Die Top-Anleitung zur Selbstbereicherung

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 29.06.04 12:06
eröffnet am: 29.06.04 00:55 von: Happy End Anzahl Beiträge: 3
neuester Beitrag: 29.06.04 12:06 von: Happy End Leser gesamt: 372
davon Heute: 1
bewertet mit 1 Stern

29.06.04 00:55
1

95441 Postings, 7564 Tage Happy EndDie Top-Anleitung zur Selbstbereicherung

Mannesmann, Vodafone, Deutsche Bank - Wie werden Reiche immer reicher?

Die Wirtschaft darbt, die Kleinen zahlen die Zeche und die Arbeitsämter sind ständig überfüllt. Und dann kommen Meldungen über einen Herrn Welteke, über einen Konzern Mannesmann, über dessen Ausverkäufer Vodafone, die Telekom oder die Deutsche Bank. Und Oma Bertha fragt sich, warum die Reichen immer reicher werden. satiricum.de klärt auf!

Ex-Bundesbankpräsident Ernst Welteke: Ließ sich eine viertägige Silverstersause im Hotel Adlon von der Dresdner Bank bezahlen.
Quelle: Bundesregierung

Ex-Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer: Ließ sich von der Bundesbank eine Villa bauen, die er danach billig mietete.
Quelle: Uni-Halle

Oma Bertha weiß nicht, wie das geht

Oma Bertha ist 69 Jahre alt und hat immer hart gearbeitet, weil das Geld, daß ihr Mann nach Hause gebracht hat, an allen Ecken und Enden nicht gereicht hat. Nun steht sie alleine auf dem Wochenmarkt und verkauft Kräuter und Gewürze, um ihre (zukünftig versteuerte) Rente aufzubessern.

Oma Bertha schimpft auf "die da oben", wenn sie morgens die BILD aufschlägt und wieder von einem neuen Skandal liest, bei dem Reiche noch reicher geworden sind. Und sie fragt sich jedesmal, wie das gehen kann. Dabei wäre es auch für Oma Bertha ganz einfach, genau so abzuzocken wie Welteke, Esser, Ackermann oder Zwickel.

Fall 1: Ex-Bundesbankpräsident Ernst Welteke.

Um in den Kreis der erlauchten Schnorrer einzutreten, fängt Oma Bertha ganz klein an. Sie nimmt sich Ernst Welteke als Vorbild. Sie läßt sich vom Sohn des Bürgermeisters auf eine viertägige Kaffeefahrt in eine 2-Sterne-Pension am Wörthersee einladen, inklusive Silvesterparty. Der Sohn des Bürgermeisters verspricht sich davon, daß Oma Bertha künftig an ihrem Marktstand immer mal wieder ein gutes Wort über den Herrn Vater fallen läßt.

Fall 2: Max Strauß.

Nun kann Oma Bertha in höhere Ebenen aufsteigen. Ganz so wie Max Strauß, Sohn des verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten, beginnt sie nun, an ihrem Marktstand Werbung für ein Unternehmen zu machen. Diese verspricht großzügige Renditen auf Anlagen, verschwindet dann aber mit dem Geld auf Nimmerwiedersehen. Offiziell hat Oma Bertha weder geahnt, was wirklich investiert wurde, noch irgendwelche Gelder bekommen. Überraschenderweise fährt sie nach dem Skandal auf eine vierwöchige Luxuskreuzfahrt in die Karibik.

Fall 3: Ex-Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer und das EU-Parlament.

Oma Bertha will sich das Leben noch ein wenig einfacher machen. Weil sie jetzt ordentlich Werbung in eigener Sache gemacht hat, zieht sie in den Stadtrat von A-Stadt ein und läßt sich sofort eine Villa im Wert von 1 Million Euro bauen, die sie dann von A-Stadt zum Preis einer 1-Zimmer-Bude anmietet.

Eben weil sie noch monatliche Mietkosten hat, beschließt der Stadtrat auf Oma Berthas Antrag hin eine zehnprozentige Erhöhung der Diäten. Nachdem die Bürger massenhaft protestieren, natürlich nur durch die böse Presse angestachelt, setzt der Stadtrat ein Zeichen. Er wählt Oma Bertha zur neuen Vorsitzenden und erhöht seine Zuwendungen um 50 statt 10 Prozent.

Fall 4: Mannesmann-Vodafone-Deal um Klaus Esser, Klaus Zwickel, Josef Ackermann und viele andere.

Nun ist Oma Bertha bereit in die Oberklasse aufzusteigen! Nicht mehr kleine Brötchen backen, jetzt kommt der große Deal!

Ex-Mannesmann-Vorstand Klaus Esser: Erhielt insgesamt gut 60 Millionen D-Mark Abfindung.
Quelle: Schmalenbach-Gesellschaft
für Betriebswirtschaft e.V.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Angeklagt wegen Untreue.
Quelle: Deutsche Bank

Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel: Angeklagt wegen Untreue.
Quelle: IG Metall

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke: Meister im Steuern-Absetzen.
Quelle: Telekom

Oma Bertha kündigt an, mit einem Vorort von A-Stadt in Verhandlungen getreten zu sein, damit dieser eingemeindet werden kann. Leider kommt zur selben Zeit ein Gerücht in Umlauf, das besagt, die große Nachbargemeinde B-Stadt wolle viel eher A-Stadt eingemeinden.

Nach endlosen Wochen voller Spekulationen und heimlicher Verhandlungen macht B-Stadt ein offenes Angebot, A-Stadt gegen eine großzügige Zahlung von 62 Millionen Euro einzugemeinden. Oma Bertha und A-Stadt lehnen das Angebot als "nicht akzeptabel" ab. B-Stadt startet eine feindliche Übernahme.

Im Laufe der Zeit steigen Grundstückspreise und Mieten auf ein Rekordniveau. Selbst die sonstigen Lebenshaltungskosten bleiben zum Wohle der Wirtschaft nicht verschont. Der Landtag genehmigt schließlich die Eingemeindung des Vororts durch Oma Bertha.

Nun kommt alles Schlag auf Schlag! Oma Bertha läßt sich vom Stadtrat versprechen, im Falle einer Eingemeindung durch B-Stadt trotzdem noch Anspruch auf einen Wagen mit Chauffeur zu haben. Diesen Anspruch verkauft sie später wieder für 1 Millionen Euro. Kurz danach einigt sich Oma Bertha mit B-Stadt und stimmt einer Eingemeindung zum Preis von 95 Millionen Euro zu. Der Stadtrat beschließt für seine Mitglieder Sonderzuwendungen in Höhe von 24 Millionen Euro. Oma Bertha wird vom Stadtrat von A-Stadt auf Wunsch von B-Stadt abberufen und erhält eine Abfindung von 15 Millionen Euro. Daraufhin stellen Anwälte Anzeige wegen Untreue aufgrund der hohen Gesamtabfindung für Oma Bertha in Höhe von 30 Millionen Euro, die Staatsanwaltschaft sieht aber keinen Straftatbestand.

Nach der offiziellen Eingemeindung von A-Stadt in B-Stadt nimmt die Staatsanwaltschaft doch noch Ermittlungen auf. Wegen der Zustimmung zur Abfindung gerät auch der im Stadtrat von A-Stadt sitzende Gewerkschaftler Karl Zwackel in die Kritik. Grundstücksbesitzer von A-Stadt werden mit Niedrigstpreisen abgefunden als ihre Grundstücke von B-Stadt enteignet werden. Im Zuge der Abwicklung der Zahlung von B-Stadt an A-Stadt und der Anfindungen für Stadträte wird auch gegen den Filialleiter der Deutschen Bank in A-Stadt, Kurt Beckerfrau, ermittelt. Dieser fällt in der Presse besonders negativ auf, nachdem er bei Prozeßauftakt den Fotografen ein Victory-Zeichen zeigt, was ihm als Ignoranz ausgelegt wird.

Währenddessen sorgt B-Stadt für weiteres Unbill. Mittlerweile sind die Grundstückspreise so stark gesunken, daß B-Stadt nach der Übernahme von A-Stadt Millionenverluste einfährt. Es liegt ein Antrag bei der Steuerkasse vor, diese Verluste in einer Höhe von 50 Millionen abzusetzen und über Jahre keine Steuern mehr zu zahlen. Die Öffentlichkeit kritisiert vor allem, daß nun der Steuerzahler indirekt für den abgelaufenen Übernahmedeal und die Millionenabfindungen zahlen soll. Oma Bertha kontert, daß dies nicht unüblich sei. Auch der örtliche T-Punkt habe 3 Milliarden Verlust von der Steuer abgesetzt, als teuer in das Telefonnetz von A-Stadt investiert werden mußte, nachdem sich die Vorwahlen für A-Stadt und B-Stadt geändert haben.

Fazit

Wir sind gespannt, was Oma Bertha sich als Nächstes einfallen läßt. Bisher ist sie mit ihren Bereicherungsideen immer davon gekommen, daran wird auch der laufende Prozeß nichts ändern. Das Urteil wird erst in einigen Monaten erwartet. Und die Reichen werden immer reicher. Oder wie ließ Bertolt Brecht im "Salzburger Totentanz" den Gevatter Tod sprechen: "Wunder dich nicht, daß ich mir soviel arme Leut' kauf: Gegen die Reichen komm ich nicht auf."

 

29.06.04 00:57

2101 Postings, 7197 Tage ribaldDer Sport einer dekadenten Gesellschaft o. T.

29.06.04 12:06

95441 Postings, 7564 Tage Happy EndSollte man vielleicht in Athen berücksichtigen

   Antwort einfügen - nach oben