Deutsche Börse ohne deutsche Aktionäre

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Deutsche Börse ohne deutsche Aktionäre

28. April 2005 Der Deutschen Börse gehen die deutschen Anleger verloren. Seit Jahresbeginn ist die Zahl der inländischen Aktionäre von 35 auf aktuell 7 Prozent geschrumpft. Dagegen haben britische Investoren ihre Anteile deutlich aufgestockt und halten nunmehr 48 Prozent des Aktienkapitals.

Diese Zahlen hat die von der Deutschen Börse beauftragte amerikanische Investor-Relations-Beratung DF King nach Branchenangaben in der vergangenen Woche den Aufsichtsratsmitgliedern präsentiert. Damit verdichten sich die Anzeichen, daß es für den unter dem Druck angelsächsischer Aktionäre stehenden Aufsichtsratschef Rolf-E. Breuer auf der Hauptversammlung am 25. Mai eng wird.

Strategie wird zum Bumerang

Die Anteilseigner um den britischen Hedge Fonds TCI haben Breuers Abwahl beantragt. Außerdem fordern sie die Auswechslung weiterer Aufsichtsratsmitglieder, weil das Gremium nicht mehr die aktuelle Aktionärsstruktur repräsentiere. Der Vorstandschef der Deutschen Börse, Werner Seifert, hatte es sich immer zum Ziel gesetzt, die Aktionärsstruktur seines Unternehmens zu internationalisieren. Wäre die geplatzte Übernahme der London Stock Exchange gelungen, hätte er sogar am liebsten den Namen Deutsche Börse abgelegt.

Nun scheint sich diese Strategie als Bumerang zu erweisen. Nach Ansicht von Beobachtern fällt es Seifert angesichts der neuen Zahlen zur Eigentümerschaft schwer, seine Argumentation aufrechtzuerhalten. Er wollte den Kritikern zugestehen, erst bei der turnusmäßigen Neuwahl des Aufsichtsrats im Jahr 2006 neue Mitglieder in das 21 Personen umfassende Gremium aufzunehmen. Die heutige Kapitalseite des Aufsichtsrats vertreten im wesentlichen ehemalige Aktionäre.

Mehr als 70 Prozent des Kapitals

Auch dürften Seifert und Breuer Schwierigkeiten haben, Verbündete für die Hauptversammlung zu mobilisieren. Denn vor allem die deutschen Aktionäre galten dem Börsenchef als wohlgesinnt. Angesichts des seit Jahresbeginn um ein Drittel auf knapp 59 Euro gestiegenen Aktienkurses haben aber die meisten hiesigen Anleger ihre Beteiligungen abgegeben. So hat die Union Investment, die vor den Querelen um die auf Eis gelegte Übernahme des Londoner Wettbewerbers als größter deutscher Aktionär galt, Marktgerüchten zufolge ihre Anteile seit Januar von 4 auf 1 Prozent heruntergefahren.

Nach Schätzungen weiß TCI-Chef Christopher Hohn rund 35 Prozent der Aktionäre hinter sich. Damit müßte Breuer für die Hauptversammlung mehr als 70 Prozent des Kapitals zusammenbekommen, um sich einer Mehrheit sicher zu sein. Im Jahr 2004 waren allerdings nur weniger als 32 Prozent des Aktienkapitals auf der Hauptversammlung zugegen, im Jahr davor waren es knapp 45 Prozent.

Überraschender Rücktritt

Nach der vorwiegend über die Medien geführten Fehde der vergangenen Wochen ist der Gesprächsfaden zwischen der Börse und Hohn zunächst abgerissen. Breuer und Seifert wollten sich erst mit den Quartalszahlen munitionieren, bevor sie wieder mit Hohn sprechen, heißt es in Finanzkreisen. Mit den am kommenden Montag zur Veröffentlichung anstehenden Zahlen des ersten Quartals im Gepäck sollen die Aktionäre überzeugt werden.

Ebenfalls in der kommenden Woche will die Börse weitere Maßnahmen ankündigen, um die Aktionäre noch mehr an den hohen Barmitteln teilhaben zu lassen. Um einen Kompromiß mit den kritischen Aktionären auszuloten, hat die Börse in der vergangenen Woche einen dreiköpfigen Ausschuß des Aufsichtsrats unter Führung von Breuer gebildet. Allerdings besteht dieses Gremium mittlerweile nur noch aus zwei Mitgliedern, weil Aufsichtsrat Lord Peter Levene am Montag überraschend seinen Rücktritt angekündigt hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Text: da. / F.A.Z., 29.04.2005, Nr. 99 / Seite 23
Bildmaterial: F.A.Z.

 

 

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