GAUleiter Waigel

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neuester Beitrag: 21.11.03 18:55
eröffnet am: 19.11.03 19:05 von: Karlchen_I Anzahl Beiträge: 31
neuester Beitrag: 21.11.03 18:55 von: PRAWDA Leser gesamt: 1277
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19.11.03 19:05
2

21799 Postings, 7966 Tage Karlchen_IGAUleiter Waigel

Zur Zeit sorgt mal wieder das wirtschaftspolitische Irrenhaus für Schlagzeilen. Die Bürokraten in Brüssel, allen voran der Spanier Solbes (aber auch unsere Grüne Schleyer) fordern Deutschland zu weiteren drastischen Einsparungen im Staatshaushalt auf. In dasselbe Horn stoßen Rexroth (FDP), Merz (CDU) und andere Oppositionspolitiker auf. Hans Eichel bleibt aber standhaft und verweist darauf, dass weitere Einsparungen konjunkturschädlich seien. Recht hat er.

Erfunden wurde das sog. Stabilitätskriterium, dass die Neuverschuldung nicht über 3% der Wirtschaftsleistung steigen darf, von Theo Waigel. Die 3%-Grenze ist völlig willkürlich; eine wissenschaftliche Begründung dafür gibt es nicht. Es können auch 2% oder 4,7856% sein - völlig willkürlich.

Beabsichtigt war, dass der Euro eine harte Währung sein sollte. Angenommen wurde, dass eine hohe Staatsverschuldung die Inflation ankurbeln würde, wodurch dann der Wechselkurs des Euro absacken würde. Das hat sich als GAU erwiesen (= größter anzunehmender Unsinn).

Was haben wir vielmehr:

Deutschland ist ein Hort der Geldwertstabilität, die Inflationsraten sind außerordentlich gering. Allerdings ist die Neuverschuldung hoch.

In Ländern wie Spanien, Portugal und Irland klettern die Preise hastig nach oben. Es wird viel in die Steuern gespült - und die Neuverschuldung (wenn es sie überhaupt gibt) ist gering.

Kurzum: Bei uns gibt es Preisstabilität - und die Inflationssünder kläffen uns noch an. Absurd!

Vielleicht sollte man mal den Stabilitätspakt anders als in der schlichten Waigelschen Denke definieren. Etwa so:

- Wer hohe Inflationsraten vorweißt, kriegt einen auf die Mütze.

Oder:

- Wer in schlechten Zeiten nicht spart, soll das tun. Am besten soll er noch mehr ausgeben. Wer aber in guten Zeiten die Schulden nicht reduziert, gehört an den Pranger.  
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5 Postings ausgeblendet.

20.11.03 20:00

9123 Postings, 7661 Tage ReilaHi Karlchen,

wie wärs denn, wenn man statt der Beamten mal ne Weile den Bund der Steuerzahler an die Kasse ließe? Gut, Däke würde dann das Doppelte verdienen. Aber sonst würde doch einiges eingespart.

Wäre es denn nicht ratsam, die Tatsache nicht ganz aus dem Blick zu lassen, daß unsere Staatsverschuldung schon bald astronomisch ist und der Schuldendienst uns als (steigende) Bürde und Bremse langfristig erhalten bleibt?  

20.11.03 20:03

9123 Postings, 7661 Tage Reila54reab,

um wieviel steigt denn in Deinem Privathaushalt jährlich die Neuverschuldung? Also, Du kannst deinen Lebensunterhalt seit 20 Jahren nicht mehr ohne jährlichen Neukredit bezahlen und pumpst Dir jedes Jahr zusätzliches Geld bei den Banken (Gut, das ist ein Märchen). Wie lange würde das gut gehen? Laienhaft gefragt. Wie ist die Meinung von Olaf Scholz?  

20.11.03 20:20

21799 Postings, 7966 Tage Karlchen_I@Reila: Kannste mir mal sagen, wer hinter dem Bund

der Stuerzahler steckt. Kohle haben die Jungs ja nicht zu knapp - bloss woher kommt die?

Und wie kommste darauf, dass der Däke im öffentlichen Dienst das Doppelte verdienen würde? Glaub doch sowas nicht. Der würde eher nur auf die Hälfte seines Gehaltes kommen.
Also: Wer finanziert den und wieviel kriegt der?

Schon ne spannende Frage. Würde mir schon wünschen, dass die Typen, die hier als Moralapostel daherkommen, mal selbst ihre Karten auf den Tisch packen würden. Ansonsten: Scheinheilige.  

20.11.03 20:23

16758 Postings, 7338 Tage Thomastradamuskeine VWLer hier?

ich meine, mich dunkel zu erinnern, dass die 3% nicht völlig willkürlich gewählt waren, sondern zusammen mit anderen Annahmen wie zB Wirtschaftswachstum, Inflationsrate etc. durchaus Sinn gemacht hatten. Soweit die Annahmen natürlich noch annähernd der Realität entsprechen...VWL halt...

Gruß,
T.  

20.11.03 20:53

21799 Postings, 7966 Tage Karlchen_IVWLer - was ist denn das? o. T.

20.11.03 21:14

21880 Postings, 7138 Tage utscheckkommt so...

in etwa hin Tom, aber ich gehe hier trotzdem in Richtung Karlchen.

Reila hat, was die allgemeine Lehrmeinung angeht, natürlich recht mit seiner Schuldenpolitik, aber wie soll man entscheiden.

Ich würde mich weiter verschulden, wenn auch nur ein Funken Hoffnung besteht, damit die Lage zu verbessern.

...und ganz wichtig, wenn es denn funktioniert auch die Schulden wieder abbauen.

Das Wort Konjunkturausgleichsrücklage ist so ein schönen Wort, aber praktiziert wird es nicht. Ich glaube nur 1x wurden ein paar Mios abgetragen (UMTS-Lizenzen).

Würde also heißen, daß es in Deutschland seit den 60-igern nur bergab ging, den solange wächst er schon der Schuldenberg.

Lustig ist ebenfalls das Gelaber um die Reduzierung der Staatsausgaben. Das ist kein Ziel, da nicht zu erreichen. Es sollte doch über ein paar Jahre wenigstens mal keine Erhöhungen geben, aber solange die Budgetverhandlungen pro Jahr Steigerungen von 3-5% bringen, ist das nicht zu schaffen.

Gruß
utscheck  

20.11.03 22:22

4691 Postings, 7308 Tage calexaAber die Inflation in den Ländern

wie Spanien oder Irland ist auch ein Resultat der höheren Wirtschaftsleistung (natürlich nicht allein, aber es ist ein Aspekt, der bedacht werden muß).

In Deutschland haben wir Preisstabilität, aber kein Wachstum. Was ist nun besser?

Ein wenig Inflation ist für die Wirtschaft nicht schlecht, ein wenig Wachstum aber eben zu wenig.

So long,
Calexa
www.investorweb.de  

21.11.03 01:53

3286 Postings, 7209 Tage PRAWDAKlassischer Zielkonflikt

Stagnierende  Staatsverschuldung einerseits,
andererseits antizyklische Fiskalpolitik.
Diese brachte in der Vergangenheit aufgrund der
vielen Time-Lags und der Versickerungs- und Mitnahme-
effekte sowieso nichts und wirkte immer prozyklisch.
Also rausgeworfenes Geld, sollte man drauf verzichten.
J.M.Keynes ist tot, nur bei einigen Altvorderen
schwiert das noch im Kopf rum.
Sie haben seit damals nichts Neues dazugelernt.
Erich Schneider würde sich freuen.
 

21.11.03 04:41

3286 Postings, 7209 Tage PRAWDAKritik

Kritik am Keynesianismus

Der "Crowding-out"-Effekt tritt dann ein, wenn die private Nachfrage von zusätzlicher staatlicher Nachfrage zurückgedrängt wird. Außerdem rechnen die Bevölkerung und die Unternehmen bei steigender Staatsverschuldung mit Steuererhöhungen. Gegner des Keynesianismus behaupten, daß die staatlichen Anreize nur vorübergehende Wirkung haben und nicht als Multiplikator wirken. Die Produktion und die Beschäftigung würden wieder auf den ursprünglichen Stand zurückgehen. Hinzu kommt noch, daß ganze Unternehmen teilweise oder ganz von den Staatsaufträgen abhängig werden ("Strohfeuerargument"). Das Problem an der antizyklischen Konjunkturpolitik ist die Zeitspanne zwischen der Erkennung der Konjunkturphase und der Wirkung der konjunkturpolitischen Maßnahme, die bis zu 2 Jahre andauern kann ("time-lag"). Dabei leuchtet ein, daß bei einer derartigen Verzögerung die Wirkung nicht unbedingt antizyklisch, sondern stattdessen eher prozyklisch wirkt. Die Staatsverschuldung soll nach Keynes in der Boomphase durch höhere Steuereinnahmen reduziert werden, um so wieder ein Gleichgewicht zu erzielen. Da hier ebenfalls die Regierung die Boomphase zu spät erkennt (ohne ihr Unfähigkeit zu unterstellen), verpaßt sie die Gelegenheit die Boomphase steuerlich auszunutzen und erhöht stattdessen erst in der kommenden Rezession die Steuern und wirkt damit erneut prozyklisch.

 

21.11.03 04:53

3286 Postings, 7209 Tage PRAWDAKarlchen

"Wir leben unter dem kalten Stern der Knappheit," zitierte
ich Erich Schneider.
... Sie als Ökonom sollten das nun wirklich verstehen. ...
 

21.11.03 05:00

3286 Postings, 7209 Tage PRAWDADer Aufschwung naht

Kräftiges Exportplus zieht Deutschland aus der Rezession

http://www.welt.de/data/2003/11/21/200196.html
 

21.11.03 05:03

3286 Postings, 7209 Tage PRAWDAIm Dezifit-Streit droht Deutschland das Abseits

HANDELSBLATT, Donnerstag, 20. November 2003, 18:57 Uhr

Fronten weiter verhärtet

Im Dezifit-Streit droht Deutschland das Abseits

Im Streit um den Stabilitätspakt droht Deutschland bei den EU-Partnern die Isolierung. In Brüssel hat am Donnerstag die EU-Kommission die neue Fexibilität des bisherigen deutschen Defizitverbündeten Frankreich in dem Konflikt.


HB BRÜSSEL/BERLIN. ?Das Argument, dass wir die deutsche Wirtschaft abwürgen, ist völlig inakzeptabel?, hieß es am Donnerstag in Brüsseler Kommissionskreisen, wenige Tage vor der möglicherweise entscheidenden Sitzung der EU-Finanzminister. Deutschland liege mit seinen Vorwürfen über einen zu restriktiven Kurs der Kommission falsch. Zugleich wurde in den Kreisen eine Gegenfinanzierung der geplanten Steuersenkungen gefordert. In deutschen Regierungskreisen hieß es, die Bundesregierung wolle zwar eine Einigung. Allerdings könne sie die von der Kommission verlangten zusätzlichen Einsparungen nicht aufbringen und lehne auch weiterhin das von der Kommission verfolgte Verfahren ab.

In ihren neuen Sparauflagen an Deutschland verlangt die Kommission 2004 zusätzliche Einsparungen in Milliardenhöhe. Im Gegenzug soll Deutschland ein Jahr länger Zeit bekommen, das Staatsdefizit unter die EU-Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu senken. Wie Deutschland dies erreichen soll, gab die Kommission nicht vor. Doch in Kommissionskreisen wurde deutlich darauf hingewiesen, dass die Behörde das Vorziehen der Steuerreform nur bei einer Gegenfinanzierung durch Einsparungen für sinnvoll hält. Auch CDU und CSU dringen darauf.

Die Kommission unterstütze einen Abbau der Steuerbelastung, hieß es in den Kommissionskreisen. Wenn dies nicht durch niedrigere Ausgaben aufgefangen werde, werde die Steuersenkung aber keine Wachstumsimpulse zur Folge haben. Zahlen aus der Vergangenheit zeigten, dass Privathaushalte aus Sorge vor künftigen Steuererhöhungen mehr sparen würden, wenn der Staat über Defizite mehr Geld bereitstelle.



Deutschland wolle eine Einigung im Finanzministerrat, betonten deutsche Regierungskreise erneut. ?An Konfrontation kann niemand Interesse haben.? Es werde versucht, eine Kampfabstimmung im Ecofin zu vermeiden. Die Bundesregierung wolle das wirtschaftlich Beste und nicht den Stabilitätspakt zurecht biegen. Es sei aber nicht möglich, 2004 die geforderte zusätzliche Konsolidierung von sechs Mrd. ? aufzubringen.

Damit blieb weiter unklar, wie ein Kompromiss aussehen könnte. Denn Deutschland lehnt nicht nur die Sparauflagen in ihrer Höhe ab, sondern wehrt sich auch dagegen, dass die Kommission das Defizitverfahren weiter auf Sanktionen zutreiben will. In Regierungskreisen wurde vor einem ?erheblichen Vertrauensverlust? gewarnt, falls Deutschland durch ein Beharren auf dem Verfahren zu prozyklischer Politik gezwungen werde.

Falls es zu einer Kampfabstimmung kommt, rechnet die Bundesregierung weiterhin mit einem Sieg. Dabei setze das Finanzministerium allerdings auf die Kraft seiner Argumente, sagte ein Sprecher. Er wies einen Bericht der Zeitung ?Die Welt? zurück, wonach Deutschland anderen Staaten ihre Unterstützung mit Zugeständnissen bei der Strukturförderung abkaufe.

Die Bundesregierung sieht offenbar Frankreich weiter fest an ihrer Seite und erwartet nicht, dass Frankreichs Finanzminister Francis Mer in seinem eigenen Defizitverfahren auf Kompromisskurs geht. ?Frankreich ist derzeit nicht in der Lage, der Kommission neue Konsolidierungsschritte zuzusagen?, hieß es in den Regierungskreisen. Es wurde angedeutet, dass diese Position mit Frankreichs Präsident Jacques Chirac abgestimmt ist. ?Wir sprechen nicht mit dem Finanzministerium?, hieß es.

Ein Kommissionssprecher hatte zuvor noch gesagt, es sei ?sehr positiv, dass Frankreich sich in Richtung der Empfehlungen der Kommission bewegt?. Anders als Deutschland hat Frankreich nur das Sparvolumen, nicht aber das Verfahren kritisiert. In italienischen Regierungskreisen hieß es, ein denkbarer Kompromiss sei, Deutschland bis 2006 statt bis 2005 Zeit zu geben, sein Defizit zu senken. In Kommissionskreisen hieß es dazu, theoretisch könne die Kommission ihre Empfehlungen zurückziehen, wenn die Änderungen deren Substanz angriffen.


 

21.11.03 05:33

3286 Postings, 7209 Tage PRAWDA@ calexa

Falls es Dich interessiert:
Seit ca. 35 Jahren ist - empirisch ermittelt -
ein Zusammenhang zwischen Inflationsrate und
Beschäftigung nachgewiesen, die sog. PHILLIPS-Kurve.
Lesenswert.

Viele Grüsse
P.
 

21.11.03 08:25

21799 Postings, 7966 Tage Karlchen_I@Calexa... @Prawda...

Calexa: Na klar ist es so, dass die Preissteigerungen in Irland und Spanien mit dem Wirtschaftswachstum dort zusammenhängen. Für diese Länder sind die Leitzinsen der EZB deutlich zu niedrig - für uns sind sie indes zu hoch. Und noch was: Diese Länder werden mit Hilfe von EU-Geldern hochsubventioniert - übrigens mit unseren Steuergeldern.

Prawda: Ich rede doch gar nicht von einem Konjunkturprogramm - sondern nur vom Unsinn des Stabilitätspaktes. Was mich aber nervt ist, dass sich die deutsche Finanzpolitik wie ein Hühnerhaufen präsentiert. Auf der einen Seite wird über Steuersenkungen (halte davon gar nichts) nachdedacht, und auf der anderen Seite kommen pro Woche mindestens drei Vorschläge, wie den Bürgern Geld aus der Tasche gezogen kann. Hier muss einfach mal Ruhe sein.  

21.11.03 08:44

7336 Postings, 6833 Tage 54reabstaatliche verschuldung ist ein zeichen von

der unfähigkeit der politischen führung und der naivität deren wähler. jede schuld muss irgendwann abgetragen werden. richtig ist, dass seit den 60er dieser unsinn in deutschland um sich gegriffen hat. der akumulierte schaden ist allerdings heute wesentlich höher als noch in den 80er. man stelle sich nur eine höhere inflationsrate und damit verbunden einen höheren zinssatz vor. es braucht dann nicht viel und die gesamte manövriermasse der haushalte wird durch die zinslasten aufgefressen. würden staatsschulden die wirtschaftliche entwicklung nachhaltig positiv beeinflussen, würde zentralistische planwirtschaft funktionieren und wir hätten in osteuropa blühende landschaften unter kommunistischer führung.

Na klar ist es so, dass die Preissteigerungen in Irland und Spanien mit dem Wirtschaftswachstum dort zusammenhängen. Für diese Länder sind die Leitzinsen der EZB deutlich zu niedrig - für uns sind sie indes zu hoch.

auch über monetäre steuerung kommt man nicht zu einer funktionierenden planwirtschaft. auch zu DM-Zeiten gab es in der bundesrepublick keine einheitlichen verhältnisse. die unterschiede zwischen dem wirtschaftsraum münchen und niederbayern waren oft größer als die zwischen spanien und deutschland. trotzdem kam keiner auf die idee, eine niederbayerische währung mit eigener zentralbank zu schaffen.


 www.baer45.de.vu">


 

21.11.03 08:57

4536 Postings, 7622 Tage Nobody IIIch glaube,

dass sich die Herren in der Politik über die Ausmaße gar nicht bewußt sind. Eichel wird doch bei allen Zahlen die er bekommt die letzten 6 Zahlen wegstreichen. Und da ja Kleinvieh auch Mist macht, findet er keine Schlupflöcher und sinnvollen Konjunkturankurbler.

Was bringt es für die Konjunktur eine 2-spurige Autobahn 3-spurig auszubauen ? Klar die Baufirma hat was davon, bloß welche Firmen sind denn das ?

Ist es nicht besser das Geld lieber in Investitionen mit Rendite zu investieren ? Oder zumindest 0%-Rendite ?

Und wenn man keine sinnvolle Verwendung für die Kohle hat, dann kann man auch Steuer- und Abgabenzahler entlasten oder auch mal Schulden zurückzahlen.

Was denkt den der Politiker sich dabei, für die Straßen 600 Mio ? neue Schulden zumachen (offiziell aufgrund Mautproblem), aber den Arbeitslosen (egal ob 10 Jahre reingezahlt oder Schmarotzer) 1 Mrd. an Kaufkraft wegzunehmen und auch noch die Beiträge um 50% zu erhöhen (Reduzierung Laufzeit: 18 auf 12 Monate ?)

Diese Einsparungen landen doch auch wieder in Gießkannen-Investitionen, welche dem Mittelstand, dem Arbeitnehmer,  und und und nur schwerlich helfen.

Oder was hat Eichel zu den 5 Mio für das Parkhaus in der Pampa aus dem Schwarzbuch gesagt ? Nix, oder ? Hauptsache er bekommt seine 12.000 ? Rente.

Gruß
Nobody II  

21.11.03 11:28

4691 Postings, 7308 Tage calexaWo kann ich denn

etwas zu dieser Phillips-Kurve lesen? Und was hat das mit meinem Posting zu tun?

So long,
Calexa
www.investorweb.de  

21.11.03 13:22

21880 Postings, 7138 Tage utscheckDie beschreibt den Zusammenhang

zwischen Inflationsrate und AL Quote.

Hochinteressant!

Einfach mal lesen Calexa.
utscheck  

21.11.03 16:13

4691 Postings, 7308 Tage calexaWürde ich ja gerne

Wo kann ich das denn machen? Hat jemand einen Buchtip oder eine Internetadresse?

So long,
Calexa
www.investorweb.de  

21.11.03 16:38

9123 Postings, 7661 Tage Reilacalexa, es ist wirklich schwierig,

Phillips-Kurve bei Google einzugeben. Echt!

New Economy?

Die Phillips-Kurve in der «neuen Wirtschaft»

Renaissance eines überholt geglaubten Zusammenhangs

Dass zwischen Beschäftigungsentwicklung und Inflationsniveau Abhängigkeiten bestehen, war ein zentraler Leitsatz keynesianischer Wirtschaftspolitik. Seither wurde dernach dem Ökonomen Phillips benannte Zusammenhang immer wieder für ungültig erklärt, bloss um darauf in modifizierter Form neu erfunden zu werden. Derzeit postulieren Verfechter einer «neuen Wirtschaft», mehr Wachstum und Beschäftigung seien neu ohne inflationären Druck zu haben. Auch das ist eine Spielart der Phillips-Kurven- Diskussion, wie unser Autor zeigt. Doch auch hier scheint Vorsicht angebracht. (Red.)

Von Friedrich L. Sell*

Als im Jahr 1958 der englische Statistiker und Ökonom Alban William Housego Phillips die seitdem nach ihm benannte Kurve aus der Taufe hob, hat er sich wohl kaum träumen lassen, welche wirtschaftspolitische Bedeutung diese in den darauf folgenden vierzig Jahren erlangen würde. Vor allem in den sechziger und mit abnehmender Intensität in den siebziger Jahren glaubten Politiker in den USA und Europa den in der Phillips-Kurve postulierten Zusammenhang gewissermassen als «Menukarte» der Geld- und Fiskalpolitiklesen zu können. Berühmt ist noch heute der Ausspruch des damaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, ihm seien 5% Inflation lieber als 5% Arbeitslosigkeit. Helmut Schmidt war als Schüler von Karl Schiller wie dieser in der keynesianischen Nachkriegsökonomie «gross» geworden - wenngleich die keynesianische Variante derPhillips-Kurve waagrecht und nicht fallend verläuft und somit gar keine echte Auswahl zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit bietet, sondern lediglich eine Erklärung für eine «Kerninflationsrate» liefert. Das war Schiller und Schmidt, wie auch anderen Keynesianern, eher gleichgültig, bot ihnen die Phillips-Kurve doch die Gelegenheit zu bekennen, dass eine Politik zugunsten hoher Beschäftigung ihren Preis hat.

Die monetaristische Gegenrevolution . . .

Die monetaristische «Gegenrevolution» von Milton Friedman, Karl Brunner und Allan H. Meltzer brachte die Phillips-Kurve in den siebziger Jahren von der Waagrechten in die Senkrechte und damit auch jeglichen «Menugedanken» aus dem Gleichgewicht. Aktive Geld- und Fiskalpolitik ist in einer Welt geräumter Güter- und Arbeitsmärkte lediglich in der Lage, das Preisniveau zu beeinflussen. Viele Kritiker der Monetaristen verkannten die optimistische Kehre dieser Botschaft: Deflations- oder besser Disinflationspolitik kann ohne die Geissel starker Beschäftigungseinbrüche gelingen! Die Phillips- Kurve war bis hierhin in fast alle Richtungen - bis auf die positiv ansteigende - von der Wirtschaftstheorie gedreht worden. Noch schien aber in einem einzigen Punkt Einigkeit zu herrschen: In welcher Lage auch immer, jede «Schule» beanspruchte die Stabilität, also die «ruhige Lage» im Raum (in Wahrheit nur im Koordinatensystem der Ökonomen!) der eigenen Phillips-Kurve.

. . . und die Rolle der Erwartungen

Das sollte sich dramatisch ändern, als gegen Ende der siebziger Jahre, Anfang der achtziger Jahre das neue Paradigma der «Theorie rationaler Erwartungen» das letzte bisschen Einigkeit zertrümmerte: Robert E. Lucas, Thomas J. Sargent, Robert J. Barro und Neil Wallace wiesen mit verführerischer Eleganz nach, dass höhere Inflationsraten auch höhere Inflations erwartungen auslösen. Zwar sind Irrtümer immer wieder möglich, aber nicht auf Dauer und nicht im Durchschnitt.

Am Ende wurde damit die Phillips-Kurve wieder in die Senkrechte gerückt, wenn auch aus ganzanderen Gründen als beim Monetarismus. Kurzfristig mag die Phillips-Kurve abwärts geneigtsein, aber jeder expansive Anstoss der Politik verschiebt die «Menukarte» in ungünstigere Regionen: Ein wenig mehr Beschäftigung ist nur zuimmer höheren Inflationsraten zu haben. Umgekehrt ist das Brechen von Inflationserwartungenein äusserst schmerzhafter Prozess der Abkühlung, der mit einem Zuwachs der Arbeitslosigkeit einhergeht. Dieses Credo - verbunden mit der Vorstellung, dass die Wirtschaftspolitik meistens auf Arbeitslosenquoten trifft, die die «natürliche Arbeitslosenquote» weit übertreffen - dominierte den Diskurs der achtziger und der frühen neunziger Jahre.

US-Geldpolitik im Banne der «NAIRU»

Spätestens seit etwa Mitte der neunziger Jahre hat nun, angestossen insbesondere durch die ungebrochen gute Konjunktur der Vereinigten Staaten und geprägt durch die Geldpolitik eines Alan Greenspan, die Phillips-Kurve wiederum eine neue, diesmal durchaus optimistische Wendung erfahren. Als Politikregel könnte die Losung - in Abwandlung von Helmut Schmidt - jetzt lauten: Sinkt die Arbeitslosenquote (weiter), so möge das Fed das Geld verknappen bzw. die Zinsen erhöhen! Das amerikanische Publikum und dieinternationale Fachwelt haben sich an die folgende «Mechanik» gewöhnt: Weist die Arbeitsmarktstatistik der USA einen (erneuten) Rückgang der Arbeitslosenquote aus - sie liegt mittlerweile bei knapp über 4% -, droht sie also unterein Niveau zu fallen, «das für eine stabile Preisentwicklung nötig ist», bzw. unter eines, «das die Inflation stabilisiert», so tritt die amerikanische Geldpolitik in Form höherer Leitzinsen auf die Bremse. Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von der «NAIRU», also von der «Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment». Manche Finanzanalytiker gehen inzwischen so weit, den periodischen Arbeitsmarktbericht der USA für die wichtigste Information an den internationalen Finanzmärkten zu halten.

Im Gegensatz zur Deutschen Bundesbank in der Vergangenheit und auch zur EZB in der Gegenwart, die sich in dieser oder jener Form bei der Inflationsprognose immer auf die Fisher'sche Verkehrsgleichung und moderne «Mutanten» von dieser gestützt haben, treffen wir demnach in den USA eine klare Renaissance der Phillips-Kurve an. Auch andere Grössen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, wie der private Verbrauch, werden dort mittlerweile indirekt aus der Arbeitsmarktstatistik, etwa über die Entwicklung der neu geschaffenen Stellen und den Anstieg der Stundenlöhne, geschätzt. Letztere gelten auch als gute Frühindikatoren für die Preisentwicklung. In bester Tradition der Phillips-Kurve wird argumentiert, dass stark steigende Stundenlöhne die Firmen dazu veranlassen dürften, die höheren Kosten an die Endverbraucher weiter zu geben. Es sei denn - auch das ist Phillips «pur» - die höheren Kosten werden durch anhaltende Produktivitätsgewinne in Schach gehalten.

Alles neu in der «neuen Wirtschaft»?

In den vergangenen fünfzehn Monaten hat die US-Notenbank die Leitzinsen sechsmal auf inzwischen 6,5% erhöht, um die überhitzte Konjunktur zu bremsen. Seit 1995 hatte Alan Greenspan die amerikanische Wirtschaft allerdings reichlich mit Liquidität versorgt. Gemessen am Anstieg der Arbeitsproduktivität, ist dies auch der Zeitabschnitt, in dem sich nach überwiegender Auffassung die Wachstumspotenziale des Internet-Sektors abzuzeichnen begannen. Nun wird es spannend: Wie kommt es, dass ein «Ladenhüter» wie die Phillips-Kurve ausgerechnet in einer Zeit zu neuen Ehren kommt, die wir mit dem Schlagwort der «New Economy», der «neuen Wirtschaft», belegen? Wenn überhaupt - und darin liegt natürlich ein gerüttelt Mass an Ironie -, dann legt die «New Economy» eine äusserst flache, in weiten Teilen waagrechte, also keynesianische Phillips-Kurve nahe (vgl. oben): Nur so liesse sich erklären, dass die Arbeitslosenquote in den USA seit 1995 merklich gesunken ist, ohne dass signifikante Gefahren für eine «stabile Inflationsrate»auftraten. Fast vergessen erscheinen die Deflationsängste, die uns noch vor einigen Jahren beschäftigten. Diese Sorgen waren unbegründet. Der Produktivitätsanstieg in den USA ging mit einem starken Beschäftigungs- und gleichzeitigen Nachfrageanstieg einher.

Also zurück zur «neuen Wirtschaft»: Soll denn nun, da die Inflationsgefahren in den USA (und auch in Europa) grösser geworden zu sein scheinen, wieder der «alte» Phillips-Zusammenhang gelten? Dann wäre die «New Economy» reichlich schnell vorüber gewesen. Selbst das ist denkbar: Vergleichbare Produktivitätsschübe gab es in den USA schon einmal, nämlich zwischen 1922 und 1929, ausgelöst durch die technischen Errungenschaften von Auto, Elektrizität und Radio. Parallelen ziehen ist immer problematisch, und Geschichte wiederholt sich nicht. Dennoch: Anlass zu Wachsamkeit besteht allemal.

* Der Autor ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik, an der Universität der Bundeswehr München.

Neue Zürcher Zeitung,  10. Oktober 2000

 

21.11.03 16:39

3286 Postings, 7209 Tage PRAWDADanke, Reila, mfG o. T.

21.11.03 16:52

2683 Postings, 6574 Tage Müder JoeSEHR informativer Thread, Applaus an alle. Zu

Posting nr. 1, Karlchen, hätte ich eine Frage:

Aus dem Bauch raus, und so wie es in meiner Erinnerung verblieben ist ohne weitere substantielle Recherchen, habe ich heute noch das Gefühl, daß die 3%-Grenze aus der Überheblichkeit Deutschlands gewachsen ist, dem Rest von Europa die musterschülerhafte deutsche Haushaltsdisziplin dem Rest von Europa aufs Auge zu drücken, und insbesondere Italien aus dem Euro zu drängen. Womit sie nicht gerechnet haben, ist die Tatsache, daß die Wiedervereinigung wirklich soviel kostet, wie von den "5 Weisen" prognostiziert.

Ziel war (und weil es auch gesetzlich verankert ist): Geldwertstabilität und Inflationsbekämpfung.


In diesem Sinne: "Die Geister, die ich rief ...."

 

21.11.03 16:58

3286 Postings, 7209 Tage PRAWDA@ Karlchen

"Prawda: Ich rede doch gar nicht von einem Konjunkturprogramm - sondern nur vom Unsinn des Stabilitätspaktes. Was mich aber nervt ist, dass sich die deutsche Finanzpolitik wie ein Hühnerhaufen präsentiert."

Meine Antwort:

Karlchen, vielleicht ist das gar kein Unsinn,
sondern sollte nur zur Haushaltsdisziplin erziehen?
Allerdings wenn es um staatliche Rahmenbedingungen
geht, sollte es aus psychologischen Gründen schon
berechenbare Konstante geben.
Aber was soll man schon von Sozis und Grünen erwarten? -;)
Die haben doch mehrheitlich noch nie eigenes Geld
verdient, sondern wurden vielfach immer staatlich alimentiert.
Viele Grüsse
P.  

21.11.03 17:17

2009 Postings, 7861 Tage jgfreeman@Calexa @ Karlchen

@Calexa

als 'mitbetreiber' (?) von www.investorweb.de solltest du schon etwas von der philips-kurve gehört haben, das ist nichtmal besonders anspruchvoll und meist in einer vorlesung (makro) abgehakt. dem thomas badkte (gott hab ihn selig) habe ich sogar schonmal ne email geschrieben, da ich seine artikel -sagen wir mal- ungewöhnlich finde.

ich weiß ja nicht, wer bei euch den content zusammenstellt - und welchen hintergrund diese person(en) haben?!

auf investorweb würde ich dringend ein lehrbuch der makro- und mikroökonomik in eurer buchempfehlung reinstellen, evtl. auch die autoren MANKIW, VARIAN oder FRANK (microeconomics and behavior). nunja, der erstgenannte autor hat mich persönlich viel weiter gebracht, es handelt viele themenbereiche neutral (!!) und verständlich ab :-)

@Karlchen

nun, ein wichtiger aspekt ist folgender:

geld "antizyklisch" in der rezession ausgeben - schön und gut. ABER glaubst du ernsthaft, dass POLITIKER in guten zeiten mit dem sparen anfangen? in guten zeiten werden die nochmal draufsatteln, da es ja nun was "zu verteilen" gibt. so funktionierts nicht...

;-)

freundliche grüße,

JG !  

21.11.03 18:55

3286 Postings, 7209 Tage PRAWDASachlich zu Posting # 1

Zur Haushaltsdisziplin:

- Laut Artikel 115 GG
  dürfen  die Einnahmen aus Krediten die Summe der im
  Haushaltsplan veranschlagten Ausgaben für Investitionen
  nicht überschreiten;
  Ausnahmen sind nur zulässig zur Abwehr einer Störung
  des gesamtwirtschaftlichen   Gleichgewichts.

- Auf Landesebene gibt es entsprechende
  Haushaltsrestriktionen bei den deutschen Ländern.

- Auf der Ebene der EU bestand bis dahin keine
  derartige Einschränkung.

- Um den "Wildwuchs" in dieser Hinsicht von EU-Staaten
  wie z.B. Portugal, Spanien und Italien zu begrenzen,  
  drängten Frankreich und Deutschland auf das Maastrich-
  Kriterium.

- Man hätte dabei auch 2 oder z.B. 5 % nehmen können.

- Zielsetzung dieser Massnahme war von Anfang an die
  Haushaltsdisziplinierung der EU-Staaten.

- Auch SPD und Grüne stimmten damals begeistert zu.

     
 

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