Die Lieblinge der Börsenprofis

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eröffnet am: 23.11.03 12:24 von: Nassie Anzahl Beiträge: 1
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Nebenwerte: Die kleinen Lieblinge der Börsen-Profis (EuramS)

   
Über 100 Firmen präsentieren sich in den nächsten Tagen in Frankfurt bei Investoren-Konferenzen. Zum Abschluss der Nebenwerte-Serie stellt EURO Unternehmen vor, die diese Woche in den Blickpunkt der Profis rücken
von Jens Castner und Tobias Meister

Warum hat Ihr Vorstandskollege aus seinem Privatbesitz 100000 Aktien Ihres Unternehmens verkauft? Direkte Fragen dieser Art wird Klaus Weinmann, Chef des IT-Anbieters Cancom, in den kommenden Tagen in Frankfurt dutzendfach beantworten.

Weinmann nimmt die unangenhmen Fragen in Kauf. Er will in dieser Woche die Chance nutzen, sein Unternehmen optimal zu präsentieren - vor einer Heerschar von Analysten und Fondsmanagern. Es ist die Woche der Investoren-Konferenzen in Deutschlands Finanzmetropole. Mehr als 100 börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen sind mit ihrem Top-Management in Frankfurt vertreten. Allein beim Deutschen Eigenkapitalforum buhlen am Mittwoch und Donnerstag 140 Unternehmen um die Gunst von Analysten, Fondsmanagern und Vermögensverwaltern. 22 Firmen werden von Montag bis Mittwoch bei der German Midcap Conference der Analysten-Vereinigung DVFA für ihre Aktie werben. Weitere zwölf nehmen am Mittwoch und Donnerstag am Financial Forum teil, das die Investor-Relations-Agentur Haubrok in Zusammenarbeit mit der German Association of Investment Professionals, kurz GAIP, veranstaltet.

Auch für die versammelten Vermögensverwalter - erwartet werden zum Deutschen Eigenkapitalforum rund 1800 Teilnehmer - ist der Sitzungsmarathon ein Muss: "Entscheidender als die Zahlen der einzelnen Unternehmen ist, dass man einen sehr detaillierten Überblick erhält, was sich in den einzelnen Branchen tut und wie diese zusammenwirken", sagt Thomas Körfgen, Leiter des Aktienfondsmanagements bei SEB Invest. Genauso wichtig sind Kontaktpflege und Informationsaustausch: "Man bekommt ein gutes Gefühl dafür, wie die anderen den Markt einschätzen." Michael Stallmann, Vorstand der Beteiligungsgesellschaft TFG, schwärmt: "Eine vergleichbare Veranstaltung gibt es in Deutschland nicht. Unter den mehr als 100 Unternehmen findet sich bestimmt die eine oder andere interessante Story."

Die Entdeckungen versprechen satte Kurssteigerungen. Auch für Privatanleger können diese Veranstaltungen Gold wert sein - selbst wenn sie sich die Teilnehmergebühr für das Eigenkapitalforum von 550 Euro (plus Mehrwertsteuer) sparen. Denn die Aktien der teilnehmenden Unternehmen stehen im Verdacht, zukünftige Gewinner-Titel zu sein. Schließlich wird kaum ein Vorstand sich den kritischen Fragen der Finanzexperten stellen, wenn er nicht plausible Gründe vorzubringen hätte, warum ausgerechnet die Aktie seines Unternehmens interessant sein sollte.

Spekulative Anleger können sogar auf den schnellen Euro hoffen. Denn gerade kleinere Unternehmen, die kaum noch ein institutioneller Investor auf der Rechnung hat, haben hier Gelegenheit, sich ins Gedächtnis der Anleger zurückzurufen.

Im vergangenen Jahr etwa wurde die Öffentlichkeit nach ähnlichen Investoren-Veranstaltungen auf Unternehmen aufmerksam, die mehr Geld in der Kasse hatten, als sie an der Börse überhaupt wert waren und zudem vor dem Erreichen der Gewinnschwelle standen. Diese so genannten Cash-Werte wie Atoss oder Syzygy haben sich seither im Kurs in etwa verdoppelt.

Derartige Schnäppchen sind nach der Börsenrally der vergangenen sechs Monate zwar nicht mehr zu finden, dennoch könnte eine gelungene Präsentation, eine unerwartete Nachricht oder einfach die Tatsache, dass eine Aktie wieder ins Blickfeld der Investoren rückt, für Kurssteigerungen sorgen. Anleger, die mit diesem Effekt verdienen wollen, sollten dabei auf kleinere Werte setzen. Zwar präsentieren sich auch größere MDAX-Unternehmen wie KarstadtQuelle, Fraport, Salzgitter oder Schwarz Pharma. Da diese Unternehmen jedoch ständig von Analysten beobachtet werden, dürfte der Überraschungseffekt gering sein. Zudem handelt es sich um marktbreite Titel, die nicht durch einzelne Kauforder institutioneller Anleger um zehn Prozent oder mehr in die Höhe getrieben werden können.

Anders bei den nahezu vergessenen Unternehmen, die seit dem Ende des Neuen Marktes in keinem bedeutenden Index mehr gelistet sind. Beispiel Plasmaselect: Das Unternehmen ist auf dem Markt für Medizintechnik und entsprechendes Zubehör aktiv. Bis vor einigen Monaten machten die Münchner nur durch ihre hohe Cash-Quote auf sich aufmerksam. Über 44 Millionen Euro lagen in der Firmenkasse. Die Barschaft, die zum Großteil aus dem Verkauf des früheren Kerngeschäfts und aus dem übrig gebliebenen Emissionserlös stammte, warf jedoch Fragen auf. Obwohl die Aktie zeitweise deutlich unter dem Kassenbestand notierte, bewegte sie sich kaum. "Es ist nicht Sinn und Zweck eines Börsengangs, Geld einzusammeln, um es dann aufs Festgeldkonto zu legen", schimpften Händler. Damit die liquiden Mittel nicht auf der Bank versauern, wurde mit Burghard Weidler ein erfahrener Mann aus der Medizintechnik in den Vorstand berufen. Seit Amtsantritt im Februar 2003 führt er fast ständig Übernahmegespräche. Erst vor wenigen Wochen kaufte Plasmaselect dem Konkurrenten Curasan die Sparten Intensiv- und Notfallmedizin ab. Der Deal wird auf 13 bis 14,5 Millionen Euro geschätzt. "Anfang 2004 wollen wir unser operatives Geschäft durch eine weitere Übernahme stärken", sagt Weidler. Für Resonanz beim Eigenkapitalforum dürfte gesorgt sein. Vergangene Woche veröffentlichte Plasmaselect schon mal vorab die Planzahlen für das kommende Jahr. So wollen die Münchner ihren Umsatz auf knapp 57 Millionen Euro fast verdoppeln und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von rund 2,4 Millionen Euro erreichen. Sollte es zusätzlich zu der geplanten Übernahme kommen, könnte das Unternehmen in eine Dimension wachsen, die auch für institutionelle Investoren interessant ist.

Kurzfristig orientierte Anleger mit besonders viel Mut können auch auf Unternehmen setzen, denen es zuletzt schlecht ging - in der Annahme, dass die Vorstände sich wohl kaum von Investoren löchern lassen würden, wenn keine Hoffnung auf Besserung bestünde. Das gilt auch für den IT-Dienstleister Cancom, der sich auf Apple-Produkte spezialisiert hat. Das Unternehmen hatte in den ersten neun Monaten mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen und war - wegen hoher Abschreibungen - tief in die Verlustzone gerutscht. Zudem hatte sich ein Vorstandsmitglied kürzlich von 100000 Aktien getrennt, was nicht gerade für Vertrauen am Finanzmarkt sorgte. "Er hat mit seinem Verkauf den Einstieg eines Privatinvestors ermöglicht, der unbedingt Stücke haben wollte verteidigt Firmenchef Klaus Weinmann seinen Vorstandskollegen. Das will Weinmann auch den Zuhörern beim Eigenkapitalforum erklären.

Dort wird er auch von einem vierten Quartal berichten, das sehr ordentlich angelaufen ist. Im nächsten Jahr soll Cancom die Gewinnschwelle erreichen. Von Frankfurt verspricht sich der Cancom-Chef positive Impulse für die Aktie. "Anfang September hatten wir uns bei einer Konferenz von Independent Research präsentiert - die Aufmerksamkeit hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen."

Aus Aufmerksamkeit muss dann Nachfrage nach der Aktie werden. Bei Emprise Management Consulting, Unternehmensberater mit Schwerpunkt Informationstechnologie, ist der Kursumschwung bereits in Ansätzen gelungen. Der ehemalige Pennystock notiert wieder deutlich über einem Euro. Emprise hatte Millionen Euro in den Aufbau von Auslandstöchtern gepumpt und damit eine Bauchlandung hingelegt. Die Auslandsgesellschaften wurden wieder geschlossen - das investierte Geld ist zum größten Teil weg.

"Aber diese Schmerzen sind jetzt zum Glück vorbei", erklärt Finanzvorstand Peter Röder die Situation. Dank eines rigorosen Sparprogramms und einer Kapitalerhöhung konnten die Verbindlichkeiten von 6,5 Millionen Euro auf 1,8 Millionen reduziert werden.

Planzahlen für das kommende Geschäftsjahr will Röder noch nicht en detail vorlegen. Die in Börsenkreisen gehandelten Zahlen - ein Umsatz von rund 32 Millionen Euro und ein Gewinn vor Zinsen und Steuern von 1,5 Millionen - scheinen aber nicht übertrieben optimistisch.

Genau wie Emprise hat auch Advanced Photonics, kurz Adphos, kürzlich eine Kapitalerhöhung platziert. Anfang September gab der Spezialist für Trocknungstechnik 600000 Aktien zu einem Preis von je 1,72 Euro aus. Die Münchner, deren Aktien in der Spitze über 70 Euro notierten, litten in den vergangenen Monaten unter der Flaute in der Druckindustrie. Denn die Maschinen von Adphos sorgen dafür, dass die Tinte während des Druckprozesses auf dem Papier schnell trocknet. Die Systeme können auch in der Auto-Industrie zur Trocknung von Lacken eingesetzt werden.

Im zweiten Halbjahr erwartet Vorstands-Chef Rainer Gaus wieder einen leichten Überschuss. Der Turnaround mit einem Plus von 100000 Euro (Ebit) gelang im zweiten Quartal. Um nicht mehr so abhängig von der Druckindustrie zu sein, hat Adphos die Angebotspalette auf die Stahl- und Aluminium-Branche ausgeweitet. Wie Gaus gegenüber EURO erklärte, laufen die neuen Geschäftsfelder mehr als zufrieden stellend. "Wir sind zurzeit mit einem sehr großen Angebotsvolumen auf dem Markt. Wenn wir nur 50 Prozent dieser Aufträge bekommen - und danach sieht es aus - wird 2004 ein sehr gutes Jahr." Darauf hofft auch ACG. "Für das laufende Quartal und das kommende Jahr sind wir optimistisch, dass wir vom Aufschwung der Halbleiterindustrie profitieren werden", so Firmensprecher Daniel Wenzel. Im Unterschied zu Adphos ist die Aktie des Wiesbadener SDAX-Unternehmens nicht gänzlich in Vergessenheit geraten. Die Neun-Monats-Zahlen waren allerdings kein Ruhmesblatt. ACG musste nach drei Quartalen einen Umsatzrückgang von 35 Prozent auf 155,7 Millionen Euro hinnehmen. Der Verlust vor Zinsen und Steuern verdreifachte sich auf 5,4 Millionen Euro. Doch die meisten Investoren bemerkten nicht, dass der Vorstand in den vergangenen Monaten seine Hausaufgaben gemacht hatte. So wurden im Oktober Randbereiche verkauft. Die Erlöse waren im Kassenbestand des Neun-Monats-Berichts (10,5 Millionen Euro) noch nicht enthalten. Wie viel Geld die Wiesbadener eingenommen haben, wollen sie offiziell nicht sagen. Schätzungen reichen bis zu 30 Millionen Euro. Gespannt warten die Börsianer, ob Vorstands-Chef Cornelius Boersch beim Eigenkapitalforum am Donnerstag das Geheimnis lüftet.

Die stärksten der kleinen Kraftprotze steigen irgendwann auf. Doch nicht nur für Risikofreudige, auch für konservative Investoren könnte sich ein Blick auf kleinere Unternehmen lohnen, die in der kommenden Woche in Frankfurt dabei sind. Für Dividendenjäger bietet sich die Aktie der Immobiliengesellschaft Deutsche Euroshop an. Das SDAX-Unternehmen investiert in Shopping-Center, vornehmlich in etablierter Innenstadt-Lage. Zuletzt beteiligte sich das Unternehmen für 73 Millionen Euro mit 65 Prozent an einem Projekt in Wetzlar. Mit einer Dividendenrendite von fast sechs Prozent und der Ambition, mittelfristig in den MDAX aufzurücken, sollte es für Vorstands-Chef Claus-Matthias Böge ein Leichtes sein, bei der Präsentation vor der DVFA am Mittwoch die Analysten zu überzeugen.

Auch der ebenfalls im SDAX gelisteten Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) trauen die Börsianer den Sprung in den MDAX zu. Gemessen an der Marktkapitalisierung rangierte die Aktie im Oktober nur einen Platz hinter den MDAX-Rängen. Nur an Handelsvolumen fehlt es - noch: Mit Platz 70 waren die Franken zu weit im Hintertreffen, um bei der jüngsten Index-Anpassung berücksichtigt zu werden.

Sollte nun aber der Handelsumsatz steigen, könnte es im Februar zum Aufstieg kommen. Das Unternehmen veröffentlicht am Mittwoch die Neun-Monats-Zahlen, tags darauf stellt man sich beim Eigenkapitalforum den Fragen der Analysten.

Die Gewinnschätzungen der Analysten fürs Gesamtjahr belaufen sich derzeit auf 1,20 Euro je Aktie. Da das Nürnberger Unternehmen zum Halbjahr aber bereits 59 Cent je Anteilschein erwirtschaftet hat, kursieren in Börsianerkreisen Flüsterschätzungen von über 1,30 Euro je Aktie. Demnach müssten im dritten Quartal deutlich über 30 Cent pro Aktie herausspringen.

Als MDAX-Titel würde GfK stärker ins Blickfeld der Analysten rücken. Doch auch so wird sich das Unternehmen nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen müssen - dem Eigenkapitalforum sei Dank. Da die Zahl der Anmeldungen alle Erwartungen übertraf, rechnet man bei der Deutschen Börse mit rund 1800 Teilnehmern . Das sind mehr als doppelt so viele wie in den vergangenen Jahren. Nebenwerte
 
-red- / -red-

 

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