Jahre fortsetzen?, sagt der für Rohstoff-Research bei Goldman Sachs zuständige Jeffrey Currie in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Alle Fundamentaldaten würden für einen Superzyklus an den Rohstoffmärkten sprechen, sagt auch Eugene McBurney, Chairman der kanadischen Investmentbank GMP Securities.

Allerdings würde eine Abkühlung der heißen Rohstoffhausse nicht überraschen. Uwe Eberle von der Schweizer Hedge-Fonds-Gesellschaft RMF sieht mehrere Anzeichen einer Überhitzung an den Rohstoffmärkten. Viele Investoren hätten auf Grund der von so genannten Fachleuten ausgesprochenen ?phantastischen Preisziele? an den Terminbörsen große spekulative Positionen aufgebaut. Dies könne durchaus als Vorbote einer nahenden Preiskorrektur gewertet werden, sagt Eberle. Wie andere Finanzmärkte, so würden wohl auch Rohstoffe mit rückläufigen Preisen und Kursen auf eine möglich erscheinende Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums oder aber gerade auf eine Abschwächung des Konjunkturbooms in der extrem rohstoff-hungrigen Volksrepublik China reagieren, sagt zum Beispiel der berühmte Anlageguru Jim Rogers in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Echte Verkappung" bei einzelnen Gütern

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Andere Experten wie Eugene McBurney stimmen dem seit vielen Jahren auf Rohstoffe fokussierten Experten in dieser Einschätzung weitgehend zu. ?Eine solche Entwicklung dürfte jedoch noch längst nicht das Ende des Rohstoffbooms darstellen?, sagt Currie. Die sehr robuste Rohstoffnachfrage aus Ländern wie China und Indien mache deutlich, dass bei einzelnen Gütern eine ?echte Verknappung? existiert, sagt auch Uwe Eberle. Bei längerfristiger globaler Betrachtung sei darüber hinaus festzustellen, dass sich bei Rohstoffen noch nicht wirklich viel getan habe, sagt der populäre Anlageexperte Marc Faber gegenüber dieser Zeitung. Denn in realen Werten gemessen, seien Rohstoffe weiter billig.

Wo aber sollten Anleger heute investieren? Für Jeffrey Currie steht fest, dass Investments in Rohstoffen weiter lohnend sind; denn er erwartet für den GSCI-Total-Return-Rohstoffindex für die nächsten zwölf Monate ein Anlageergebnis von rund 10 Prozent. Dabei sollten Industriemetalle und der Bereich Energie dominieren. ?US-Erdgas ist derzeit der weltweit billigste Rohstoff überhaupt?, wird der Experte konkret. Currie rechnet zudem mit weiter steigenden Rohölpreisen.

Agrarische Rohstoffe gewichtet Currie dagegen ebenso unter wie Edelmetalle. Philip Klapwijk, Chairman der auf Edelmetalle spezialisierten Beratungsgesellschaft GFMS in London, sieht dagegen gute Chancen, dass Gold in diesem Jahr die Marke von 600 Dollar je Feinunze klar übertreffen und in den nächsten beiden Jahren das historische Hoch von 855 Dollar überspringen wird. Als Gold-Fan gibt sich auch Faber zu erkennen. Sein Argument: Asiens Notenbanken würden heute gerade einmal zwei Prozent ihrer Währungsreserven in Gold und den weitaus größten Teil in US-Dollar halten. Hier werde es in nächster Zeit zu einer Verschiebung zugunsten von Gold kommen, prognostiziert Faber.

Kapitalanlagen in Rohstoffen

Rohstoffindizes: Einer Analyse von Barclays Capital zufolge sind derzeit rund 140 Mrd. Dollar in Anlageprodukten investiert, die auf verschiedenen populären Rohstoffindizes basieren.

GSCI-Index: Der weitaus größte Teil dieses Betrages - nämlich rund 55 Mrd. Dollar ? steckt nach Angaben von Stefan Weiser von Goldman Sachs im populären GSCI-Rohstoffindex seines Hauses, von dem es mehrere Subindizes gibt.

ETF-Indexfonds: Immer populärer werden Investments in an Wertpapierbörsen gelisteten so genannten Exchange Traded Funds (ETF). Seit November 2004 gibt es Gold-ETF und seit einigen Wochen auch Silber-ETF. Seit Anfang April können Anleger ihr Kapital auch in den an der American Stock Exchange gelisteten Rohöl-ETF investieren.


 

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