Echter Liberalismus statt primitiv-vulgärem

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neuester Beitrag: 06.10.08 12:58
eröffnet am: 27.04.05 21:09 von: BarCode Anzahl Beiträge: 47
neuester Beitrag: 06.10.08 12:58 von: kiiwii Leser gesamt: 2156
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27.04.05 21:09
17

69031 Postings, 6392 Tage BarCodeEchter Liberalismus statt primitiv-vulgärem

Geldökonomismus. Ist sonst nicht meine Art mit dem Copy and paste. Deshalb
vorsicht Leute, jetzt wirds etwas ausführlicher, aber - wie ich finde - interessant:

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/...8,353623,00.html


Muss der Kapitalismus vor den Kapitalisten gerettet werden?

Von Fredmund Malik

Kapitalismus-Kritik und Treibjagd auf Manager - wenn die Unternehmenslenker Bodenhaftung und Augenmaß verlieren, dürfen sie sich über solche emotionalen Reaktionen nicht wundern. Denn eine Firma, die Gewinne macht, ist deswegen noch lange nicht gesund.

Dass es so schnell gehen würde, hatte ich nicht erwartet. 1997 schrieb ich in einem meiner Bücher, dass die Doktrin vom Shareholder Value und die darauf aufbauende Corporate Governance zu einer neuen Wirtschaftsfeindlichkeit führen werde und zu neuen Klassenkämpfen. Ich schrieb dort auch, dass die Shareholder Theorie sich als noch kurzlebiger und schädlicher erweisen werde, als ihre Vorgängerin, die Stakeholder Theorie.Jetzt ist die Kritik voll aufgebrochen. Sie ist emotionalisiert, wie nicht anders zu erwarten war. Es ist nicht gut, wenn Spitzenmanager frontal angegriffen werden und zu Objekten populistischer Treibjagden werden. Aber es ist unvermeidlich, wenn Manager Bodenhaftung und Augenmaß verlieren und elementare Gesetzmässigkeiten sozialer Systeme dauerhaft verletzen.
Schon ab 2000 zeigten sich als Folge der sinkenden Aktienkurse die ersten Risse im System. Man konnte sie noch ignorieren. Nun setzt die Kapitalismus-Kritik auf hoher politischer Ebene ein, insbesondere in Deutschland. Sie wird nicht darauf beschränkt bleiben.

Zweifach gefährlich

Nach den ersten pauschalen Zurückweisungsreflexen, die das alte und in dieser Sache ganz untaugliche Muster von links und rechts bemühten, beginnen auch Vertreter der Arbeitgeber Einsicht zu zeigen. Das Problem fügt sich nicht den Parteifarben.
Wort für das, was kritisiert wird. Wir haben längst nichts mehr, was in einer sinnvollen Weise als Kapitalismus bezeichnet werden kann. Wir haben etwas Schlimmeres, nämlich einen primitiv-vulgären Geldökonomismus, das heisst, ein Wirtschaftsdenken, das alles auf nur gerade eine Grösse reduziert, nämlich Geld. Geld, und nicht Kapital ist es, was Denken und Handeln dominiert.

Die Kapitalismus-Kritik kritisiert etwas, was es nicht gibt, und was sie nicht verstanden hat. Daher besteht die Gefahr, dass diese Kritik die wirklichen Probleme überhaupt nicht trifft. Es besteht aber die weitere Gefahr, dass sie auch jene Dinge kritisiert, die zwar dem Kapitalismus zugeschrieben werden, mit diesem aber nichts zu tun haben.

Was wird mit Recht kritisiert?

Dass Unternehmen Kapital brauchen, werden selbst die schärfsten Kritiker nicht leugnen können. Dass die Schaffung von Kapital durch Investitionen eine der wichtigsten Aufgaben der Wirtschaft ist, auch nicht. Es ist nämlich jene Funktion, die Wachstum und Wohlstand überhaupt erst ermöglicht. Hätten Unternehmen das wirklich geleistet, würden sie hochgelobt.
In Wahrheit hat eine der größten Kapitalvernichtungen stattgefunden, zuvorderst in den USA. Dass die US-Nettoinvestitionsquoten in den vergangenen Jahren die niedrigsten seit dem Zweiten Weltkrieg sind, scheint jenen nicht bekannt zu sein, die sie als vorbildlich preisen.

Mit Recht zu kritisieren ist die Vorstellung, dass die Führung eines Unternehmens und die Leistung des Managements ausschliesslich an Geldgrößen zu orientieren sei, dass die Steigerung des Shareholder Values der oberste Zweck eines Unternehmens sei, und dass die Performance von Unternehmen und Management zuverlässig am Börsenkurs zu erkennen sei.
Diese Lehre ist genauso einfältig, wie das Monopoly-Spiel. Sie kann auch so schnell wie dieses begriffen werden, und daher hat sie sich genauso schnell verbreitet, wie anderer Unfug von derselben geistigen Anspruchslosigkeit.

Kompetente Führungskräfte und erfahrene Unternehmer haben schnell gesehen, dass das ein Programm für den Ruin eines Unternehmens ist, und haben daher still gewartet, bis ihre geldgetriebenen Konkurrenten genügend geschwächt waren, um sie zu übernehmen oder bis sie überhaupt aus dem Markt verschwinden mussten. Wann hat man schon das Glück, dass sich die Konkurrenz mit scheinbar neuen und ultimativen Managementmethoden selbst zugrunde richtet? Was müssen wir verteidigen? Nicht diese Art von Finanzkapitalismus.


Liberalismus richtig verstehen

Einsetzen muss man sich für eine Gesellschaft, die dem echten Liberalismus entspricht, nicht der Karikatur des Neoliberalismus. Echter Liberalismus heisst nicht Gewinnmaximierung. Erst lange nach Adam Smith kam die Primitivvorstellung in die Welt, einziges Ziel von Unternehmern sei die Gewinnmaximierung. Der Homo Oeconomicus ist bei Adam Smith, entgegen allen unausrottbaren Legenden, nicht zu finden. Aber wer hat schon Adam Smith gelesen, gar im Original?

Der echte Liberalismus schreibt niemandem vor, wonach er sich zu richten hat. Kein echter Liberaler hat je, wie viele Neoliberale es tun, Individualismus mit Egoismus verwechselt. Der Liberalismus ist im Gegenteil das einzige System, das es den Menschen frei stellt, sich so zu verhalten, wie sie es wollen und jene Ziele anzustreben, die sie selbst wählen. Die Vorteile der Marktwirtschaft hängen nicht davon ab, dass sich die Menschen egoistisch verhalten. Jeder darf sich so altruistisch verhalten, wie er nur will.

Echter Liberalismus fordert nicht Gewinn, schon gar nicht Gewinnmaximierung, nicht einmal Gewinnorientierung. Die Marktwirtschaft ist überhaupt nicht durch den Gewinn definiert, sondern durch die Liquidität. Der echte Liberalismus verlangt auch nicht, dass wir alle Ziele der Wirtschaft unterstellen sollen.
Niemand hat deutlicher gesagt, als der grosse Liberale und Nobelpreisträger, Friedrich von Hayek, dass letztlich alle Ziele nicht-ökonomischer Natur seien. Wir würden viele einflussreiche Gegner, z.B. Künstler, zu Befürwortern eines freien Wirtschaftssystems machen können, wenn wir von ihnen nicht ständig verlangten, alles rein ökonomischer Ratio unterzuordnen. Was der Liberalismus aber verlangt, ist, dass jeder für seine Handlungen einzustehen hat. Das muss auch für Manager gelten.

Den Markt richtig verstehen

Man muss sich einsetzen für eine Wirtschaft, deren wichtigstes Regulativ ein funktionierender Markt ist. Das hat mit Kapitalismus aber nichts zu tun. Funktionierende Märkte gab es lange bevor es einen Kapitalismus gab; und Kapitalismus in Allianz mit totalitären Regierungen hat regelmässig den Markt ausser Kraft gesetzt. Welcher Kapitalist hat sich schon jemals einen Markt gewünscht? Er musste ihm noch immer aufgezwungen werden, dem Privat- wie dem Staatskapitalismus.
Man darf den Markt nicht überfordern und man darf den Menschen nicht ständig predigen, die Marktwirtschaft sei das Beste aller Systeme. Wer so spricht, tut es aus einer privilegierten Position oder aus Unkenntnis. Das Gegenteil kommt den täglichen Erfahrungen der Mehrheit der Menschen näher. Eine Marktwirtschaft ist brutal, unerbittlich, gnadenlos und im Alltagsverständnis der Menschen ungerecht. Die grossen Liberalen wussten das: Die Marktwirtschaft ist nicht das beste System, sondern ein miserables - nur sind alle anderen Systeme noch viel schlechter, wie die Geschichte bewiesen hat.

Der Markt erbringt viele Leistungen nicht, für die er gelobt wird. Wer behauptet, der Markt schaffe ein Maximum an Wachstum und Sozialprodukt, macht einen schweren Fehler. Friedrich von Hayek sagt glasklar: "Das sogenannte 'Maximum', das wir auf diese (marktwirtschaftliche) Weise erreichen können, kann natürlich nicht als eine Summe bestimmter Mengen von Gütern definiert werden ..."
Es ist naiv, wenn Neoliberale sagen, der Markt werde schon alles richten. Der Markt führt keine wirtschaftliche Leistung herbei; er verhindert auch nicht Fehler, er bestraft sie nur; er korrigiert sie auch nicht in einem gebräuchlichen Sinne des Wortes, nämlich rechtzeitig, sondern er mobilisiert die Leichenbestatter, wenn der Patient tot ist.

Das sind zu krude Methoden für eine komplexe Gesellschaft. Daher braucht es zusätzliche Mechanismen, um die Schwächen des Marktes zu kompensieren, darunter eine funktionierende Unternehmensaufsicht und richtiges Management.


Unternehmensführung richtig verstehen

Einsetzen muss man sich für eine Unternehmensführung, die nicht an Interessengruppen orientiert ist, seien es Aktionäre oder Arbeitnehmer, sondern am Unternehmen selbst. Ziel muss das gesunde, lebensfähige Unternehmen sein, wofür wir heute die Kriterien sehr genau kennen.

Eine Firma, die Gewinne macht, ist deswegen noch lange nicht gesund. Sie kann am Ende sein, auch wenn es sich noch nicht in den Zahlen zeigt. Andererseits steht ein gesundes Unternehmen auch ein paar schlechte Jahre unbeschadet durch, wenn es vorher Reserven bilden konnte, und diese nicht an Aktionäre, Manager oder Arbeitnehmer ausschütten musste.

Im Zentrum eines gesunden Unternehmens steht die Schaffung zufriedener Kunden. Wer Kunden hat, kann immer Aktionäre und Mitarbeiter zufrieden stellen. Wer keine Kunden hat, kann nichts mehr leisten. Kunden besser zu bedienen, als es die Konkurrenz kann, ist der Massstab aller Unternehmensführung.
Privatmanager müssen wissen, dass sie immer öffentlich sind, auch wenn sie Privatfirmen führen. Sie sind sichtbar, und sie prägen das Bild der Wirtschaft in der Öffentlichkeit, ob sie es wollen oder nicht. Eine wirtschaftsfeindliche Gesellschaft ist kein gutes Umfeld für prosperierende Unternehmen. Wer das nicht versteht und es nicht genauso ernst nimmt, wie Währungskurse oder Rohstoffpreise, wird für sein Unternehmen zum Risiko.

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Gruß BarCode




 
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19.04.06 00:02

31041 Postings, 7160 Tage sportsstarAb da wo es knackig wird haste ja auch weggelassen o. T.

19.04.06 00:27

69031 Postings, 6392 Tage BarCodeIs ja gut Kalle!

Mich nerven die IHK-Zwangsbeiträge auch (und im Gegesatz zu dir, muss ich sie sogar bezahlen). Aber du hast das Thema hier nicht kapiert. Sonst kämst du nicht mit Westerwelle daher... Hier ging es um "echten Liberalismus statt primitiv-vulgärem   Geldökonomismus". Und die Ideen des Liberalismus sind nicht viertel so flach, wie deine Einlassungen dazu...


 

Gruß BarCode

 

19.04.06 00:50

12175 Postings, 7308 Tage Karlchen_IIAch - dann versuche doch Du mal mir die

Grundlinien des Liberalismus zu erklären. Würde mich schon interessieren. Insbesondere die
Widersprüche zwischen dem politischen und dem ökonomischen Liberalismus. Das läuft schon fast - ich sage: fast - auf eine "negative" oder absurde Dialektik hinaus. Oder so: hehre Ansprüche vs politischer Klamauk.

Können wir uns ja mal bei einem Bier unterhalten darüber unterhalten. Übermorgen klappt allerdings nicht, denn da bin bei dem Thema und anderen Themen schon in der Bütt - etwa mit Rolf Hochhuth. Dabei geht es mir natürlich eher um Religionskritik und um Häresie ;0). Vielleicht kann man sich auch noch über den politischen Liberalismus lustig machen. Verdient hätte er es ja.  

05.04.08 17:41
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69031 Postings, 6392 Tage BarCodeEine meiner Ikonen hat gesprochen.

Ein kluger Liberaler. Auch wenn ich die eine oder andere Position nicht teile, etwa zum Mehrheitswahlrecht. Aber er denkt wenigstens nach, bevor er was sagt.

Soziologe Lord Dahrendorf
"Dutschke war ein konfuser Kopf"
Lord Dahrendorf, neuer Vorsitzender der Zukunftskommission NRW, plädiert für das Mehrheitswahlrecht in Deutschland und hofft, dass die deutschen Fußballer bei der EM früh ausscheiden VON S. LANG & J. FEDDERSEN

BERLIN taz Lord Ralf Dahrendorf fordert als Konsequenz aus der Hessen-Wahl das Mehrheitswahlrecht in Deutschland einzuführen. "Ich persönlich bin ein großer Anhänger des Mehrheitswahlrechts. Bei demokratischen Wahlen geht es nicht darum, ein Spiegelbild der Meinung der Bevölkerung herzustellen, sondern eine klare Mehrheitsregierung zu begründen", sagte Dahrendorf der taz. Der große Vorteil ist für ihn: "Dann stellt sich die taktische Frage nicht."

Weiter hier:

http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/...Hash=cde48170d4&type=98

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Erst, wenn nachts die Sterne scheinen und die Lauscher Schlummer bannt,
darf ich meine Lieder weinen, dir geliebtes Lummerland.
"Eine Insel mit 2 Bergen..."

05.04.08 18:16

267 Postings, 4804 Tage SchlafwandlerDer Zug ist abgefahren!

Ralf Dahrendorf fordert als Konsequenz aus der Hessen-Wahl das Mehrheitswahlrecht in Deutschland einzuführen. "Ich persönlich bin ein großer Anhänger des Mehrheitswahlrechts. Bei demokratischen Wahlen geht es nicht darum, ein Spiegelbild der Meinung der Bevölkerung herzustellen, sondern eine klare Mehrheitsregierung zu begründen", sagte Dahrendorf der taz. Der große Vorteil ist für ihn: "Dann stellt sich die taktische Frage nicht."

Das hätte man früher machen müssen, als es nur drei Parteien gab. Jetzt ist es zu spät.  

05.04.08 18:21

69031 Postings, 6392 Tage BarCodeups

Ich seh gerade erst, dass das Interview unter dem Link gar nicht steht. Ist wohl nur in der Printausgabe. Die Zusammenfassung ist dürftig...
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Erst, wenn nachts die Sterne scheinen und die Lauscher Schlummer bannt,
darf ich meine Lieder weinen, dir geliebtes Lummerland.
"Eine Insel mit 2 Bergen..."

07.04.08 12:24
1

69031 Postings, 6392 Tage BarCodeNachgereicht

Hier steht das eigentliche Interview:

Ralf Lord Dahrendorf im Interview
"Der Minirock wurde nicht 1968 erfunden!"
Lord Ralf Dahrendorf würde es heute wieder tun: die FDP wählen. Nur an den Mythos 68 glaubt er noch immer nicht - und auch nicht an Wandel durch Parteien.


http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/...src=SE&cHash=e9aa9667cc
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Was verstanden werden soll,
muss schon vorher irgendwie verstanden worden sein.
(Hermeneutisches Paradox)

07.04.08 12:40
1

6934 Postings, 4821 Tage PolarschweinNaja, wenig interessante Denkansätze

FDP als liberale Bewegung? Eine Partei, die sich seit Jahren/Jahrzehnten nur noch über den Wirtschaftsliberalismus definiert.

Mehrheitswahlrecht finde ich auch nicht sehr demokratisch und zum Irakkrieg ist wohl schon so ziemlich alles gesagt, peinlich, dass er dafür gestimmt hat.

07.04.08 12:58
1

69031 Postings, 6392 Tage BarCodeWatt?

Von der FDP als liberaler Bewegung spricht er ja nun nicht. ("FDP und Liberalismus sind nicht  dasselbe"). Seine Kritik an der aktuellen FDP ist durchaus spürbar. Er denkt eben NICHT parteipolitisch.
Für das Mehrheitswahlrecht gibt es einige gute Gründe. GB ist trotzdem eine Demokratie. Ich bin allerdings auch eher ein Anhänger des Verhältniswahlrechts. Aber er hat eben einen stark britischen Blickwinkel. Das gilt auch für den Irak-Krieg. Da kann ich seine Position auch nicht nachvollziehen.

Aber er denkt eben für mich Liberalismus als SOZIALES=gesellschaftliches Konzept, und nicht als Lobbyismus für eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe. Und das macht ihn interessanter, als die platten Marktfetischisten.
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muss schon vorher irgendwie verstanden worden sein.
(Hermeneutisches Paradox)

05.10.08 23:05

69031 Postings, 6392 Tage BarCodeEin herzliches Willkommen.

Ok. Mein Thread hat nicht gereicht, um so Leute wie Herrn Grasser, Herrn Glos oder Herrn Ackermann auf den Pfad der echten (ordo)-liberalen Tugenden zurückzuführen. Es bedurfte noch einer klitzekleinen Weltkrise...

Aber ich bin natürlich froh über jeden (zu) spät Einsichtigen...

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(T. S. Eliot)

05.10.08 23:15

972 Postings, 4786 Tage Ziffrazweifenlsohne ein interessanetr Artikel

schleift aber zu stark an den relitäten vobei.


 

05.10.08 23:17

129861 Postings, 6379 Tage kiiwiiWelche "Einsichtigen" meinst Du, Barcode?

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MfG
kiiwiipedia

Die User Happy End, ottifant und ecki werden gebeten, den User kiiwii weder zu beleidigen noch zu provozieren.

05.10.08 23:46
1

69031 Postings, 6392 Tage BarCode"Einsichtige"

darf ruhig als Sarkasmus gelesen werden. Ich meine alle - Politiker, Wirtschaftsinstitute, Manager und Journalisten - die mir jahrelang die Ohren vollgedröhnt haben mit ihrer platten  Geldökonomie, bis es einem aus allen Körperöffnungen heraushing.

Und die jetzt plötzlich in den Chor der Mahner eintreten, von Regularien schwafeln, die z. B. Attac (zumindest deren vernünftigen Vertreter, nicht die Linksideologen) schon seit Jahren in die Diskussion gebracht haben.

Plötzlich wird von der Einflussnahme der Gesellschaft/Politik auf die Rahmenbedingungen der Finanzwirtschaft, in höchsten Tönen und aus allen Röhren geschwärmt, als sei dies quasi die Neuentdeckung des Jahrhunderts...

Plötzlich ist die Gesellschaft nicht mehr für den Gott "Wirtschaft" da, sondern die Wirtschaft dient der Gesellschaft und die darf jetzt Ansprüche stellen.

Welch bahnbrechende Erkenntnisse...
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06.10.08 00:08

8034 Postings, 6628 Tage RigomaxDie Kritiker des Liberalismus und die Freunde

eines stärkeren Staatseinflusses vergessen, daß am Anfang des Übels ein Mißgriff des Staates stand, nämlich die Politik des billigen Geldes.

Denn durch die billigen Kredite wurde die sich selbst aufpustende Blase der US-Häuserpreise erzeugt, die jetzt zu schrumpeln beginnt und zu platzen droht.

Das billige Geld verführte Banken und Bürger auch zu den anderen waghalsigen Spekulationskonstruktionen. Dabei hätten die bisherigen Mittel der Bankenaufsicht durchaus gereicht, das zu kontrollieren. Aber man hat da ja lieber selbst mitgespielt, weil der Fiskus auf die Erträge der staatlichen Banken schielte.

Jetzt auf die Marktwirtschaft zu schimpfen, verschiebt die Verantwortlichkeit in die falsche Ecke.  

06.10.08 00:17
1

69031 Postings, 6392 Tage BarCodeNaja.

Sie ließen sich gerne verführen, die Banken. Und es gab jede Menge zwielichtiger Konstrukte auf Basis der gültigen Regeln. Etwa dieser "Rhinland Fund" oder wie das Ding hieß, mit dem die IKB auf die Schnauze fiel. 500 Dollar Eigenkapital und 13 Milliarden bewegt...

Im Übrigen finde ich das, was der Artikel in Nr.1 über den markt sagt, sehr treffend:
"Der Markt führt keine wirtschaftliche Leistung herbei; er verhindert auch nicht Fehler, er bestraft sie nur; er korrigiert sie auch nicht in einem gebräuchlichen Sinne des Wortes, nämlich rechtzeitig, sondern er mobilisiert die Leichenbestatter, wenn der Patient tot ist."

Auch die Marktwirtschaft braucht intelligentes Handeln. Sowohl von den beteiligten als auch von denen, deren Aufgabe es ist, die Bedingungen zu setzen.
Das ist das Manko....
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06.10.08 00:22

129861 Postings, 6379 Tage kiiwiiman verletzt eben bestimmte Regeln, die sich über

Jahre und Jahrzehnte, ja teils über Jahrhunderte herausgebildet haben, nicht ungestraft.


Daß es in USA  Autofinanzierungen von bis zu 130 % des Kaufpreises geben soll, geht über meinen Verstand.


Wer tradierte Regeln nicht freiwillig einhält, ruft die Gesetzgebungsmaschine des Staates auf den Plan...
..und dabei kommt meist nichts Gutes heraus


Aber die "Figur" des ehrbaren Kaufmannes ist wahrscheinlich längst ausgestorben
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MfG
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06.10.08 00:26

129861 Postings, 6379 Tage kiiwiiOrdo-Liberalismus - was glaubst Du, Barcode, wer

mit diesem Begriff wirklich noch was anfangen kann ?? (Ausser ein paar Absolventen älteren Jahrganges der Uni Freiburg...)
Einen Böhm-Bawerk, einen von Hayek, einen Eucken, einen Hoppmann - wer kennt die denn ?  
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MfG
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06.10.08 00:31

30087 Postings, 5862 Tage ScontovalutaWenn die Autohersteller mitmachen, usw.

Alle Preise sind doch alle in sich nur noch Finanzierungskonstrukte, hat mir ein schweizer Freund mal erläutert...
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06.10.08 00:59

8034 Postings, 6628 Tage RigomaxBarCode (37): Eben nicht nur die Banken. Sondern

auch die vielen Leute, die ohne fundierten wirtschaftlichen Hintergrund Häuser kauften, weil sie meinten, die steigenden Hauspreise (die das Ergebnis des billigen Geldes waren) würden das dann quasi von selbst finanzieren. Und (das ist das entscheidende) diese Hauskäufe waren von Staats wegen gewollt. Es waren nicht die Banken an vorderer Stelle. Die haben ausgeführt, was vorher von oben durch Steuerungsmaßnahmen angeleiert worden war.

Der Autor des Links von Nr1 hat die Breite der Marktfunktionen nicht begriffen. Schon der erste Satz des von Dir gebrachten Zitats beweist das: Denn selbstverständlich führt der Markt wirtschaftliche Leistung herbei. Weil er nämlich die Anreize bietet, die zu wirtschaftlicher Leistung führen.

Es ist auch nicht richtig, daß der Markt Fehlverhalten grundsätzlich zu spät korrigiert. Im allgemeinen erkennt eine Firma, bevor sie pleite macht, daß sie etwas korrigieren muß. Und wie erkennt sie das? Richtig: An der Reaktion des Marktes, beispielsweise daran, daß sie ihre Produkte nicht mehr zu ihren Preisvorstellunge verkaufen kann. Gut - manchmal achten Firmen nicht darauf. Dann kommt der von Dir zitierte Leichenbestatter. Aber das ist dann auch gut so. Zumindest besser, als wenn da eine wirtschaftliche Leiche unbeerdigt weiter vor sich hin stinkt.
 

06.10.08 01:42

69031 Postings, 6392 Tage BarCodeNun

Absatz 1 hab ich quasi fast wörtlich hier so mehrfach geschrieben, insofern natürlich völlig richtig. :-)

Aber der Rest ist nur die eine Seite der Medaille des Marktes: Dort REALISIERT sich wirtschaftliche Leistung oder eben nicht. Diese wirtschaftliche Leistung ist in der Regel vorfinanziert, falls nicht schon durch Nachfrage stimuliert. Diese entsteht aber in der Regel erst durch erscheinen des Produktes auf dem Markt. Ich arbeite z.B. in einer Branche, wo das Trial and Error-Verfahren noch immer so aussieht, dass das erfolgreiche Produkt zu weit über 50% das nicht erfolgreiche mitfinanziert/mitfinanzieren muss. Wenn du da etwas dran drehen könntest, würde ich dich gerne als Guru anbieten. Da wäre ein Markt für da, den ich garantieren könnte.

Wie dem auch sei: Es gibt immer mehrere Perspektiven auf die Abläufe. Natürlich wirkt der Markt immer stimulierend zurück und wir könnten in der Beziehung die Henne-Ei-Frage stellen.

Es gibt in der Komplexität der wirtschaftlichen Abläufe keine Einbahn-Kausalitäten. Aber es gibt ein paar Grundregeln:
Konkurrenz belebt das Geaschäft, aber sie ruinuiert das Geschäftsleben, wenn nicht gleiche Bedingungen hergestellt werden. Diese werden durch Regeln erreicht.
Marktmacht darf nicht einseitig verteilt sein. Auch das bedarf der Regulierung.
Es gibt noch mehr. Vor allem die Voraussetzungen für die Teilnahme am Markt. (Dazu gehört auch z.B. Bildung, was den Arbeitsmarkt anbetrifft.) Auch das bedarf allgemeiner Regeln.

Und vor allem: Betriebswirtschaft ist nicht Volkswirtschaft. Ob einzelne Firmen richtig oder falsch handeln darf den Gesamtprozess nicht gefährden. Das ist in der Bankenkrise z. B. ein Problem der besonderen Art, aus unterschiedlichen Gründen.

Die Marktfunktionen werden jedenfalls eher maßlos überschätzt als unterschätzt, was den volkswirtschaftlichen Gesamtprozess und seine Gewährleistung angeht. Aber er ist halt der lauteste und öffentlichste Teil des ganzen. Deshalb kriegen die Marktschreier eben einfach zu oft zu viel Aufmerksamkeit...

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06.10.08 11:39

8034 Postings, 6628 Tage RigomaxBC (42): Ich Bin kein Guru, und in Deiner Branche

(die mir nicht bekannt ist) vermutlich schon gar nicht.

Daß weit weniger als 50% neuer Produkte ein Erfolg werden, ist nicht nur in Deiner Branche so. Entscheidungen über neue Produkte werden von Menschen getroffen, die die Reaktion anderer Menschen auf diese Produkte nicht exakt vorhersagen können. Das ist normal. Aber auch hierin zeigt sich die Stärke des marktwirtschaftlichen Modells. Denn auch in jedem anderen würden diese Entscheidungen von Menschen getroffen, aber im Fehlerfall weniger schnell korrigiert. Dort leben Fehler länger. In einem marktwirtschaftlichen System werden sie relativ frühzeitig korrigiert. Wenigstens meistens.

Gleiche Bedingungen, Bildung: Da sind wir uns einig, wenigstens wenn wir unter "Bedingungen" die Vorbedingungen meinen. Denn im Verlauf eines Witschaftsprozesses verändern sich natürlich auch die Bedingungen und ständige Gleichheit der Bedingungen würde Gleichheit der Ergebnisse bedeuten und damit Stillstand. Allerdings halte ich Deine Formulierung von der "Verteilung" von Marktmacht für mißverständlich. Der Wettbewerb am Markt führt naturgemäß dazu, daß die Marktteilnehmer nach höherer Marktmacht für sich streben. Wenn dieses Streben unterdrückt würde, dann wären der Wettbewerb am Markt und damit auch der Markt selbst tot. Aber, einverstanden: Wenn diese Marktmacht zu beherrschend ist, dann tötet sie selbst auch wieder den Wettbewerb, und dafür müssen Regularien existieren.

Natürlich ist Betriebswirtschaft nicht gleich Volkswirtschaft. Aber volkswirtschaftliche Entscheidungen beeinflussen betriebswirtschaftliche Entscheidungen und falsche volkswirtschaftliche Entscheidungen führen zu betriebswirtschaftlichen Entscheidungen, die wiederum negativ auf die Volkswirtschaft zurückwirken können. Das gilt eben auch in der Marktwirtschaft und die gegenwärtige Finanzkrise ist ein Beispiel dafür.

Ich bezweifel sehr, daß die Marktfunktionen überschätzt werden. Sie werden, gerade in Deutschland, deutlich unterschätzt. Hier herrscht weitgehend noch die Sehnsucht nach dem "guten Diktator", der in seiner gottgleichen Weisheit beständig gute Entscheidungen trifft und damit all die Irrwege vermeidet, die es in einer von Menschen betriebenen Wirtschaft (Marktwirtschaft, aber uach jedes andere System)  zwangsläufig gibt. Übersehen wird dabei, daß es derlei Irrwege in nicht markwirtschaftlich organisierten Wirtschaftssystemen in weit höherem Maß und in größerer Beständigkeit gibt. Nur hat man da dann auch die Mechanismen, derlei unter der Decke zu halten.

In jedem Wirtschaftssystem gibt es Fehlentwicklungen, auch in einer Marktwirtschaft. Der große Vorteil des marktwirtschaftlichen Systems gegenüber allen anderen wirtschaftlichen Steuerungssystemen ist aber, daß es der Natur des Menschen entspricht, seine Fähigkeiten und Fehler am besten nutzt, ihm aber auch die Möglichkeit gibt, seine Fehler und Fähigkeiten weitgehend auszuleben. Denn der Mensch ist von Natur aus eigennützig und gierig, aber auch faul und bequem. Und da gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Eigenschaften. Das marktwirtschaftliche System kanalisiert Eigennutz und Gier so, daß Faulheit und Bequemlichkeit in dem Rahmen gehalten werden, der der Gesamtwirtschaft zuträglich ist. Du wirst jetzt auf die Notwendigkeit von Beschränkungen verweisen und da hast Du natürlich Recht. So muß es beispielsweise Rahmenbedingungen geben, die daruf hinzielen, daß die Neigung des Menschen zum Eigennutz nicht zu einem unbeschränkten Räuberunwesen führt. Dafür gibt es Gesetze.

Nun gibt es einige Leute, die meinen, man müsse neue Gesetze schaffen, um Probleme, wie wir sie jetzt haben, gar nicht erst entstehen zu lassen. Das mag so sein. Aber der weitergehende Schluß, daß durch Eingriffe des Gesetzgebers oder gar die Abschaffung des Marktmechanismus derlei ein für alle Mal vermeidbar ist, ist sicher dummes Zeug. Denn die Möglichkeit zu anderen gesetzlichen Rahmenbedingungen gab es ja auch vorher schon. Woher nehmen diese Leute nur den Optimismus, daß es diesmal dann die perfekte Traumlösung wird?  

06.10.08 12:25

6254 Postings, 5009 Tage aktienbärOrdoliberalismus, kiiwii

In der staatlichen Gestaltung der USA haben diese Ideen ja auch
keinen Eingang gefunden,
während Deutschland durch diese Aspekte stark geprägt wurde (z.B. Ludwig Erhard).
Nur in der Ära von G. Schröder und Merkel meinte man einem
ungehemmten Marktmechanismus zu huldigen.
"Der Markt ist immer gerecht und regelt alles!"
Auch das sind die Irrtümer einer Frau Merkel und einer Ära Schröder.

Der Fisch fängt immer am Kopf zuerst an zu stinken.  

06.10.08 12:29
1

129861 Postings, 6379 Tage kiiwiiWeder Herr Schröder noch Frau Merkel huldigten

einem ungehemmten Marktmechanismus.


Im übrigen ist "ungehemmt" ohnehin das falsche Wort, denn man sollte den Marktmechanismus nicht hemmen  -  sondern ihm Regeln oder Leitplanken geben, innerhalb derer er sich entfalten kann.
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06.10.08 12:35

6254 Postings, 5009 Tage aktienbärSeh ich anders

Deine Physikerin ist eine Null und war Anhängerin des
Neoliberalismus.
Heute dagegen?
Sie wendet sich immer schnell.
Du leidest - wie alle - unter
selektiver Wahrnehmung.

... ungehemmt?
Kann man unterschiedlich interpretieren, ok.  

06.10.08 12:58

129861 Postings, 6379 Tage kiiwiiich bin auch Anhänger des Neoliberalismus - kann

man denn  angesichts der Verkrustungen und der Vermachtungen der meisten Märkte, vor allem des Arbeitsmarktes, irgend etwas anderes sein ???


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MfG
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