Euro Krise: Deutsche Niedriglöhne verantwortlich

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neuester Beitrag: 30.12.11 15:06
eröffnet am: 28.12.11 18:53 von: Lulea Ostse. Anzahl Beiträge: 64
neuester Beitrag: 30.12.11 15:06 von: Tony Ford Leser gesamt: 1936
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28.12.11 18:53
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3595 Postings, 3745 Tage Lulea OstseeEuro Krise: Deutsche Niedriglöhne verantwortlich

Heiner Flassbeck, Chefökonom der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD) hat der deutschen Politik vorgeworfen, für die gegenwärtige Euro-Krise verantwortlich zu sein.

Deutsche Niedriglöhne der letzten Jahre hat die Konkurrenzfähigkeit der anderen Länder geschwächt.

Quelle:
Agentur epd
ARD-Text  
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38 Postings ausgeblendet.

29.12.11 15:30

69031 Postings, 6567 Tage BarCodeWürde die Basis

sich bewegen, wären die Funktionäre schnell am Hinterherrennen. Überlässt man Funktionären, Politikern, Interessenverbänden alleine das Feld, dann ist das der Weg in die Kungelei, des geringsten Widerstandes, des größtmöglichen Lobbyeinflusses.

Wer sich nicht selbst bewegt und darauf wartet, dass die da oben alles richten, dem bleibt am Ende nur das Jammern über die Doofen da oben.

Da aber JEDER gerne bequem ist, so lange man sich das leisten kann, ist die "Doofheit" das am besten verteilte gesellschaftliche Gut. Jeder findet den anderen doof.

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Große Verbindlichkeiten machen nicht dankbar, sondern rachsüchtig. (Nietzsche)

29.12.11 15:37
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29411 Postings, 5355 Tage 14051948KibbuzimDas ist alles richtig

kenn ich aber so wortwörtlich auch von genau den Gewerkschaftsfunktionären,die mit Verweis auf die lahme Basis (die man natürlich wie immer da abholen müße,wo sie stünde...) gegen Streiks & Aktionen Stellung beziehen,sonst aber immer alles erdenkliche getan haben gegen die Basis und mehr Demokratie in den Gewerkschaften.

Die bürokratischen Apparate sind ja nun nicht aufgrund von Nicht-Aktivität der Basis entstanden,sondern weil man solche Parteiähnliche Organisationen haben wollte.

Und das ganze Branchen z.B. gar nicht organisiert werden hat auch etwas mit dem Unwillen der Apparate und ihrer Struktur als Facharbeiterklüngel zu tun, nicht weil dort kein Bedarf oder Mangel an interessierten Kollegen wäre.

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Proletarier Aller Länder vereinigt Euch !

ONE BIG UNION

29.12.11 15:38
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11942 Postings, 5382 Tage rightwingdas ist quatsch!

das bruttosozialprodukt hat sich potenziert - wenn die unternehmen dies mit mehr maschinenpower einkaufen, bzw. herstellen ist es völlig logisch, dass die löhne geringeren anteil haben. zudem ist es jawohl eine verzerrung, wenn ich 45% lohnquote aus 1000 mrd euro - für besser halte, als 35% aus 2500 mrd euro.  
Angehängte Grafik:
723px-bruttoinlandsprodukt_de.png (verkleinert auf 70%) vergrößern
723px-bruttoinlandsprodukt_de.png

29.12.11 15:56

69031 Postings, 6567 Tage BarCodeNe

Das ist kein Quatsch, da es sich um eine Quote handelt.
Natürlich ist auch die Lohnquote ein unscharfes Instrument und sagt nicht mehr als eine Tendenz aus. Aber die schon. Und die weist schon auf ein verteilungsproblem hinsichtlich des erwirtschafteten Reichtums hin. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Die Frage wäre allein: Hat sich das Verhältnis von Selbständigen zu abhängig Beschäftigten verändert. Nur wenn es da eine deutliche Verschiebung hin zu mehr Selbständigen gäbe, wäre das kein Signal. Da sich dieses Verhältnis nur geringfügig verändert hat, kommt das auch nicht in Frage zur Erklärung des Sinkens der Lohnquote.

Es macht keinen Sinn, das zu leugnen: Es hat eine Verlagerung des Volkseinkommens in Richtung Nicht-Lohnarbeit gegeben. Alle Indikatoren sagen das.
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29.12.11 16:18
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24654 Postings, 7480 Tage Tony FordLohnkostenlüge...

Die Löhne sind ein Kostenfaktor und die Kosten werden möglichst niedrig gehalten, weil sonst die Konkurrenz mit niedrigeren Löhnen dafür sorgt, dass du ausscheidest. Und wenn es hohe Arbeitslosigkeit gibt, dann das Lohnniveau in aller Regel deshalb niedriger, weil der Wert der Arbeit aufgrund des hohen Angebotes verfällt.  Und warum? Weil die Seite der Arbeitskraft eine geschwächte Position einnimmt in den Lohnverhandlungen. Das ist nunmal Teil der Gesetzmäßigkeiten des Systems. Deshalb ist hoher Beschäftigungsgrad ja so wichtig. Sonst gerät das ganze System aus den Fugen.

Diese Sicht der Dinge ist wirtschaftswissenschaftlicher alter Kaffee. Mitarbeiter als Kostenfaktor zu betrachten ist daher schlichtweg nicht mehr Stand der Erkenntnis. Andernfalls würde dies bedeuten, dass z.B. Bayern (welche die höchsten Löhne haben) wettbewerbstechnisch am Schlechtesten dastehen. Im Grunde ist es sogar so, dass jene Unternehmen, welche höhere Lohnkosten zahlen, am Markt erfolgreicher sind.

U.a. ist dies damit zu begründen, dass die gut bezahlenden Unternehmen sich eben die guten Fachkräfte sichern können, während die Billiglöhner eben die 3. oder 4.Wahl nehmen. 

Da braucht man ja nur mal an seine Schulzeit zurück denken und sich überlegen, ob man lieber die 3.Wahl mit halbem Geld beschäftigen wollen würde ;-)

Naja und über das Thema Motivation brauchen wir ja nicht weiter reden. Ein Unternehmen, welches bei seinen Mitarbeitern spart bzw. seinen Mitarbeitern keine entscheidende Rolle/Prio einräumt, wird auch im Wettbewerb nix reißen.

Und wiegesagt, noch mal paar Jahre hin und die "disziplinierten" Alten gehen in Rente und dann kommen die Jungen wie ich, die eben eher Hartzen würden als sich für billigen Lohn ausbeuten zu lassen, während sich die feinen Manager ordentlich an meiner Arbeitsleistung bereichern. ;-)

Im Übrigen habe ich auch keine Angst vor Indien, China oder Polen.

Im Gegenteil, denn mit den "Abwanderungen" und dem Wachstum in Indien und China steigt der Lebensstandard und steigen vor allem die Löhne, welche in China seit Jahren im guten zweistelligen Bereich steigen.

Die Angstmacherei ist meiner Meinung nach getrieben von den Eliten, welche die niedrigen Löhne am unteren Ende rechtfertigen und ihre explodierenden Bezüge damit vertuschen wollen.

 

29.12.11 16:20

69031 Postings, 6567 Tage BarCodeDie Unschärfe

der Lohnquote hab ich hier schonmal zusammengefasst:

http://www.ariva.de/forum/...t-auf-zu-jammern-411794?page=1#jumppos44

Durch die bereinigte Lohnquote werden ein paar Unschärfen geglättet, aber nicht alle.
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29.12.11 16:26

69031 Postings, 6567 Tage BarCodeTony

Es macht keinen Sinn, betriebswirtschaftliche Einzelfaktoren auf das Gesamtniveau anzuwenden. Lohnhöhe ist IMMER relativ. Auch der, der höhere Löhne bei einem niedrigen Lohnniveau (gemessen an Produktivität und Entwicklung der Kaufkraft) bezahlt, bezahlt deswegen nicht unbedingt hohe Löhne.

ALLES ist relativ. Volkswirtschaftliche Größen funktionieren immer nur im Aggrgat. Da kann man mit noch so vielen Einzelbeispielen kommen.
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29.12.11 16:37

69031 Postings, 6567 Tage BarCodePS

Personalkosten als Kostenfaktor anzusehen ist i.Ü. alles andere als kalter Kaffee.
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29.12.11 16:43

14737 Postings, 4766 Tage Karlchen_VKein kalter Kaffee - aber einseitig.

Aus Sicht der Unternehmen sind Löhne Kosten, aus Sicht der Arbeitnehmer Einkommen.

Volkswirtschaftlich tauchen die Löhne bei der Einkommensverteilung auf, indirekt bei der Verwendung (potentieller Konsum, Sparquote) und noch vermittelter bei der Produktion auf.  

29.12.11 17:01

10786 Postings, 4164 Tage sonnenscheinchenach herrje

der Anteil der Gewinne ist also gestiegen während der Anteil der Löhne gesunken ist.
Na so etwas.
Das die Produktion auch immer kapitalintensiver wird, führt zwar zwangsläufig zu dieser Entwicklung, aber warum sich mit Fakten beschäftigen.
Als früher alles noch von Hand gemacht wurde, floss quasi 100% des BIPs in die Löhne(oder Subsistenz oder wie auch immer man das schimpfen will)
Wenn heute nur noch ein paar Hansel in der ganzen Fabrikhalle rumrennen, sollte naheliegen, das deren Lohnanteil im Vergleich zum gebundenen Kapital marginal ist.  

29.12.11 17:17
2

24258 Postings, 7674 Tage modBtw. in die volkswirtschaftliche

Kennzahl "Gewinnquote" fliessen auch die Erträge aus dem gesamtwirtschaftlichen Vermögen ein. Da diese Vermögen in privater Hannd ständig
gestiegen sind, steigen auch die entsprechenden Erträge (z.B. Zinsen, Miet-,
Pachterträge usw.).
Entsprechend steigt auch im Zeitverlauf die Gewinnquote. Sie suggeriert
allerdings einen permanenten Anstieg der Gewinne aus untern. Tätigkeit.

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Bei Ariva gibts seit 2000 nur einen mod

29.12.11 17:23
1

69031 Postings, 6567 Tage BarCodeUnd wovon leben

deiner Meinung nach die 80 Millionen in D? Wenn ein bestimmter Anteil der Erwerbstätigen nicht-selbständiger Arbeit nachgeht, ein Teil selbständiger Arbeit nachgeht und dieses Verhältnis sich nicht grundlegend verändert, dann wird man doch in der Summe feststellen können, wie sich die Anteile am Volkseinkommen entwickeln?
Da ist es doch in diesem Zusammenhang völlig egal, ob die Nicht-Selbständigen in leereren Hallen rumwerkeln, als Krankenaschwestern arbeiten, als Dienstleister oder wo auch immer.
Hier geht es um das Verhältnis der Art der Einkommen und dessen Entwicklung.
Der Anteil der Selbständigen ist gestiegen, aber nicht wesentlich. Der Anteil der abhängig Beschäftigten an den Erwerbstätigen leicht gesunken in den letzten 20 Jahren.

Die Lohnquote sagt überhaupt nix darüber aus, ob mit mehr oder weniger Maschinen produziert wird. Wenn weniger im produzierenden Gewerbe und mehr in der Dienstleistung tätig sind, ist das der Lohnqoute doch völlig egal...
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29.12.11 17:25

234013 Postings, 6371 Tage obgicouHier werden mittlerweile zwei Themen

diskutiert; nämlich zum einen die These aus dem Eingangsposting und zum anderen das beliebte Thema der Verteilungs(un-)gerechtigkeit.

Die These aus dem Eingangsposting ist natürlich Käse.
1. hat in Deutschland die Politik (noch) nicht viel mit der Lohnfindung zu tun (zum Teufel mit dem Mindestlohn). Also kann man höchstens über die Lohnnebenkosten diskutieren.
2. Waren die deutschen Lohnnebenkosten seit Ende der 90er viel zu hoch. Was wurde das in Talkshows rauf und runter diskutiert; da stritten alle Parteien um Konzepte, wie man sie drücken konnte.
3. Deutschland hat den Wettbewerbsnachteil, den es durch zu hohe Lohnnebenkosten hatte (und immer noch hat, wenn auch in viel geringerem Maße), verringert. Dadurch kamen die Wettbewerbsvorteile durch überlegene Technologie zum tragen.
4. Daß europäische Nachbarn nicht darauf reagieren ist nicht unsere Schuld. Eine Währungsunion ist keine Wohlfahrtsveranstaltung, in der sich immer nach dem schwächsten gerichtet wird.

Zur Verteilungsproblematik:
Natürlich sind die Kapitalerträge in den letzten 20 Jahren mehr gestiegen als die Löhne.
Das ist doch aber völlig logisch. Der gescheiterte Kommunismus hat ein Heer von ca. 1 Mrd willigen Arbeitskräften hinterlassen. Das Kapital sorgt auch dort jetzt für steigenden Wohlstand. Vielleicht ein bißchen unreguliert und wild, aber ich denke jeder Chinese würde den Satz unterschreiben: Lieber zu einem Hungerlohn im Kapitalismus arbeiten, als im Kommunismus zu verhungern.

In der globalisierten Welt, hängt eben die Lohnentwicklung in der Exportindustrie von der weltweiten Lohnentwicklung ab. Von daher sollte vielleicht ein deutscher Arbeitnehmer aus der deutschen Gewerkschaft austreten und mit dem gesparten Beitrag eine indische oder chinesische Gewerkschaft unterstützen; davon dürfte er zumindest auf Sicht der nächsten 10 Jahre mehr haben.  

29.12.11 17:33

69031 Postings, 6567 Tage BarCodeEs geht auch nicht um Gewinne

aus unternehmerischer Tätigkeit, sondern um Einkünfte unterschiedlicher Art. Eben allein um die Unterscheidung: Einkünfte aus nicht-selbständiger Tätigkeit und andere Einkünfte. Das ist auch nicht personenbezogen, da es natürlich Überschneidungen gibt.

Es ist schlicht EINE Kennzahl, die nix wert ist, wenn nicht näher hingeguckt wird.

Zusammen mit der Entwicklung der Vermögensbildung, der Entwicklung der Einkommen in den unteren und oberen Bereichen, insbesondere in den obersten Bereichen und zusammen mit der Reallohnentwicklung ergibt sich schon ein Gesamtbild: Da ist etwas ein wenig aus dem Lot geraten. In D übrigens nicht so extrem wie in anderen Ländern, auch der EU. Aber doch spürbar: Das Einkommens- und Vermögensgefälle ist steiler geworden.

Ich versteh nicht, warum man das abstreiten muss, wenn alle nationalen und internationalen Daten darauf hinweisen.

Die Frage ist: Wie kommts? Und: Was heißt das? Und: Ist das eine volkswirtschaftlich sinnvolle oder eine volkswirtschaftlich schlechte Entwicklung. Ich halte letzteres für richtig: Das sollte aus 1000 Gründen und wegen tausenderlei ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen nicht aus dem Ruder laufen.

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29.12.11 18:16
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69031 Postings, 6567 Tage BarCodeNatürlich ist Nr. 1 so, wie es da steht:

- Die deutsche Politik sei für die gegenwärtige Euro-Krise verantwortlich
- Deutsche Niedriglöhne der letzten Jahre hat die Konkurrenzfähigkeit der anderen Länder geschwächt.

Kappes!

Richtig ist: Deutsche Produkte sind weltweit gefragt. Aber was hat das mit der Politik zu tun? Gar nix. Allenfalls mit der Leistungsfähigkeit deutscher Unternehmen.
Aberwitzig ist der zweite Satz. Das Wesen der Konkurrenz bedingt, dass man versucht, besser zu sein als der andere. Dem Erfolgreichen seinen Erfolg als schuldhaftes Versagen vorzuwerfen, ist geradezu lächerlich.

Wie gesagt: Das Problem lag eher an einer "Importschwäche" als an der Exportstärke. Und die ist ein Ausdruck unverhältnismäßig (im Verhältnis zu den Exporterfolgen) geringer Kaufkraftentwicklung auf dem Binnenmarkt. Aber auch hier wiederhole ich mich: Das ist das Ergebnis vielfältiger Verwerfungen, die aus einem Gemisch aus strkturellen Problemen, verfehlter Politik unter einschlägigem Lobbyeinfluss, Wiedervereinigungslasten, , Massenarbeitslosigkeit usw. hervorgingen und zunächst mal ein Problem für Deutschland darstellten. Die Lösungsansätze und-Versuche kamen immer aus den jeweiligen Krisen. Nie, weil plötzlich alle vernünftig wurden. Das gibt es gar nicht, dass alle ohne jeden Druck langfristig vernünftig, planvoll und zukunftsorientiert handeln. Dass dadurch ein paar Erfolge erzielt wurden und wir jetzt besser dastehen als noch vor ein paar Jahren ist D ja wohl kaum vorzuwerfen.
Die jetzigen Krisenländer haben in der Zeit, als D wirtschaftlich mit 1000 Problemen gekämpft hat, nicht viel für die eigene Entwicklung getan. Nu müssen sie halt auch mal ran.
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29.12.11 20:14
4

24654 Postings, 7480 Tage Tony FordLöhne sind nur bedingt Kosten...

Löhne sind vor allem auch Potenzialfaktoren.
Nachwievor ist und bleibt es alter Kaffee, wenn man Personal als Kostenfaktor betrachtet..
Ja ich behaupte sogar, dass es die Weitsichtigkeit vieler Unternehmer schlichtweg einschränkt, welche am Personal sparen und sich damit des Potenzials beschränken.  

In der Wissenschaft wird Personal solange als Potenzial-/Gewinnfaktor betrachtet, wie man es auslastet.
Erst wenn die Auslastung sinkt, d.h. öfter Leerlaufzeiten generiert werden, erst dann wird aus dem Potenzial-  ein Kostenfaktor und erst dann lohnt es sich über die Höhe der Löhne zu diskutieren.

Und da sind wir schon beim nächsten Thema, der Fähigkeit eines Unternehmens die Mitarbeiterpotenziale stetig und permanent ausnutzen zu können.
Und auch hier stehen wir vor dem Problem, dass in Krisenzeiten sich zu Tode gespart und damit schon eine schlechte Saat für den Aufschwung gesäht wird und in einer Boomphase massiv gerampt und nach den hohen Renditen gestrebt wird statt sich mit 10% zufrieden zu geben und Reserven für schlechtere Zeiten zu sichern.

Ich kenne gute Unternehmer, welche in der Krisenzeit expandierten und sich gutes Personal sicherten und gleichzeitig in Boomzeiten auch mal Kundenaufträge absagen und stattdessen Reserven für die Krise aufsparen. In einem solchen gut geführen Unternehmen können die Mitarbeiterpotenziale nutzbringend ausgenutzt werden und einem solchen Unternehmer stellt sich nur sehr bedingt die Frage nach zu hohen Löhnen.

Sicherlich sind meine Aussagen nicht pauschal verwendbar und sicherlich kämpfen viele Unternehmen und Unternehmer mit Schwierigkeiten, die Ihnen ein vorausschauendes Handeln erschwert bzw. unmöglich macht.
Jedoch habe ich es mittlerweile satt immer wieder beobachten zu können, wie Unternehmen am Personal einsparen und danach die Probleme meist erst richtig anfangen, weil eben das Personal fehlt um neue Innovationen treiben zu können.
Oftmals fehlt es dann auch noch an der notwendigen Fantasie bei den Unternehmern und Management, welche das Potenzial erfahrener Mitarbeiter nicht selten unterschätzen und stattdessen teure Studierte an Land ziehen und unnötige Kosten verursachen bzw. Potenziale nicht effektiv genug ausnutzen.

 

29.12.11 22:09
1

234013 Postings, 6371 Tage obgicou@Tony Ford

Du hast größtenteils recht mit Deinen Äußerungen.

Hire and Fire ist nicht unbedingt die beste Personalstrategie. Im Bereich der Hochqualifizierten ist sie es mit Sicherheit nicht, im Bereich der niedrigqualifizierten wahrscheinlich schon.

Allerdings betrifft die Personalstrategie hauptsächlich die Lohnkosten; an den Lohnnebenkosten hingegen kann das Unternehmen nicht drehen. Die wiederum sind das einzige was die Politik beeinflussen kann.

Die Einführung des Kurzarbeitergelds war eine Ausnahme. Da hat die Politik direkt in die Personalstrategie eingegriffen. In der letzten Krise mit großem Erfolg. Nicht zuletzt durch das Halten fast des kompletten Personalstamms war es deutschen Unternehmen möglich sofort wieder den Schalter umzulegen, als die Konjunktur ansprang. Transaktionskosten wegen der Kündigungen (Sozialplan, etc.) sowie Schulung neuer Mitarbeiter während des Booms haben die Unternehmen auch gespart.
Das wird aber nur weiterhin funktionieren, wenn die Krisen immer von so kurzer Dauer sind. Über längere Zeit, kann sich der Staat das nicht leisten.  

29.12.11 22:23

129861 Postings, 6554 Tage kiiwiiHire und Fire in D ? Geht ja gar ned.

...und Löhne sind nur "bedingt" Kosten ??

Ich finde, Löhne sind unbedingt Kosten.

Was sie sonst noch sind ?
-Sozialabgaben
-Steuern
-Soli....
--und a kleins bissle frei verfügbares Einkommen
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nemo me impune lacessit

29.12.11 22:28

234013 Postings, 6371 Tage obgicouer meinte das Personal

Personal ist nicht nur Kostentreiber

hire and fire geht auch in D; was meinst Du wozu es die ganzen "Selbständigen" im Niedriglohnsektor gibt?  

29.12.11 22:45

129861 Postings, 6554 Tage kiiwiidann ist das eine neue Felixibilität, auf die wir

allzulange warten mußten... aber sie wirkt sich offenbar positiv aus, wie man am Tempo der Bewältigung der Krise 2008 sehen kann...
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nemo me impune lacessit

29.12.11 22:50

234013 Postings, 6371 Tage obgicouim Niedriglohnsektor

stimme ich zu; habe ich ja auch in #56 geschrieben

im Bereich von hochqualifizierten Mitarbeitern muß man die Transaktionskosten (Abfindung, lange Anlernzeit bei Wiedereinstellung berücksichtigen); da macht es eher Sinn jemanden zu halten, auch wenn's mal nicht so läuft  

29.12.11 22:58

129861 Postings, 6554 Tage kiiwiiim qualifizierten Bereich ist Hire und Fire kaum

möglich, weil die Transaktionskosten viel zu hoch sind.
Deshalb triffts bevorzugt die unteren Lohn- bzw. Einkommensgruppen (ob das sozial gerecht ist, interessiert dabei kaum...).  Das aber ist ein wichtiger Grund (neben anderen) für viele (unnötige) Insolvenzen...
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nemo me impune lacessit

30.12.11 09:55
1

24654 Postings, 7480 Tage Tony FordNiedriglohnsektor...

Hire and Fire ist nicht unbedingt die beste Personalstrategie. Im Bereich der Hochqualifizierten ist sie es mit Sicherheit nicht, im Bereich der niedrigqualifizierten wahrscheinlich schon.

So ist es. Aber auch hier lohnt es sich mal einen genauen Blick auf die deutschen Verhältnisse zu werfen. Angesichts einer hohen Technologisierung und Automatisierung gibt es im industriellen ja selbst im handwerklichen Bereich kaum noch niedrigqualifizierte Arbeitsplätze.

Der Bauer, der früher seine Felder mit einfachen Gerätschaften bestellte und vorwiegend körperliche harte Arbeit leisten musste, der arbeitet zwar immer noch körperlich hart, jedoch muss gleichzeitig HighTech-Maschinen bedienen und auch teils instandhalten und einrichten können.
In der Industrie bedienten Facharbeiter noch vor 20 Jahren 2-3 Maschinen gleichzeitig, Heute sind es dank der Automatisierung schon 5 bis 10 Maschinen, jedoch jeder der schon mal sowas erlebt hat der weiß, dass mit steigender Automatisierung die Arbeitsprozesse zunehmend komplexer werden. U.a. auch ein Grund, weshalb es einen Fachkräftemangel gibt, weil es immer weniger einfache Arbeiten gibt und die Komplexität der Arbeiten schneller steigt als unser Bildungssystem und die Menschen schritthalten können.
Ein Vergleich mit China oder Indien oder auch Osteuropa kann man an dieser Stelle nur sehr bedingt tun, da eben China, Indien oder Osteuropa ein deutlich geringeres Niveau der Automatisierung fahren und dies mit einer höheren Anzahl billiger Hilfskräfte kompensieren versuchen.
Wo in Dtl. ein erfahrender Mitarbeiter kleine Probleme zügig löst, braucht es in China eine teils lange Eskalationskette sowie viele involvierte Mitarbeiter. 

Deshalb habe ich vor China oder Indien und auch vor Abwanderungen auch keine Angst, weil ich weiß, dass wenn es etwas kompexer wird, China und Indien da nicht schritthalten kann bzw. großen zunehemend teuren Aufwand betreiben muss um da mithalten zu können.

Anders wiederum sieht es bei einfachen Tätigkeiten aus, wie z.B. irgendwelche Waren zu verpacken.

Einen solchen Niedriglohnsektor gibt es in Dtl. aber nur sehr begrenzt.

Niediglohnsektor in Dtl. heißt vielmehr, mittels eines irrsinnigen Vergleichs mit Osteuropa und Asien, teils hochqualifizierte Mitarbeiter zu möglichst billigen Löhnen beschäftigen zu können. 
Hoch qualifizierte Fachkräfte sind letztendlich auch in China und Indien heiß begehrt und gefragt und verdienen weit mehr als die 150€ im Monat, dann geht es auch schnell mal in Richtung 400 bis 500€ und dann sind wir von den 1200€ in Dtl. gar nicht mehr allzuweit entfernt.

Ich persönlich gehe sogar davon aus, dass über kurz oder lang China sogar versuchen wird, Fachkräfte aus Europa für teuer Geld abzuwerben, weil China genau weiß, dass es mit dem Billigkram und Raubkopien auf Dauer nicht der Exportschlager bleiben wird bzw. das hohe Wachstum seinen Tribut in hohen Lohnsteigerungen fordert. Nicht umsonst steigt die Zahl der eigentlich strengstens verbotenen Streiks.

30.12.11 10:15
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234013 Postings, 6371 Tage obgicoudie Auslagerung nach Osteuropa, China, etc.

war ja für den deutschen Arbeitsmarkt nicht nur schlecht.

Viele deutsche Großkonzerne, die in Osteuropa und China früh am Start waren, konnten ihre internationale Wettbewerbssituation steigern und damit zusätzlich Arbeitsplätze für Hochqualifizierte schaffen. Paradebeispiele sind die BASF und VW. Erstere ist im letzten Jahrzehnt durch eine aggressive Expansion vor allem in China zur weltweiten Nummer 1 in der Chemiebranche geworden. der Standort Ludwigshafen hat davon in hohem Maße profitiert. Bei Volkswagen läuft es ähnlich.

Die Frage ist, ob irgendwann nicht auch die hochqualifizierten Stellen abwandern.
Ich bin da nicht ganz so optimistisch wie Tony. China bildet im Jahr 40000 "Ingenieure" aus. Natürlich ist der Abschluß nicht vergleichbar mit dem deutschen Dipl-Ing, aber die haben auch ein paar gute Unis. Außerdem bilden wir sie ja selber aus. Man muß nur mal an eine deutsche Hochschulen in die vorderen Reihen in den Hörsälen schauen.  

30.12.11 15:06
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24654 Postings, 7480 Tage Tony Fordhochqualif. Fachkräfte?

@obgicou
Es ist richtig, dass viele Unternehmen und Deutschland selbst davon profitieren.
Man muss bedenken, dass Indien und auch China viele deutsche Waren und vor allem Maschinen importieren, die sie selbst auf diesem hohen Niveau nicht herstellen können und aber für eine zuverlässige Produktion benötigen.

Und auch die Ausbildung der vielen Ingenieure in China macht mir wenig Angst.

1. ist der Bedarf nach Ingenieuren in China weit größer als in Dtl., der Fachkräftemangel dort viel größer.

2. sind die vielen Ingenieure erst in den letzten 10 Jahren ausgebildet wurden bzw. läuft der Run so richtig erst seit einigen Jahren. D.h. die jungen Ingenieure haben keinerlei Erfahrungswerte und müssen sich diese Erfahrungswerte erst über die Jahre aufbauen und dies wird durch mehrere Faktoren sogar noch erschwert.

Zum Einen gibt es kaum bzw. viel zu wenig erfahrene Fachkräfte, so dass das Sammeln von Erfahrungen deutlich länger dauert als hier in Dtl.
Zum Anderen fehlen die Voraussetzungen, weil u.a. der Chinese deutlich weniger individuell erzogen und gelehrt wurde.
So fand ich Beispielsweise die Aussage eines deutschen Austausch-Abiturienten ziemlich zutreffend, der den Unterschied kurz und knapp auf den Punkt brachte

-> Der Chinese kann zwar im Kopf teils sogar die Wurzel ziehen, doch wenn es um Improvisieren und Problemlösung geht, tut er sich äußert schwer. U.a. scheitert er an seinen Sitten, weil er in einem streng hierarchischen Umfeld groß geworden ist, welches einer niedrigeren Ebene verbietet bzw. als zutieft beleidigend empfunden wird, wenn sich über eine höhere Ebene hinweg gesetzt wird.
Dies führt sogar so weit, dass ein Chinese die Lösung eines Problems sogar weiß und es trotzdem falsch macht.

Sicherlich ist dieser Bericht mittlerweile auch schon wieder ca. 5 Jahre her, doch letztendlich kann man eine Kultur nicht in wenigen Jahren vollkommen umkrempeln, sowas dauert in der Regel mehrere Generationen bzw. Jahrzehnte.

Ja und selbst Japan, welche uns weitestgehend ebenwürdig sind, sind in ihrer Kultur derartig stark geprägt, dass auch sie sich nicht über Hierarchien hinwegsetzen und auf die Schnelle improvisieren können. Dieses System hat den Vorteil einer klaren Struktur, in der die Rollen und Verantwortlichkeiten klar geregelt sind.
Das System hat aber den Nachteil, dass es relativ starr ist und ein Improvisieren nur bedingt möglich ist, das System nur so gut wie die Struktur selbst funktioniert und die Erfahrungen einzelner Mitarbeiter dabei nicht hilft bzw. nicht ausgenutzt wird.
Damit das System dennoch eine gewisse Flexibelität bekommt, wendet der Japaner einen Trick an, er lässt seine Leute rund um die Uhr arbeiten bzw. antreten wenn Not am Mann ist und hält sich einen vergleichsweise hohen Stamm an Mitarbeitern.
Mitterweile führt dies dazu, dass Ingenieure und selbst kleinere Entscheidungsträger jede zweite Nacht aus dem Bett geklingelt werden und ein großer Teil der Bevölkerung mittlerweile an BurnOut-Symptomen leidet.

Was ich damit sagen will ist, dass wir in Dtl. nachwievor für das Lösen von hochkomplexen Problemen die besten kulturellen und bildungstechnischen Voraussetzungen haben, wobei Letzteres mittlerweile stark bröckelt.
Was ich damit weiter sagen will ist, dass Intelligenz und ein Studium nicht reicht um an die Weltspitze zu kommen, sowas Bedarf eines viel tiefer liegenden Wandels, der sich in Indien sowie China nur sehr langsam bis gar nicht vollzieht.
Zwar gibt es in China und Indien hohe Wachstumsraten und eine sehr positive wirtschaftliche Entwicklung, jedoch politisch und kulturell besteht nach wie vor in beiden Nationen kein vergleichbares demokratisches System wie wir es haben und wie es eine individuelle Entwicklung eines Menschen bedarf.

Das hohe Wachstum der letzten Jahre in China sehe ich in erster Linie durch zufließendes Kapital und der simplen Größe sowie Bevölkerungszuwächsen des Landes.

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