Die Bilder des Tages.

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neuester Beitrag: 08.05.05 15:11
eröffnet am: 08.05.05 14:56 von: Major Tom Anzahl Beiträge: 2
neuester Beitrag: 08.05.05 15:11 von: Rheumax Leser gesamt: 350
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08.05.05 14:56
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4428 Postings, 6698 Tage Major TomDie Bilder des Tages.



Zitat: "Und dennoch, die Stunde ist groß - nicht nur für die Siegerwelt, auch für Deutschland -, die Stunde, wo der Drache zur Strecke gebracht ist, das wüste und krankhafte Ungeheuer, Nationalsozialismus genannt, verröchelt und Deutschland von dem Fluch wenigstens befreit ist, das Land Hitlers zu heißen."



Ich danke den Alliierten für die Befreiung von der Nazi-Diktatur, der Befreiung von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Danke!



Ciao!

PS Bilderserie: Die Opfer des Krieges

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Grüne Sternchen - mir doch egal.
Aber: Qui suo iure utitur, nemini facit iniuriam!
ariva.de
In jedem Manne steckt ein Kind, und das will spielen. (Nietzsche)
"Guatln"
 

08.05.05 15:11

8584 Postings, 7329 Tage RheumaxBefreiung

Laura von Wimmersperg
 
Wieder im Krieg
 
Der 8. Mai wurde in der Bundesrepublik offiziell nie als Befreiung vom Faschismus gefeiert. Das soll auch 2005 nicht so sein, aber es gibt Alternativen
 
Zum 35. Jahrestag des 8. Mai veröffentlichten einige Lehrerkollegen und ich in Westberlin ein schmales Heftchen, mit dem wir an der Legende, daß die Wehrmacht mit den Naziverbrechen nichts zu tun gehabt habe, kratzen wollten. In der Gesellschaft spielte der 8. Mai 1980 keine Rolle. Es blieb ein Datum der Linken.

Das war zum 40. Jahrestag anders. Seit Anfang 1980 entwickelte sich in der BRD eine starke Friedensbewegung. Neben dem Hauptthema »Keine Stationierung der Atomwaffen« gehörte zur Arbeit der meisten Friedensgruppen auch die Aufklärung über die Ursachen des Zweiten Weltkrieges. Die Friedensbewegung trug diese Auseinandersetzung in die Gesellschaft. War bis dahin nur von »Kriegsende« und »Kapitulation« die Rede, sprach die Friedensbewegung offensiv fordernd von »der Befreiung vom Faschismus«. Wir können ohne Übertreibung und mit Stolz sagen, es war das Ergebnis dieser beharrlichen Arbeit, daß zum ersten Mal in der Geschichte der BRD ein Bundespräsident, es war 1985 Richard von Weizsäcker, in seiner offiziellen und auch im Ausland viel beachteten Rede zum 8. Mai dieses Datum die »Befreiung vom Faschismus« nannte. In Westberlin gab es eine von der Friedensbewegung organisierte Demonstration, an der etwa 100000 Menschen teilnahmen. Der Begriff »Befreiung vom Faschismus« wurde in den folgenden Jahren nicht mehr als Indiz für besonders »linken« Sprachgebrauch angesehen, sondern auch von offiziellen Institutionen verwendet.


Verhöhnung der Geschichte

Auf wie dünnem Eis wir uns mit diesen Erfolgen befanden, zeigte der 50. Jahrestag. Hatten wir bis dahin die Losungen »Nie wieder Krieg ? nie wieder Faschismus« und »Nie wieder darf von deutschem Boden ein Krieg ausgehen« für realistische Forderungen gehalten, dämmerte nun vielen, daß Krieg wieder ein Mittel der Politik werden könnte. »Nie wieder Krieg ? nie wieder Faschismus«, diese Sorge brachte auch 1995 wieder viele Tausende Menschen auf die Straße. Schon damals war es den Regierungsvertretern nicht recht, daß die Friedensbewegung in Berlin ein Fest anläßlich der Befreiung feiern wollte, noch dazu vor der Neuen Wache unter den Linden. Die war gerade ? unter viel Protest ? zu einem Mahnmal für alle Toten des Krieges, sprich für Opfer wie für Täter, umfunktioniert worden. Die Polizei war gehalten, die Veranstaltung als des Ortes nicht würdig zu untersagen. Vor dem Bundesverwaltungsgericht wurde ein Kompromiß ausgehandelt: Der politische Teil mit den Rednern durfte vor der Neuen Wache stattfinden, der festliche Teil der Veranstaltung fand auf dem Schloßplatz statt.

Heute ? zehn Jahre später ?, zum 60. Jahrestag wissen wir, daß unsere Befürchtungen berechtigt waren. Deutschland führt wieder Krieg. Die Neonazis werden am 8. Mai in der Stadtmitte aufmarschieren unter Losungen, die die Geschichte verhöhnen. Zur Begründung von beidem muß die Demokratie herhalten.


Kein Erfolg

Neu an diesem 60. Jahrestag ist, daß hier in Berlin die Regierung die Organisierung der Veranstaltungen zum 8. Mai selbst in die Hand nimmt. Hatten wir das nicht immer gewollt? Haben wir einen Erfolg zu verbuchen? Wohl kaum.

Die Veranstaltung der Regierung am 8. Mai wird nach offiziellen Aussagen nicht als Fest, sondern als Gedenkveranstaltung und für alle Opfer des Krieges begangen, am 7. Mai wird ein »Fest der Demokratie« veranstaltet. Die Regierung, die sich bis vor wenigen Wochen mit dem Begriff »Tag der Befreiung« wieder mal schwertat und statt dessen mit »Kriegsende« herumeierte, hat einen bemerkenswerten Aufruf verfaßt. Bemerkenswert insofern, als jeder das aus ihm herauslesen kann, was er herauslesen möchte. In ihm heißt es nun doch an einer Stelle »Befreiung vom Faschismus«, allerdings nur als Weizsäcker-Zitat, aber gleichzeitig auch »Befreiung der DDR von der Diktatur« (was das da wohl zu suchen hat?); und wenn in ihm von Opfern die Rede ist, kann sich jede Seite angesprochen fühlen und sich ihre Opfer aussuchen. Von den Befreiern und dem Dank an sie ist nicht die Rede. Der Neonaziaufzug liefert den geeigneten Vorwand, um auf den eigentlichen Anlaß, die Befreiung von Krieg und Faschismus, nicht so genau eingehen zu müssen, sondern statt dessen die Demokratie zu feiern. Gab es noch vor wenigen Wochen die Idee, die weiße Rose, als Symbol des Widerstandes gegen Nazideutschland zum Aufruf für diese Veranstaltung zu wählen, wurde letztendlich daraus selbstgefällig und sinnfällig ein schwarz-rot-goldener Klecks mit dem Brandenburger Tor in der Mitte. Nicht soviel erinnern, wir leben im Heute.

Ein Fest der Befreiung von Krieg und Faschismus gibt es trotzdem, es wird. organisiert vom »Berliner Bündnis 8. Mai 2005« und findet am Sowjetischen Ehrenmal auf der Straße des 17. Juni statt. Diese Befreiungsfeier wird die Opfer des deutschen Faschismus ehren, die Täter weiterhin als solche benennen und aufzeigen, was in unserer heutigen Gesellschaft schon wieder alles in alter militaristischer und neonazistischer Weise wirken kann. Obwohl bereits im Herbst 2004 von dem »Bündnis 8. Mai« angemeldet, war es nicht leicht, den Anspruch auf den Platz am Sowjetischen Ehrenmal für eine selbständige Veranstaltung zu erkämpfen. Nun, da wir ihn haben, tun die einen unsere Veranstaltung als politisches Sektierertum ab, andere, aus Senatskreisen, die die »Demokratie-Meile« organisieren, signalisieren hinter vorgehaltener Hand Sympathie. Aber das soll hier ausdrücklich gesagt werden: Trotz räumlich-zeitlicher Nähe, das Fest der Befreiung versteht sich nicht als Feigenblatt für die, die an diesem Tag die Neonazis in der Mitte der Hauptstadt marschieren lassen und diesen Mißbrauch der Demokratie mit einem lautstarken Fest der Demokratie kaschieren. Einzig das Verbot dieser Obszönität wäre geeignet, ein Fest der Demokratie zu feiern.

* Die Autorin ist Moderatorin der Berliner Friedenskoordination
 
 

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