Endlich: Kirchhof legt Steuermodell vor

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neuester Beitrag: 13.12.03 21:04
eröffnet am: 13.11.03 15:57 von: roumata Anzahl Beiträge: 9
neuester Beitrag: 13.12.03 21:04 von: hjw2 Leser gesamt: 1708
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13.11.03 15:57
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1274 Postings, 7634 Tage roumataEndlich: Kirchhof legt Steuermodell vor

Radikal einfach! Und das Ende der Steuerberater! :-)



Im Wettstreit um das künftige Steuersystem liegt jetzt das mit Abstand einfachste und radikalste Modell vor. Nach dreijähriger Arbeit legte der renommierte Steuerexperte und Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhof am Donnerstag in Berlin ein neues Einkommen- und Unternehmensteuerrecht vor.

Der komplett ausformulierte Gesetzestext kommt mit nur neun Seiten aus und sieht im Kern einen einzigen Steuersatz von 25 Prozent auf jede Form von Einkommen vor. Zugleich werden sämtliche Ausnahmen und Privilegien abgeschafft.

Die Steuererklärung würde künftig nur zehn Minuten beanspruchen, sagte Kirchhof bei Vorlage seines Modells. Es müssten nicht mehr ganze Samstage dafür benutzt werden, um in Schuhkartons nach Belegen für die Abzugsfähigkeit zu suchen. Die bisher 163 Gründe, die Abzüge vom Bruttoeinkommen rechtfertigen, würden abgeschafft. Es werde keine Privilegien mehr geben, die andere zahlen müssten. Statt 235 seien nur 23 Paragraphen nötig.

Der Tarif mit einem Spitzensatz von 25 Prozent wird auf jedes Einkommen erhoben, also Löhne und Gehälter, Zinserträge, Gewinne von Selbstständigen und Unternehmenserträge. "Statt neidisch zu sein, würde sich jeder freuen, wenn ein Millionär sein Einkommen auf zwei Millionen verdoppelt, denn dann verdoppeln sich auch die Staatseinnahmen unweigerlich auf 500.000 Euro", sagte Kirchhof.

Zum Sozialausgleich bleibt das Existenzminimum nach dem Kirchhof-Modell weiter steuerfrei. Jedem Steuerpflichtigen und jedem Kind steht ein Grundfreibetrag von 8.000 Euro zu. Die nächsten 5.000 Euro werden zu 60, die folgenden 5.000 zu 80 Prozent besteuert. Hinzu kommt eine allgemeine Kostenpauschale von 2.000 Euro. Die volle Steuerpflicht mit einem Satz von 25 Prozent setzt also erst bei einem Einkommen von 20.001 Euro ein.

Das Ehegatten-Splitting sei in seinem Modell wie bisher, technisch aber einfacher enthalten. Die Körperschaftssteuer werde in die Einkommensteuer integriert. Zudem könne jeder Mittelständler die Rechtsform selbst wählen. Bei Veräußerung von Beteiligungen und Aktien wird grundsätzlich ein Gewinn von einem Zehntel des Veräußerungspreises unterstellt.

Zu den Chancen einer Umsetzung seines Modells sagte Kirchhof, er setze auch auf Unterstützung der fünf Bundesländer, die sein Konzept bereits testen: "Vielleicht wissen wir nach dem zweitägigen Ministerpräsidententreffen an diesem Freitag mehr." Der Heidelberger Uni-Professor sprach sich für einen Übergangszeitraum von zwei Jahren bei Einführung seines Konzeptes aus, in Sonderfällen von vier Jahren.

 

14.11.03 10:32

1274 Postings, 7634 Tage roumataIch bin dafür

Ich habe nachgerechnet. Ich bin dafür !  

14.11.03 11:47

9123 Postings, 7660 Tage ReilaKirchhof hat keine Chance.

Habe vor 2...3 Wochen seine Rede anläßlich der Vorstellung seines Steuerkonzeptes gehört. Sehr gut durchdacht und in sich schlüssig. Hat auch einige Jahre Vorbereitungszeit gebraucht. Aber keiner redet davon. Statt dessen bekommt der Merz für sein zweitklassiges Konzept Lob von Opposition und Regierungskoaliton. In Deutschland regiert das Mittelmaß. Wie immer.  

17.11.03 09:09

1274 Postings, 7634 Tage roumataKirchhof Modell wird sich durchsetzen

Endlich geht Paul Kirchhof auch an die Öffentlichkeit.
Gestern bei Sabine Christiansen habe ich zum ersten mal einen Menschen mit einem klaren Konzept sprechen gehört. Dem konnten sich die anderen Politiker nicht mehr entziehen und wurde sogar einhellig begrüßt.
Nur die Gewerkschaft zappelt noch rum. Aber das Thema DGB/Verdi wird es in 10 Jahren sowieso nicht mehr geben.  

17.11.03 09:20

9123 Postings, 7660 Tage ReilaDann würde es mal den "Ruck" geben,

der durch das Land geht.  

17.11.03 12:14

13475 Postings, 8112 Tage SchwarzerLordImmerhin ist das Konzept wahrgenommen worden.

Seine Überlegungen sind leider noch nicht durchsetzungsfähig, dazu geht es den Deutschen noch zu gut. Merz ist da sicher 2. Wahl, allerdings liegt auch er immer noch mit einem besseren Konzept im Rennen als die Regierung, die das Geflecht nicht wirklich entschlingen will.  

13.12.03 20:30

9161 Postings, 8005 Tage hjw2wams interview mit prof. kirchhof 14.12.03

"Die Wirtschaft steht doch Kopf"

Vordenker: Steuer- und Verfassungsexperte Paul Kirchhof über Reformgeist, den Euro und das zähe Ringen im Vermittlungsausschuss

WELT am SONNTAG: Professor Kirchhof, rechnen Sie bei den Verhandlungen im Vermittlungsausschuss noch mit einer Einigung?

Paul Kirchhof: Da mischen sich bei mir Erwartungen und Hoffnungen. Entweder man wählt die kleine Lösung, und die vorgezogene Stufe der Steuerreform wird durch Subventionsabbau finanziert. Oder der Vermittlungsausschuss entscheidet sich gegen das Vorziehen der Steuerreform und verbindet das mit dem Versprechen, in den kommenden drei Monaten eine wirklich große Steuerreform zu machen.

WamS: Da lassen Sie die Alternative aus, dass es weder jetzt noch später zu einer Reform bei den Steuern und auf dem Arbeitsmarkt kommt.

Kirchhof: So pessimistisch bin ich nicht, das wäre schlimm. In den vergangenen vier Jahren hat sich in Deutschland das Klima völlig verändert, was die Bereitschaft zu einer durchgreifenden Steuerreform angeht. Noch vor nicht allzu langer Zeit hat sich nach jedem Hinweis auf die Reformbedürftigkeit des Steuerrechts ein Bedenkenträger gemeldet und mit Zynismus und Ironie das gesamte Terrain vermint. Jetzt können Sie mit jedem sachlich sprechen, aus jeder Partei. Es ist fast wie ein Seminar geworden. Der Wille der Menschen zu Reformen ist so groß, dass die Politiker nicht sagen können: Wir haben uns zwar redlich bemüht, aber wir konnten uns nicht einigen.

WamS: Verstehen die Bürger überhaupt noch, was derzeit in Berlin geschieht?

Kirchhof: Da habe ich Zweifel. Ich habe auch Zweifel, ob jedes Mitglied des Vermittlungsausschusses die Einzelfragen gegenwärtig hat, wenn vor ihm 2000 Seiten Papier liegen. Welcher Mensch kann das alles so gegeneinander abwägen, dass eine klare Konzeption dabei herauskommt?

WamS: Brauchen wir denn überhaupt ein Vorziehen der Steuerreform, wie die Bundesregierung es immer wieder betont?

Kirchhof: Bei einer Staatsverschuldung von 1,3 Billionen Euro, also 17 000 Euro pro Einwohner, können wir dem Bürger wahrlich keine Entlastungen versprechen. Heute zu sagen: "Wir brauchen weniger Steuern" ist gewiss nicht ehrlich.

WamS: Ihr Konzept für eine grundlegende Steuerreform verspricht doch auch niedrigere Steuersätze ...

Kirchhof: ... aber insgesamt erst später eine Steuerentlastung. Wir wollen, dass der Bürger mit seinem Einkommen das macht, was er für richtig hält, und nicht, dass ihn das Steuerrecht zu wirtschaftlichen Torheiten wie Abschreibungsmodellen zwingt.

WamS: Ihr Vorhaben würde zu einer gewaltigen Umverteilung führen. Alle, die bisher staatliche Vergünstigungen in Anspruch nehmen, gehören doch zu den Verlierern.

Kirchhof: Nach unseren bisherigen Berechnungen sind die Abweichungen gering, sie betragen meist weniger als ein Prozent. Verlierer sind bisher Abschreibungsgesellschaften und Fonds, die sich aus Steuerverschonung finanzieren. Natürlich erwähnen Gegner bei dieser Diskussion immer den konstruierten Fall der allein erziehenden Nachtschwester, die 40 Kilometer fährt, behindert ist und mit Einbußen rechnen müsste. Wir rechnen noch im Detail, aber bis jetzt sieht es danach aus, dass nach unserem System jeder ein Stück Freiheit gewinnt.

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13.12.03 20:54

12850 Postings, 7194 Tage Immobilienhaidas kirchhoff-modell wird es nicht geben

denn mit dem kirchhof-modell wird deutschland mehr arbeitslose als je zuvor haben...

denn mit dem kirchhof-modell werden sofort alle deutschen werften (aufgrund mangelnder nachfrage nach schiffen für steueroptimierte schiffsfonds) als auch sämtliche windparks und mit ihnen ein großteil der zuliefererbranche den bach hinuntergehen, ganz zu schweigen von der ganzen lobby der steuerberater und auch den ganzen bankern die steueroptimierte anlageformen entwickeln, ach ja und die zehntausenden von finanzbeamten, die auf einmal überflüssig wären, weil dann nämlich die steuererklärung vom finanzamtazubi abgehakt werden kann, wollen wir auch nicht vergessen.

also vergesst es, das teil macht mehr probleme als es löst, und vor allem, es tangiert die klientel beider großer parteien. die arbeiter in den werften und stahlschmieden (spd) und die freischaffenden steuerkünstler und berater der hochfinanz (cdu). von daher wird es in beiden parteien zumindest in dieser frage einigkeit geben.  

13.12.03 21:04

9161 Postings, 8005 Tage hjw2fürchte du hast recht immo


erg
weiter mit den schwachsinnshalbheiten
weiter mit dem export von arbeitsplätzen in billig lohnländer
runter mit del al-geld und sozihilfe
weg mit dem "mittelstand"
rauf mit der staatsverschuldung

wir freuen uns auf die nächste währungsreform






 

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