Die Vorwürfe sind absurd Peter Scholl-Latour(JF)

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4690 Postings, 7743 Tage proxicomiDie Vorwürfe sind absurd Peter Scholl-Latour(JF)

© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 25/04 11. Juni 2004

?Die Vorwürfe sind absurd?
Peter Scholl-Latour über die Anwürfe gegen ihn wegen seiner JF-Unterstützung, den D-Day und die Feiern in der Normandie
Moritz Schwarz

Herr Professor Scholl-Latour, der ?Spiegel? beklagt in seiner aktuellen Ausgabe (siehe Ausriß im Kasten unten), daß Sie in einem Werbefaltblatt der JUNGEN FREIHEIT bekundet haben, die JF bedeute für Sie den Beweis, daß es ?noch unabhängige Geister in der deutschen Medienlandschaft gibt und Journalisten, die das Risiko eingehen, gegen den Strom zu schwimmen?.

Scholl-Latour: Ach wissen Sie, ich bin es gewohnt, gelegentlich Heckenschützen aus dem Kollegenkreis ausgesetzt zu sein. Die dort formulierten Vorwürfe sind schlicht absurd, und im übrigen habe ja nicht nur ich mich mit Interviews und Artikeln in der JF zu Wort gemeldet, beziehungsweise Ihre Zeitung unterstützt, sondern ebenso solch untadelige Persönlichkeiten wie etwa Peter Gauweiler, Jörg Schönbohm, Helmut Markwort, Ephraim Kishon, Martin van Creveld oder Frederick Forsyth.

Fürchten Sie eine Kampagne gegen sich?

Scholl-Latour: Diese Kampagne hat doch bereits stattgefunden. Im Spiegel zum Beispiel wurden mir Prognosen zum Irak-Krieg unterstellt, die ich gar nicht gemacht habe. Ebenso vom Leiter des Berliner Aspen-Instituts Jeffrey Gedmin, der damit nur seine eigene gezielte Fehlinformation der Öffentlichkeit über den Irak zu kompensieren suchte.

Dem ?Spiegel? haben Sie gesagt, ?Zensur ... brauchen wir nicht?, Sie finden es ?ganz gut, wenn Unkonventionelles veröffentlicht wird?. Heißt das, daß Ihnen die deutsche Medienlandschaft zu uniform ist?

Scholl-Latour: Leider ist unter den deutschen Journalisten die - stets variierende - Political Correctness zur obersten Leitschnur geworden.

Als unkonventionell gilt heutzutage schon, zu hinterfragen, ob die moralische Kategorie ?Befreiung? anläßlich des 60. Jahrestages der Landung in der Normandie auch für die Deutschen historisch haltbar ist.

Scholl-Latour: Darüber kann man sicherlich diskutieren, aber ich bin kein Historiker und fühle mich deshalb nicht dazu berufen.

Sie haben die Teilnahme Bundeskanzler Schröders an der Sieges- und Gedenkfeier der Alliierten für deren Gefallene am 6. Juni begrüßt. Warum?

Scholl-Latour: Die Einladung Jacques Chiracs bedeutet eine Fortschritt in der zukunftweisenden deutsch-französischen Zusammenarbeit.

Die Ihnen - ebenso wie dieser Zeitung oder Altkanzler Kohl - bekanntlich sehr am Herzen liegt. Dennoch hat Helmut Kohl während seiner Amtszeit eine Teilnahme an den D-Day-Feierlichkeiten mit dem Satz abgelehnt, es sei ?für einen deutschen Bundeskanzler kein Grund zum Feiern, wenn andere ihren Sieg in einer Schlacht begehen, in der Zehntausende Deutsche elend umgekommen sind?.

Scholl-Latour: In der Normandie ging es am Sonntag nicht darum, die Niederlage der Wehrmacht zu feiern, sondern die Befreiung Westeuropas von der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten.

Das heißt, Sie kritisieren Helmut Kohl dafür, daß er während seiner Kanzlerschaft nicht an den Feiern teilgenommen hat?

Scholl-Latour: Überhaupt nicht, das war zehn, beziehungsweise zwanzig Jahre früher. Bundeskanzler Kohl hat sich statt dessen mit Staatspräsident Mitterrand in Verdun getroffen, und ich vermute, er wäre in diesem Jahr auch in Normandie gekommen.

Was war 2004 anders als 1984 und 1994?

Scholl-Latour: Jacques Chirac hat zum Beispiel den Deutschen Schröder nicht nur als ?Nachbarn? oder ?Freund? begrüßt, sondern als ?Bruder?. Das ist neu!

De Gaulle und Adenauer waren noch Politiker, die die Zeit des Bruderkampfes zwischen Frankreich und Deutschland miterlebt haben, und sie waren Männer, die für ihre politische Überzeugung persönlich alles riskiert haben. Überzeugt Sie solches Pathos aber auch bei reinen Partei- und Karrierepolitikern, wie Schröder und Chirac sie - heutzutage eben üblich - darstellen?

Scholl-Latour: Es gibt die schöne Gesetzmäßigkeit in den deutsch-französischen Beziehungen, daß die verschiedenartigsten Politiker auf beiden Seiten immer wieder durch die Macht der Tatsachen gezwungen sind, zusammenzurücken. Schröder hatte bekanntlich überhaupt nicht die Absicht, mit Frankreich ein näheres Bündnis einzugehen. Statt dessen hatte er zu Anfang eigentlich auf Tony Blair und New Labour gesetzt.

Sie monieren stets, daß die Europäer sich nicht endlich ?emanzipieren? und selbstbewußt gemeinsam Realpolitik betreiben, was zum Beispiel durch eine gemeinsame strategische - auch nukleare - Rüstung zum Ausdruck käme. Allerdings hält uns niemand davon ab, außer unsere eigene europäische, politisch korrekte Leisetreterei. Glauben Sie, daß die erhoffte Renaissance Europas mit Politikern wie Chirac und Schröder jemals kommt?

Scholl-Latour: Wir kommen in Deutschland ja nicht einmal aus unseren heimischen Problemen heraus. Ich sehe eigentlich nur noch Diskussionen auf dem Niveau vom Kleinkrämerei.

Kritiker wie Arnulf Baring oder Hans-Olaf Henkel erinnern immer wieder daran, daß es speziell mit dem von den Deutschen gepflegten Minderwertigkeitskomplex kein Entkommen aus der deutschen Krise beziehungsweise aus der europäischen Leisetreterei geben wird.

Scholl-Latour: Na ja, man muß ja nicht gleich ins deutschnationale Fahrwasser umschlagen.

Also was tun?

Scholl-Latour: Auf Europa setzen.

Auf welches, Joschka Fischer träumt bekanntlich vom europäischen Bundesstaat, de Gaulle setzte auf ein Europa der Vaterländer?

Scholl-Latour: Der Begriff ?Vaterländer? stammt von Michel Debré, de Gaulle hat vom ?Europa der Staaten? gesprochen.

Also weiter auf Politiker wie Schröder und Chirac setzen? Warum sollten die je ihre Politik der Mittelmäßigkeit ändern?

Scholl-Latour: Es muß eben offensichtlich einmal der Zwang der großen Krise kommen. Große Veränderungen sind immer nur durch große Krisen herbeigeführt worden.

Das heißt, auf die Geschichte warten, statt Europa selbst zu gestalten?

Scholl-Latour: Machen Sie sich keine Sorgen, diese Krisen kommen schneller, als Ihnen lieb ist.



Prof. Dr. Peter Scholl-Latour schrieb zuletzt in JF 18/04 den Beitrag ?Wir sind doch keine Idioten?. Geboren wurde er 1924 in Bochum. Als Fallschirmjäger diente er unter deutscher, dann unter französischer Flagge. Seit 1950 ist er als Journalist tätig. Von 1960 bis 1963 war er Afrikakorrespondent der ARD, danach Leiter des Pariser Studios. 1969 wurde er Direktor beim WDR, wechselte aber 1971 als Chefkorrespondent zum ZDF, ab 1975 leitete er auch hier das Paris-Studio. 1983 bis 1988 war er Herausgeber des Stern, zeitweilig dessen Chefredakteur, und Vorstand bei Gruner & Jahr. Sein Buch ?Der Tod im Reisfeld? (dtv, 1979) wurde zum erfolgreichsten deutschen Sachbuch nach 1945. Zuletzt erschienen die Titel ?Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?? (Propyläen, 2002) und ?Weltmacht im Treibsand. Bush gegen die Ayatollahs? (Propyläen, 2004).


?Vor den Karren gespannt?
Der FDP-Politiker und ehemalige Generalbundesanwalt Alexander von Stahl über die Attacke des Spiegel gegen Peter Scholl-Latour
Moritz Schwarz

Herr von Stahl, neben Peter Scholl-Latour, Ferdinand Fürst von Bismarck und dem ehemaligen Chefredakteur der ?Welt?, Herbert Kremp, empfehlen auch Sie in dem vom ?Spiegel? inkriminierten Werbefaltblatt die Lektüre der JUNGEN FREIHEIT. Fürchten Sie, nun ebenfalls zum Ziel einer Kampagen zu werden?

Stahl: Diese Vorgänge bestärken mich eher darin, daß es richtig und wichtig war, wegen der Pressefreiheit ebenfalls die JUNGE FREIHEIT öffentlich zu unterstützen. Es ist doch offensichtlich, daß es sich bei den Vorwürfen gegen die JF um eine Kampagne des NRW-Verfassungsschutzes handelt, der von der dortigen SPD-Landesregierung mißbraucht wird, um konservative und nationalliberale Meinungen und Auffassungen zu kriminalisieren. Ich zitiere dazu Focus-Chefredakteur Helmut Markwort: ?Der Verfassungsschutz NRW beobachtet alles, was nicht auf dem linken Flügel der SPD beheimatet ist.? Daß aber ausgerechnet der Spiegel sich vor den Karren eines selbstherrlichen Staatsorganes spannen läßt, wundert mich doch sehr.

Was meinen Sie mit ?ausgerechnet der Spiegel??

Stahl: Der Spiegel wurde bekanntlich 1962 selbst Opfer eines massiven Eingriffs in die Pressefreiheit durch den Staat - Stichwort Spiegel-Affäre. Herausgeber Augstein saß damals drei Monate unschuldig im Untersuchungshaft. Man müßte beim Spiegel also eigentlich sensibilisiert sein. Ich vermute, nicht von ungefähr hat deshalb der 2002 verstorbene Rudolf Augstein JF-Chefredakteur Dieter Stein 1995 zum zehnjährigen Bestehen seiner Zeitung in einem Brief seines Büros ausdrücklich ?weiterhin viel Glück mit der JUNGEN FREIHEIT? gewünscht.

Die Überschrift der ?Spiegel?-Artikels lautet ?Scholl-Latour lobt rechtes Blatt?. ?Scholl-Latour lobt linkes Blatt?, gäbe wohl kaum eine Schlagzeile her.

Stahl: Denken Sie nur an den Geburtstag der taz vor wenigen Wochen, wer da alles ein ?linkes Blatt gelobt? hat! Was soll denn diese Spiegel-Überschrift bedeuten? Daß es schon ein Tabubruch ist, ?rechts? zu sein? Unerhört ist doch vielmehr, daß so eine Schlagzeile in einer pluralen Demokratie möglich ist!

Sie kommen gerade als Delegierter vom FDP-Parteitag in Dresden, der unter dem Motto ?Die Kraft der Freiheit? stand. Doch statt für die ?Kraft der Pressefreiheit? hat sich Guido Westerwelle in einer Bundestagsrede 2000 lieber für Sanktionen gegen den SPD-Staatsminister Christoph Zöpel ausgesprochen, weil der es gewagt hatte, der JF ein Interview zu geben.

Stahl: Es ist kein Geheimnis, daß ich da gänzlich anderer Meinung bin als mein Parteichef. Und das ist aber nicht der einzige Fehler, der Guido Westerwelle in den letzten Jahren unterlaufen ist. Die FDP muß wieder lernen, auch gegenüber nationalliberalen Gedanken tolerant zu sein. Allerdings bitte ich, nicht zu vergessen, daß die FDP-Führungsmannschaft durchaus auch mit Persönlichkeiten aufwarten kann, die keine Berührungsängste mit dem nationalliberalen Lager haben. So gewährten zum Beispiel Hermann Otto Solms, Günter Rexrodt oder auch der sächsische Landesvorsitzende Holger Zastrow der JUNGE FREIHEIT bereits Interviews.

Seit 2002 vertreten Sie die JUNGE FREIHEIT bei ihrer Verfassungsbeschwerde gegen den Verfassungsschutz NRW. Im Januar 2003 prognostizierten Sie in einem Interview mit dieser Zeitung (JF 2/03) den Termin des Entscheids für den Herbst desselben Jahres. Inzwischen haben wir Sommer 2004!

Stahl: Die Mühlen der Justiz mahlen leider langsam.

Wird der Entscheid absichtlich verschleppt?

Stahl: Nein, ich bitte Sie vorsichtig zu sein mit vorschnellen Annahmen. Daß das Bundesverfassungsgericht überlastet ist, ist offenkundig. Ich rechne nun allerdings wirklich für 2004 mit der Entscheidung.



Ausschnitt aus dem aktuellen Spiegel: ?Der Buchautor und Journalist Peter Scholl-Latour wirbt (in einem Faltblatt) für die rechtsgerichtete Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT?, meldet der Spiegel in dieser Woche ausführlich auf der ersten Seite seines Medien-Teils. Dabei sei die JF laut NRW-Verfassungsschutz ?einer um Intellektualisierung bemühten geistigen Strömung des Rechtsextremismus zuzurechnen?, klagt das Nachrichtenmagazin. Doch der Versuch, eine Kampagne zu entfesseln, scheiterte bislang. Zwar sandte dpa in Folge eine Meldung über den Ticker, die aber nur von einigen kleineren Zeitungen und dem Deutschlandfunk aufgegriffen wurde. Im Internet dagegen verbreitete sich die Meldung bis hin zu österreichischen Zeitschriften wie News oder der Standard.


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gruß
proxi  

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