Duisenberg dämpft Hoffnung auf baldige Zinssenkung

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4579 Postings, 7607 Tage tom68Duisenberg dämpft Hoffnung auf baldige Zinssenkung

Sonntag 29. April 2001, 17:15 Uhr
Duisenberg dämpft Hoffnung auf baldige Zinssenkung
Washington, 28. Apr (Reuters) - EZB-Chef Wim Duisenberg hat im Anschluss an das G7-Treffen in Washington Hoffnungen auf eine baldige Leitzinssenkung gedämpft. Es könnte noch bis Anfang 2002 dauern, bevor die Inflationsrate in der Euro-Zone wieder unter die Toleranzgrenze von zwei Prozent fällt, sagte Duisenberg am Samstagabend (Ortszeit) in Washington. Dies dürfte erklären, warum die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen unverändert gelassen habe, fügte er hinzu. Da zudem ein weiterer Anstieg der Inflation im April zu befürchten sei, würde eine Zinssenkung "die Glaubwürdigkeit der EZB nicht erhöhen". Die EZB hat Forderungen nach Zinssenkungen bislang getrotzt und mit dem Hinweis auf andauernde Inflationsgefahren als einzige große Notenbank 2001 die Zinsen noch nicht reduziert.
Die EZB hatte Duisenberg zufolge bislang angenommen, dass die Jahresteuerung in der zweiten Jahreshälfte wieder unter zwei Prozent fallen werde. "Jetzt denken wir, es könnte etwas länger dauern - bis Anfang nächsten Jahres - bevor wir dieses Ziel wieder erreichen", sagte Duisenberg.

Im März hatte die Jahresteuerung in der Euro-Zone bei 2,6 Prozent gelegen und Duisenberg zufolge dürfte sie im April weiter anziehen. Auch Bundesbankchef Ernst Welteke hatte am Samstag gesagt, dass nach den ersten Inflationszahlen für April aus den einzelnen Ländern der Euro-Zone ein weiterer Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex zu erwarten sei. In Deutschland hatte die Jahresteuerung nach vorläufigen Berechnungen mit 2,8 Prozent im April den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht.

Bei ihrer vorausschauenden Geldpolitik müsse die EZB jedoch mit einer möglichen Zinssenkung nicht notwendigerweise warten, bis die Inflationsrate unter zwei Prozent gefallen sei, sagte Welteke weiter. Er betonte zudem, dass die Geldpolitik der EZB dem Wachstum nicht im Wege stehe. Welteke warnte davor, in der Diskussion über die Preisentwicklung statt auf den harmonisierten Verbraucherpreisindex auf die um Energiekosten und Nahrungsmittel bereinigte Kernrate zu blicken. "Die EZB muss als junge Organisation darauf achten, dass sie in ihrer Argumentation konsistent bleibt", sagte Welteke.

Verschiedene Politiker aus Europa und den USA hatten im Vorfeld des G7-Treffens Unverständnis darüber geäußert, dass die EZB trotz der Wachstumsschwäche in der Euro-Zone in diesem Jahr bisher nicht dem Beispiel anderer Notenbanken mit einer Zinssenkung gefolgt ist. Bundesfinanzminister Hans Eichel sagte jedoch im Anschluss an die Gespräche, auf die EZB sei während des Treffens kein Druck ausgeübt worden, die Zinsen zu senken. Zu den G7 gehören die USA, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan.

mwo/sam  

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