Für ein Besseres ARIVA - Zwiebelfisch

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neuester Beitrag: 08.12.05 13:26
eröffnet am: 10.05.05 13:58 von: Geselle Anzahl Beiträge: 18
neuester Beitrag: 08.12.05 13:26 von: Willi1 Leser gesamt: 4759
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10.05.05 13:58
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12234 Postings, 6732 Tage GeselleFür ein Besseres ARIVA - Zwiebelfisch

Wie der Rheinländer die Sprache am Verdrehen ist

Von Bastian Sick

Es gibt in der deutschen Sprache so manches, was es offiziell gar nicht gibt. Die sogenannte Rheinische Verlaufsform zum Beispiel. Die hat weniger mit dem Verlauf des Rheins zu tun, dafür umso mehr mit Grammatik. Vater ist das Auto am Reparieren, Mutter ist die Stube am Saugen. Und der Papst war wochenlang im Sterben am Liegen.

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DPAWenn die Sonne am Rhein am Untergehen ist, ist es in Köln Abend am Werden

Meine Freundin Holly ist Amerikanerin, genauer gesagt Kalifornierin. Obwohl sie ein sehr aufgeschlossener und wissbegieriger Mensch ist und seit nunmehr fünf Jahren in Deutschland lebt, hat sie mit der deutschen Sprache noch immer ihre liebe Not. "Deutsch ist so ... complicated", schimpft sie, "andauernd man hat es mit Ausnahmen zu tun." - "Ich glaube nicht, dass es irgendeine Sprache gibt, die ohne Ausnahmen auskommt", erwidere ich, "dafür sind die meisten Sprachen einfach zu alt und haben schon zu viele Entwicklungen durchgemacht." - "Es ist aber eine Tatsache, dass die deutsche Sprache nicht wirklich praktisch ist", sagt Holly, "eure Wörter sind so furchtbar lang, mit all den vielen Endungen, die Sätze hören gar nicht mehr auf, der Satzbau ist confusing, mal steht das Subjekt vorne, mal das Objekt, wer soll sich da zurechtfinden? Mark Twain hielt die deutsche Sprache für besonders unordentlich und systemlos. Er hatte Recht!" - "Es klappt doch aber schon ganz gut bei dir", versuche ich sie zu beschwichtigen. Da fällt Holly noch etwas anderes ein: "Und weißt du, was dem Deutschen außerdem fehlt? Es hat keine continuous form!" - "Keine was?", frage ich. "Continuous form - I'm reading a book, you are watching TV und so weiter." - "Ach so, du meinst die Verlaufsform", sage ich. "Genau", sagt Holly, "die ist ungeheuer praktisch! Es ist doch ein Unterschied, ob ich sage 'I am eating fish' oder 'I eat fish'. Das erste bedeutet, dass ich gerade jetzt einen Fisch verspeise; das zweite bedeutet dagegen, dass ich grundsätzlich Fisch esse, aber das kann ich auch sagen, während ich gerade einen Salat esse. Wenn man im Deutschen ausdrücken will, dass sich eine Handlung auf einen bestimmten Zeitraum bezieht, dann muss man einen Satz bilden wie 'Ich bin gerade dabei, das und das zu tun.' Das ist doch total umständlich! Sogar im Japanischen gibt es eine Verlaufsform, warum nicht im Deutschen?"

An dieser Stelle muss ich Widerspruch einlegen: "Dass es im Deutschen keine Verlaufsform gibt, ist nicht richtig." Holly blickt mich erstaunt an: "Tatsächlich? Wie sieht die denn aus?" - "Nun, das kommt darauf an, es gibt nämlich mehrere Möglichkeiten, die Verlaufsform zu bilden. In der Standardsprache wird dabei nach folgendem Rezept verfahren: Man nehme eine Form von 'sein', dazu die Präposition 'beim' und den substantivierten Infinitiv, fertig ist die Verlaufsform. 'Ich bin beim Einkaufen', 'Mutter ist beim Geschirrspülen', 'Lars ist beim Arbeiten' und 'Alle sind beim Essen', um nur ein paar Beispiele zu nennen. Schöner, aber seltener ist die mit 'im' gebildete Verlaufsform: 'Bärte sind wieder im Kommen', 'Ich war schon im Gehen, da rief er mich noch einmal zurück.'" - "Ach, das ist die deutsche continuous form? Dann wird 'I'm thinking about you' auf Deutsch zu 'Ich bin beim Denken an dich'?" - "Nein, die Verlaufsform bietet sich nicht für alle Verben an. Jedenfalls nicht in der standardsprachlichen Ausführung. Es gibt daneben aber noch eine umgangssprachliche, die sehr viel flexibler ist. Sie wird mit der Präposition 'am' gebildet." - "Nenn mal ein Beispiel!", bittet Holly.

Von der Internetseite des "Kölner Stadt-Anzeigers" vom 11.04.2005, eingeschickt von Zwiebelfisch-Leser Daniel Wecker, Köln

"Alle sind am Jubeln, wenn Deutschland Europameister wird. Ich bin total am Verzweifeln, weil mein PC schon wieder abgestürzt ist. Wenn andere schlafen, bin ich am Arbeiten." Holly nickt: "Stimmt, das kenne ich! 'Ich bin am Arbeiten', das sagen manche Leute wirklich." - "Und wenn dich jemand fragt: 'Möchtest du noch ein Stück Kuchen?', dann kannst du - mit Rücksicht auf deine Hüften-Verlaufsform - antworten: 'Nein danke, ich bin gerade am Abnehmen.'" - "Das wiederum habe ich noch nie gehört", behauptet Holly und lacht.

Ich nenne weitere Beispiele: "Statt 'ich denke gerade nach' oder 'ich überlege noch' hört man auch sehr oft 'ich bin gerade am Nachdenken' oder 'ich bin noch am Überlegen'." - "Aber ist das richtiges Deutsch?", fragt Holly. "Wie gesagt, es ist nicht Standard. Doch in weiten Teilen Deutschlands ist es absolut üblich. Die Regel sieht vor: 'Ich telefoniere gerade', und die Umgangssprache macht daraus: 'Ich bin gerade am Telefonieren'! Wenn der Chef in Rage gerät, raunen sich die Kollegen zu: 'Der ist mal wieder voll am Durchdrehen!' Und wenn's so richtig Ärger gibt, dann ist 'die Kacke am Dampfen'. Letzteres funktioniert sogar ausschließlich in der Verlaufsform. Den Ausdruck 'dann dampft die Kacke' gibt es nicht."

Aus der "FAZ" vom 11.01.2005, eingeschickt von Zwiebelfisch-Leser Burchard Graf Westerholt aus Münster/Westf.

Holly ist begeistert: "Das ist wirklich faszinierend! Warum bringen sie einem das nicht im Deutschunterricht bei? Da lernt man alle möglichen Regeln und Formen, aber dass es diese Verlaufsformen gibt, das verheimlichen sie einfach!" - "Lehrer sind angehalten, nur Hochdeutsch zu unterrichten. Für Sonderformen der Umgangssprache ist im Deutschunterricht normalerweise kein Platz. Obwohl man ein paar Kenntnisse manchmal schon brauchen kann - bei der Zeitungslektüre zum Beispiel. Gelegentlich findet man die umgangssprachliche Verlaufsform nämlich selbst in Überschriften. In der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' konnte man lesen: 'Das Geschäftsmodell für den Smart ist am Wanken'. Und im 'Kölner Stadt-Anzeiger' stand unlängst: 'Ölpreis weiter am Sinken'. Da ist mancher Leser verständlicherweise 'am Kopfschütteln'. In Düsseldorf und Köln allerdings wird kaum jemand Anstoß daran genommen haben. Die Rheinländer benutzen die Verlaufsform nämlich besonders gern und haben sie auf ihre Weise perfektioniert. Daher spricht man auch von der Rheinischen Verlaufsform."

Holly kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus: "Die Rheinische Verlaufsform? Willst du sagen, das Rheinland hat eine eigene continuous form?" - "Genau! Das Rheinland hat den Karneval und eine eigene Verlaufsform. Nehmen wir mal den Satz 'Ich packe die Koffer'. Das ist eine ganz normale Aussage im Präsens. In der herkömmlichen Verlaufsform wird es zu 'Ich bin am Kofferpacken'. In der Rheinischen Verlaufsform wird es zu 'Ich bin die Koffer am Packen'. Und ein Satz wie 'Chantal fönt sich die Haare' wird zu 'Dat Chantal ist sich die Haare am Fönen'. Besonders kurios wird's mit doppeltem Infinitiv: Während Papst Johannes Paul II. auf Hochdeutsch wochenlang im Sterben lag, war der arme Mann auf Rheinisch wochenlang im Sterben am Liegen! Übrigens erscheint dieser Satz nur in der Theorie länger. Was der Rheinländer an zusätzlichen Silben in die Bildung der Verlaufsform investiert, das spart er nämlich an anderer Stelle wieder ein. So heißt es zum Beispiel: 'Wenn dat einmal am Laufen fängt, hört dat nich mehr auf.' Das ist dann allerdings schon Rheinisch für Fortgeschrittene." Holly atmet tief durch: "Wow! Das ist amazing! Ich frage mich, ob Mark Twain das wohl gewusst hat?"

"Jetzt noch mal zur Übung", sage ich. "Nehmen wir den Satz 'Tim repariert den Motor'. Der wird in einfacher Verlaufsform zu 'Tim ist am Motorreparieren' - oder, elegante Variante, 'Tim ist am Reparieren des Motors'. Und wie lautet nun die verschärfte rheinische Form?" - "Moment, warte, ich komm drauf: Tim ist den Motor am Reparieren! Right?" - "Perfekt! Damit bist du bald jeder Rheinländerin Konkurrenz am Machen!"


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Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,350958,00.html

Beste Grüße vom Gesellen    

 

10.05.05 14:11
3

12234 Postings, 6732 Tage GeselleUnd zum Anfang gleich noch einen

Schuster, bleib auf deiner Leiter

Von Bastian Sick

Kennen Sie das auch? Da benutzt jemand eine bekannte Redewendung, und man wird das Gefühl nicht los: Irgendetwas stimmt da nicht. Haben Sie schon mal gehört, dass Liebe auf den Magen schlägt, dass einem etwas Unterkante Oberwasser steht und dass jemand friert wie ein Rohrspatz? Dann kennen Sie vielleicht meine Freundin Sibylle.

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DDPJustitia mit Schwert und Waage: Sprichwörtlich auf die Goldschale gelegt

Meine Freundin Sibylle ist ein lieber Mensch, und sie redet sehr gern. Eigentlich ununterbrochen. Dabei hat sie eine ausgesprochene Vorliebe für bildhafte Vergleiche und klangvolle Redewendungen; allerdings trifft sie nicht jedes Mal den Hammer auf den Nagel. Den Hammer auf den Nagel? Es heißt doch wohl "den Nagel auf den Kopf". Sie sehen schon, worauf ich hinaus will. Sibylle verwendet Ausdrücke, die in keinem Wörterbuch stehen. Man versteht die Redewendung zwar, aber man wird das Gefühl nicht los, dass irgendetwas mit ihr nicht ganz richtig ist. Mit der Redewendung, meine ich, nicht mit Sibylle.

Sibylle hat ein großes Herz, und sie mag Tiere. "Auch eine blinde Kuh findet die Spreu im Weizen", sagt sie zum Beispiel. Und sie würde auch niemals "mit Spatzen auf Kanonen schießen". Dafür schwimmt bei ihr ab und zu mal ein "Hecht im Ententeich". Sibylle weiß, "wo der Hase im Pfeffer begraben ist", und wenn sie etwas nicht weiß, dann steht sie da "wie die Kuh vorm Himmelstor". Sibylle macht sich nicht viel aus Fleisch, aber zu Hühnchen sagt sie nicht nein, und wenn ihr etwas ganz besonders verrückt vorkommt, dann ruft sie: "Da wird doch das Huhn in der Pfanne verrückt." Meinen Hinweis, dass es der Hund sei, der da verrückt wird, wehrt sie entrüstet ab: Was soll denn ein Hund in der Pfanne? Das klinge doch eher nach einem chinesischen Sprichwort. Da Sibylle sich nicht besonders gut in Geografie auskennt, weiß sie nicht, wo die berühmten böhmischen Dörfer liegen. Weil ihr aber oft etwas spanisch vorkommt, sagt sie stattdessen: "Für mich ist das ein spanisches Dorf."

Derlei Verdrehungen ziehen sich durch Sibylles Wortschatz "wie ein rotes Tuch". Kaum ein "Fettnäppchen", in das sie nicht schon getreten wäre. Sie kann Politiker nicht leiden, weil die meistens "mit zweischneidiger Zunge" reden. Was unsereiner nicht verknusen kann, das kann Sibylle nicht "verknausern". Auch von anderen Männern hält Sibylle nicht viel. Wenn das Gespräch auf ihren Ex kommt, dann "sträuben sich ihr die Zehennägel". Der brauche mal jemanden, der ihm "ordentlich die Levanten liest", sagt sie. Jawohl, auch vor der Bibel macht Sibylle nicht Halt. Einmal ist sie so erschrocken, dass sie nach eigenen Worten "fast zur Salzsäure erstarrt" ist.

DPAAlea iacta est: Die Würfel werden neu gemischt!

Nicht dass Sie denken, ich wollte mich über Sibylle lustig machen. Das käme mir nicht in den Sinn. Schließlich ist sie eine liebe Freundin, und wenn ich sie nicht hätte, wäre mein Leben ärmer. Auf jeden Fall gäbe es für mich weniger zu lachen. Und zu lernen. Denn Sibylle ist ausgesprochen lebensklug. Sie weiß, dass es nicht immer ratsam ist, Entscheidungen "über den Zaun zu brechen", und für drastische Maßnahmen hat sie eine entwaffnende Rechtfertigung parat: "Der Zweck bringt die Mittel auf." Auch Körperbehinderte kommen bei ihr besser weg als anderswo, denn "unter den Blinden" ist Sibylle zufolge "der Einbeinige König". Und wenn alles schief geht, kann man sich auf Sibylle verlassen, denn sie hat meistens noch "einen Triumph im Ärmel".

Viele Redewendungen enthalten Begriffe, die aus unserer Alltagssprache längst verschwunden sind. Wer weiß denn noch, was ein Scheffel ist? Sibylle jedenfalls nicht. Sie rät allen, die ihrer Meinung nach zu bescheiden sind, ihr Licht nicht "unter den Schemel" zu stellen.

Irgendwann einmal habe ich Sibylle empfohlen, sich doch lieber mit ihren eigenen Worten auszudrücken. "Sprich wörtlich, nicht sprichwörtlich", lautete mein Rat. Sibylle erwiderte, ich solle nicht immer jedes Wort auf die Goldschale legen und mich lieber an der eigenen Nase herumführen.

Macht nix. Ich hab Sibylle trotzdem gern. "Man wird alt wie eine Kuh und lernt trotzdem nichts dazu", sagt sie selbstironisch. Und schließlich sei die Suche nach dem passenden Ausdruck oft das reinste Waggon-Spiel. Recht hat sie. Wer könnte schon von sich behaupten, dass ihm solche Fehler nicht auch ab und zu unterliefen? Ein kleiner "Wehmutstropfen" hier, ein weiterer Fall von "Mund-zu-Mund-Propaganda" dort. Ein bisschen Sibylle steckt vermutlich in jedem von uns.

Zum Beispiel in jenem Sportreporter, der da in einem Bericht über die Formel 1 sibyllinisch, wenn nicht gar sibyllisch schrieb: "Teamchef Eddie Jordan hat Berichte dementiert, wonach sein Team erneut kurz vor dem Aus stehe - dabei hatte der Ire erst vor wenigen Tagen der Belegschaft den schwarzen Peter an die Wand gemalt."

Leser schreiben dem Zwiebelfisch ihre liebsten verdrehten Redewendungen: Der frühe Wurm fängt den Haken

<!-- Vignette StoryServer 5.0 Wed Apr 27 15:45:12 2005 --><!-- Tabelle 3648 --><!-- /Tabelle 3648 -->
Redewendungen
So heißt es richtig Und das bedeutet es
Liebe geht durch den Magen Mit einem gut gekochten Mahl gewinnt man leichter die Zuneigung eines anderen Menschen
etwas steht einem (bis) Oberkante Unterlippe etwas ist einem gründlich zuwider
schimpfen wie ein Rohrspatz laut und unablässig schimpfen
Auch eine blindes Huhn findet mal ein Korn jeder hat irgendwann mal ein bisschen Glück
mit Kanonen auf Spatzen schießen unverhältnismäßige Mittel einsetzen
der Hecht im Karpfenteich sein andere in Unruhe versetzen
da liegt der Hase im Pfeffer/da liegt der Hund begraben das ist der entscheidende Punkt
dastehen wie der Ochs vorm Berg/wie die Kuh vorm Scheunentor/vorm neuen Tor völlig ratlos sein, sich nicht zu helfen wissen
Da wird der Hund in der Pfanne verrückt Das ist nicht zu fassen!
Das sind für mich böhmische Dörfer Davon verstehe ich nichts
Das kommt mir spanisch vor Das kommt mir seltsam vor
sich wie ein roter Faden durch etwas ziehen ein immer wiederkehrendes Motiv sein
ins Fettnäpfchen treten sich taktlos verhalten
mit gespaltener Zunge reden die Unwahrheit sagen
das ist ein zweischneidiges Schwert das hat Vor- und Nachteile
da sträuben/kräuseln sich mir die Nackenhaare/da rollen sich mir die Zehennägel auf ich empfinde dabei großes Unbehagen
jemandem die Leviten lesen jemandem gehörig die Meinung sagen
zur Salzsäule erstarren wie angewurzelt dastehen
eine Entscheidung übers Knie brechen eine Entscheidung um jeden Preis herbeiführen
einen Streit vom Zaun brechen einen unnötigen Streit herbeiführen
Der Zweck heiligt die Mittel Der Zweck rechtfertigt die Maßnahmen
sein Licht nicht unter den Scheffel stellen sich nicht zu bescheiden geben
Unter den Blinden ist der Einäugige König ein Mensch mit geringer Begabung gilt etwas unter Menschen mit noch geringerer Begabung
noch einen Trumpf im Ärmel haben etwas Erfolgversprechendes in Reserve haben
alles auf die Goldwaage/auf die Waagschale legen alles sehr genau nehmen, etwas allzu wörtlich nehmen
jmd. an der Nase herumführen jmd. hereinlegen
sich an die eigene Nase fassen prüfen, ob man einen Fehler, den man anderen vorhält, nicht selbst gemacht hat
Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu Man ist nie zu alt, um noch etwas dazuzulernen
Vabanque-Spiel ein Risiko eingehen
etwas ist ein kleiner Wermutstropfen etwas trübt die Freude
Mundpropaganda mündliche Verbreitung einer Nachricht (hat nichts mit Mund-zu-Mund-Beatmung zu tun)
jemandem den schwarzen Peter zuschieben jemandem die Schuld an etwas geben
den Teufel an die Wand malen ein Unheil heraufbeschwören



 

Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,345232,00.html

Beste Grüße vom Gesellen    

 

10.05.05 14:47

7114 Postings, 7216 Tage KritikerMein lieber Geselle, das ist

sogar für einen Tauben unerhört, denn das schlägt doch glatt dem Fass die Krone ins Gesicht, man sollte schon wissen, wer Anderen eine Grube gräbt, ist selbst ein Schwein; auf jeden Fall haut das sogar eine Schillerlocke vom Sockel. Oder so - Kritiker.  

10.05.05 15:15

69031 Postings, 6394 Tage BarCodeFür ein besseres Ariva

würde es mir schon reichen, wenn meine postings nicht erst 3 Mal zum Mond und zurück gebeamt würden, bevor sie hier im Board auftauchen... Oder wie erklärt sich, dass sie erst nach ein paar Minuten erscheinen, so dass ich immer denke, dass ich einen falschen Knopf gedrückt habe.

Gruß BarCode  

10.05.05 15:17

12234 Postings, 6732 Tage Geselle@BarCoded

das ist die Technik ;-) Und nachdem Kiel hinterm Mond liegt, braucht es eben ein paar Minuten *ggg*

*Mod, das war ein Späßgen ;-)*

Beste Grüße vom Gesellen    

 

10.05.05 15:18

18637 Postings, 6952 Tage jungchenholly

klingt nett. kann man die daten?  

10.05.05 16:06

13451 Postings, 7530 Tage daxbunnyKlasse, habe endlich mal wieder lachen können

und das bei einem Beitrag bei Ariva ;-)

Greetz DB  

10.05.05 16:07

4784 Postings, 7195 Tage C.Webb4jungchen

hab ich schon - jahrelang, nicht empfehlenswert hinterfotziges Dings !  

01.08.05 13:55
1

12234 Postings, 6732 Tage GeselleMal wieder was vom Zwiebelfisch

Wir gedenken dem Genitiv

Von Bastian Sick

Der Genitiv gerät zusehends aus der Mode. Viele sind ihn überdrüssig. Dennoch hat er in unserer Sprache seinen Platz und seine Berechtigung. Es kann daher nicht schaden, sich seinem korrekten Gebrauch zu erinnern. Sonst wird man dem Problem irgendwann nicht mehr Herr und kann dem zweiten Fall nur noch wehmütig gedenken.

DDPMumifizierter Kahlbutz: Ritter von dem degenerierten Genitiv?

"Am Sonntag wird in Kampehl dem 354. Geburtstag von Ritter Kahlbutz mit einem Konzert gedacht", meldete eine Berliner Tageszeitung am 3. März. Ich wusste zwar bis zu diesem Tage nicht, wo Kampehl liegt, und ich hatte auch keinen blassen Schimmer, wer Ritter Kahlbutz war. Immerhin aber wusste ich, dass Ritter Kahlbutz nicht der Ritter von der traurigen Gestalt war. Der nämlich kämpfte einst in Spanien gegen Windmühlen. Unser Ritter Kahlbutz hingegen scheint von der Presse nachträglich zum "Ritter von dem degenerierten Genitiv" stilisiert zu werden. Weswegen "ihm" ja auch gedacht werden muss.

Inzwischen habe ich mich natürlich schlau gemacht: Ritter Christian Friedrich von Kahlbutz lebte von 1651 bis 1702 im brandenburgischen Kampehl. 1690 war er des Totschlags angeklagt, erwirkte jedoch mittels eines Reinigungseides einen Freispruch. Vor Gericht soll er gesagt haben, "wenn er der Mörder dennoch gewesen sein soll, so wolle er nicht verwesen!" Fast hundert Jahre nach seinem Tod fand man in der Gruft seine Mumie - und damit den Beweis für den Meineid. Die deutsche Sagenwelt ist seitdem um eine schaurig-schöne Geschichte reicher, und das beschauliche Dorf Kampehl hat eine Touristenattraktion ersten Ranges. Die deutsche Grammatik indes hat ein Problem - immer wenn dem Ritter gedacht wird. Denn "gedenken" ist eines der (wenigen) deutschen Verben, die ein Genitivobjekt nach sich ziehen. Daher muss es richtig heißen: Es wird des Ritters gedacht. Oder wenigstens seines Geburtstages. In Abwandlung einer bekannten Werbekampagne für einen großen deutschen Fernsehsender ließe sich hier feststellen: Mit dem zweiten klingt es besser!

DPANeonazi-Aufmarsch in Magdeburg mit nicht nur grammatisch fragwürdiger Parole

Schauplatzwechsel: Im Februar 2005 fand in Magdeburg eine Kundgebung von Neonazis statt. Auf einem Spruchband las man folgenden rechtsradikalen Irrsinn, mit dem die Demonstranten Aufsehen erregen wollten: "Wir gedenken den Opfern des alliierten Holocaust". Da wird sich nicht nur mancher Lehrer spontan gedacht haben: "Geht erst mal nach Hause und macht eure Schulaufgaben!" Falsches Deutsch auf einem Spruchband einer von dümmlicher Deutschtümelei besoffenen Splittergruppe wirkt freilich besonders absurd. Leider sind die Herren Neonazis bei weitem nicht die Einzigen, die "dem" Genitiv nicht mehr mächtig sind.

Die Presse trägt nicht unwesentlich zur Verbreitung des Eindrucks bei, dass der Genitiv vom sprachlichen Spielfeld ausgewechselt und auf die Reservebank geschickt werden soll. "Als am Mittwoch der Bundestag seinem früheren Präsidenten Hermann Ehlers gedachte, hielt auch Merkel eine Rede", konnte man auf einer Internet-Nachrichtenseite lesen. Bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens Angela Merkel in ihrer Rede des Verstorbenen im richtigen Fall gedachte.

"Auch du, Akkusativ!", rief der Genitiv entsetzt, ehe er tot zusammenbrach

Auch das "Herr werden" ist eine verbale Konstruktion, in der der Genitiv (noch) herrscht, aber immer häufiger vom Dativ verdrängt wird. Als die Stadt Bern drastische Maßnahmen zur Bekämpfung einer Krähenplage beschloss, schrieb eine Hamburger Boulevardzeitung: "Um dem lauten Gekrächze und all dem Dreck Herr zu werden, setzt die Stadt nun rote Laserstrahlen gegen die schwarzen Vögel ein." Nicht erst seitdem zerbrechen sich Genitiv-Freunde den Kopf darüber, wie man des Problems hinter dem Herrwerden noch Herr werden kann.

"Sich einer Sache annehmen" ist ein weiterer Fall. "Die Stadt braucht einen Stadtbaumeister, der sich dem Thema Baukultur annehmen soll", forderte eine Kölner Tageszeitung. Immerhin besaß sie die Größe, wenige Tage später einen Leserbrief abzudrucken, in dem ein verärgerter Leser forderte, die Zeitung solle sich endlich mal wieder des Genitivs annehmen.

Übrigens wurde einst sogar das Verb "vergessen" mit dem Genitiv gebildet. Das kann man heute noch an dem schönen Wort "Vergissmeinnicht" erkennen, das eben nicht "Vergissmichnicht" heißt. Aber der Genitiv hinter "vergessen" geriet in Vergessenheit. Nomen est omen. Allein das Blümchen ist geblieben und hält trotzig die Erinnerung an den Genitiv wach. Wenn Sie das nächste Mal einen Strauß Vergissmeinnicht bekommen, dann halten Sie kurz inne und gedenken Sie des Genitivs!

Und da sich so viele Zwiebelfisch-Leser immer an nützlichen Tabellen erbauen, hier noch einmal eine Auflistung einiger Verben, die heute noch ein Genitivobjekt haben (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Dabei handelt es sich entweder um vollreflexive Verben (die ausschließlich mit Reflexivpronomen gebraucht werden können) oder um Verben aus der Gerichtssprache (zum Beispiel verdächtigen, anklagen, überführen). Man nennt den Genitiv hier auch Genitivus criminis.

Verben mit Genitivobjekt
anklagen Er war des Mordes angeklagt.
annehmen Wir nahmen uns des Themas an.
bedienen Darf ich mich kurz Ihres Telefons bedienen?
bedürfen Es bedarf keines Wortes.
bemächtigen Da bemächtigte sich der Teufel ihrer Seelen.
beschuldigen Man beschuldigte ihn des Betrugs.
besinnen Sie besannen sich eines Besseren.
bezichtigen Er wurde des Meineids bezichtigt.
enthalten Er enthielt sich jeglichen Kommentars.
entledigen Rasch entledigte sie sich ihrer Kleider.
erbarmen Herr, erbarme dich unser!
erfreuen Sie erfreut sich bester Gesundheit.
erinnern Ich erinnere mich dessen noch sehr genau.
freuen Er freut sich seines Lebens.
gedenken Der Opfer wurde gedacht.
harren Gespannt harren wir der Fortsetzung.
rühmen Man rühmte ihn seiner Taten.
schämen Ich schäme mich dessen.
überführen Der Angeklagte wurde der Lüge überführt.
verdächtigen Man verdächtigte sie der Spionage.
vergewissern Im Spiegel vergewisserte er sich seiner selbst.
versichern Sie versicherten sich ihrer gegenseitigen Zuneigung.
zeihen Man zieh ihn des Verrats.

Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,344543,00.html

Beste Grüße vom Gesellen    

 

01.08.05 14:26

12234 Postings, 6732 Tage Geselleo.k., gebe ja zu, evtl. zu anspruchsvoll für den

Talk-Bereich :-( Aber wohin dann mit dem thread?

Beste Grüße vom Gesellen    

 

01.08.05 15:10

8034 Postings, 6630 Tage RigomaxLaß' ihn im Talkbereich. Man freut sich ja, wenn

da mal was niveauvolles drin steht. Vor allem in letzter Zeit.

Mach weiter damit.
Danke.  

01.08.05 15:26
1

12234 Postings, 6732 Tage Geselle@Rigomax, Du bist einer der letzten Hoffnungen

von Ariva ;-) Und Katjuscha ein Dankeschön für den Stern *ggg*

Beste Grüße vom Gesellen    

 

06.10.05 10:53
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12234 Postings, 6732 Tage GeselleKasus Verschwindibus

Kasus Verschwindibus

Von Bastian Sick

In der Schule lernen wir, dass die deutsche Sprache vier Fälle hat. Später aber stellen wir fest, dass es noch einen fünften geben muss: den unsichtbaren Fall, auch Kasus Verschwindibus genannt. Man findet ihn zum Beispiel am Ende des Barock und beim US-Präsident.

Hokuspokus, Kasus Verschwindibus!

Auf meinem Flug nach Mallorca blättere ich im Bordmagazin von Air Berlin. Aus alter Gewohnheit lese ich auch den Comic, eine belanglose Geschichte, in der das Maskottchen "Air Bär" von einem Zauberkünstler engagiert wird. "Ich lasse jetzt den Bär verschwinden!", verkündet der Magier und schwingt seinen Zauberstab. Autsch!, denke ich, da verschwindet noch etwas ganz anderes, nämlich die Kasus-Endung des Pelztiers, das man im Akkusativ artgerecht als "Bären" behandeln sollte. Hokuspokus, Kasus Verschwindibus!

Derselbe faule Verschwindezauber begegnet einem auch immer häufiger beim Wort "Präsident". Wenn unser Bundeskanzler nach Washington fliegt, hört man garantiert auf irgendeinem Kanal, dass er sich "mit dem US-Präsident" treffen werde. Jedem Korrespondenten dürfte es dabei eiskalt über den Rücken laufen.

Nicht viel besser ist es um den berühmten Schönheitschirurgen bestellt, dessen Endsilbe wohl einem Lifting zum Opfer gefallen sein muss, wenn ihn der Fernsehsprecher als "den berühmten Schönheitschirurg" vorstellt. Ganz zu schweigen vom Kandidaten der Quizsendung, der beharrlich zum "Kandidat" verkürzt wird: "Dann bitte ich jetzt unseren nächsten Kandidat zu mir!" Und gleich danach dieser Spruch in der Werbung: "Jetzt gibt es den neuen Swiffer-Staubmagnet!" Da fragt man sich unwillkürlich: Wie soll an dem Ding der Staub haften bleiben, wenn ihm schon in der Werbung die Endsilbe abfällt?

Die Neigung, bei schwach gebeugten männlichen Hauptwörtern die Endungen im Dativ und im Akkusativ einfach unter den Tisch fallen zu lassen, ist sehr stark ausgeprägt. Sätze wie "Dem Patient geht's gut" und "Lukas, lass den Elefant in Ruhe" sind mittlerweile häufiger zu hören als die korrekt formulierten Aussagen "Dem Patienten geht's gut" und "Lukas, lass den Elefanten in Ruhe". Die Unterlassung der Deklination ist umgangssprachlich weit verbreitet, standardsprachlich jedoch gilt sie als falsch.

 

Wenn die Bankfiliale auf einem Schild darauf hinweist, dass wegen einer Computerumstellung heute leider "keine Kontoauszüge am Automat" erhältlich seien, dann brennt es einem in den Augen. Wenn der Komiker im Fernsehen freimütig berichtet, wie er sich letztens wieder "zum Idiot gemacht" habe, kribbelt es einem in den Ohren. Wenn eine Illustrierte "neue Enthüllungen über den norwegischen Prinz" verspricht, bekommt man schon rote Flecken, und wenn kleine handgeschriebene Kärtchen an hübsch verpackten Geschenken verkünden, dies sei "für den Konfirmand", dann wird der Juckreiz unerträglich.

Kennen Sie jemand, der sich von niemand beugen lässt? Das wäre - in grammatischer Hinsicht - keine gewinnbringende Bekanntschaft. Sollten Sie aber jemanden kennen, der niemandem einen Ge-Fall-en ausschlägt, dann dürfen Sie sich glücklich schätzen. Der Verzicht auf die Endung bei "jemand" und "niemand" in Dativ und Akkusativ hat allerdings schon so lange Tradition, dass er mittlerweile von den Grammatikwerken gebilligt wird. Nicht gebilligt werden hingegen "Neue Erkenntnisse über den Höhlenmensch«, "Fotografien vom Planet Erde" und schon gar nicht die "Jagd auf den letzten Leopard". Zu wünschen wäre vielmehr, dass, solange es den Menschen noch auf diesem Planeten gibt, er sich für den Leoparden und andere bedrohte Arten einsetzt und den Kasus Verschwindibus bekämpfen wird.

<!-- Vignette StoryServer 5.0 Fri Aug 26 11:26:13 2005 -->
ZWIEBELFISCH, DAS 2. BUCHDie Fortsetzung von Bastian Sicks Sensationserfolg "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" ist erschienen!

Hier erfahren Sie alles über dem Zwiebelfisch sein neues Buch und Hörbuch

Am schlimmsten bedrängt vom Kasus Verschwindibus ist der Genitiv, und zwar bei Fremdwörtern männlichen und sächlichen Geschlechts. Viele scheinen zu glauben, man könne auf die Genitivendung verzichten; so mancher hält ihre Verwendung gar für falsch. Und so kommt es zu Ausstellungen über "Die Kulturgeschichte des Kaffee" (statt des Kaffees) und zu Büchern über "Die Geheimnisse des Islam" (statt des Islams). Man liest vom "Vorsitzenden des Komitee" und studiert das "Programm des diesjährigen Festival".

Und immer wieder hört man von den "Terroranschlägen des 11. September" statt von den Terroranschlägen des 11. Septembers. Wenn man die Verursacher des September-s-Wegfalls fragt, was sie dazu veranlasst habe, so antworten die meisten, die Form ohne "s" klinge in ihren Ohren "irgendwie richtiger". Begründungen, die das Wort "irgendwie" enthalten, die also irgendwie so aus dem Bauch heraus entstanden sind, sind irgendwie nicht richtig überzeugend. Natürlich muss es "des 11. Septembers" heißen, was sollte am Weglassen eines Schlusslaut elegant sein? (Wenn Sie eben zusammengezuckt sind und denken: es muss doch "Schlusslautes" heißen, dann ist das der beste Beweis.) Der Verzicht auf die Genitivendung bei Fremdwörtern wird vom Duden als falsch bezeichnet. Zum Glück! Sonst wäre diese Kolumne nämlich kein Beitrag zur Rettung des Genitivs, sondern höchstens einer "zur Rettung des Genitiv".

'Rennfahrer
EPA/DPARennfahrer Schumacher: Endungslose Erfolgsgeschichte "des Kerpener vom Kart-Pilot zum Top-Favorit des deutschen Motorsport"

Und das wäre nicht genug! Denn der Genitiv braucht jede verfügbare Hilfe, um die Ausbreitung des Kasus Verschwindibus einzudämmen. Sonst steht er irgendwann völlig nackt da. Dann ist es »in den Weiten des Orient" genauso öd und leer wie "am Rande des Universum". Und ein bisschen mehr Beugungen wünscht man sich auch für die anscheinend endlose und vor allem endungslose "Erfolgsgeschichte des Kerpener vom Kart-Pilot zum Top-Favorit des deutschen Motorsport". Wo der kassierte Kasus grassiert, wird man früher oder später des Wahnsinn fette Beute.




 

SPIEGEL ONLINE

Nachtrag vom 5.9.2005: Die Fluggesellschaft Air Berlin beweist, dass sie Humor hat - und lernfähig ist. Heute erhielt ich mit der Post ein Exemplar des knuddeligen Maskottchens, das einen Zettel in der Hand hält, auf dem die Buchstaben "en" stehen. Als wollte es mir sagen: "Hallo, ich bin ein Bär, aber wenn du mich auf den Arm nehmen willst, dann werde ich zum Bären!" Dafür danke ich Air Berlin von ganzem Herzen!




 

<!-- /Tabelle 3970 -->
Lasst ihnen ihre Endungen! (Nur einige Beispiele von vielen...)
Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
der Agent des Agenten dem Agenten den Agenten
der Architekt des Architekten dem Architekten den Architekten
der Artist des Artisten dem Artisten den Artisten
der Assistent des Assistenten dem Assistenten den Assistenten
der Automat des Automaten dem Automaten den Automaten
der Bandit des Banditen dem Banditen den Banditen
der Bär des Bären dem Bären den Bären
der Chirurg des Chirurgen dem Chirurgen den Chirurgen
der Demokrat des Demokraten dem Demokraten den Demokraten
der Diamant des Diamanten dem Diamanten den Diamanten
der Dirigent des Dirigenten dem Dirigenten den Dirigenten
der Elefant des Elefanten dem Elefanten den Elefanten
der Fabrikant des Fabrikanten dem Fabrikanten den Fabrikanten
der Favorit des Favoriten dem Favoriten den Favoriten
der Fotograf des Fotografen dem Fotografen den Fotografen
der Fürst des Fürsten dem Fürsten den Fürsten
der Graf des Grafen dem Grafen den Grafen
der Held des Helden dem Helden den Helden
der Idiot des Idioten dem Idioten den Idioten
der Jurist des Juristen dem Juristen den Juristen
der Kamerad des Kameradendem Kameraden den Kameraden
der Kandidat des Kandidaten dem Kandidaten den Kandidaten
der Komet des Kometen dem Kometen den Kometen
der Konfirmand des Konfirmanden dem Konfirmanden den Konfirmanden
der Konkurrent des Konkurrenten dem Konkurrenten den Konkurrenten
der Leopard des Leoparden dem Leoparden den Leoparden
der Magnet des Magneten dem Magneten den Magneten
der Mensch des Menschen dem Menschen den Menschen
der Narr des Narren dem Narren den Narren
der Patient des Patienten dem Patienten den Patienten
der Patriarch des Patriarchen dem Patriarchen den Patriarchen
der Patriot des Patrioten dem Patrioten den Patrioten
der Pilot des Piloten dem Piloten den Piloten
der Pirat des Piraten dem Piraten den Piraten
der Planet des Planeten dem Planeten den Planeten
der Polizist des Polizisten dem Polizisten den Polizisten
der Praktikant des Praktikanten dem Praktikanten den Praktikanten
der Präsident des Präsidenten dem Präsidenten den Präsidenten
der Prinz des Prinzen dem Prinzen den Prinzen
der Satellit des Satelliten dem Satelliten den Satelliten
der Soldat des Soldaten dem Soldaten den Soldaten
der Spatz des Spatzen dem Spatzen den Spatzen
der Student des Studenten dem Studenten den Studenten
der Terrorist des Terroristen dem Terroristen den Terroristen
der Tourist des Touristen dem Touristen den Touristen
der Trabant des Trabanten dem Trabanten den Trabanten
der Trabant (Eigenname des Automodells) des Trabants dem Trabant den Trabant
der Veteran des Veteranen dem Veteranen den Veteranen
der Zar des Zaren dem Zaren den Zaren
der Zyklop des Zyklopen dem Zyklopen den Zyklopen


Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,372005,00.html

Beste Grüße vom Gesellen    

 

06.10.05 10:57

12234 Postings, 6732 Tage GeselleIhhh, was macht denn Schumi da noch drinnen?

Einfach Schumi überlesen ;-)

Beste Grüße vom Gesellen    

 

02.12.05 13:04

12234 Postings, 6732 Tage GeselleMachen wir mal einen Hacken

Ich glaub, es hakt!

Von Bastian Sick

Das kennen wir alle: Beim Hacken auf der Tastatur bleibt man gelegentlich mal haken. Und Hühner scharren im Hof, während Könige ihren Hof um sich scharen. Alles klar so weit. Oder doch nicht? Eine Kolumne über Spuckgespenster, Bettlacken und andere eckelhafte Phänomene der deutschen Verkehrtschreibung.

"Ich warte hier", steht auf einem Hundeverbotsschild vor einem Fleischerladen, und darunter ist der Hinweis zu lesen: "Bitte Hacken für Leine benützen." Das stellt die Hundebesitzer vor ein Problem: Wie sollen sie den Hund draußen lassen, wenn sie sich die Leine an der Ferse befestigen sollen? Oder ist mit "Hacken" ein Werkzeug gemeint, eine Spitzhacke womöglich oder ein Hackebeil? Wenn ja, wo befindet sich dieses Gerät dann? Alles, was man draußen sieht, ist ein Haken an der Wand. Und man erkennt: Da hat wohl jemand Hacken mit Haken verwechselt. Gerade in einer Fleischerei sollte man den Unterschied eigentlich kennen, denn schließlich wollen die Kunden, die Schweinshaxen verlangen, keinen Schweinehaken.

Köhler hackt nach

Über ein solches Schild kann man schmunzeln, die Hundeleine vom Haken lösen und unbekümmert seines Weges ziehen. Doch schon bald wird man gewahr, dass diese Haken/Hacken-Verwechslung kein Einzelfall ist. Man begegnet ihr immer wieder. "Ich werde wegen der Software bei meinem Kollegen noch mal nachhacken", schreibt jemand in einem Forum - und man kann nur hoffen, dass er das nicht wörtlich meint, denn sonst wird der Kollege im Krankenhaus landen, wenn nicht gar im Leichenschauhaus. Aber gehackt wird nicht nur laienhaft in Foren, sondern auch professionell in Nachrichten: "Köhler hackt bei Schröder wegen Vertrauensfrage nach", schrieb die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) in ihrer Online-Ausgabe am 12. Juli. Da mag so mancher Leser empört gerufen haben: "Es hackt ja wohl!" Auf jeden Fall hakt es - mit dem Verständnis von kurzen und langen Lauten. "Dortmund hackt den Uefa-Pokal ab" lautete eine Überschrift auf FAZ.net am 30. April.

Dortmund hackt ab

Ein Serviceportal für Studenten bietet einen Preisvergleich für "Bettlacken" an. Man kennt "lacken" als Kurzform für "lackieren" - und fragt sich erstaunt, ob sich derart viele Maler auf das Lackieren von Betten spezialisiert haben, dass sich inzwischen sogar ein Preisvergleich lohnt?

Bettlacken

Als Tippfehler kann man diese Irrtümer kaum entschuldigen, denn "c" und "k" liegen auf der Tastatur nicht nebeneinander. Womöglich ist dieses Phänomen mit Besonderheiten der regionalen Aussprache zu erklären, vielleicht werden in manchen Dialekten "hacken" und "haken" gleich ausgesprochen. Noch toller treibt es der Deutsche mit dem Spucken. "Ich find das Spuken am Fußballplatz mega eckelhaft!", beschwert sich ein Diskutant in einem Forum. Mit Recht zwar, aber mit fragwürdigen orthografischen Mitteln. Für "eckelhaft" spuckt Google übrigens mehr als 13.000 Treffer aus. Kein Zweifel: Es spukt in der deutschen Sprache! Dass einige auch die Wörter "Bodenluke" und "Dachluke" mit "ck" schreiben, erscheint schon fast konsequent, denn durch eine "Lucke" kann man immerhin "gucken" und "lucki-lucki" machen.

Handy spuckt

Einige dieser Verkürzungsfehler entstehen durch Analogien - man orientiert sich an bekannten Formen. Da man ein Paket erst einmal packen muss, bevor man es am Paketschalter abgeben kann, haben es viele Menschen beharrlich mit "ck" geschrieben. So beharrlich offenbar, dass die Rechtschreibreformer erwogen, die Schreibweise "Packet" zuzulassen - so wie ja auch Päckchen und Packung mit "ck" geschrieben werden. Doch ein mit "ck" geschriebenes "Packet" müsste - wie Becken, Dackel und Zucker - auf der ersten Silbe betont werden - wäre also kein "Pakeet" mehr, sondern ein "Packet". So blieb es bei der Schreibweise mit einfachem "k".

Lockt mit Dampf: Die Dampflok

Wer hingegen "Dampflock" mit "ck" schreibt, der ist auch ohne reformatorische Verwirrung so gut wie entschuldigt, denn während das erste "o" in "Lokomotive" noch deutlich länger ausgesprochen wird, klingt es in der Kurzform "Lok" tatsächlich so kurz wie in "Bock" und "Rock". Auch bei dem Wort "Plastik" ließe es sich noch verstehen, wenn es mit "ck" geschrieben wird, denn das "i" ist kurz. Es sei denn, man spricht es, in Anlehnung an seine französische Herkunft, "Plastieke" aus. Plastik ist in der Tat ein Fremdwort, ebenso wie Lok und Paket, und für Fremdwörter sieht unsere Rechtschreibung nur selten Dehnungs- oder Verkürzungszeichen vor, wie wir sie von deutschen Wörtern kennen. Daher schreibt sich auch die Maschine trotz langen I-Klangs eben nicht "Maschiene".

Bei deutschen Wörtern hingegen sind diverse Formen der Klangdehnung und -verkürzung möglich - und erforderlich. Es gibt kesse Hüte und Hüttenkäse, schiefen Boden und Boddenschiffe, legende Hennen und leckende Hähne, gepflegte Beete und befleckte Betten. Und es gibt Pfarrer mit Mähnen und Männer mit Fahrer. "MTV-Chefin Catherine Mühlenberg hat offenbar ein Faible für private Bande und scharrt gern die ihren um sich", war am 10. Juli in der "Welt" zu lesen. Jeder, der schon einmal einer Schar Hühner beim Scharren zugesehen hat, weiß, dass Hühner in Scharen scharren - und dass sie sich zum Scharren scharen. Nun ist Frau Mühlenberg aber kein Huhn, deshalb ist ihr "Welt"-liches "Scharren" in Wahrheit ein bildliches "Scharen". Auch hierbei fällt die Unterscheidung zwischen langem und kurzem A-Klang offenbar nicht allen ganz leicht.

Staatliche Honorare

So wie lange Vokale fälschlicherweise orthografisch verkürzt werden, werden kurze Vokale auch gern verlängert: "Vor zwei Wochen wurde mir der rechte Bakenzahn entfernt!", jammert ein zahnleidender Mensch im Internet. Das schönste Beispiel für eine missverständliche Vokaldehnung war am 7. Mai auf SPIEGEL ONLINE zu finden: "In Beiräten großer Unternehmen verdienen Politiker staatliche Honorare - fraglich ist nur wofür", hieß es dort. Fraglich ist vor allem, ob es statt staatlich nicht stattlich hätte heißen müssen. Darum habe ich bei den Kollegen nachgehackt, und prompt wurde dem Spuck ein Ende bereitet.

Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,381771,00.html 

Beste Grüße vom Gesellen    

 

07.12.05 11:22

12234 Postings, 6732 Tage GeselleWenn einer eine Reise macht, ...

Unsinn mit Ansage

Von Bastian Sick

Wer viel reist, der kann was erleben. Er bekommt viel Interessantes zu sehen - und viel Seltsames zu hören. Vor allem, wenn er mit dem Zug fährt. Lautsprecherdurchsagen der Bahn geben den Reisenden immer wieder neue Rätsel auf. Bisweilen versteht man nicht einmal mehr Bahnhof.

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DPALok unter Dampf: Ofenfrisch ins Gleis-Vergnügen

Schon in Köln hatte es geheißen: "Der ICE 611 von Dortmund nach München über Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, trifft in der Ankunft voraussichtlich fünf Minuten später ein." Eine faszinierende Formulierung, dieses "trifft in der Ankunft ein". Man findet sie zwar in keinem Wörterbuch, aber ich beschließe, sie trotzdem in meinen aktiven Wortschatz aufzunehmen. Wenn mein Freund Henry mich das nächste Mal fragt, wann mit meinem Erscheinen zum Essen zu rechnen sei, so werde ich erwidern: "Ich schätze mal, ich werde pünktlich in der Ankunft eintreffen!"

Weitere 15 Minuten später trifft der Zug dann tatsächlich ein: "Auf Gleis drei erhält jetzt Einfahrt der verspätete ICE 611 nach München, die Ankunft war 13:24 Uhr." Auch diese Formulierung hat es in sich. Man kann sagen: Die Ankunft war lang ersehnt, oder: Sie war von Tumulten begleitet - aber sie "war 13:24 Uhr"? Gemeint war natürlich die geplante ("planmäßige") Ankunftszeit. Nun, Verkürzungen gehören zum Sprachalltag, auch auf dem Bahnhof. In Normal-Deutsch übersetzt hieße es wohl: "Auf Gleis drei fährt jetzt der verspätete ICE 611 aus Dortmund ein, der laut Fahrplan eigentlich um 13:24 hätte eintreffen sollen." Aber derart verbenreiche Auskünfte sind über Lautsprecher äußerst selten zu hören. Egal. Hauptsache, nun geht es endlich los.

STEPHANIE PILICK/DPAICE im Berliner Bahnhof Zoo: Verspätet in der Ankunft eingetroffen

"Achtung! Ein Hinweis für die Reisenden auf Bahnsteig 4: Der Regionalexpress nach Wattenscheid, planmäßige Abfahrt 14:29 Uhr, fährt heute außerplanmäßig aus Gleis 5!" Auch über diese Aussage haben sich schon viele Reisende gewundert. Autos können aus der Stadt fahren, Menschen können aus der Haut fahren - und Züge offenbar aus dem Gleis. Mir wäre es lieber, sie blieben auf dem Gleis. Ein Bahnexperte könnte nun gewiss erklären, dass der Zug das Gleis Nummer 5 tatsächlich verlässt, wenn er auf die Hauptstrecke fährt, und trotzdem hat das Aus-dem-Gleis-Fahren einen sonderbaren Nebenklang. Außerdem sind die Ansager bei der Bahn nicht konsequent: Wenn ein Zug bei der Abfahrt aus dem Gleis fährt, müsste er bei der Ankunft entsprechend in das Gleis fahren. Trotzdem habe ich bis heute noch keine Durchsage gehört, in der es geheißen hätte: "Ins Gleis 4 erhält jetzt Einfahrt der Eurocity 412 aus Wien."

Was ich stattdessen immer wieder höre, ist die Aufforderung, den Zug beim nächsten Halt unbedingt zu verlassen: "Aus diesem Zug bitte alle aussteigen! Dieser Zug endet hier!" Für mich beginnt ein Zug vorne mit der Lok und endet hinten mit dem letzten Waggon. Was da im Bahnhof endet, ist die Zugfahrt. Aber vielleicht sehe ich das zu eng. Andererseits - würde ein Busfahrer sagen: "Dieser Bus endet hier", wenn er die Busfahrt meint? Und welche Mutter, die ihre Kinder morgens zur Schule fährt, würde sagen: "So, meine Kleinen, da wären wir! Raus mit euch! Dieses Auto endet hier!"? Ganz betroffen macht mich auch der Hinweis: "Dieser Zug endet hier und wird ausgesetzt!" Welch ein trauriges Schicksal: Von allen verlassen und ausgesetzt - wie ein Hund auf einem Autobahnrastplatz!

Zwischen Frankfurt und Mannheim folgt die nächste Überraschung: "Unsere Weiterfahrt wird sich noch um wenige Minuten verzögern aufgrund einer Überholung." Du lieber Schreck, denke ich, jetzt muss der Zug auf offener Strecke gewartet werden? Was ist denn passiert? Sind die Bremsen defekt? Oder ist es wegen der Klimaanlage, die den Passagieren in der ersten Klasse den Restsauerstoff absaugt? Ich hätte ja auch nichts dagegen, wenn sie endlich mal was gegen dieses furchtbare Quietschen der Ziehharmonikaelemente zwischen den Waggons unternähmen - aber das muss doch nicht jetzt sein! Der kurz darauf auf dem Nebengleis dahindonnernde Zug lässt mich erahnen, dass mit "Überholung" nicht Wartung, sondern das Vorbeifahren gemeint war. Da sollte ich meine Sprachkenntnisse in Bahndeutsch dringend mal überholen, sonst werde ich irgendwann vom Irrsinn überholt und verstehe am Ende nicht einmal mehr Bahnhof!

DPAAirbus A380: Willkommen in Hamburg!

Derart seltsame Ansagen gibt es aber nicht nur im Schienenverkehr zu hören. Auch im Luftverkehr wird mancher Unsinn verzapft. Als ich vor kurzem nach Kärnten flog, sagte die Stewardess bei der Landung: "Willkommen in Klagenfurt!" - "Moment mal", dachte ich, "wie geht denn das? Die ist doch die ganze Zeit mit uns geflogen, wie kann sie mich jetzt plötzlich am Ziel willkommen heißen? Und woher weiß sie, dass ich in Klagenfurt willkommen bin? Womöglich wartet da draußen ein Erschießungskommando auf mich?" Was Stewardessen offenbar nicht wissen: Man kann nur dann jemanden willkommen heißen, wenn man ihn empfängt. Das Flugpersonal kann mich an Bord willkommen heißen, weil es mich dort empfängt, aber um mich in Klagenfurt empfangen zu können, hätte die Stewardess eine Maschine früher nehmen müssen. Wenigstens aber hätte sie eben das Treppchen hinuntertrippeln müssen, etwas Klagenfurter Luft einatmen und anschließend das Treppchen wieder hinauftrippeln müssen, um sich für einen Willkommensgruß zu qualifizieren. Ihre Kollegin auf dem Rückflug macht es richtig: "Meine Damen und Herren", sagt sie nach der Landung, "wir sind soeben in Hamburg gelandet." Willkommen heißt mich dann mein Freund Henry, der am Ausgang auf mich wartet.

Übrigens: Die schönste Bahn-Ansage hörte ich einmal irgendwo kurz hinter Göttingen: "Meine Damen und Herren, soeben ist unsere ofenfrische Brezelverkäuferin zugestiegen!" An der würde mancher Fahrgast sicherlich gern mal knuspern.

Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,387280,00.html 

Beste Grüße vom Gesellen    

 

08.12.05 13:12

12234 Postings, 6732 Tage GeselleWie, wo, wann?

Ein ums nächste Mal

Wann hätten Sie denn mal Zeit? Dieses Wochenende, das kommende, das nächste oder erst das darauf folgende? Bei der Festlegung eines Termins kommt es oft zu Missverständnissen. Faszinierend, dass Menschen zwischen diesem und dem nächsten Mal überhaupt zueinander finden.

DDPVerabredetes Paar beim Sonnenuntergangs-Genuss: Geschafft!

Ich beneide jene Menschen, die von sich behaupten, dass sie keine Schwierigkeiten hätten, sich mit anderen Menschen zu verabreden. Nicht dass ich kontaktscheu wäre. Ich denke da eher an die vielen sprachlichen Hürden, die es zu nehmen gilt, ehe ein Treffen zustande kommt. Schon die Vereinbarung eines Termins stellt ? sprachlich gesehen ? nicht selten ein schier unlösbares Problem dar.

Mein Freund Henry chattet. Gelegentlich, wie er sagt, nur so zum Spaß. Meistens tausche er mit interessierten jungen Damen Kochrezepte aus, behauptet er. Neulich aber hatte er eine Chat-Bekanntschaft tatsächlich so weit gebracht, dass sie sich mit ihm treffen wollte. Ein Live-Date! Damit aber fingen die Schwierigkeiten erst an. Während des Essens in unserem Stammlokal schildert Henry mir den Ablauf des Chats:

HOBBYKOCH: Wollen wir uns treffen?
KATINKA1977: Ja, sehr gerne!
HOBBYKOCH: Wann hätten Sie denn mal Zeit? Passt es Ihnen vielleicht nächstes Wochenende? Ich könnte was Leckeres für uns kochen!
KATINKA1977: Ich fahre am Samstag nach Bonn zu meiner Mutter, da werde ich nicht vor Sonntagabend zurück sein. Aber das Wochenende darauf wäre fein!
HOBBYKOCH: Das meinte ich ja auch.
KATINKA1977: Ach so. Ich dachte, Sie meinten das kommende Wochenende.
HOBBYKOCH: Dann hätte ich "dieses" Wochenende geschrieben. Das nächste kommt danach.
KATINKA1977: Für mich ist das Nächste eigentlich immer das, was mir am nächsten ist, also das, was als nächstes drankommt...
HOBBYKOCH: Da heute bereits Mittwoch ist, können Sie davon ausgehen, dass mit dem "nächsten" Wochenende nicht das Wochenende in drei Tagen gemeint ist.

An dieser Stelle unterbreche ich Henrys Ausführungen: "Das kann ja wohl nicht wahr sein! Du bist vermutlich der einzige Mann, der selbst einen Internet-Chat noch dazu nutzt, um seinen Mitmenschen kostenlose Nachhilfe zu erteilen." - "Warum nicht", erwidert Henry gelassen, "du siehst doch, dass in dieser Frage ganz offensichtlich Aufklärungsbedarf bestand." Also weiter im Text:

KATINKA1977: Aber wenn ich einem Taxifahrer sage, er soll bei der nächsten Ampel rechts abbiegen, dann meine ich damit doch nicht die Ampel nach der, die als nächstes kommt?
HOBBYKOCH: Es kommt darauf an. Wenn Sie nur noch wenige Meter von einer Ampel entfernt sind und von der "nächsten Ampel" sprechen, dann wird das meist auf die zweite Ampel bezogen.

Mein Kommentar hierzu: "Wolltest du sie nun eigentlich treffen oder ihr die Relativitätstheorie erklären?" Henry knurrt. "Wart's ab", sagt er, "es wird noch richtig drollig."

KATINKA1977: Was das "nächste" ist, ist demnach also keine Frage der Reihenfolge, sondern unterliegt der persönlichen Einschätzung? Das merke ich mir für den Supermarkt!
HOBBYKOCH: Was hat das mit dem Supermarkt zu tun?
KATINKA1977: Wenn die Verkäuferin an der Fleischtheke fragt: "Wer kommt als nächstes?", und es steht nur noch eine Kundin vor mir in der Reihe, dann melde ich mich, weil die vor mir ja praktisch nicht mehr mitgezählt wird.
HOBBYKOCH: Mit dieser Auslegung könnten Sie sich eventuell in Schwierigkeiten bringen.
KATINKA1977: Wieso? Ich berufe mich einfach auf Sie!
HOBBYKOCH: Hätten Sie vielleicht auch mal unter der Woche Zeit?
KATINKA1977: Unter der Woche? Was genau meinen Sie damit?
HOBBYKOCH: Unter der Woche ist ein Ausdruck für werktags.
KATINKA1977: Ach so! Na bei Ihnen lerne ich ja noch was. Ich sage immer "in der Woche".
HOBBYKOCH: In der Woche ist missverständlich, weil der andere denken könnte, es sei eine bestimmte Woche gemeint. Unter der Woche ist eindeutig.
KATINKA1977: Und was ist dann über der Woche? Ist damit das Wochenende gemeint?
HOBBYKOCH: Nein, den Ausdruck gibt es nicht. Mir ist er jedenfalls nicht bekannt.
KATINKA1977: Also gut, ich fürchte aber, dass ich Ihnen "unter" der Woche nicht viel bieten kann. An Zeit, meine ich.
HOBBYKOCH: Dann also doch nächstes Wochenende? Also das in acht Tagen?
KATINKA1977: In acht Tagen? Da ist doch kein Wochenende? Heute ist Mittwoch, plus acht, das ist nächste Woche Donnerstag!
HOBBYKOCH: Nein, ich meine von diesem Wochenende an gerechnet.
KATINKA1977: Da komme ich auf Montag!
HOBBYKOCH: "In acht Tagen" bedeutet dasselbe wie "in einer Woche". Kennen Sie nicht Wum und Wendelin? Die haben immer gesagt: "Einsendeschluss für den 'Großen Preis': Samstag in acht Tagen!"
KATINKA1977: Der große Preis? Ich fürchte, das war vor meiner Zeit. Aber eine Woche hat doch nicht acht Tage?
HOBBYKOCH: Ich glaube, wir schauen doch besser in unsere Terminkalender und legen uns auf ein numerisches Datum fest, was meinen Sie?
KATINKA1977: Das hört sich zwar irgendwie sehr technisch an, aber vielleicht ist es wirklich das Beste.
HOBBYKOCH: Wie wäre es mit dem 23.? Passt Ihnen das?
KATINKA1977: Meinen Sie diesen Monat oder den nächsten?

Zu einem Treffen zwischen Henry und Katinka1977 ist es bis heute nicht gekommen. Wie mein Freund mir aber dann verrät, war Katinka1977 nicht die einzige junge Dame, bei der er sich um ein Rendezvous bemühte. "Aber ich chatte nicht parallel mit ihnen", beteuert er. "Immer hübsch eine nach der nächsten!" ? "Eine nach der nächsten?", frage ich, "sollte es nicht eher heißen: eine nach der anderen? Wenn du dich immer erst mit derjenigen triffst, die du nach der nächsten ansprichst, dann kommst du ja nie zum Zuge!" ? "Elender Besserwisser!", zischt Henry. "Wer von uns ist eigentlich dran mit zahlen?", frage ich. "Du hast beim letzten Mal gesagt, dass du die nächsten beiden Male zahlen würdest", sagt Henry. "Na schön", erwidere ich, "dann kannst du ja dieses Mal noch zahlen! Herr Ober, der Herr hier würde gerne die Rechnung begleichen!"

Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,379039,00.html 

Beste Grüße vom Gesellen    

 

08.12.05 13:26

9950 Postings, 7108 Tage Willi1Sicher alles ganz schlimm,

aber was sagen die Fahrgäste, wenn ein Zug einläuft?

Mir is egal auf welchem Geleis oder in der Ankunft,
wenn´s eng wird  

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