Eis der Arktis kehrt nicht zurück

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 09.04.06 21:57
eröffnet am: 09.04.06 21:57 von: .Juergen Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 09.04.06 21:57 von: .Juergen Leser gesamt: 754
davon Heute: 1
bewertet mit 17 Sternen

09.04.06 21:57
17

12293 Postings, 6643 Tage .JuergenEis der Arktis kehrt nicht zurück

KLIMAWANDEL

Eis der Arktis kehrt nicht zurück

Was im Sommer vom Eisschild der Arktis abschmilzt, wächst im Frost des Winters nach - so die bisherige Regel. In diesem Winter aber kam das Eis zum zweiten Mal in Folge nicht zurück. Klimaforscher fürchten, dass das unumkehrbare Abschmelzen der Arktis begonnen hat.

www.spiegel.de/wissenschaft/artikel@Middle2 -->Mit dem Frühlingsanfang in der kommenden Woche wird die Arktis sechs Monate lang im Sonnenschein liegen. Am Nordpol geht die Sonne ein halbes Jahr nicht unter. Forscher befürchten, dass die Eismenge, die dort während des Sommers auf der Nordhalbkugel abschmelzen wird, nie mehr zurückkommen wird. Denn sie haben gemessen: Zwei Winter in Folge hat sich das im Sommer geschmolzene Meereis in der Arktis nicht wieder gebildet.

<!-- Vignette StoryServer 5.0 Thu Mar 02 09:12:26 2006 -->
Wenn es diesen Frühling und Sommer nicht außergewöhnlich kalt wird, dann werden wir wohl Verluste an Meereis beobachten, die die 2005 beobachteten noch übertreffen könnten", sagte Mark Serreze, Wissenschaftler am National Snow and Ice Data Center (NSIDC) im US-Bundesstaat Colorado, der "New York Times". Der Forscher hat beobachtet: Im vergangenen September war in der Arktis soviel Eis geschmolzen, wie noch nie seit Beginn der Satellitenbeobachtung im Jahr 1979. Ein Forscherteam der University of Illinois kam unabhängig vom NSIDC zum gleichen Ergebnis.

"Nimmt man das mit jüngsten Nasa-Erkenntnissen zusammen, dass der grönländische Eispanzer an einem Umkipp-Punkt angelangt sein könnte, ist ziemlich klar, dass die Arktis beginnt, auf die globale Erwärmung zu reagieren", sagte Serreze der britischen Zeitung "The Independent".

 
Umkipp-Punkte, sogenannte "tipping points", zählen zu jenen Phänomenen, die Klimaforschern große Sorgen bereiten. Man beschreibt damit den Moment, wo vormals lineare Entwicklungen - wie eine kontinuierliche Eisschmelze - durch bestimmte Rückkopplungen abrupt abbrechen, die Richtung wechseln oder stark beschleunigt werden.

Ein solches Feedback befürchtet Serreze nun für den arktischen Ozean: Dort ist nun mehr Wasser denn je zu sehen. Das dunkle Wasser absorbiert mehr Sonnenwärme als reflektierendes Meereis. So verstärkt sich die ohnehin seit langem andauernde Erwärmung noch einmal - und im nächsten Winter würde das arktische Eis im dritten Jahr in Folge nicht zunehmen.

Forscher fürchten Umkipp-Punkte

Ein weiteres Beispiel für ein solches Umkipp-Punkt-Phänomen präsentieren Forscher des Earth Institute der Columbia University in New York in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science". Sie untersuchten das Verhalten von Eisschilden aus dem Weltall, indem sie die Konzentration des Berryllium-Isotops 10Be in Steinen analysierten. Es entsteht, wenn Strahlung aus dem Weltall auf der Erde auf Steine trifft. Diese Strahlung kann Eis nicht durchdringen, so dass die 10Be-Konzentration niedriger ist, je länger ein Fels von Eis - etwa eines Gletschers - bedeckt war.

Die Forscher um Vincent Rinterknecht rekonstruierten aus diesen Messungen die Entwicklung des skandinavischen Eisschilds, der in der letzten Eiszeit große Teile Nordeuropas bedeckte. Rinterknecht und sein Team fanden heraus, dass das Eis in Nordeuropa in jüngerer Vergangenheit zunächst dem Treibhauseffekt trotzte: "Tatsächlich nahm es längere Zeit sogar zu, während das Klima sich erwärmte. Als es noch wärmer wurde, baute das Eis auf einmal rapide ab" - offenbar war ein "tipping point" überschritten.

Als Folgen solcher Kipp-Punkte halten Wissenschaftler auch eine schwere Störung der Wasserströme im Atlantischen Ozean für möglich. Große Mengen arktischen Schmelzwassers könnten gar den Golfstrom, die atlantische Wärmepumpe Europas, beeinflussen. Die durch den Treibhauseffekt hervorgerufene Klimaerwärmung bedeutet jedenfalls nicht, dass es in allen Weltgegenden gleichmäßig wärmer wird.

"Aufgrund der sich durch die Treibhausgase erwärmenden Atmosphäre und der damit einhergehenden Aufheizung der arktischen Regionen verlangsam sich der Wärmeaustausch der Nordhalbkugel mit dem wärmeren Süden", sagte Rüdiger Rosenthal vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zu SPIEGEL ONLINE. Als Folge seien künftig häufiger extrem kalte Winter in Europa denkbar.  

   Antwort einfügen - nach oben