Die SPD und das Sparen

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neuester Beitrag: 20.06.04 18:26
eröffnet am: 20.06.04 17:13 von: calexa Anzahl Beiträge: 5
neuester Beitrag: 20.06.04 18:26 von: hjw2 Leser gesamt: 245
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20.06.04 17:13

4691 Postings, 7302 Tage calexaDie SPD und das Sparen

Es ist schon wirklich bitter, was derzeit mit der SPD
in den Wahlen passiert. Und die Freude der Union darueber
ist fast noch bitterer. Denn was wir hier erleben,
ist nichts als schlechtes Theater, ein Theater, dem
in jeder Hinsicht die Glaubwuerdigkeit und der
Realitaetsbezug fehlen.

Ich bin ja kein Politiker, sondern nur ein naiver
Idealist. Deshalb frage ich mich, wie die Union
sich tatsaechlich darueber freuen kann, dass die
SPD derzeit zerrieben wird, obwohl sie doch nur
zu gut weiss, dass sie nicht weniger abgestraft
worden waere, wenn sie die gleichen Einschnitte
wie die SPD vorgenommen haette. Aber das ist halt
der Unterschied zwischen Machtpolitik, die
praktiziert wird, und Patriotismus, ueber den man
sich so gerne in grossem Wohlfallen verbreitet.

Die SPD versucht nun, das Blatt dadurch zu wenden,
indem sie ihre Sparbeschluesse besser verkauft.
Wie das allerdings gehen soll, bleibt unerfindlich.
Oder anders gesagt: Es geht schlichtweg nicht.
Man kann nur entweder sparen oder die Spar-
beschluesse (zumindest teilweise) zuruecknehmen.
Doch sparen und dies als Wohltat in Form des
Zuflusses von neuem Geld zu verkaufen, das geht nicht.

Der Kanzler steht derzeit noch eisern ? und ich
muss zugeben, dass mein Respekt fuer Schroeder mit
jedem Tag waechst. Die Partei hingegen geht den
umgekehrten Weg und moechte nun, dass von der
Agenda 2010 jeder profitiert. Doch Einsparungen,
von denen jeder profitiert, die gibt es nicht.
Sie waeren die Quadratur des Kreises, die eben-
falls noch niemals gelungen ist.

Insgesamt stellt sich damit natuerlich das Problem, ob
eine Demokratie ueberhaupt zu einem richtigen Kon-
solidierungskurs in der Lage ist. Ich habe neulich
bei einer Diskussionsveranstaltung mit den Chefs der
fuehrenden Wirtschaftsforschungsinstitute die Frage
gestellt, ob es in der Geschichte real praktizierter
Demokratien schon einen Referenzfall gab, wo so etwas
erfolgreich durchgefuehrt worden ist. Irgend jemand
saeuselte etwas von ?Grossbritannien unter Thatcher?,
doch eigentlich wollte keiner etwas mit dieser Frage
zu tun haben, war mein Eindruck.

Wir beschreiten also wohl tatsaechlich Neuland mit
dem, was wir derzeit tun ? und was uns noch allen
bevorsteht. Und der Ausgang dieses Experiments ist
voellig offen wie bei allen historischen Einmalig-
keiten. Die grosse Frage fuer die Maerkte ist daher,
ob aus der politischen und gesellschaftlichen
Einmaligkeit auch fuer die Maerkte eine historisch
einmalige Situation erwaechst. Denn wie sich Finanz-
maerkte bei einem sukzessiven Rueckzug des Staates
aus der Wirtschaft verhalten, darueber fehlen uns
bis jetzt nahezu vollkommen die empirischen Erfahrungen.

Wir kennen ausschliesslich die Reaktion der Maerkte
auf ein zunehmendes Staatsmanagement. Und sie ist
ausserordentlich positiv, auch wenn die Kon-
solidierungsfans stets das Gegenteil davon behaupten.

Quelle: doersam-briefe

So long,
Calexa
www.investorweb.de  

20.06.04 17:57

9161 Postings, 8000 Tage hjw2mit anderen worten

mit dem sich nähernden zusammenbruch des westlichen kapitalismus
brechen auch die westlichen demokratien zusammen

wenn alles "privatisiert" ist und der letzte cent an steueraufkommen
aufgesaugt wurde..

mal sehen welche antwort der chinesische kapitalismus findet..
 

20.06.04 18:07

21799 Postings, 7960 Tage Karlchen_IWas ist denn das?

doersam-briefe? Ist das der Anlegerbriefe für Kegelclubs und Börsenclubs christlicher Frauenvereinigungen?

"ob es in der Geschichte real praktizierter
Demokratien schon einen Referenzfall gab, wo so etwas
erfolgreich durchgefuehrt worden ist. "

Vielleicht mal die Haushaltspolitik unter Clinton ansehen - ist doch nicht so schwer.  

20.06.04 18:07

21180 Postings, 7245 Tage lehnaNoch können wirs uns leisten...

etliche 100 Milliarden gen Osten zu karren,um den bankrotten Ex-Sozialismus zu sanieren.
Allerdings gehen solche Summen schon ans "Eingemachte"...  

20.06.04 18:26

9161 Postings, 8000 Tage hjw2karlchen

solange die amis noch
staaten finden, die sie auspressen können

und irgendwer ihnen geld leiht, damit sie seine produkte kaufen,
auch wenn er die kohle nie wieder sieht, gehts irgendwie weiter..

im übrigen ist die amerikanische bevölkerung auch besser vorbereitet, wie mir scheint.

viele machen irgendwas, stellen etwas her, bauen etwas an..  es entwickeln sich tauschmärkte, tax free natürlich.
garage sales sind z.b. steuerpflichtig, es wird allerdings grosszügigst übersehen..

müssen wir noch lernen, auf dem flohmarkt nach  weihnachtsgeschenke zu suchen
anstatt in vorweihnachtlichen kaufrausch zu fallen...

der mangel ist noch nicht gross genug...kommt aber bald  

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